Ahlten
Ahlten
Stadt Lehrte
Wappen von Ahlten
Koordinaten: 52° 22′ N, 9° 55′ O52.3663888888899.914444444444557Koordinaten: 52° 21′ 59″ N, 9° 54′ 52″ O
Höhe: 57–67 m ü. NN
Fläche: 19,7 km²
Einwohner: 5.410 (31. Dez. 2009)
Eingemeindung: 31. März 1974
Postleitzahl: 31275
Vorwahl: 05132
Karte

Die Lage von Ahlten im Stadtgebiet von Lehrte

Ahlten ist ein rund fünf Kilometer westlich der Kernstadt gelegener Ortsteil von Lehrte, zehn Kilometer östlich der Landeshauptstadt Hannover in Niedersachsen (Deutschland). Ahlten hat 5410 Einwohner.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Ahlten ist Teil der Stadt Lehrte in der Region Hannover im Bundesland Niedersachsen und hat als Nachbarorte:

Ahlten liegt zentral im Schnittpunkt der Autobahnen A 2 und A 7, das bedeutende Autobahnkreuz Hannover Ost liegt überwiegend auf Ahltener Gebiet. Das Altwarmbüchener Moor liegt nord-westlich in Teilen ebenfalls auf Ahltener Gebiet.

Bis 1974 gehörte Ahlten zum Landkreis Burgdorf. Ahlten liegt im historischen Siedlungsraum des Großen Freien.

Politik

Der Ortsrat besteht aus neun Mitgliedern:

5 CDU, 3 SPD, 1 GRÜNE.[2]

Ortsbürgermeister ist Jürgen Kelich (CDU).

Wirtschaft

Eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen bildet die solide Basis der Wirtschaft. Die zentrale Lage und insbesondere die Nähe zum Messegelände Hannover begünstigt das Hotel- und Gaststättengewerbe.

Energieversorgungsstandort

Ahlten ist eine wichtige Zentrale der norddeutschen Energieversorgung:

Nach der Aufspaltung von E.ON Netz in einen Bereich Höchstspannung, der an die niederländische Tennet verkauft wurde, und das bei E.ON Netz verbliebene 110-kV sind in Ahlten nun zwei bedeutende Firmen der Stromversorgung angesiedelt.

  • Die TenneT betreibt das Höchstspannungsnetz (220-kV und 380-kV-Stromkreise), sowie alle Offshore-Netzanbindungen in der Nordsee. Tennet unterhält hier eine von zwei Schaltleitungen in Deutschland und ein Betriebszentrum. Angegliedert ist ein Umspannwerk. Ebenfalls ist hier der Bereich Tennet Offshore angesiedelt, der sich um die Realisierung der Offshore-Netzanbindung kümmert.
  • E.ON Netz unterhält eine von zwei Schaltleitungen seines Netzes. Hier wird das 110-kV Netz überwacht und gesteuert.

Im Jahre 1944 erfolgte von diesem Umspannwerk der Aufbau einer Versuchsanlage zur Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung nach Misburg.[3]

  • Die DB Energie unterhält in der Gemarkung Ahlten einen Standort, der seit 2006 mit modernster Technik ausgestattet ist. Von hier wird der für den Bahnbetrieb erforderliche 16,7 Hz Bahnstrom für das circa 6000 km lange Oberleitungsnetz im nordwestdeutschen Raum überwacht und gesteuert. Drei Schaltdienstleiter betätigen ungefähr 7500 ferngesteuerte Schalter. Sie sind zuständig für 29 Unterwerke (Transformation von 110.000 Volt auf 15.000 Volt Bahnstrom) sowie 26 Schaltposten und Kuppelstellen und 338 Bahnhöfe sowie Betriebsstellen.

Verkehr

Schiene: Ahlten verfügte früher über einen Haltepunkt im Ort an der Bahnstrecke Hannover–Braunschweig. Inzwischen ist er in eine S-Bahn-Station der Linien S3 und S7 umgewandelt worden. Hannover, Lehrte, Celle und Hildesheim sind von diesem Haltepunkt aus direkt zu erreichen. Im Osten liegt der Güterbahnhof Lehrte im Wesentlichen auf Ahltener Gebiet. Eine Verladeanlage im Zusammenhang mit dem ebenfalls im Osten liegenden Güterverkehrszentrum ist gegenwärtig in Planung.

Straße: Ahlten liegt verkehrsgünstig nahe der Bundesautobahn 2 und Bundesautobahn 7. Im Süden verläuft die Bundesstraße 65.

Geschichte

Alte Schule Ahlten

Um 800 wurde das Gebiet um Ahlten besiedelt, 865 ging es als Lehen an die Grafen von Rohden. Eine erste urkundliche Erwähnung des Adelsgeschlechts Alten mit Stammhaus Ahlten und Besitz in Förste bei Hildesheim erfolgte 1182, die des Ortes 1226. Um 1300 wurde die Kapelle Ahlten erstmals auf einer Karte dargestellt. Daher wird ihre Entstehung in diesem Zeitraum vermutet. 1349 wechselten Ahlten und Höver, die bisher zur Kirche in Kirchrode gehörten, zum Kirchspiel Ilten.

Ab 1527 hielt die Reformation in Ahlten Einzug. 1635 wurde, nachdem 1588 die Errichtung von Schulen durch die Generalinvestitur angeordnet wurde, ein erster Lehrer in Ahlten eingesetzt.

1641 und 1642 verließen die Ahltener in der Folge des Dreißigjährigen Krieges aus Angst vor Plünderungen ihr Dorf nicht unnötig. So fanden Bestattungen in dieser Zeit an der Kapelle Ahlten und nicht wie sonst üblich auf dem Friedhof Ilten statt. Da bis Kriegsende keine Gottesdienste mehr im Ort abgehalten wurden, war der Verfall der Kapelle unübersehbar. Bei Kriegsende erinnerte den Iltener Pastor der Anblick der Kapelle an einen Viehstall.

Schlemmsches Gut
Gedenkstein zur 27 Jahre andauernden Flurbereinigung

1648 veranlasste der Iltener Pastor den Bau einer neuen Schule gleich hinter der Kapelle. 1732 erhielt Ahlten eine Brauerei. Der Schießsport wurde 1734 erstmals urkundlich erwähnt. 1750 erfolgte die Einführung der Brandversicherungspflicht im Königreich Hannover. Dies war für Ahlten besonders erforderlich, hatte es doch immer wieder verheerende Brände in der Ortschaft gegeben. 1781 erwarb Justus Ludwig Schlemm das Gut Ahlten. 1795 bezogen die Ahltener Schüler ein neues Schulhaus, da das alte in schlechtem baulichen Zustand war.

Von 1842 bis 1843 fanden die baulichen Arbeiten der Eisenbahnstrecke Hannover- Braunschweig auf Ahltener Gebiet statt. Von 1853 bis 1864 fand eine erste Flurbereinigung (Verkoppelung) statt, deren Kosten aus den Entschädigungen der Königlichen Eisenbahnverwaltung für den Bau der Strecke Hannover-Braunschweig bestritten wurden. 1884 wurde Ahlten im Zuge der preußischen Verwaltungsreform dem neu gegründeten Kreis Burgdorf zugeschlagen.

1889 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet, 1896 der „Turn- und Sportgemeinschaft von 1896 e.V.“ 1898 hielt die elektrische Stromversorgung Einzug im Ort, 1904 folgten die ersten Telefonanschlüsse. Das Umspannwerk der PreussenElektra ging 1929 in Betrieb, ab 1931 errichtete die PreussenElektra Wohngebäude für ihre Mitarbeiter. 1933 wurde eine Badeanstalt eingeweiht.

Von 1934 bis 1936 erfolgte der Bau der Reichsautobahn Hannover-Berlin durch den Ahltener Wald. Dabei entstand der Blaue See. 1941 bis 1945 erhielt Ahlten mehrere Treffer durch Brandbomben der Alliierten, was zu schweren Schäden führte. Durch den Zweiten Weltkrieg verloren mindestens 200 Ahltener, Soldaten wie Zivilisten ihr Leben, einschließlich der Verluste unter den aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Ahlten Vertriebenen.

1952 begann die Ausbeutung der Erdölvorkommen. 1995 wurde die Erdölförderung eingestellt, was immerhin Voraussetzung dafür war, dass 1999 der unterirdische Erdgasspeicher in Betrieb genommen werden konnte.

Ab 1960 wurde für den Bau der Autobahn Kassel-Hamburg der Blaue See als Rohstoffquelle für Sand und Kies erheblich erweitert. 1962 begann die Flurbereinigung und Anlage eines Friedhofs (bis dahin gab es in Ilten einen gemeinsamen Friedhof). 1966 siedelte sich das Rechenzentrum der Genossenschaftsbanken (GRZ) an. Das neue Rathaus Zum Großen Freien 42 wurde 1968 bezogen. Im Rahmen der Gebietsreform wurde der Gebietsänderungsvertrag mit den Orten der „neuen Stadt Lehrte“ 1973 abgeschlossen.[4]

1974 wurde auf äußeren Druck der Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur Stadt Lehrte vollzogen. Durch die Gebietsreform ging die Eigenständigkeit als Samtgemeinde verloren. Dieser Umstand wird bis heute von vielen Ahltenern bedauert. 1979 erhielt Ahlten östlich eine Umgehungsstraße, die L 385 von der B 65 nach Lehrte, 1986 wurde ein neues Feuerwehrhaus eingeweiht. Die Flurbereinigung wurde 1989 abgeschlossen. Im Rahmen von Erweiterungsarbeiten an den Bahngleisen wurde 2000 die Brücke über die Eisenbahnstrecke Hannover-Lehrte im Verlauf der Kreisstraße K 122 von Ahlten nach Kolshorn neu gebaut.

Ahlten war lange Zeit Sitz der Genossenschaftlichen Rechenzentrale der Volks- und Raiffeisenbanken in Norddeutschland (GRZ). Nach der Fusion mit der GAD (Gesellschaft für Automatische Datenverarbeitung) in Münster am 1. Juli 2001 erfolgte die Standortschließung zum 31. März 2005. 2005 feierte die evangelische Gemeinde die Einweihung eines neuen Gemeindezentrums.

2009 wird eine Erweiterung der Kläranlage vorgenommen, die auf Grund der durch die Neuausweisung von Baugrundstücken in den letzten zwölf Jahren um circa ein Fünftel gewachsenen Bevölkerung erforderlich geworden ist.

Wappen

Das Wappen der ehemaligen Gemeinde wird auch heute verwendet.[5] Für die Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Ahlten obliegt der Bürgermeisterin der Stadt Lehrte die Genehmigung zur Verwendung des Wappens. Dazu ist der Ortsrat zu hören.

Im oberen Teil ist, wie bei allen Ortschaften des Großen Freien, der „Freienlöwe“ abgebildet. Dieser wird wie folgt beschrieben: „Im roten Schilde ein aufrechter blaubezungter und blaubewehrter goldener (gelber) Löwe.“

Im unteren Teil sind sieben, in Silber schrägrechts an einander gereihte, mit je einem goldenen Nagelkopf belegte rote Rauten dargestellt. Diese sind dem Wappen derer von Alten entnommen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kirche

Ev. Kapelle der Martinsgemeinde (Lage)52.362549.909453
Kath. Kirche St. Theresia (Lage)52.368389.91231

Mit der Gründung des Bistums Hildesheim 815 hielt das Christentum in der Region Einzug. Mit dem Bau des romanischen Kirchturms in Ilten 1030 schaffen sich die Christen der Gegend ein erstes sakrales Bauwerk. In Ahlten ist die Kapelle seit ungefähr 1300 das kirchliche Zentrum. Sie wurde aus Fels- und Bruchsteinen im frühgotischem Stil errichtet. 1873 renovierten die Ahltener ihre Kapelle. Die Glocke der Kapelle aus dem Jahr 1653 fiel 1907 beim Läuten aus ihrer Befestigung und wurde beim Aufprall zerstört, eine neue Bronzeglocke wurde 1911 angeschafft. 1961 wurde ein Fresko aus der Zeit um 1300 freigelegt. Es zeigt den Weg zum Jüngsten Gericht.

Seit nach 1945 auch viele Katholiken vornehmlich aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Ahlten lebten, wurde die Kapelle von 1945 bis zur Einweihung einer eigenen Kirche 1972 auch von der katholischen Gemeinde für ihre Gottesdienste genutzt. Die Kapelle dient heute der evangelischen Martinsgemeinde Ahlten als Kirche und ist Bestandteil des 2005 durch Zukauf und Umbau des ehemaligen Edelerhofs entstandenen neuen Gemeindezentrums. 2008 wurde die vorhandene Orgel durch eine aus Hannover stammende, gebrauchte Hillebrand-Orgel von 1969 ersetzt.[6]

Sport

In Ahlten gibt es den Sportverein TSG Ahlten (Turn- und Sportgemeinschaft Ahlten).

Sportliches Schießen kann in den Disziplinen Bogen, Gewehr und Pistole (Armbrust für Kinder) in der Schützengesellschaft Ahlten von 1734 e.V. unter fachkundiger Anleitung ausgeübt werden.

Naturdenkmäler

Ahltener Wald (Lage)52.3957619.927018
Der Blaue See am Ahltener Wald

Nördlich zwischen Ahlten und Kolshorn liegt der Ahltener Wald auf Ahltener Gebiet. Teile davon gehören zum Landschaftsschutzgebiet Altwarmbüchener Moor – Ahltener Wald.[7] Nördlich der A2 und angrenzend an diese existiert das Naturschutzgebiet „In den sieben Bergteilen“. Hier haben Zauneidechsen in ehemaligen Sandabbaugruben ihren Lebensraum.[8]

Der Ahltener Wald ist einer der Überreste des großen mittelalterlichen Nordwalds. Die bewaldete Fläche hat eine Größe von circa 5,4 km². Der Wald ist zerschnitten von den Autobahnen A 2 und A 7.

Beim Bau der A 7 in den 1970er Jahren wurden die Überreste einer im Ahltener Wald befindlichen Burg, der Olde Burg, zerstört. Sinn und Zweck dieser Burg sind ebenso wie das Entstehungsdatum ungeklärt. Sie befand sich aber im unmittelbaren Umfeld anderer Archäologischer Funde, die auf das Jahr 500 v. Chr. datiert werden.[9]

Blauer See (Lage)52.3884319.947911

Beim Bau der A 2 in den 1930er Jahren ist noch im Waldgebiet ein Kiesteich ausgehoben worden, der „Blaue See“. Dieser weist heute eine Größe von etwa 9 Hektar auf. Er befindet sich überwiegend im Besitz eines Anglervereins, der ihn für seine Zwecke nutzt. Im Sommer erfrischen sich hier viele Erholungssuchenden beim Baden.[10] Unmittelbar neben dem blauen See befindet sich ein weiterer, etwa 1,5 Hektar großer See in Privatbesitz. Nach dem Eigentümer wird dieser See landläufig als „Müllersee“ bezeichnet.

Persönlichkeiten

  • Alfred Schlemm (1894–1986), deutscher Offizier während des Ersten und Zweiten Weltkriegs, lebte in der Nachkriegszeit bis zu seinem Tode auf dem Schlemmschen Gut in Ahlten.
  • Reinhard Mey (* 1942), deutscher Musiker, gehört zu den ehemaligen Bewohnern Ahltens.

Literatur

  • I. Prüße, A. Diedrich, H.D. Lucas: Lebendiges Ahlten. Verlag: HADIS edition Limited, Birmingham · Berlin 2006, 304 Seiten, ISBN 978-3-939593-04-1 (Beachte Hinweis in der Diskussion!)
  • Hans-Dieter Lucas: Soweit der Himmel ist. 50 Jahre Martinskirchengemeinde Ahlten in Geschichten, Bildern und Dokumenten. Hrsg.: Evangelisch-lutherische Martinskirchengemeinde Ahlten – Ahlten 2008, 108 Seiten

Quellen

  1. Stadt Lehrte: Lehrte – Zahlen, Daten, Fakten. Angaben über Einwohnerzahlen und Flächen im Stadtgebiet
  2. Aufstellung "Ortsrat Ahlten" der Stadt Lehrte, PDF-Datei: 28,66 kB
  3. Dietrich Oeding, Bernd R. Oswald: Elektrische Kraftwerke und Netze. Verlag Springer, Berlin 2004, ISBN 3540008632, S. 838 (Auszug in der Google Buchsuche).
  4. Stadt Lehrte/Ortsrechttexte: Gebietsänderungsvertrag vom 14. Dezember 1973
  5. Stadt Lehrte/Ortsrechttexte: Richtlinien über die Verwendung des Wappens der Stadt Lehrte
  6. Anzeiger für Lehrte und Sehnde vom 25. Februar 2008: Neue Orgel erklingt in der Martinskirche
  7. Hannover.de: Landschaftsschutzgebietsverordnungen der Region Hannover über das Gebiet LSG-H 19 – Altwarmbüchener Moor – Ahltener Wald
  8. Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: Naturschutzgebiet „In den sieben Bergteilen“; Kennzeichen: NSG HA 102
  9. Albert Dietrich: Die "Olde Burg" im Ahltener Wald. Versuch einer Standortbestimmung in Lehrter Land & Leute, Heft 30, Herbst 2008, S. 16 ff, ISSN 0946-0365
  10. SportAngler-Verein Hannover: Blauer See

Weblinks


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