Biermösl Blosn
Die Biermösl Blosn und Gerhard Polt 2010 im Münchner Volkstheater

Die Biermösl Blosn ist eine bayerische Musik- und Kabarettgruppe, die 1976 von den Brüdern Hans, Christoph und Michael Well gegründet wurde. Biermösl ist abgeleitet von Beerenmoos, ein Teil des Haspelmoors im Landkreis Fürstenfeldbruck. Blosn (Blase) ist ein bairischer Begriff für Clique, Gruppe.[1]

Die Gruppe verbindet bayerische Volksmusik (Stubnmusi) und Mundart mit politischen und satirischen Texten und kann daher zum Bereich der sogenannten Neuen Volksmusik gerechnet werden. Im August 2011 gab die Gruppe die Trennung zum Jahresende bekannt.[2]

Inhaltsverzeichnis

Bandgeschichte

Die Biermösl Blosn sieht als ihr großes Vorbild den Kraudn Sepp (1896–1977) aus dem Isarwinkel. Sie arbeitet häufig mit Gerhard Polt zusammen und trat gelegentlich in der ARD-Sendung Scheibenwischer auf. Weitere Musikprojekte aus dem Kreis der Well-Familie sind z. B. die Wellküren oder die Well-Buam, die sich die Wiederbelebung der authentischen bayerischen Volks(tanz)musik zur Aufgabe gemacht haben.

Die Mitglieder der Biermösl Blosn entstammen der 17-köpfigen Familie des Schulmeisters Hermann Well aus dem Dorf Günzlhofen bei Fürstenfeldbruck. Sie begannen 1976 mit Volksmusikauftritten, wie sie sie schon zuvor unter Anleitung ihres Vaters absolviert hatten.

  • Christoph Well (genannt Stopherl, * 3. Dezember 1959 in Günzlhofen) studierte Trompete und war Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern und später Konzertharfenist.
  • Michael Well (* 10. Oktober 1958 in Günzlhofen) hat eine Ausbildung zum Solotubisten und Baritonisten, ebenfalls bei den Münchner Philharmonikern.
  • Hans Well (* 1. Mai 1953 in Willprechtszell), der Germanistik und Geschichte studierte, ist hauptsächlich für die Texte der Gruppe verantwortlich.

Die Musik der Biermösl Blosn zeichnet sich u. a. durch die zum Teil ironische Integration anderer Musikstile wie etwa der keltischen Folklore, ungewöhnliche Instrumentierungen wie Dudelsack, Alphorn, Harfe oder Didgeridoo, aber vor allem durch bissige satirisch-politische bzw. gesellschaftskritische Texte aus (beispielsweise bedachten sie Kardinal Josef Ratzinger mit dem Spitznamen Alpen-Ayatollah), die häufig auf traditionellen bayerischen Reim- und Gesangsstilen (Gstanzl) und im Dialekt vorgetragen werden.

Sie erlangten bundesweite Bekanntheit, als sie 1981 – „versehentlich“ zum traditionellen Starkbieranstich auf dem Nockherberg eingeladen – die Regierungspartei CSU vor den versammelten Ministern und Landtagsabgeordneten scharf kritisierten und so einen politischen Eklat verursachten. 1981 erhielt die Gruppe in Mainz den Förderpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis. In Bayern wurden ihr 1985 und 1996 trotz eindeutiger Nominierungen durch die jeweilige Jury entsprechende Auszeichnungen verweigert.

1990 wirkten sie zusammen mit Gerhard Polt an dem Erfolgsalbum der Auf dem Kreuzzug ins Glück der Band Die Toten Hosen mit. 1997 folgte der Sonderpreis Reif & Bekloppt des Prix Pantheon, 1999 der Bayerische Kabarettpreis in der Kategorie Musik-Kabarett.

Der 1999 bayernweit ausgetragene Streit um die Errichtung einer Filiale des McDonald’s-Konzerns an der Autobahnraststätte auf dem landschaftlich reizvollen oberbayerischen Irschenberg inspirierte die Gruppe zum Lied vom Irschenberg. Im Jahr 2001 verursachte ein Lied der Gruppe einen weiteren Skandal. Das „BayWa-Lied“, eine satirische Verballhornung der Bayernhymne und der Firma BayWa (Text: „Gott mit Dir, du Land der BayWa …“), wurde von einem Schulbuchverlag in ein Liederbuch für Hauptschüler der achten Klassen gesetzt. Die bereits gedruckten Bücher wurden auf Anweisung des Kultusministeriums sogleich wieder eingestampft.

Auch der Bayerische Rundfunk beantwortete das politische Engagement der Musiker (etwa gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf) mit einem zeitweiligen Sendeboykott. In der Zwischenzeit hat sich jedoch das politische Klima im Bayerischen Rundfunk etwas gewandelt, und so widmete der Sender 2004 der Gruppe eine eigene 45-minütige TV-Sendung innerhalb der Reihe Alpenrock.

Im Jahr 2005 wurde der Gruppe beim Tanz- und Folkfest TFF.Rudolstadt der Weltmusik-Preis Ruth verliehen. Zum Abschluss des Jahres 2005 tourten sie mit den Toten Hosen und mit Gerhard Polt durch verschiedene Theater und Opernhäuser und spielten unter der Regie von Hanns Christian Müller das Programm Abvent. 2007 erhielten sie gemeinsam mit Gerhard Polt in München den Großen Karl-Valentin-Preis und 2008 wurden sie mit dem Göttinger Elch ausgezeichnet.

Am 20. Januar 2012 soll der letzte Auftritt stattfinden und die Gruppe sich danach auflösen.[3] Hans Well nannte als Grund für die Trennung Meinungsverschiedenheiten über die künftige Ausrichtung. Zudem gäbe es Schwierigkeiten, mit Liedern auf die veränderten politischen Rahmenbedingungen zu reagieren, wie etwa den Atomausstieg und dass die CSU nicht mehr „das, was sie einmal war“ sei. Er denke mit dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt über gemeinsame Auftritte nach.[4] Christoph und Michael Well wollen im Februar 2012 in den Münchner Kammerspielen mit einem Hausmusikabend unter Franz Wittenbrinks Regie neu starten, zusammen mit ihren Schwestern, der Gruppe Wellküren.

Rezeption

Die Journalistin Annette Ramelsberger bezeichnete 2011 in der Süddeutschen Zeitung das Werk der Biermösl Blosn als „Stachel im Fleisch der Obrigkeit, die anarchische Seele des Volkes“ sowie die musikalische „Enteignung des Begriffs Heimat durch die CSU Schritt für Schritt, Lied für Lied“. Sie habe „das Zerrbild des Jodel-Bayern ersetzt durch messerscharfen Witz und intelligente Boshaftigkeit“, was ein großer Verdienst dieser Gruppe sei. Da die alten Feindbilder nunmehr „zerbröselt“ seien, wäre es nun „folgerichtig, dass sich die Biermösl Blosn trennt“, da sie „gewonnen“ hätte. Sie habe „gegen Wackersdorf gespielt, gegen die Unverantwortlichen bei der Bayerischen Landesbank und gegen die Verantwortlichen in der Regierung“ und war „jahrelang wirksamste Opposition“. Sie habe „mitgeholfen, das Land zu verändern.“ Nun sei sie nicht mehr in Bayern „kratziger Außenseiter, sondern gehätscheltes Kulturgut“ und würde von „allen geliebt“ sowie „kein Aufreger mehr.“ Man könne daher auch sagen „Mission erfüllt.“[5]

Werk

Diskografie

  • 1980: Ex voto
  • 1982: Grüß Gott, mein Bayernland – CD
  • 1985: Tschüß Bayernland – CD
  • 1987: Freibank Bayern (mit Gerhard Polt) – CD (neu: 2007)
  • 1991: Jodelhorrormonstershow – CD
  • 1993: Sepp, Depp, Hennadreck (Kinderlieder mit den Kindern von Christoph und Michael und zwei anderen Kindern)
  • 1994: Wo samma (mit den Toten Hosen) – CD
  • 1996: Klampfn Toni (mit Attwenger, Fredl Fesl, Georg Ringsgwandl, Hans Söllner und anderen)
  • 1998: Wellcome to Bavaria – CD
  • 1998: Grüaß di Gott Christkindl (Krippenspiel von Hermann Well, bearbeitet von Hans mit allen acht Kindern der Biermösl Blosn und drei weiteren Kindern der Familie Well)
  • 2001: Erfolg (Hörbuch mit Jörg Hube nach dem gleichnamigen Roman von Lion Feuchtwanger)
  • 2001: Zing Zang Zing – Sepp, Depp, Hennadreck II (Kinderlieder mit allen acht Kindern der Biermösl Blosn)
  • 2002: Räuber & Gendarm – CD
  • 2002: Der unbekannte Valentin (mit Gerhard Polt und Gisela Schneeberger)
  • 2003: Unterbayern (live) – CD
  • 2006: Auftanz (bairische und internationale Volkstänze, von Michael und Stopherl mit Kindern und Gästen)
  • 2006: Bayern Open – DVD (mit Gerhard Polt)
  • 2006: Tschurangrati – DVD (mit Gerhard Polt)
  • 2006: Obatzt is/Crème Bavaroise – DVD (mit Gerhard Polt)
  • 2007: Stoibers Vermächtnis (mit Gert Heidenreich, Gerhard Polt und Jörg Hube)
  • 2007: Rundumadum (Internationale Kinderlieder mit Hans, seinen drei Kindern und Gästen)
  • 2008: Offener Vollzug – DVD (mit Gerhard Polt)
  • 2009: Jubiläum – Doppel-CD (mit Gerhard Polt zum 30-jährigen Bühnenjubiläum)
  • 2010: Fröhliche Frohheit - CD und DVD (mit Stopherl und Christoph Well plus Gerhard Polt, Gertraud Well und Kindern/Enkel)

Liederbücher

Bühnenproduktionen

Filme

  • 1986: WAAhnsinn – Der Wackersdorf-Film

Auszeichnungen

Die Biermösl Blosn 2010 bei der Weitergabe des Großen Karl-Valentin-Preises an Fredl Fesl

Literatur

  • Hans Well: Weder Kitsch noch Museum. Eine persönliche Standortbestimmung in Sachen Volksmusik, in: aviso. Zeitschrift für Wissenschaft und Kunst in Bayern, Heft 3/97 (erneut abgedruckt in: Augsburger Volkskundliche Nachrichten, 3. Jg., 1997, H. 2, Nr. 6, ISSN 0948-4299, S. 7–14; Volltext)

Weblinks

 Commons: Biermösl Blosn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Kratzers Wortschatz: Blosn, Hans Kratzner in der Kolumne Kratzners Wortschatz auf Süddeutsche.de, abgerufen am 1. September 2011
  2. Biermösl Blosn trennt sich. Aus für bayerisches Kult-Trio. sueddeutsche.de, 25. August 2011, abgerufen am 26. August 2011: „Sie sind die Heiligen der Opposition, der Stachel im Fleisch der CSU - und der Stolz all derer, die bayerisch sind, ohne zu volkstümeln: Nun trennt sich die "Biermösl Blosn".“
  3. Simone Dattenberger: Biermösl Blosn trennt sich nach 35 Jahren. merkur-online.de, 25. August 2011, abgerufen am 26. August 2011.
  4. Bruderzwist: Biermösl Blosn stehen vor dem Aus, Tagesspiegel vom 26. August 2011
  5. Bayern zurückerobert, Lied für Lied Süddeutsche.de vom 26. August 2011

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