Abri
Buntsandsteinabri (hier der Abri IX am Bettenroder Berg bei Reinhausen)

Ein Abri (franz.: Unterstand, Schutz, Obdach) ist ein durch Erosion entstandener, zumeist in Tälern von Buntsandstein- oder Jurakalkgebieten gelegener Felsüberhang. Das alte deutsche Wort für Felsüberhang lautet Balm.

Solche Unterschlüpfe werden auch „Halbhöhle“ (engl.: Rock shelter), „Felsdach“, „Felsnische“ oder „Felsvorsprung“ genannt. Sie boten Menschen und Tieren Schutz vor Nässe, Kälte und Wind, weshalb Abris zum einen für die Archäologie bezüglich steinzeitlicher Siedlungsspuren von hoher Relevanz sind, zum anderen für die Zoologie zum Nachweis von Nahrungsresten oder Winterruheplätzen bestimmter Tiere.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Abris entstehen etwa aus der Verwitterung von hartem mittlerem Buntsandstein. An freistehendem Fels führt die hygroskopische Struktur des Materials zu Wabenverwitterung sowie einer permanenten Absandung. Besonders in den glazialen Phasen treten Frostverwitterung, und je nach Lage auch Korrasionseffekte (Windabtragungen) auf. So entstehen aber nicht nur Felsdächer, sondern auch Hohlkehlen und in selteneren Fällen auch Pilzfelsen.

Buntsandstein

Im Buntsandsteingebiet des südlichen Leineberglandes zwischen den Orten Nörten-Hardenberg und Heiligenstadt, Göttingen befindet sich die größte Gruppe von Abris in Mitteleuropa. Sie finden sich in den schluchtartigen Felstälern zwischen der Leine und dem Eichsfeld oft auf engstem Raum. In einem Gebiet von rund 30 km Länge und 6 bis 10 km Breite sind heute rund 1600 Abris erfasst.

Kalkstein

In Felswänden von Tälern der Kalkgebirge entstanden Felsvorsprünge durch die stärkere Erosion schwacher Gesteinsschichten oder durch Auskolkungen während der Talbildung.

Archäologie

Zwischen 1978 und 1998 hatte ein interdisziplinäres Erfassungs- und Untersuchungsprojekt der Göttinger Kreisarchäologie mit einer Reihe von Probegrabungen in Niedersachsen zur Auffindung von über 100 in vorgeschichtlicher Zeit bewohnter Abris geführt. Gute archäologische und geostratigrafische Befunde in den bis über zwei Meter mächtigen Sedimentlagen unter den Felsdächern ergaben sich dabei für die älteren Perioden des Jung- und Spätpaläolithikums und für das Mesolithikum. Funde aus Stein, Knochen und Geweih, gut erhaltene Feuerstellen, Gruben und Steinpflasterungen und verkohlte botanische Reste ermöglichten sehr differenzierte Momentaufnahmen zu den Lagerplätzen früher Jäger und Sammler. In aufeinander folgenden Kulturschichten gefundene Geräte (z.B. die Abri-Audi-Spitzen) bilden die Grundlagen altsteinzeitlicher Chronologien.

Die meisten Spuren unter aufgesuchten Felsschutzdächern stammen aus der letzten Eiszeit (Weichsel-Kaltzeit). Sie dienten Jägern vielleicht als Basislager. Von einer regelrechten Sammeltätigkeit kann angesichts der Fauna kaum oder nur saisonal ausgegangen werden. Ein solcher Platz wurde eher saisonal aufgesucht, bis die größeren Herdentiere weiter zogen.

Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die offene Seite von Abris möglicherweise mit zeltartigen Konstruktionen aus organischem Material verschlossen wurde. Feuer- und Herdstellen deuten offenbar darauf, dass auch Nahrung zubereitet wurde.

Bekannte Abris im deutschsprachigen Raum:

  • Allerberg (Lkrs. Göttingen),
  • Bürgertal
  • Stendel
Künstlich verschlossenes Abri in Frankreich. Das Mauerwerk ist vermutlich eher neuzeitlich.

Frankreich:

In geschichtlicher Zeit wurden in Frankreich und in der Schweiz Häuser unter großen Abris errichtet. Auch die Cliff Dwellings genannten Bauten der Indianer in Gila New Mexiko stehen unter weiten Abris.

Literatur

  • Claus-Joachim Kind: Das Felsställe. Eine jungpaläolithisch-frühmesolithische Abri-Station bei Ehingen-Mühlen, Alb-Donau-Kreis. Die Grabungen 1975 - 1980. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0777-1; (Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 23, ISSN 0724-4347).
  • Klaus Grote: Die Abris im südlichen Leinebergland bei Göttingen. Archäologische Befunde zum Leben unter Felsschutzdächern in urgeschichtlicher Zeit. 3 Bände. Isensee, Oldenburg 1994, (Veröffentlichungen der urgeschichtlichen Sammlungen des Landesmuseums zu Hannover 43, ISSN 0931-6280).
Wiktionary Wiktionary: Abri – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • abri — abri …   Dictionnaire des rimes

  • abri — [ abri ] n. m. • fin XIIe; de l a. fr. abrier « mettre à couvert », lat. apricari « se chauffer au soleil » 1 ♦ Lieu où l on est à couvert des intempéries et du danger. ⇒ asile, refuge. Chercher un abri sous un arbre. Un abri contre la pluie. Un… …   Encyclopédie Universelle

  • abri — ABRI. s. m. Lieu où l on se peut mettre à couvert de toutes les incommoditez du temps & des saisons. Un bon abri. estre à l abri. se mettre à l abri de la pluye, du vent, du mauvais temps, de la tempeste. chercher un abri, de l abri. il y a un… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • abri — Abri, m. acut. Apricum, Aprici, Est un lieu couvert et remparé contre le vent et la pluye, Locus a vento ac pluuia tutus. On dit, estre à l abri du vent, quand on est en un lieu remparé du vent, si que le vent ne le chocque point. Et par… …   Thresor de la langue françoyse

  • Abri — Abri* der; s, s <aus fr. abri »Obdach, Schutz«> altsteinzeitliche Wohnstätte unter Felsvorsprüngen od. in Felsnischen …   Das große Fremdwörterbuch

  • abri — index cache (hiding place) Burton s Legal Thesaurus. William C. Burton. 2006 …   Law dictionary

  • ABRI — gens Talantiorum ad Adriam, vicina Chelidoniis. Steph. ex Hecataeo …   Hofmann J. Lexicon universale

  • abri — (a bri) s. m. 1°   Ce qui protége contre.... Abri contre la pluie. Sous un abri sûr. Le mauvais temps les força de chercher un abri. La côte offrait un abri au vaisseau. Cette rade est un abri. La montagne sert d abri contre le vent du nord.… …   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile Littré

  • ABRI — s. m. Lieu où l on peut se mettre à couvert du vent, de la pluie, de l ardeur du soleil, et des diverses incommodités du temps. Un bon abri. Chercher, trouver un abri, de l abri. Se faire un abri. Un abri contre la tempête. C est un lieu… …   Dictionnaire de l'Academie Francaise, 7eme edition (1835)

  • ABRI — n. m. Lieu où l’on peut se mettre à couvert. Un bon abri. Chercher, trouver un abri, de l’abri. Se faire un abri. Un abri contre la tempête. C’est un lieu extrêmement découvert, où il n’y a point d’abri. Cette rade, cette plage est un bon abri,… …   Dictionnaire de l'Academie Francaise, 8eme edition (1935)

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”