Ahrhütte
Ahrhütte
Gemeinde Blankenheim
Koordinaten: 50° 23′ N, 6° 44′ O50.3833333333336.7333333333333350Koordinaten: 50° 23′ 0″ N, 6° 44′ 0″ O
Höhe: 350 m ü. NN
Fläche: (mit Dollendorf:) 18.13dep1
Einwohner: 269
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Postleitzahl: 53945
Vorwahl: 02697

Ahrhütte ist ein Ortsteil der Gemeinde Blankenheim (Ahr) im Kreis Euskirchen in Nordrhein-Westfalen.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Name Ahrhütte besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil ist „Ah“ und deutet auf „Wasser" hin, der Buchstabe „r“ gehört zu den Wurzeln rhe und rho; sie bedeuten „fließen" (vgl. altgriechisch ʻρέω [rheo] = „ich fließe"). Das altgermanisch Wort „ara“ bezeichnet „Flusswasser" das sich in unvermeidlicher Bewegung befindet. Das Wort „Ahr" bedeutet also „fließendes Wasser". „Hütte" ist mit dem althochdeutschen Wort „hutta", oder mit dem altgriechischen Wort κεὑδείν [keuthein], also „verbergen" und „geborgen sein" verwandt. Ahrhütte kann also als „Wohnung am fließenden Wasser übersetzt werden“. Der Name des Ortes deutet ebenfalls auf das einst bestehende Hüttenwerk an der Ahr hin.

Lage

Keine zehn Kilometer südöstlich von Blankenheim und etwa 325-420 m über NN, liegt an der B258 der kleine Ort Ahrhütte. Das Dorf erstreckt sich geologisch in der „Dollendorfer Kalkmulde“, einem riesiges Korallenriff aus der Devonzeit (390-360 Millionen Jahre). Die damaligen Lebensbedingungen dürften für zahlreiche marine Lebensformen optimal gewesen sein, da die Kalkmulde bekannt ist für ihren Fossilienreichtum. Das Landschaftsbild um Ahrhütte bestimmen wacholderreiche Kalkmagerrasen, ausgedehnte Weidelandschaften, artenreiche Gebüschformationen und Laubmischwälder. Durchschnitten wird das Gebiet durch die Ahr. Heute präsentiert sich der Landschaftsraum als eine agrarisch-strukturierte Mittelgebirgslandschaft, in dem in den letzten Jahrzehnten verschiedene Naturschutzgebiete ausgewiesen wurden. Führt man sich vor Augen, dass das gegenwärtige Landschaftsbild Resultat einer etwa 400 Mio. Jahre andauernden Erdgeschichte ist, dann haben die Menschen des Ahrtals in den letzten Jahrhunderten erhebliche Eingriffe vorgenommen.

Geschichte

Die vermutlich erste Erwähnung des Ortes Ahrhütte stammt aus dem Jahre 1511. Für dieses Jahr hatte der Herzog von Arenberg ein Einnahmeregister angefertigt. Darin heißt es wie folgt: „der hoff up der hütten (hutten) gylt dit jair 30 mal halff eyn halff ander“ (Der Hof von/auf der Hütten gibt dieses Jahr 30 Malter, halb das eine, halb das andere). Ahrhütte wird im Register neben Antweiler aufgeführt. Das Dorf verdankt Entstehung und Namen einer längst vergangenen Industrie, der Eisenindustrie. Als „Pachthütte“ ließen die Herzöge von Arenberg, deren Stammsitz auf dem unweit gelegenen Aremberg stand, vermutlich im frühen 16. Jahrhundert die Hütte errichten. Das Werk war bis zum Einmarsch französischen Truppen, 1794, in ihrem Besitz. 1861 erlosch der letzte Hochofen, die Geschichte der eisenverarbeitenden Industrie im Ort war beendet. Einen geringen Ersatz stellte die mit dem Darniedergehen der Eisenindustrie erblühende Kalkindustrie mit mehreren Kalköfen und Steinbrüchen dar. Von der Errichtung des ersten Kalkofens 1859 bis zur Stilllegung des letzten Kalkwerkes 1969 stellte diese Branche die einzigen industriellen Arbeitsplätze des Ortes. Das zuletzt in Betrieb gewesene, auf Freilinger Seite gelegene Werk produzierte bis zur Schließung täglich etwa 50 Tonnen Kalk. Nach dem Abbruch 1975 wurde das Gelände 1982 durch die NRW Stiftung erworben. Im Rahmen des Projektes "Ahr 2000" wurde dieser Talabschnitt in ein Förderprogramm des Bundes aufgenommen das schutzwürdige Teile von Natur und Landschaft sichert. Bereits 1849 werden Pläne zur Errichtung einer Ziegelei vorgelegt, die aber erst 1854 realisiert werden. Um 1866 kommt es zu einer Erweiterung der Anlage. Die Tonerde wurde bei Neuhof gehoben und mit Karren ins Dorf gefahren. Der Absatz dieser sogen. „Schottelspannen“ erstreckte sich bis Schleiden, die Ziegelbäckerei bestand bis zum Anfang des 20 Jahrhundert, 1911 wurde das Gelände veräussert und neubebaut. Während sich heute vereinzelt noch Reste der Kalkindustrie finden lassen, sind die letzten Zeugnisse der Eisenindustrie lange beseitigt. Um 1950 wurde ein Teil des Hochofens abgeräumt, die verbleibenden Reste wurden 1965 abgebrochen, da man das Grundstück neu bebauen wollte. Der Kohleschuppen, der zum Eisenwerk gehörte, war noch eine zeitlang in landwirtschaftlichem Einsatz, wurde aber 1983 abgerissen. An seiner Stelle steht das heutige Gemeindehaus. Die Straßenbezeichnungen des Ortes „Am Hammerwerk“, „Hüttenstraße“, „Hüttenhof“ und „Hüttenberg“ halten die Erinnerung an eine Zeit wach, in denen der Wohlstand der Bewohner auf der Arbeit der Bergmänner und Hüttenarbeiter beruhte. Erhalten ist jedoch – neben dem herzoglichen Reitmeisterhaus von 1677 – der Stollen- oder Goddarzhof, eine Hofanlage des 16. Jahrhunderts (Gravur in Türsturz: 1549), die jedoch spätere Um- und Erweiterungsbauten erfuhr. Wie die Hütte liegt sie auf der linken, der Arenbergischen Ahrseite, während der eigentliche Ort überwiegend auf der rechten Ahrseite heranwuchs. Diese (natürliche) Grenze hat heute keinerlei Bedeutung mehr für den kleinen Ort. In der Feudalzeit stellte sie die Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Arenberg (linke Ahrseite mit der Pfarrei Lommersdorf und den Gemeinden Freilingen und Lommersdorf) und der Grafschaft Manderscheid-Blankenheim (hier die Herrschaft Dollendorf mit der Pfarrei und der gleichnamigen Gemeinde Dollendorf) dar. Während der Fluss als Gemeindegrenze bis 1969 formal erhalten blieb, wurde Ahrhütte seit Anfang des 19. Jahrhunderts kirchlich ausschließlich von Dollendorf aus betraut.

Ahrhütte, an der Mitte des auf dem ehemaligen Eisenbahndamm der Oberen Ahrtalbahn errichteten und 2005 eröffneten Radwanderweges von Blankenheim nach Blankenheim-Ahrdorf gelegen, bietet heute mehrere Gaststätten zur Einkehr.

Sehenswürdigkeiten

An Kunstdenkmälern finden sich vor Ort nur wenige. Neben den Erwähnten (Stollenhof und Reitmeisterhaus) sind zu nennen die 1932 geweihte und aus Mitteln der Bevölkerung errichtete Antoniuskapelle, die ehemalige Sons'sche oder auch Dollendorfer Mühle ahraufwärts und die Lommersdorfer Mühle (auch Dreimühle) ahrabwärts, sowie einzelne Wohnhäuser.

Literatur (Auswahl)

  • Johannes Becker: Geschichte der Pfarreien des Dekanats Blankenheim. Köln 1993; S. 461 ff.
  • Christoph Bungartz / Ralf Gier / Peter Scheulen: Von der Eifel nach Amerika. Auswanderung nach Nordamerika 1840–1914. Euskirchen 2005
  • Hermann Bungartz: Dollendorf/Eifel. Landschaft und Geschichte. 2. verb. Aufl.; Hillesheim 1989
  • Thomas Eßer: Der Hüttenmeister Stejnmans. Euskirchen 1987
  • Ralf Gier: Neuhof 1725 bis heute. In: Um Burg und Quelle. Nr. 94, April 2001; S. 15–23
  • Jochen Kirwel: Ahrhütte - Geschichte eines Eifelortes. Ahrhütte 2011
  • Peter Neu: Die Arenberger und das Arenberger Land. Band 1–6; Koblenz 1995 ff.
  • Paul Spülbeck: Lommersdorfer Chronik. 2. verb. Aufl.; Lommersdorf 1950; überarbeitete und erg. Neuauflage durch Albert Luppertz 1999
  • Ernst Wackenroder: Die Kunstdenkmäler des Kreises Schleiden. Düsseldorf 1932; S. 106–108, 473

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