Ludwig Wittgenstein
Ludwig Wittgenstein, 1910

Ludwig Josef Johann Wittgenstein (* 26. April 1889 in Wien; † 29. April 1951 in Cambridge) war ein österreichisch-britischer Philosoph.

Er lieferte bedeutende Beiträge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins. Seine beiden Hauptwerke Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus Logico-Philosophicus 1921) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum) wurden zu wichtigen Bezugspunkten zweier philosophischer Schulen, des Logischen Positivismus und der Analytischen Sprachphilosophie.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Ludwig Wittgenstein als Kleinkind, 1890
Ludwig Wittgenstein als Kind, vorne rechts mit den Schwestern Hermine, Helene, Margarete und Bruder Paul
Wittgensteins Grabstein in Cambridge

Wittgenstein entstammt der assimilierten österreichisch-jüdischen Industriellenfamilie Wittgenstein, deren Wurzeln in der Kleinstadt Laasphe im Wittgensteiner Land liegen. Er war das jüngste von acht Kindern des Großindustriellen Karl Wittgenstein und seiner Prager Ehefrau Leopoldine, geb. Kalmus. Karl Wittgenstein gehörte zu den erfolgreichsten Stahl-Industriellen der späten Donaumonarchie, und das Ehepaar Wittgenstein wurde zu einer der reichsten Familien der Wiener Gesellschaft der Jahrhundertwende. Der Vater war ein großzügiger Förderer zeitgenössischer Künstler, die Mutter eine begabte Pianistin. Im Palais Wittgenstein verkehrten musikalische Größen wie Clara Schumann, Gustav Mahler, Johannes Brahms oder Richard Strauss.

Wittgenstein wurde katholisch erzogen. Er selbst wie auch seine Geschwister zeichneten sich durch außerordentliche musische und intellektuelle Fähigkeiten aus. Ludwig Wittgenstein spielte Klarinette. Sein Bruder Paul verlor im 1. Weltkrieg einen Arm und machte dennoch als einarmiger Pianist Karriere. Diesen Fähigkeiten stand jedoch eine zarte seelische Konstitution gegenüber: Drei seiner sieben Geschwister begingen Selbstmord (Hans, Rudolf, Kurt). Auch Wittgenstein legte Zeit seines Lebens (insbesondere nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs) depressive Verhaltensweisen an den Tag und erwies sich im menschlichen Miteinander als autoritär und rechthaberisch, aber auch als sensibel und unsicher.

Ein entfernter Großcousin von ihm war überdies der Wirtschaftswissenschafter Friedrich August von Hayek.

Wittgensteins intellektuelle Erziehung begann mit häuslichem Privatunterricht in Wien, ab 1903 erhielt er Unterricht in der Realschule in Linz, die auch Adolf Hitler zur gleichen Zeit, allerdings in einer anderen Klasse, besuchte. Am 28. Oktober 1906 immatrikulierte er sich an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Ursprünglich hatte er bei Ludwig Boltzmann in Wien studieren wollen. Für Berlin entschied sich Wittgenstein, weil sein Realschulzeugnis ihm die Einschreibung an der Universität erst nach einem weiteren Studium erlaubte. Dort beschäftigte sich Wittgenstein, so seine Schwester Hermine in ihren Familienerinnerungen, „viel mit flugtechnischen Fragen und Versuchen. [Und weiter] Zu dieser Zeit oder etwas später ergriff ihn plötzlich die Philosophie, d.h. das Nachdenken über philosophische Probleme, so stark und so völlig gegen seinen Willen, dass er schwer unter der doppelten und widerstreitenden inneren Berufung litt und sich wie zerspalten vorkam.“

Nach dem Abschlussdiplom als Ingenieur 1908 ging Wittgenstein nach Manchester, wo er an der Universität an der Abteilung für Ingenieurwissenschaften versuchte, einen Flugzeugmotor zu bauen. Diesen Plan gab er jedoch bald auf. Danach arbeitete er an „Verbesserungsvorschlägen für Flugzeugpropeller“, einem Projekt, für das er am 17. August 1911 ein Patent erhielt. Schließlich dominierte die Philosophie: Nicht zuletzt auf Anregung Gottlob Freges, den er 1911 in Jena besuchte, begann Wittgenstein ein Studium in Cambridge am Trinity College, wo er sich intensiv mit den Schriften Bertrand Russells beschäftigte, insbesondere mit den Principia Mathematica. Sein Ziel war es, wie bei Gottlob Frege die mathematischen Axiome aus logischen Prinzipien abzuleiten. Russell zeigte sich jedoch nach den ersten Begegnungen gar nicht beeindruckt von Wittgenstein: „Nach der Vorlesung kam ein hitziger Deutscher, um mit mir zu streiten […] Eigentlich ist es reine Zeitverschwendung, mit ihm zu reden.“ (16. November 1911.)

Nach nicht einmal zwei Wochen sollte sich Russells Meinung jedoch ändern: „Ich fange an, ihn zu mögen; er kennt sich aus in der Literatur, ist sehr musikalisch, angenehm im Umgang (ein Österreicher), und ich glaube, wirklich intelligent.[1]“ Schon bald hielt Russell Wittgenstein für nichts Geringeres als ein Genie, und Wittgenstein entwickelte sich schnell vom Schüler zum Lehrmeister Russells, der dessen Grundannahmen erschütterte. Russell war schließlich der Meinung, Wittgenstein sei besser geeignet als er, sein logisch-philosophisches Werk fortzuführen.

Unter anderem mit Russells Unterstützung wurde Wittgenstein im November 1911 in die elitäre Geheimgesellschaft Cambridge Apostles gewählt. In David Pinsent fand er dort seinen ersten Geliebten.[2] Sie erwarben gemeinsam ein Holzhaus in Skjolden in Norwegen, wo Wittgenstein 1913 für einige Monate an einem System der Logik arbeitete. Dass Wittgenstein homosexuell war, hatte zuerst sein Biograph William Warren Bartley 1973 auf Grund von Aussagen anonymer Freunde Wittgensteins und zweier in Geheimschrift verfasster Tagebücher öffentlich gemacht.[3]

Ab dem Jahre 1912 begann Wittgenstein mit Arbeiten an seinem ersten philosophischen Werk, der Logisch-philosophischen Abhandlung, die er in einem Tagebuch als Notizen bis 1917 festhielt. Auch während seiner Zeit als österreichischer Freiwilliger im Ersten Weltkrieg arbeitete er daran weiter, bis er das Werk schließlich im Sommer 1918 vollendete. Es erschien jedoch erst 1921 in einer fehlerhaften Version in der Zeitschrift Annalen der Naturphilosophie. 1922 wurde schließlich eine zweisprachige Ausgabe unter dem heute bekannten Titel der englischen Übersetzung veröffentlicht: Tractatus Logico-Philosophicus. Abgesehen von zwei kleineren philosophischen Aufsätzen und einem Wörterbuch für Volksschulen blieb die Logisch-philosophische Abhandlung das einzige zu Lebzeiten veröffentlichte Werk Wittgensteins.

Frühwerk

Mit der Logisch-philosophischen Abhandlung (Tractatus) vollzog Wittgenstein den linguistic turn (sprachkritische Wende) in der Philosophie. In der wittgensteinschen Variante bedeutet dies unter anderem: Philosophische Probleme kann nur verstehen oder auflösen, wer begreift, welche Fehlanwendung von Sprache sie erzeugten. Ziel philosophischer Analysen ist die Unterscheidung von sinnvollen und unsinnigen Sätzen durch eine Klärung der Funktionsweise von Sprache: „Alle Philosophie ist 'Sprachkritik'.[4]“ Die Hauptgedanken des Tractatus erwuchsen aus der Auseinandersetzung – und in gegenseitiger Befruchtung – mit Bertrand Russell und werden meist der Philosophie des Logischen Atomismus zugerechnet.

Der Kern von Wittgensteins Frühphilosophie besteht in einer Abbildtheorie der Sprache.[5] Danach zerfällt die Wirklichkeit in „Dinge“ (Sachen, die sich zueinander verhalten). Jedes „Ding“ hat einen „Namen“ in der Sprache. Bedeutung erhalten diese Namen erst durch ihr Zusammenstehen im Satz.[6] Sätze zerfallen – wie die Wirklichkeit in Dinge – in deren Namen. Wenn die Anordnung von Namen im Zeichen eines Satzes dieselbe Struktur aufweist, wie die Anordnung der von den Namen vertretenen Gegenständen in Wirklichkeit, denselben „Sachverhalt“ darstellt, wird ein Satz dadurch wahr. „aRb“ sagt zum Beispiel deswegen etwas anderes als „bRa“, weil der Name „b“ einmal links von R, das andere Mal rechts davon steht, wodurch das Zeichen des in die Namen „a“ und „b“ zerfallenden Satzes jeweils eine andere Struktur hat. Man sieht dem Satzzeichen „aRb“ an, wie der von ihm dargestellte Sachverhalt sich von dem durch „bRa“ dargestellten unterscheidet.[7] Bilden die Dinge in Wirklichkeit einen anderen Sachverhalt als ihre Namen im Satzzeichen, wird ein Satz dadurch falsch.

„Sinnlos“ sind dagegen Sätze, die unabhängig von Sachverhalten in der Wirklichkeit wahr oder falsch sind, also zum Beispiel Tautologien und Kontradiktionen. Wogegen Sätze „unsinnig“ genannt werden, deren Zeichen überhaupt keine Dingverbindungen in der Wirklichkeit darstellt wie: „Der Satz, den ich hiermit ausspreche, ist falsch“. Dieser Satz bezieht sich nicht auf eine mögliche Dingverbindung oder Wirklichkeit, sondern auf sich selber, was „Unsinn“ ergibt. Dasselbe gilt für Sätze, die vorgeben, etwas zu sagen, das über die reine Anordnung von Dingen in der Welt hinaus geht, indem sie sich zum Beispiel etwas ausbitten oder das von ihnen Vorgestellte „gut“ oder „schlecht“ nennen; denn solcher Wert, den die im Satzzeichen vorgestellte Wirklichkeit haben soll, erhellt nie nur aus ihrer Struktur und kann folglich auch nichts sein, das in einer Konstellation von Namen erscheint. Ein Wert lässt sich daher nach Wittgenstein (Tractatus 7) nicht aussprechen, höchstens „erschweigen“ (könnte daher vielleicht in durch bestimmte Haltungen informierten Reaktionen oder Taten, nie aber in ihn beschreibenden Sätzen erscheinen).

Sich selbst beschreibt die Logisch-philosophische Abhandlung gen Schluss:[8] „Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie – auf ihnen – über sie hinausgestiegen ist.“ Einen bestimmten Sinn spricht Wittgensteins Philosophie sich damit selber ab, da von ihr kein „Ding“-Zusammenhang, nichts „Wirkliches“, umrissen wird; vielmehr impliziert die gesamte Struktur der Logisch-philosophischen Abhandlung den „logischen Raum“ schlechthin – als „unsinnige“ Form oder Möglichkeit jedweder Wirklichkeit oder überhaupt denkbaren Sinnes. Wittgenstein legt nahe, dass, was Sinn ermöglicht, nicht selber bereits sinnvoll sein kann. Später veranschaulicht er dies mit dem Bild des Ur-Meters, das selber keine Länge habe verglichen mit Gegenständen, die zu Länge gelangten, indem sie so lang „wie“ das Ur-Meter seien.

Wittgenstein entwickelte in der Nachfolge von Gottlob Frege und wohl unabhängig von Charles S. Peirce im Tractatus logico-philosophicus die so genannten „Wahrheitstabellen“, die heute in keinem Lehrbuch zur Logik fehlen. „Es handelt sich, ganz eigentlich um die Darstellung eines Systems“.[9] Laut Wittgenstein liegt die Logik aller Einzelerkenntnis zugrunde – und markiert zugleich deren Grenze: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“.[10] In diesem Sinne gibt Wittgenstein im Vorwort der Logisch-philosophischen Abhandlung an: „Man könnte den ganzen Sinn des Buches etwa in die Worte fassen: Was sich überhaupt sagen läßt, läßt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen.“

Übergangszeit

Haus Wittgenstein

Mit der Veröffentlichung der Logisch-philosophischen Abhandlung glaubte Wittgenstein, seinen Beitrag für die Philosophie geleistet zu haben, und wandte sich anderen Tätigkeiten zu. Noch während der Kriegsgefangenschaft in Italien entschied er sich, vermutlich unter dem Eindruck der Lektüre von Leo Tolstoi, für den Beruf des Lehrers. Sein gewaltiges, geerbtes Vermögen teilte er unter seinen Geschwistern auf, einen Teil spendete er im Laufe der Zeit jungen Künstlern, unter anderem Adolf Loos, Georg Trakl und Rainer Maria Rilke.

Zunächst besuchte er 1919/1920 die Lehrerbildungsanstalt in Wien. Danach wurde er für einige Jahre Volksschullehrer „in einem der kleinsten Dörfer, es heißt Trattenbach und liegt vier Stunden südlich von Wien im Gebirge[11]“, war jedoch in pädagogischer Hinsicht überfordert. Nach zwei Jahren wechselte er in das Dorf Puchberg am Schneeberg, wo sich wie schon zuvor in Trattenbach immer wieder Spannungen zwischen Wittgenstein und den Eltern seiner Schüler entwickelten. Binnen zweier Jahre wechselte Wittgenstein erneut die Stelle und wurde Lehrer in Otterthal, wo er auch ein – für diese Zeit fortschrittliches – Wörterbuch für Volksschulen schrieb und herausgab. Nachdem er im April 1926 einem elfjährigen Schüler auf den Kopf geschlagen hatte und dieser bewusstlos wurde, reichte Wittgenstein beim Bezirksschulinspektor ein Entlassungsgesuch ein, bevor offizielle Schritte eingeleitet werden konnten.[12] Wittgenstein arbeitete daraufhin einige Monate als Gärtnergehilfe in einem Kloster in Hütteldorf bei Wien, wo er in einem Werkzeugschuppen des Gartens wohnte, und erwog auch – nicht zum ersten Mal –, als Mönch dem Klosterorden beizutreten, wovon ihm jedoch ein Abt des Klosters abriet.[12][13]

Klimt: Porträt von Margarethe Stonborough-Wittgenstein, 1905

Von 1926 bis 1928 erstellte er zusammen mit dem Architekten Paul Engelmann, einem Schüler von Adolf Loos, für seine Schwester Margarethe Stonborough-Wittgenstein ein repräsentatives Stadt-Palais in Wien (Haus Wittgenstein). Das im Stil der Moderne erbaute Palais wurde bald zu einem Mittelpunkt kulturellen Lebens in Wien und zu einem der Treffpunkte des „Wiener Kreises“, mit dem er in unregelmäßigem Kontakt stand.

Wittgenstein war hauptsächlich für die innenarchitektonische Gestaltung des Hauses zuständig. Daneben war er bildhauerisch tätig und schuf eine Büste im Stile des Wiener Künstlers Drobil. Auch bei diesen praktischen Tätigkeiten zeigte sich die selbstbezogene Arbeitsweise Wittgensteins. Sein Ziel war nicht allgemein gesellschaftlicher Natur, es ging ihm nicht etwa darum, die „Welt zu verbessern“, sondern es ging ihm um sein „Seelenheil“, er strebte intellektuelle und psychische Reinheit und Klarheit an. Später schrieb Wittgenstein rückblickend: „Die Arbeit an der Philosophie ist – wie vielfach die Arbeit in der Architektur – eigentlich mehr die/eine Arbeit an Einem selbst. An der eigenen Auffassung. Daran, wie man die Dinge sieht (Und was man von ihnen verlangt).“

Ende der 1920er Jahre begann Wittgenstein sich wieder intensiv mit philosophischen Fragen zu beschäftigen. Dabei stand er in Kontakt zu einigen Mitgliedern des Wiener Kreises, deren Diskussionen er maßgebend beeinflusste (wenngleich in einer Weise, die Wittgenstein nicht guthieß, da er der Meinung war, dass er nicht richtig verstanden worden sei). Durch einen Vortrag des intuitionistischen Mathematikers L. E. J. Brouwer wurde er – so zumindest nach einem Bericht von Herbert Feigl – schließlich nachhaltig aufgerüttelt und wandte sich wieder der Philosophie zu. Während dieser „Übergangsphase“ vertrat Wittgenstein kurzfristig eine Auffassung, die sich als eine Form des Verifikationismus beschreiben lässt: Die Kenntnis der Bedeutung von Sätzen geht einher mit der Kenntnis der einschlägigen Verifikations- oder Beweisverfahren.

Spätwerk

1929 kehrte Wittgenstein als Philosoph nach Cambridge zurück, wo er zunächst bei Russell und Moore in einer mündlichen „Prüfung“ über den Tractatus promovierte. Da er sein Erbe während des Ersten Weltkriegs ausgeschlagen und auf seine Geschwister verteilt hatte, war seine finanzielle Lage zunächst prekär, sodass er auf Stipendien angewiesen war. Anfang der 1930er Jahre erhielt er einen Lehrauftrag. Ab 1936 unternahm Wittgenstein mit seinem Geliebten Francis Skinner[2] mehrere Reisen nach Norwegen, Wien und Russland.

1939 wurde Wittgenstein in der Nachfolge von George Edward Moore zum Philosophieprofessor in Cambridge berufen; er behielt die Professur bis 1947. Kurz nach seiner Berufung erwarb er die britische Staatsbürgerschaft. Dies war insbesondere dem Umstand geschuldet, dass nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland am 12. März 1938 Wittgenstein nun deutscher Staatsbürger war und im Sinne der Nürnberger Gesetze als Jude galt.

Während der 1930er Jahre gab Wittgenstein zahlreiche Kurse und Vorlesungen. Immer wieder versuchte er, seine neuartigen Gedanken, die er unter anderem in Auseinandersetzung mit seinem Erstlingswerk entwickelte, in Buchform zu verfassen und erstellte zahlreiche Manuskripte und Typoskripte. Wichtige Zwischenschritte waren The Blue Book (Typoskript eines Diktats zu einer Vorlesung über die Philosophie der Mathematik), The Big Typescript (das rasch wieder verworfene Konzept eines Buches) und The Brown Book (Typoskript einer Ausarbeitung zum Thema Sprachspiele mit einer Vielzahl von Beispielen). Weitere Manuskripte waren die Philosophischen Bemerkungen und die Philosophische Grammatik. Trotz seiner intensiven Bemühungen gelang es Wittgenstein jedoch nicht, sein Buchprojekt zu beenden. Etwa ab 1936 begann Wittgenstein an den Arbeiten zu den Philosophischen Untersuchungen, die sich bis etwa 1948 hinzogen. Dieses zweite große Werk hat er selbst weitgehend fertiggestellt, es erschien jedoch erst posthum im Jahre 1953. Hierdurch gelangte er schnell zu Weltruhm. Denn dieses Werk beeinflusste die Philosophiegeschichte noch nachhaltiger als die Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus). Es gilt als eines der Hauptwerke der sprachanalytischen Philosophie. In den 1940er Jahren entstand auch das Manuskript Philosophische Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Wittgenstein nochmals praktisch tätig. Er arbeitete freiwillig als Pfleger in einem Londoner Krankenhaus, 1943 schloss er sich als Laborassistent einer medizinischen Forschungsgruppe an, die den sogenannten Wundschock untersuchte, und entwarf Experimente und Laborgeräte. Er entwickelte Apparaturen zur kontinuierlichen Messung von Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Atemvolumen, dabei bediente er sich der Erfahrungen, die er während der Entwicklung seines Flugmotors gemacht hatte.

1944 nahm er seine Vorlesungen in Cambridge wieder auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Wittgenstein seine philosophischen Untersuchungen fort und arbeitete unter anderem an der Philosophie der Wahrnehmung und zu den Themen Gewissheit und Zweifel. Aber auch zu vielen kulturellen und wissenschaftstheoretischen Themen hat Wittgenstein Erhellendes beigetragen. 1939 schrieb er: „Die Menschen heute glauben, die Wissenschaftler seien da, sie zu belehren, die Dichter und Musiker etc., sie zu erfreuen. Dass diese sie etwas zu lehren haben, kommt ihnen nicht in den Sinn.“

Im Oktober 1947 beendete Wittgenstein seine Tätigkeit an der Universität, um sich ganz seiner Philosophie zu widmen. Er lebte von da an zurückgezogen und verbrachte einige Zeit in Irland. Der Schwerpunkt seiner Arbeiten lag bei der „Philosophie der Psychologie“, die Gegenstand des II. Teils der „Philosophischen Untersuchungen“ wurde. Es ist umstritten, ob die Aufnahme dieser Gedanken in die Philosophischen Untersuchungen dem Willen Wittgensteins entspricht. 1949 konnte er sein zweites Hauptwerk dann abschließen.

Wittgenstein starb im Jahre 1951 an Krebs. Da Wittgenstein es ablehnte, in ein englisches Krankenhaus zu gehen, verlebte er die letzten Wochen im Hause seines Arztes, der ihn bei sich aufgenommen hatte. Als dessen Frau Wittgenstein am Tag vor seinem Tod mitteilte, seine englischen Freunde würden ihn am nächsten Tag besuchen, sagte er: „Sagen Sie ihnen, dass ich ein wundervolles Leben gehabt habe.“ Wittgensteins Grab befindet sich auf dem Ascension Parish Burial Ground-Friedhof in Cambridge.[14]

Werkinterpretationen

Wie alle großen Philosophen wurde Wittgenstein zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert. Bei der Rezeption Wittgensteins kommt hinzu, dass er nur ein Werk zu seinen Lebzeiten veröffentlicht hat und dass die Herausgeber der Philosophischen Untersuchungen, was den zweiten Teil betrifft, einige zweifelhafte Entscheidungen getroffen hatten.[15] Auch der kryptische, aphoristische Stil führte dazu, dass er von teilweise sehr unterschiedlichen philosophischen Gruppierungen vereinnahmt werden konnte. So wurde er von den Mitgliedern des Wiener Kreises so gelesen, als stünde er den Gedanken des Logischen Positivismus zumindest nahe. In den 1960er Jahren gab es die Tendenz, in ihm einen Vertreter oder zumindest Vordenker der Philosophie der normalen Sprache zu sehen. Auch die inhaltliche Auseinandersetzung und technische Interpretation unterliegt noch stetigem Wandel. In der Tractatusinterpretation stand lange die Frage nach der Natur der Wittgensteinschen Gegenstände im Vordergrund, in der Interpretation der Spätphilosophie ging es lange um den Bedeutungsbegriff, dann um das Konzept der Sprachspiele und Lebensform, dann um das Problem der Privatsprache und in den 1980er Jahren, sah es, was die Rezeptionsgeschichte betrifft, ausgehend von Saul Kripkes Wittgenstein über Regeln und Privatsprache plötzlich so aus, als wären Wittgensteins Gedanken zum Problem des Regelfolgens der Schlüssel zum Verständnis des Gesamtwerkes.

Seit etwa fünfzehn Jahren wird die Wittgensteindiskussion beherrscht durch die Vertreter einer sogenannten resoluten Lesart, die sich gegen eine Standardinterpretation richten. Die neue Betrachtung begann mit den Arbeiten Cora Diamonds[16] zum Tractatus. Besonders in Amerika folgten viele Philosophen den Gedanken Diamonds und entwarfen ein teilweise radikal von der Standardinterpretation abweichendes Bild Wittgensteins. Die beiden Hauptmerkmale dieser Richtung, die manchmal als Neuer Wittgenstein[17] bezeichnet wird, sind die strikte Interpretation des Unsinn-Begriffs, derzufolge der gesamte Tractatus (außer dem sogenannten Rahmen, Vorwort und Schlussbemerkungen) im wörtlichen Sinne unsinnig ist, im Gegensatz zu der gewöhnlichen Lesart, nach der die unsinnigen metaphysischen Sätze des Tractatus dennoch tiefe Wahrheiten vermitteln. Wegen dieser strikten Interpretation bezeichnen die Verfechter sich als „resolute“ Leser.[18] In der Vergangenheit wurde die Richtung auch „therapeutisch“ genannt, da die Sätze Wittgensteins einen therapeutischen Zweck gehabt hätten. Die zweite Klammer, die die resoluten Leser verbindet, ist die Überzeugung der grundsätzlichen Kontinuität von Wittgensteins Gedanken. Hier behauptet die „Standardinterpretation“, mehr oder weniger einheitlich, einen deutlichen Bruch in der philosophischen Entwicklung Wittgensteins.

Die Auseinandersetzung der beiden Lager geht teilweise über den in der Philosophie üblichen polemischen Schlagabtausch hinaus. Der von den resoluten Lesern als Galionsfigur der Standardinterpretation angesehene Peter Hacker nennt es nicht überraschend, dass die neue Interpretation wegen der in der heutigen Zeit charakteristischen postmodernen Vorliebe für das Paradoxe Anhänger findet.[19] Während James Conant, ein Hauptvertreter der resoluten Lesart, ironisch von einem „Schisma“ spricht und entsprechend die Anhänger der neuen Lehre „Ungläubige“ nennt[20], geht Rupert Read so weit, von „Tractatus-Kriegen“ zu sprechen.[21]

Deutung der Spätphilosophie

Therapie vs. Metaphysik

Wenn zwei Philosophen zu ihrer Meinung über Wittgenstein befragt werden, so erhält man häufig nicht zwei, sondern vier verschiedene Antworten: zwei unterschiedliche über Wittgensteins Frühwerk, die sich meistens noch relativ ähnlich sind, und zwei unterschiedliche über sein Spätwerk, die sich stark widersprechen. Dies mag daran liegen, dass Wittgenstein sein ungewöhnliches Werk kaum erläutert, ja bis zum Ende um dessen Formulierung rang:

„Nach manchen missglückten Versuchen, meine Ergebnisse zu einem solchen Ganzen zusammenzuschweißen, sah ich ein, dass mir dies nie gelingen würde. Dass das Beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben würden; dass meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natürliche Richtung, in ‚einer’ Richtung weiterzuzwingen[22].“

Wittgenstein verstand es zu schreiben; die meist kurzen Dialoge seines Spätwerks sind stilistisch brillant. Nur ist sein Zugang traditionslos; besonders der späte Wittgenstein hat in der Philosophiegeschichte keine Vorläufer und stiftet folglich eine neue, beispiellose Art zu denken. Diese Art zu denken muss erlernt werden wie eine fremde Sprache.

Nur wenige Philosophen haben so beißend über das Philosophieren selbst geurteilt wie Wittgenstein in seinem späteren Denken. Er hielt die „großen philosophischen Probleme“ letztlich für „Geistesstörungen“, die unter anderem entstünden, „indem man philosophiere“. Sie würden dadurch zu fixen Ideen, die einen nicht mehr loslassen – in der Regel, weil wir uns in einen unzuträglichen Sprachgebrauch verrannt haben. „Es ist eine Hauptquelle unseres Unverständnisses, daß wir den Gebrauch unserer Wörter nicht übersehen“ heißt es in den Philosophischen Untersuchungen, dem Hauptwerk seiner Spätphilosophie.

Die Ähnlichkeit der Sätze „Ich habe einen Stuhl“, „Ich habe einen Eindruck“, „Ich habe Zahnschmerzen“ verführt zur Auffassung, man „habe“ Eindrücke oder Empfindungen in gleicher Weise wie „Stühle“ (raumeinnehmende Gegenstände, deren Besitz man durch Verkauf oder Einäscherung verlieren kann) – wodurch sich das Bild aufdrängt, Wörter wie „Eindruck“, „Empfindung“ oder auch „Gedanke“, „Zahl“ müssten wie „Stuhl“ für irgendwie Raumeinnehmendes – wenn nicht Sichtbares, dann Unsichtbares – stehen: etwa für „Ideen“ oder das, was man durch „Nachschauen“ in seinem „Innersten erblicken“ könne. Wittgenstein zielt darauf ab, solche unwillkürlichen Bilder (die hier etwa einen „inneren Raum“ mit „unsichtbaren Gegenständen“ suggerieren) zu überwinden, indem er zum Beispiel ihre Entstehung ins Bewusstsein hebt. Sein Philosophieren hat, wie er sagt, mit der „Entdeckung“ (und dadurch Entschärfung) „schlichten Unsinns“ zu tun, infolge dessen sich der Verstand „Beulen" – „beim Anrennen an die Grenzen der Sprache" – geholt habe.

Bis zu diesem Punkt sind sich die Interpreten einig, neigen dann aber dazu, die Schlussfolgerungen, die Wittgenstein zieht, unterschiedlich umzusetzen. Seine „Philosophie“, sagt er, lasse „alles, wie es ist" – stelle „alles bloß hin“ und folgere nicht. „Da alles offen“ liege, sei folglich „nichts zu erklären.“

„Wollte man Thesen in der Philosophie aufstellen, es könnte nie über sie zur Diskussion kommen, weil Alle mit ihnen einverstanden wären.“ Darüber, wie dies Wittgenstein-Diktum zu verstehen sei, zerfallen die Interpreten in zwei Lager. Die eine Partei betont, Wittgenstein liege keineswegs daran, uns bislang verborgene Zusammenhänge der Welt zu „erklären“; er wolle ausschließlich Übel oder Schwindel auslösende Fixierungen oder Paradoxa des Denkens lösen. Im Folgenden wird diese Lesart die entzaubernde oder therapeutische [23] Auffassung genannt. Eine andere Lesart findet dagegen, Wittgenstein habe zwar nichts Welterklärendes, aber durchaus Bestimmtes im Hinblick etwa auf die Grenzen von Sinn beobachtet. Entscheidend sei dazu seine neue Art der Aufklärung und Begründung: die „Grammatik“beschreibung. Wobei Wittgenstein unter „Grammatik“ etwas über Wortverwendungsnormen Hinausgehendes verstehe, das man mit „Gepflogenheiten“, „Lebensform“ (oder „Programm“) übersetzen könne. Er nenne es „Grammatik“, insofern es sich dabei um etwas Geregeltes, Lernbares, handle, auf das Anwender „abgerichtet“ werden könnten. Hinter diese Grammatik lasse sich nach Wittgenstein nicht zurückgehen; sie sei absolut. Diese Auffassung, die beim späten Wittgenstein hauptsächlich Grammatik-Beschreibungen (Sinneingrenzungen) liest, heißt im Folgenden metaphysisch,[24] da es ihr um die „letzten Dinge“ geht: das, was grundlos hinzunehmen ist.

Nach dem lösungsorientiert-therapeutischen Zugang wird man Wittgensteins Spätwerk nicht gerecht, indem man versucht, die unmittelbare Beschreibung von etwas Absolutem daraus zu lesen. Wittgenstein hat, so heißt es hier, dergleichen nirgends beschrieben, sondern – im Gegenteil – Verfahren entworfen (nie vorgeschrieben, immer nur vorgeschlagen) zur Lösung von geisteslähmenden Absolutheitsanmutungen, deren Wurzel er in der unhinterfragten Annahme bestimmter Bilder sah. Unter „Bild“ habe er die Verfestigung einer bestimmten Auffassung zu etwas Selbstverständlichem, Unhinterfragbarem, eben „Absolutem“ verstanden, Vorstellungen wie beispielsweise, Zahlen stünden für Gegenstände – oder man müsse die Zeit wie Raum vermessen können. Die Anwesenheit von Emphase oder Modaloperatoren zeige nach Wittgenstein immer auf ein Bild: etwas Verabsolutiertes.

Wittgensteins Lösungsverfahren entwickelt nun zum Beispiel Vergleichsobjekte, um den Bann eines „Bildes“ zu brechen. Ein philosophisches Problem infolge eines solcherart den Verstand lähmenden Bildes sei etwa das Messen von Zeit. Das seiner Ansicht nach problematische Bild ist hier das des Meterstabes, der das, was er vermisst, bereits einnimmt: Raum. Wie ist es so aber möglich, Zeit zu messen? Mit welchem „Meterstab“, der Zeit – Vergangenheit wie Zukunft – bereits einnähme? Zeit lässt sich also nicht messen! Was ist dann aber eine Stunde? Wittgenstein löst das Gefühl der Unsicherheit, indem er ein anderes „Vergleichsobjekt“ vorstellt: man solle Zeitmessen mit Raummessen nicht durch Meterstab, sondern Abschreiten vergleichen. Wittgenstein sage nicht, betont das Lager der Anhänger der so genannten therapeutischen Lesart, Zeitmessen sei ein Abschreiten von Raum; er stelle lediglich als Beispiel einen anderen Vergleichsgegenstand vor: man könne Zeitmessen auch parallel zum Raummessen durch Abschreiten – statt Meterstabverwendung – sehen. So löse sich der Krampf. „Die eigentliche Entdeckung ist die, die mich fähig macht, das Philosophieren abzubrechen, wann ich will … Es wird nun an Beispielen eine Methode gezeigt, und die Reihe dieser Beispiele kann man abbrechen. – Es werden Probleme gelöst (Schwierigkeiten beseitigt), nicht ein Problem“.[25]

Für die Anhänger der „metaphysischen“ Lesart ist dieser Zugang Wittgensteins eine Weiterung von Fähigkeiten, die erst einmal erworben sein wollen – vor allem die Methode der hinnehmenden Veranschaulichung von Sprachspielen, ihrer „Grammatik“ (z. B. die der „Meterstabverwendung“). Dafür habe Wittgenstein bevorzugt einerseits den Verwendungszusammenhang einiger Zentral-Begriffe dargestellt und so etwa die Bedeutung von „Bedeutung“ oder „Regel“ für seine Herangehensweise erhellt, während er andererseits z. B. mit „Sprachspiel“ oder „Familienähnlichkeit“ auch spezifische Begriffe seiner Methode unter Verwendung teilweise für deren Veranschaulichung erfundener Sprachspiele geschöpft und hinreichend bestimmt. Das Wesen überhaupt aller Begriffe erkläre sich laut Wittgenstein durchgängig aus der Darstellung ihres Verwendungszusammenhanges oder Sprachspiels, wozu zuletzt auch Betrachtungen nach der philologischen oder historisch-kritischen Methode gehörten, respektive Deutungen, Vergleiche von Entwicklungsstadien und Kritik.

Die „Metaphysiker“ sind dementsprechend der Meinung, „Sprachspiel“ sei ein Kernbegriff der Spätphilosophie Wittgensteins; Lebenswirklichkeit zerfalle nach Wittgenstein unhintergehbar in beschreibbare „Regelkreise“. In der Philosophie gehe es darum, deren „Grammatik" – paradigmatisch oder im Zusammenspiel heterogener Beispiele – darzustellen. Dies geschehe dann mit manchmal verblüffenden Ergebnissen. So ergäbe sich etwa aus dem verdeutlichten Verwendungszusammenhang von „Traum“, dass damit nichts Privates, sondern nur ein bestimmter zwischenmenschlicher Verlauf gemeint sein könne. Und es erweise sich, dass Äußerungen der ersten Person Singular keinen Wahrheitswert hätten.

Den Metaphysikern geht es ferner um die Verdeutlichung des nach ihrem Wittgenstein-Verständnis begriffsschöpfenden Weltbilds einer jeden Lebensform. „Man könnte sich vorstellen“, zitieren sie Wittgensteins Über die Gewißheit, „dass gewisse Sätze von der Form der Erfahrungssätze erstarrt wären und als Leitung für die nicht erstarrten, flüssigen Erfahrungssätze funktionieren; und dass sich dies Verhältnis mit der Zeit änderte, in dem flüssige Sätze erstarren und feste flüssig werden.“ Die metaphysische Haltung blickt auf die gerade erstarrten Sätze, um anhand ihrer akuten Sinn von akutem Unsinn abzugrenzen: Offensichtliches festzustellen wie etwa, dass „Steine nicht denken können" – aber auch weniger Offensichtliches, etwa wieweit man sinnvoll von „künstlicher Intelligenz“ reden kann. Wittgensteins Spätwerk fasziniert und beschäftigt nicht nur Sprachphilosophen, sondern auch und gerade Experten einer anderen Disziplin, die sich mit dem menschlichen Geist beschäftigen: Psychiater und Psychologen. Die Ideen Wittgensteins fordern geradezu dazu auf, in psychotherapeutischen Verfahren angewendet zu werden. Zahlreiche Psychologen kennen sich bestens mit dem genannten Ansatz Wittgenstein aus.

Aus streng „therapeutischer“ Sicht verkürzen die Metaphysiker die Spätphilosophie Wittgensteins. So gesehen gehe es ihm nicht darum, Richtiges von Falschem, erlaubten von nicht-erlaubtem Sprachgebrauch, Sinn von Unsinn abzugrenzen, indem er nachweisend darstellte, was „richtig“, „erlaubt“ oder „sinnvoll“ ist. Wenn Wittgenstein über die Bedeutung von Wörtern spricht, hat dies gemäß der therapeutischen Auffassung nicht den Zweck, eine korrekte Bestimmung von Begriffen zu schaffen, sondern den, einen intellektuellen Krampf zu lösen, wie er in folgender Aussage gut zum Ausdruck kommt: „Was ist denn nun das Wesen von 'gut'? Es muss doch eine bestimmende Eigenschaft geben, sonst ist doch alles relativ!“

Die Diskussion des Begriffes „Sprachspiel“ steht in engem Zusammenhang mit der des Begriffs „Bedeutung“: In den Philosophischen Untersuchungen heißt es in § 43: „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“ Im vorhergehenden Satz bemerkt Wittgenstein jedoch einschränkend: „Man kann für eine große Klasse von Fällen der Benützung des Wortes Bedeutung – wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung – dieses Wort so erklären: Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“. Die unterschiedliche Lesart der oben genannten Textpassage zeigt die unterschiedlichen Zugänge von Therapeuten und Metaphysikern.

Die metaphysische Sicht: Wittgenstein nimmt eine Bestimmung von „Bedeutung“ (des Wesens des mit dieser Buchstabenkette gekennzeichneten Begriffes) vor. Dementsprechend ist die Aufgabe nun, eine konsistente Position aus Wittgensteins Werken zu extrahieren. Auch wenn Definitionen bei Wittgenstein fast nie „klassisch“ durch die Angabe bestimmender Merkmale erfolgen, sondern von ihm – oft reihenweise – Veranschaulichendes dargestellt wird, in dessen Ähnlichkeit oder Zusammenklang der bestimmte Begriff dann „erscheint“ (Familienähnlichkeit, ein letztlich offenes Verfahren, das keine scharfen Grenzen vorsieht), wird letztlich auch damit immer etwas – und, das sei sogar Wittgensteins Pointe: auch immer hinreichend – bestimmt. § 43 der Philosophischen Untersuchungen wäre also durchaus als Definition aufzufassen; das einschränkende „nicht für alle Fälle“ sei eher als Index auf weitere Bestimmungen von „Bedeutung“ durch den Autor zu lesen, etwa in Teil II der Philosophischen Untersuchungen, wo Wittgenstein in den Ansätzen einer Philosophie der Psychologie die „sekundäre Bedeutung“ beschreibt als eine haltungsbestimmte Form des Erlebens der primären, welche schlicht im Gebrauch des Wortes besteht. Da es keine über „primäre“ und „sekundäre“ hinausgehende Verwendung des Begriffs „Bedeutung“ im Spätwerke Wittgensteins gibt, neigen die Anhänger der metaphysischen Interpretation zur Auffassung, dass Wittgenstein keine weitere Interpretation vorsieht und „Bedeutung“ insofern erschöpfend bestimmt wurde.

Im Gegensatz dazu vertreten Anhänger des „therapeutischen“ Ansatzes die Meinung, Wittgenstein sei es in § 43 nicht darum gegangen, Kern und Wesen von „Bedeutung“ zu bestimmen. Die Einschränkung „nicht für alle Fälle“ sei kein Verweis auf andere Textstellen im Spätwerk des Autors, sondern hebt vielmehr hervor, dass die folgende Bestimmung nichts Immerwährendes skizziert. Sie skizziert vielmehr einen möglichen Gegenstand, welcher das Potential besitzt, ein Denkkrämpfe verursachendes Bild hervorzurufen, indem es mit ihm verglichen werde, Lösungsaspekte aufzuzeigen. So könnte es z. B. befreiend wirken, die Bedeutung von „Vorstellung“ oder „Zahnschmerzen“ nicht wie die von „Stuhl“ oder „Auto“ in etwas Raumeinnehmendem zu sehen, sondern stattdessen zu versuchen, Parallelen zwischen dem mit „Vorstellung“ oder „Zahnschmerzen“ Gemeinten und geregelten Verlaufsformen („Spielen“: deren Zügen …) zu sehen. Gemäß der lösungsorientiert-therapeutischen Haltung lautet die entscheidende Frage nicht, wie sich verschiedene Bestimmungen des Bedeutungsbegriffs ergänzen oder addieren, sondern ob die vom „Therapeuten“ entworfenen Gegenstände – indem man das, was einen verwirrt, mit ihnen vergleicht – in der Lage sind, Lösungsaspekte aufzuzeigen.

Verhältnis von Früh- zu Spätwerk

Der Widerstreit der Spätphilosophie-Deutungen überträgt sich auch auf die Einschätzung der Kontinuität in Wittgensteins Denken. Die „Therapeuten“ neigen zur Annahme der Kontinuität zwischen der unbedingten Position der Logisch-philosophischen Abhandlung (Tractatus, TLP) und den Entkrampfungsverfahren der Philosophischen Untersuchungen (PU). Für die „Metaphysiker“ herrscht zwischen Früh- und Spätphilosophie ein Bruch.

Fliegengläser

In Wittgensteins Spätwerk zerfallen Welt und sie abbildende Sprache nicht mehr in unauflösbare Dinge und deren logisch mögliche Verknüpfung in Sachverhalte oder Sätze. Nicht mehr die zeitlosen Kombinationsvorgaben der Logik bestimmen den Sprachbau. Vielmehr vergleicht Wittgenstein die Sprache nun mit einer „alten Stadt“: „Ein Gewinkel von Gässchen und Plätzen, alten und neuen Häusern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten: und dies umgeben von einer Menge Vororte mit geraden und regelmäßigen Straßen und mit einförmigen Häusern.“[26] Dennoch blieb für ihn die Sprache, ihre „Grammatik“, der Raum des Denkens und der Wirklichkeit. „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“[27] Gebrauch aber ist die Funktion eines Ensembles von Gepflogenheiten oder einer „Lebensform“, die in „Sprachspiele“ zerfällt. „Das Wort ‚Sprachspiel‘ soll hier hervorheben, dass das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer Tätigkeit, oder einer Lebensform.“[28] Mediziner haben andere Sprachspiele als Handwerker oder Kaufleute, Agnostiker andere als Gläubige. Aufgabe der Philosophie bleibt die Auseinandersetzung dieses oder jenes Sprachgebrauchs. „Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“[29] Gegenstand der Philosophie ist die Alltagssprache. „Wir führen die Wörter von ihrer metaphysischen auf ihre alltägliche Verwendung zurück.“[30] Der Zweck der Philosophie ist eine Therapie. „Der Philosoph behandelt eine Frage, wie eine Krankheit.“[31] Der in einer Sprachverwirrung gefangene Mensch soll wieder befreit werden. „Was ist dein Ziel in der Philosophie? Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“[32] Die Spätphilosophie ersetzt den Begriff „Logik“ durch „Grammatik“. Der Unterschied besteht darin, dass im Gegensatz zur Logik die „Grammatik“ als Ensemble von Gepflogenheiten einer Lebensform „Veränderungen unterworfen ist“. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass weder Logik noch „Grammatik“ erklärbar sind, sondern beide sich in dem, was die ausmachen, lediglich zeigen.

Schließlich identifizieren die „Metaphysiker“ in Wittgensteins Früh- wie Spätwerk eine gegencartesianische Ablehnung des Dualismus von privater „Innenwelt“ und öffentlicher „Aussenwelt“ sowie des subjektzentrierten Denkens überhaupt, nicht zuletzt durch das Auslassen jeglicher Erkenntnistheorie oder Transzendentalphilosophie.

Literarische Rezeption

Thomas Bernhard greift in seinem, nach den beiden Schauspielerinnen und ihrem Kollegen der Uraufführung benannten, Theaterstück „Ritter, Dene, Voss“ (Uraufführung: 18. August 1986 in Salzburg) die Familiensituation Ludwig Wittgensteins auf und verbindet sie mit dessen Neffen Paul, der mehrmals in der psychiatrischen Klinik Am Steinhof bei Wien behandelt wurde und dem er seine Erinnerungen „Wittgensteins Neffe“ (1982) widmete. Auch seine eigene Kritik an der österreichischen Gesellschaft des 20. Jhs. legt der Autor dem Protagonisten in den Mund. Das Drama spielt im Speisezimmer der herrschaftlichen Villa der Großindustriellenfamilie Worringer. Ludwig, der nach einem Skandinavienaufenthalt und philosophischen Studien an einer englischen Universität wegen seiner psychischen Labilität im Krankenhaus „Steinhof“ lebte, kehrt für kurze Zeit ins von seinen beiden Schwestern bewohnte Haus zurück. Unterbrochen von grotesken Wutausbrüchen rechnet er, im Bernhardschen Stil, mit seinen Eltern, dem Großbürgertum und, in einem Rundumschlag, mit dem Medizin-, Kunst- und Wissenschaftsbetrieb ab.

In Libuše Monikovás autobiographisch unterlegtem Roman „Treibeis“ [33] ist Wittgensteins Tätigkeit als Volksschullehrer (1920-1926) rezipiert. Jan Prantl, einer der beiden Protagonisten (Prantl und Karla, beide tschechische Exilanten), nimmt in der zweiten Station der Handlung an einem internationalen pädagogischen Kongress am Semmering teil. Zwei Wissenschaftler aus Cambridge nutzen den Aufenthalt, um Wittgenstein-Souvenirs wie Zeugnisse, Schreibhefte und Bücher seiner ehemaligen Schüler in Trattenbach und anderen Dörfern (Puchberg) aufzukaufen (Kp. 3) und dem Seminar ihre Augenzeugenbefragungen über die Lehrertätigkeit des Philosophen vorzutragen (z.B. Affekthandlungen wie Züchtigungen, andererseits Idealismus: finanzielle Unterstützung und Förderung mathematisch begabter Schüler, Erarbeitung einer Grundwortschatzsammlung für die Rechtschreibung), die, parodistisch erzählt, von den Teilnehmern unter unterschiedlichen Aspekten diskutiert werden (Kp. 5): biographisch (Familie, Autismus, Ausgrenzung und Verspottung durch Mitschüler in Linz, Kriegsverletzung), historisch-soziologisch (armselige Gebirgsdörfer Niederösterreichs: Trattenbach, Puchberg und Otterthal), reformpädagogisch (zwar Mitwirkung der Schüler bei Herstellung der Wörterbücher, aber keine inhaltliche Beteiligung, einerseits lebensfremde mathematische Textaufgaben, andererseits sorgfältig vorbereitete Ausflüge). Der Kongressleiter fasst als Ergebnis zusammen: „Er mag ein engagierter, vielleicht sogar guter Lehrer gewesen sein. Ein Pädagoge war er nicht!“ [34]

Siehe auch

Werke

Die ersten beiden Ebenen des Werkes Tractatus Logico-Philosophicus
  • Werkausgabe in 8 Bänden, Frankfurt am Main, 1984 (Preiswerte Taschenbuchausgabe, auch einzeln erhältlich).
  • Vorlesungen über die Philosophie der Psychologie 1946/47, Frankfurt am Main, 1991 (Vollständige Wiedergabe seiner letzten Vorlesungen, aufgezeichnet von drei von Wittgensteins Hörern; sie vermitteln ein sehr lebendiges Bild von dem ungewöhnlichen Lehrstil; aus dem Englischen).
  • Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus Logico-Philosophicus), 1921
  • Philosophische Untersuchungen, 1953.
  • Über Gewißheit, Suhrkamp, 1970.
  • The Big Typescript
  • Philosophische Untersuchungen. Kritisch-genetische Edition. Suhrkamp, Frankfurt 2001.
  • Wiener Ausgabe. 15 Bände, 6 Registerbände, 1 Einführungsband, hrsg. von Michael Nedo, Springer, Wien 2000
  • Wittgenstein's Nachlass. The Bergen Electronic Edition. 6 CD-ROMs, 1998. Faksimile-Ausgabe des Nachlasses. Zwei transkribierte Textfassungen. Ca. 20.000 Seiten.

Literatur

Biographien

  • Wilhelm Baum: Ludwig Wittgenstein. In: Köpfe des 20. Jahrhunderts. 103, Colloquium-Verlag, Berlin 1985, ISBN 3-7678-0645-2.
  • Brian McGuinness: Wittgensteins frühe Jahre. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-518-28614-5 (sehr ausführlich).
  • Ray Monk: Wittgenstein. Das Handwerk des Genies. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-94280-7 (mit vielen Zitaten aus Briefen und Tagebüchern).
  • Kurt Wuchterl, Adolf Hübner: Wittgenstein. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1998, ISBN 3-499-50275-5 (kurz, viele Fotos).
  • David J. Edmonds, John A. Eidinow: Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Feuerhaken drohte. Eine Ermittlung. DVA, München 2002, ISBN 3-421-05356-1 (korr. Auflage: Fischer TB ISBN 3-596-15402-2) über ein Zusammentreffen in Cambridge 1946, eine Darstellung ihrer Philosophie und Biographien.
  • Paul Vijdeveld: Ludwig Wittgenstein, Architekt. Wiese Verlag, Basel 2000, ISBN 3-909164-03-X.
  • Joachim Schulte: Leben. Werk. Wirkung. (Taschenbuch) Suhrkamp, Frankfurt/M. 2005, ISBN 978-3-518-18209-3.
  • Wilhelm Pellert: Wittgenstein. Theaterstück. Uraufführung: Wien, Freie Bühne Wieden 2011

Einführungen

  • Chris Bezzel: Wittgenstein zur Einführung. Junius, Hamburg 2000, ISBN 3-88506-330-1.
  • Kai Buchholz: Ludwig Wittgenstein.; Frankfurt u.a.: Campus, 2006; ISBN 3-593-37858-2
  • Hans-Johann Glock: Wittgenstein-Lexikon. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2000
  • A. C. Grayling: Wittgenstein. Freiburg im Breisgau. o.A.
  • Anthony Kenny: Wittgenstein (Taschenbuch); Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1987; ISBN 3-518-27669-7
  • Ernst M. Lange: Ludwig Wittgenstein: „Logisch-philosophische Abhandlung“; Paderborn: Schöningh, 1996 (Einführung in Hauptthesen)
  • Ernst M. Lange Ludwig Wittgenstein. Philosophische Untersuchungen, eine kommentierte Einführung; Paderborn: Schöningh, 1998; ISBN 3-8252-2055-9 (behandelt auch Teil II)
  • Howard O. Mounce: Wittgenstein’s Tractatus. An Introduction; Oxford: Blackwell, 1990; ISBN 0-631-12556-6 (Einführung für College-Studenten)
  • George Pitcher: Die Philosophie Wittgensteins. Eine kritische Einführung in den Tractatus und die Spätschriften; Freiburg, München: Alber, 1967; ISBN 3-495-47159-6
  • Joachim Schulte: Wittgenstein. Eine Einführung; Stuttgart: Reclam, 2001; ISBN 3-15-008564-0
  • Wilhelm Vossenkuhl: Ludwig Wittgenstein; München: C.H. Beck, 1995; ISBN 3-406-38931-7 (Reihe „Denker“)

Kommentare, Monographien, Sammelbände

  • Jan Drehmel, Kristina Jaspers (Hrsg.): Ludwig Wittgenstein. Verortungen eines Genies. Junius, Hamburg 2011, ISBN 978-3-88506-475-6.
  • Erich Ammereller, Eugen Fischer (Hrsg.): Wittgenstein at work. Method in the philosophical investigation. Routledge, London 2004, ISBN 0-415-31605-7 (Sammelband zur Methode Wittgensteins).
  • Ulrich Arnswald (Hrsg.): In Search of Meaning. Ludwig Wittgenstein on Ethics, Mysticism and Religion. Universitätsverlag, Karlsruhe 2009, (EUKLID-Studien; Bd 1), ISBN 978-3-86644-218-4.
  • Ulrich Arnswald (Hrsg.): Sektion „The Authentic in Wittgenstein’s Philosophy / Das Authentische in Wittgensteins Philosophie“. In: Wittgenstein Jahrbuch 2003/2006, Jahrbuch der Deutschen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft. Lang, Frankfurt am Main 2007, 113-198, ISBN 978-3-631-56104-1.
  • Ulrich Arnswald, Jens Kertscher, Matthias Kroß (Hrsg.): Wittgenstein und die Metapher. Parerga, Berlin 2004, ISBN 3-937262-14-8.
  • Ulrich Arnswald, Anja Weiberg (Hrsg.): Der Denker als Seiltänzer. Ludwig Wittgenstein über Religion, Mystik und Ethik. Parerga, Düsseldorf 2001, ISBN 3-930450-67-4.
  • Gordon P. Baker, Peter M. Hacker: Analytical Commentary on the „Philosophical Investigations“. Blackwell, Oxford 1985. (Mehrere Bände, der wohl gründlichste und umfassendste Kommentar zu den Philosophischen Untersuchungen, allerdings ohne die Behandlung von Teil II. Die Autoren sind die Wittgenstein-„Päpste“ und zerfielen über ihrem Hauptwerk in die weiter oben „therapeutisch“ / „metaphysisch“ gekennzeichneten Lager.)
  • Gordon P. Baker: Wittgenstein’s method. Neglected aspects, essays on Wittgenstein. Blackwell, Oxford 2004, ISBN 1-4051-1757-5 (Sammlung zunächst meist in Französisch erschienener Essays zur weiter oben „therapeutisch“ gekennzeichneten Position, die Geisteskrämpfe nicht durch Analyse, sondern Umdeutung sie verursachender Bilder zu lösen anstrebt.)
  • Gerd Brand: Die grundlegenden Texte von Ludwig Wittgenstein. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1975. ISBN 3-518-07438-5
  • Wittgenstein und die Zeichen. Semiotische Berichte mit: Linguistik Interdisziplinär. Jg. 16/1992, Heft 1/2. (Wien, Österr. Ges. f. Semiotik): Bezzel, Chris. Wahrnehmungsspiel und Sprachspiel. Eine Skizze zu Wittgenstein; Conte, Amedeo G. Wittgensteins deontischer Ort; Leinfellner-Rupertsberger, Elisabeth. Die pragmatische Begründung von Linguistik und Künstlerischer Intelligenz durch Wittgensteins späte Philosophie: die Geschichte eines Fehlschlags; Neumer, Katalin. Das Wunder der Natur. Die Ideen des späten Wittgenstein über Ästhetik und Kunst. Rossi-Landi, Ferruccio. Wittgenstein aus alter und neuer Sicht. Koschitz, Norbert. Das Ei ins Kuckucksnest. Editionskundliche Anmerkungen zu Wittgensteins Nachwelt; Conte, A.G. Wittgensteins nicht-posthume Schriften. Bericht.
  • Stanley Cavell: Der Anspruch der Vernunft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006 (Insbesondere sind seine Interpretation von Wittgensteins „Kriterien“ empfehlenswert, des Weiteren hat er weitere wichtige Aufsätze zu Wittgenstein geschrieben, die in Essaysammlungen auf deutsch vorliegen.)
  • Françoise Fonteneau : L’éthique du silence. Wittgenstein et Lacan. Seuil, Paris 1999.
  • Mirko Gemmel: Die Kritische Wiener Moderne. Ethik und Ästhetik. Karl Kraus, Adolf Loos, Ludwig Wittgenstein. Parerga, Berlin 2005, ISBN 3-937262-20-2 (zur Bedeutung der Ethik im Tractatus).
  • Peter M. Hacker: Wittgenstein im Kontext der analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997, ISBN 3-518-58242-9.(Fundierter Überblick der „metaphysischen“ Position, die in Wittgenstein einen Erben der angelsächsisch-analytischen Philosophietradition sieht.)
  • Peter M. Hacker: Einsicht und Täuschung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1978. (Eine der besten Gesamtdarstellungen der Philosophie von Wittgensteins.)
  • Fernando Gil : La Réception de Wittgenstein Collège international de philosophie, Paris 1988; ISBN 2-905670-27-4.
  • Merrill B. Hintikka, Jaakko Hintikka: Untersuchungen zu Wittgenstein. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1224. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-28824-5.
  • Mathias Iven: Ludwig sagt … Die Aufzeichnungen der Hermine Wittgenstein. Parerga, Berlin 2006.
  • Wulf Kellerwessel: Wittgensteins Sprachphilosophie in den Philosophischen Untersuchungen. Eine kommentierende Ersteinführung. Ontos, Heusenstamm 2009 (Publications of the Austrian Ludwig Wittgenstein-Society, New Series, Vol. 9), ISBN 978-3-86838-032-3.
  • Wolfgang Kienzler: Wittgensteins Wende zu seiner Spätphilosophie 1930 bis 1932. Eine historische und systematische Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2001, ISBN 978-3-518-58250-3.
  • Wolfgang Kienzler: Ludwig Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“; Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2007; ISBN 978-3-534-19823-8
  • Saul Aaron Kripke: Wittgenstein über Regeln und Privatsprache. Eine elementare Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2006, ISBN 3-518-29383-4 (engl. Original erschien 1982. Umstrittene, aber äußerst einflussreiche Interpretation Wittgensteins, wegen ihrer umstrittenen Treue zur Original-Argumentation ironisch „Kripkenstein“ genannt)
  • E. M. Lange: Wittgensteins Revolution. Das Problem der Philosophie und seine Auflösung. 2009, abgerufen am 30. November 2010 (pdf, 483 KB, Verfasser der UTB-Kommentare zu Tractatus und Philosophische Untersuchungen arbeitet in Online-Veröffentlichung aus, wie Wittgensteins Umsturz der disziplinären Verhältnisse innerhalb der Philosophie von der Erkenntnistheorie zur Semantik mit der Auflösung des Scheinproblems einer zwischen Realismus und Idealismus bestehenden Alternative zusammenhängt).
  • Duncan Richter: Wittgenstein at His Word. Continuum, London 2004, ISBN 0-8264-7473-X. (weitere alternative Interpretation von Wittgensteins Spätphilosophie)
  • Nicolas Reitbauer: Wittgenstein – Verstehen – Mikrologische Untersuchungen zum Beginn des Big Typescripts. 2006.
  • Alois Rust: Wittgensteins Philosophie der Psychologie. Klostermann, Frankfurt am Main 1996, ISBN 978-3-465-02848-2.
  • Eike von Savigny: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“. Ein Kommentar für Leser. Klostermann, Frankfurt a. M. 1988f., ISBN 978-3-465-03547-3.
  • Michel Ter Hark: Beyond The Inner And The Outer. Wittgensteins's Philosophy of Psychology. Kluwer, Dordrecht 1990, ISBN 0-7923-0850-6.
  • J.-M.Terricabras: Ludwig Wittgenstein. Kommentar und Interpretation. Alber, Freiburg 1978, ISBN 3-495-47393-9.
  • Holm Tetens: Wittgensteins „Tractatus“. Ein Kommentar. Reclam, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-15-018624-4.

Belletristik

  • Philip Kerr: Das Wittgenstein-Programm. Rowohlt TB, Reinbek 1996, ISBN 3-499-43229-3. (Kriminalroman)
  • Bruce Duffy: The World As I Found It. London 1987.

Filme

Weblinks

 Commons: Ludwig Wittgenstein – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bertrand Russell am 29. November 1911 an Ottoline Morrell
  2. a b Axel Schock, Karen-Susan Fessel: OUT! – 800 berühmte Lesben, Schwule und Bisexuelle. Querverlag, Berlin 2004, ISBN 3-89656-111-1
  3. W. W. Bartley, Wittgenstein. Lippincott, Philadelphia: 1973, S. 160 u.ö.
  4. Tractatus 4.0031
  5. Saul Aaron Kripke: Wittgenstein über Regeln und Privatsprache. Eine elementare Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2006, ISBN 3-518-29383-4.
  6. Tractatus 3.3
  7. Tractatus 3.1432
  8. Tractatus 6.54
  9. Aus einem Brief Wittgensteins an Ludwig von Ficker, den Herausgeber der Zeitschrift Der Brenner
  10. Tractatus 5.6
  11. Brief an Russell
  12. a b Ray Monk: Wittgenstein. Das Handwerk des Genies, Klett-Cotta, Stuttgart 2004, S.252f.
  13. A.C.Grayling: Wittgenstein. Freiburg im Breisgau, S. 18f.
  14. http://churchatcastle.org/node/12
  15. Zur Problematik der Herausgabe der Werke Wittgensteins siehe: Joachim Schulte: Wittgenstein. Stuttgart, 1989, S. 45f.
  16. Cora Diamond: The Realistic Spirit. Cambridge, Massachusetts: MIT Press, 1991.
  17. Rupert Read, Alice Crary (Hrsg.) The New Wittgenstein. Routledge, 2000
  18. J. Conant & C. Diamond: On reading the Tractatus resolutely: reply to Meredith Williams and Peter Sullivan. In: M. Kölbel, B. Weiss (Hrsg.) The Lasting Significance of Wittgenstein’s Philosophy, Routledge, 2004.
  19. Peter Hacker Was he trying to whistle it? In: Wittgenstein: Connections and Controversies, Oxford, 2001
  20. James Conant Mild-Mono-Wittgenteinianism in: Alice Crary (Hrsg.): Wittgenstein and the Moral Life – Essays in Honor of Cora Diamond. MIT Press, Cambridge, Massachusetts 2007 Routledge, 2000
  21. Rupert Read, Matthew Lavery(Hrsg.): The Tractatus Wars. Routledge, 2011.
  22. PU, Vorwort
  23. Haupt-Vertreter Gordon P. Baker in Wittgenstein’s method. Neglected aspects, essays on Wittgenstein, Blackwell, Oxford 2004
  24. Haupt-Vertreter Peter M. Hacker in Wittgenstein im Kontext der analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997
  25. Philosophische Untersuchungen § 133
  26. PU, § 18
  27. PU, § 43
  28. PU, § 23
  29. PU, § 109
  30. PU, § 84
  31. PU, § 255
  32. PU, § 309
  33. Moniková, Libuše: Treibeis. Hanser München/Wien 1992.
  34. s. Moniková, 1992, S. 123.
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