Woody Allen

Woody Allen
Woody Allen (2009)

Woody Allen (* 1. Dezember 1935 in Brooklyn, New York; bürgerlich Allan Stewart Konigsberg) ist ein US-amerikanischer Komiker, Filmregisseur, Autor, Schauspieler und Musiker. Neben den über 50 Filmen als Drehbuchschreiber und Regisseur hat Woody Allen zahlreiche Erzählungen, Theaterstücke und Kolumnen geschrieben. Darüber hinaus ist er begeisterter Jazzmusiker.

Allen gilt als einer der bedeutendsten Regisseure unserer Zeit. Er wurde einundzwanzigmal für den Oscar nominiert und erhielt die Auszeichnung dreimal: 1978 für Der Stadtneurotiker in den Sparten Bester Regisseur und Bestes Drehbuch, 1986 mit Hannah und ihre Schwestern noch einmal für das beste Drehbuch. Allen nahm die Auszeichnung nie persönlich entgegen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Woody Allen bei einem Auftritt als Klarinettist im Dezember 2006

Allen Stewart Konigsberg wurde als Sohn jüdischer Eltern im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren. Beide Elternteile waren in der Lower East Side von Manhattan geboren und aufgewachsen. Der Vater Martin Konigsberg, ein Diamantenschleifer (* 25. Dezember 1900; † 13. Januar 2001), die Mutter Nettie Cherry Konigsberg (* 8. November 1906; † 27. Januar 2002) und Allens Schwester Letty (* 1943) lebten in Flatbush, einem jüdisch geprägten Viertel. Die Großeltern waren deutschsprachige bzw. jiddisch-sprechende Immigranten und auch in Allens Familie waren diese Sprachen neben dem Englischen noch geläufig. Obwohl die Eltern keine orthodoxen Juden waren, schickten sie ihren Sohn acht Jahre lang auf eine hebräische Schule. Danach absolvierte Allen die Public School 99 und die Midwood High School, wo Red, so der Spitzname des schmächtigen Rotschopfs, zum ersten Mal auf sich aufmerksam machte: durch sein herausragendes Talent im Kartenspiel (ein geflügeltes Wort in der Midwood High war „Never play cards with Konigsberg“).

Er entwickelte ein gewisses Interesse fürs Theater, vor allem aber für das Kino und die Radioshows der 1940er Jahre, wie Duffy’s Tavern oder The Great Gildersleeve. Und er spielte täglich Klarinette, bis zu zwei Stunden. Um sein Taschengeld aufzubessern, begann er damit, für die Agentur David O. Alber Gags zu schreiben, die an Kolumnisten großer Tageszeitungen verkauft wurden. Dank seines Talents und der von ihm geknüpften Beziehungen durfte er bald Entertainment-Stars wie Sid Caesar zuarbeiten. Als 16 Jahre alter Frischling im Showbusiness beschloss Konigsberg, fortan den Künstlernamen „Woody Allen“ zu tragen.

Trotz seines einträglichen Jobs belegte er – seinen Eltern zuliebe – einen Communications Arts Course an der New York University, wo er allerdings kaum je gesehen wurde. Ein prägendes Ereignis seiner Studienzeit war vermutlich, als er auf den Rat seines Dekans hin einen Psychoanalytiker aufsuchte.

Er heiratete die 16-jährige Philosophiestudentin Harlene Rosen. Das junge Paar zog nach Manhattan und Woody stieg vom Gagzulieferer zum Drehbuchautor auf. Die Ed Sullivan Show, die Tonight Show und einige andere gehörten zu seinen Abnehmern. 1957 trat er, nominiert für den Emmy, das erste Mal aus dem Schatten seiner Auftraggeber und vor die Linse einer Kamera.

Ungefähr zu der Zeit ging seine Ehe mit Harlene auch schon in die Brüche. Bis sie ihn 1969 auf zwei Millionen Dollar verklagte, war sie der Hauptgegenstand seiner Gags, die er mittlerweile auch in Form von Prosa veröffentlichte. Er fing nun an, Theaterstücke zu schreiben und aufzuführen, aber sein ganzer Ehrgeiz galt dem Plan, Stand-up-Comedian zu werden, ein Alleinunterhalter, der Mitte der 1950er Jahre in Mode gekommen war.

Sein erster Auftritt 1960 im Nachtclub Duplex (Greenwich Village) geriet zum Fiasko. Seine Manager bezeichneten ihn als schlechtesten Komiker, den sie je gesehen hatten. Und dennoch schafften sie es, aus dem schüchternen und linkischen Auftreten eine Masche zu machen und damit einen unverwechselbaren Stil zu kreieren, mit dem Allen zum Geheimtipp avancieren sollte. Es brauchte seine Zeit und sicher einige Mühen. Aber Konigsberg schuf daraus im Laufe der Jahre die Kunstfigur Woody, die bis vor kurzem nahezu unverändert in den meisten seiner Filme zu sehen war.

Vor seiner ersten Filmproduktion 1965 (Drehbuch zu Was gibt’s Neues, Pussy?) schrieb Woody Allen bereits 14 Jahre lang Witze, die er größtenteils als Stand-up-Comedian benutzte oder verkaufte. Er war auf dem besten Wege, mit seinem ungewöhnlichen intellektuellen Stil und den erfundenen Geschichten aus seinem Privatleben zu einer nationalen Berühmtheit aufzusteigen. Seine ersten Schritte in dem neuen Medium tat er nach demselben Rezept, das ihm auf der Bühne so großen Erfolg beschert hatte.

Etwa zu dieser Zeit lernte er die junge Schauspielerin Louise Lasser kennen, die er 1966 heiratete. 1971 wurde die Ehe wieder geschieden, und Lasser durfte noch größere Rollen in Bananas und Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten spielen.

Die Woody-Allen-Filme zwischen 1965 und 1975 zeichnen sich vor allem durch ihre Kombination von absurdem Sprach- und Bildwitz aus (etwa bei Der Schläfer, wo der Erzschurke mit einer riesigen Erdbeere niedergeschlagen wird). Wie im Nummern-Kabarett dient die skurrile Handlung oft bloß dazu, eine Abfolge von Gags zu inszenieren.

Mangels eigener formaler Mittel bediente sich Allen bereits vorhandener Erzählkonzepte, die er durch Satire neu beleuchtete, wie etwa bei Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten, einer Travestie der Aufklärungsfilme der 1960er. Charakteristisch für sein Frühwerk ist außerdem, dass (zumindest seiner eigenen Aussage zufolge) bis zu fünfzig Prozent des jeweiligen Films erst auf dem Set improvisiert wurde. Viele der eingesetzten Stilmittel, vor allem die Travestie und die teilweise arg surrealen Inhalte, sind auch in seinen 1971, 1973 und 1980 in Buchform veröffentlichten Kurzgeschichten zu finden.

Mia Farrow im Mai 2008 als UNICEF-Botschafterin in Bangui

Ab Mitte der 1970er Jahre wurde der humoristische Anteil in seinen Filmen zugunsten einer dramatisch anspruchsvolleren Handlung differenzierter. In dieser Zeit agierte seine damalige Lebensgefährtin Diane Keaton häufig als Spielpartnerin und weibliche Hauptdarstellerin. Zum Ende des Jahrzehnts schließlich trat Mia Farrow in sein Leben, die fortan in sehr unterschiedlichen Rollen in Allens Filmen glänzen konnte.

Der Film Ehemänner und Ehefrauen markiert das Ende der Zusammenarbeit von Allen und Mia Farrow, die seit Anfang der 1980er Jahre ein Paar waren. Ihre Beziehung ging in die Brüche, als Mia Farrow 1992 von Allen aufgenommene Nacktfotos der 21-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi Previn (* 1970) entdeckte und Allen daraufhin sein Verhältnis mit Soon-Yi eingestand. Die nachfolgende gerichtliche Auseinandersetzung um das Sorgerecht für die übrigen Kinder brachte Allen mächtig in Bedrängnis.

Mia Farrow hatte Soon-Yi Previn zusammen mit ihrem damaligen Mann André Previn adoptiert, weshalb Allen Soon-Yi – im Gegensatz zu Mia Farrows anderen Adoptivkindern Dylan und Moses – nicht hatte adoptieren dürfen. Farrow und Allen hatten zudem seit 1987 den gemeinsamen Sohn Satchel Farrow.

Den Prozess um das Sorgerecht gewann Mia Farrow, sie bekam am 7. Juni 1993 das alleinige Sorgerecht für Dylan und Satchel zugesprochen. Allens Adoptivsohn Moses durfte selbst entscheiden und lehnte einen weiteren Kontakt zu Allen ab. Woody Allen wurde zwar vom Vorwurf des Kindesmissbrauchs an Dylan (damals sieben Jahre alt) de facto freigesprochen – es blieb ihm aber ausdrücklich verboten, dieses Kind zu sehen.

„Das Gericht stellte in so gut wie allen Punkten seine elterliche Eignung infrage und nannte Allens Verhalten den Kindern gegenüber ‚missbrauchend und gefühllos’“, hieß es dazu am 8. Juni 1993 in der New York Times. Obwohl Allen Soon-Yi bereits im Alter von etwa 11 Jahren kennengelernt hatte und rund 13 Jahre mit Mia Farrow zusammen war, bestritt Allen später, eine vaterähnliche Figur für Soon-Yi gewesen zu sein.

Im Dezember 1997 heirateten Woody Allen und Soon-Yi Previn, die ihrerseits zwei Kinder adoptierten.

Werk

New-York-Trilogie und erster ernster Film

Woody Allen wollte nicht wie einst Charlie Chaplin für den Rest seines Lebens auf die Rolle des Tolpatsches und Filmclowns festgelegt werden. Schon zu Zeiten von Die letzte Nacht des Boris Gruschenko bekommen seine bisher recht belanglosen Klamaukfilme einen dunkleren Unterton. 1976 spielt er seine erste ernste Rolle in Der Strohmann.

Im selben Jahr beginnt er auch mit den Dreharbeiten zu Der Stadtneurotiker, der in jeder Beziehung einen Bruch zu seinen bisherigen Filmen darstellt, wobei er zum ersten Mal mit dem Kameramann Gordon Willis zusammenarbeit, einem der führenden Directors of Photography der 1970er.

Der Stadtneurotiker hat weder in Form noch Inhalt einen anderen Film oder ein Genre zum Vorbild. Auch kann Allen jetzt auf einige filmische Erfahrung zurückgreifen und nutzt verschiedene Aufnahme- und Erzähltechniken wesentlich stärker als zuvor. Gleichzeitig setzt er Stilmittel viel bewusster ein, die häufigen Zitate aus anderen Filmen beispielsweise sind kein Selbstzweck mehr, sondern haben ihrerseits eine eigene Funktion. Zusammen mit Kameramann Willis schuf Allen mit ungewöhnlichen Methoden und Stilbrüchen einen ganz andersartigen Film. Vor allem aber ändern sich die Inhalte. Woody Allen, mittlerweile 40 und frisch getrennt von Diane Keaton, zieht erstmals Bilanz über sein bisheriges Leben. Persönliche Erfahrungen hatte er schon immer in seine Arbeit einfließen lassen, ein famoses Beispiel hierfür sind Allens Witze über seine Ex-Frau Harlene Rosen („Quasimodo, ich will die Scheidung“), aber in Der Stadtneurotiker wird das Publikum erstmals wirklich einbezogen und hat das Gefühl, am Auf und Ab Woodys teilzuhaben.

1978 stellte Allen seinen ersten ernsten Film vor: Innenleben. Allen, der hier nur als Regisseur fungiert, erzählt in präzisen Bildern (Willis) vom Zerfall einer bürgerlichen Großfamilie. Die Leere und Anonymität der Innenräume – daher auch der Originaltitel – kontrastiert die emotionalen Verwirrungen der in ihnen wohnenden Protagonisten. Innenleben gilt als Allens deutliche Hommage an den schwedischen Regisseur Ingmar Bergman, ist jedoch auch im Kontext der Beziehungsfilme der späten 1970er und längst schon als Werk mit eigener Berechtigung zu sehen.

In Manhattan bezog Allen 1979 wieder stärker komödiantische Elemente ein. Anders als bei Der Stadtneurotiker versuchte er, dennoch einen relativ ernsthaften Film zu drehen. Der typische Allen-Vorspann – Schwarzbild mit weißen Anfangstiteln, unterlegt mit Jazzmusik – fällt hier weg. Statt dessen sieht man eine Abfolge von New-York-Ansichten in Schwarz-Weiß, wobei Allen hier zum ersten und bisher einzigen Mal als Regisseur auf Breitwandbilder in Panavision setzt (1:2,35). Man hört Allens Stimme, der mehrmals versucht, ein erstes Kapitel zu texten, abbricht und wieder neu beginnt. Schließlich meint er: „New York was his town, and it always would be.“ Dann brandet große symphonische Musik von George Gershwin auf. Allen ist hier als krisengeplagter TV-Autor Isaac Davis zu sehen, der zwischen verschiedenen Frauen steht und sich erst am Ende zu entscheiden vermag. Der Stadtneurotiker und Manhattan gelten inzwischen unbestritten als Allens größte Erfolge. Diese Filme verbanden seinen Namen auch untrennbar mit dem Big Apple.

Den letzten Teil der sogenannten New-York-Trilogie bildet Stardust Memories, das stark an Federico Fellinis orientiert ist. Wie die beiden Vorgänger ist Stardust Memories deutlich autobiografisch angehaucht, spielt also in New York und handelt von einem Filmschaffenden. Allerdings handelt er auch von dessen übergroßer Verachtung für sein Publikum, was Allen in den USA lange Zeit nicht verziehen wurde. Es schien fast, als wollte er ein für allemal das Clownsimage ablegen, obwohl er, nach einem Sturm der Entrüstung, darauf bestand, dass es zwischen dem Protagonisten seines Filmes und ihm selbst keinerlei Parallelen gebe.

Die 1980er

Unter manchen Filmkritikern herrscht die Meinung vor, dass Woody Allens Filme in dieser Periode nur mit sowjetischen oder polnischen Beispielen zu vergleichen seien. Tatsächlich hat er sich noch nie sehr viel aus Hollywood und der US-amerikanischen Filmbranche gemacht. Er war nicht einmal bei der Oscarverleihung, als Der Stadtneurotiker vier Academy Awards gewann.

Was seine Filme betrifft, lassen sich zwei Linien unterscheiden. Auf der einen Seite entwickelt er seine Komödien weiter, die nun zu Tragikomödien werden. Die Story wird aufwändiger, sie spielt oft in mehreren Handlungs- und Realitätsebenen. Die Filme sind auch einiges aussagekräftiger als seine frühen Komödien, oder sagen wir, ihre Aussage wird nicht mit plumpen Gags kaschiert. Fast alle haben ein Sad Ending, wie zum Beispiel The Purple Rose of Cairo, wo die Protagonistin am Ende noch unglücklicher und einsamer ist als zu Anfang. Bei Eine Sommernachts-Sexkomödie zeigt sich Allen 1982 von William Shakespeares Ein Sommernachtstraum und dessen amourösen Verwicklungen beeinflusst. Mit Zelig präsentiert Allen 1983 eine Satire über einen Menschen, der sich chamäleonartig ständig an seine Umwelt anpasst, der unter chassidischen Juden zum chassidischen Juden und unter Nazis zu einem Nazi wird. Allen porträtiert in diesem Film, der wie ein Dokumentarfilm mit scheinbaren Ausschnitten aus Wochenschauen inszeniert ist, einen Menschen, dessen Unpersönlichkeit ihn durch die Zeiten treiben lässt. 1984 erzählt Allen in Broadway Danny Rose von einem New Yorker Künstleragenten, der sich in mafiöse Kreise verirrt, und porträtiert das Milieu von Standup-Komikern, das die Basis für seine eigene Karriere war.

Mit seiner Komödie Hannah und ihre Schwestern erzielte Allen noch einmal einen großen Erfolg, sowohl in kommerzieller Hinsicht als auch bei den Kritikern. Der Film erhielt drei Oscars, einer, für das beste Drehbuch, ging direkt an Woody Allen. Andererseits experimentiert Allen mit alternativen Formaten: So dreht er beispielsweise mit September oder Eine andere Frau Dramen, die ohne jede Komik auskommen. Kritiker warfen ihm allerdings vor, mit solchen Filmen nur den von ihm verehrten Bergman kopieren zu wollen, übersahen jedoch Allens eigenständigen Ansatz. Auch ein Film über seine Kindheit, Radio Days, am einfachsten zu beschreiben als Kostümfilm, entsteht. Im Gegensatz zum ebenfalls autobiografischen Theaterstück The Floating Lightbulb durfte dieser sogar nach seiner Uraufführung weiter gezeigt werden, das Stück zog Allen nämlich wieder zurück. Bei Verbrechen und andere Kleinigkeiten schilderte Allen eine tödliche Mordintrige, vermied jedoch nicht gelegentliche komödiantische Elemente. Bei diesem Film arbeitete Allen zum ersten Mal mit dem Bergman-Kameramann Sven Nykvist zusammen.

Die 1990er

Nach Verbrechen und andere Kleinigkeiten fand Allen allmählich zu einem neuen Stil. An die Stelle seiner schwarzseherischen Tragikomödien traten nun andere, die wieder leichter und beschwingter anmuten. In Filmen wie Alice hat er zwar nach der Meinung vieler Kritiker Schwierigkeiten, zu einem überzeugenden Ende zu kommen, aber diese neueren Filme stehen dennoch für eine im Gegensatz zu den frühen Komödien dramatisch fundierte Entwicklung, mit einem im Gegensatz zu den Filmen der Achtziger positiven Tenor.

In Ehemänner und Ehefrauen schloss Allen 1992 die Reihe seiner Filme mit Mia Farrow ab. Der Film handelt von der Liebe und der Beziehungsfähigkeit, wobei der Treue eine eindeutige Absage erteilt wird.

Kurzfristig ersetzte Diane Keaton Mia Farrow 1993 bei Manhattan Murder Mystery, der im weitesten Sinne eine Fortsetzung des Stadtneurotikers ist. Die Handlung war als Subplot für diesen Film vorgesehen, wurde aber aus Zeitgründen gestrichen. Danach verhalf Allen gleich in zwei aufeinanderfolgenden Filmen einer Schauspielerin zu einem Oscar (Dianne Wiest und Mira Sorvino), später bei Sweet and Lowdown Sean Penn und Samantha Morton zu Nominierungen.

1995 drehte Allen Geliebte Aphrodite. Formal sehr streng, in oft langen Plansequenzen, erzählt der Regisseur (und Hauptdarsteller) vom langweiligen Leben mit seiner Frau (Helena Bonham Carter) und vom Seitensprung mit einem süßen, aber ziemlich einfältigen Callgirl (Mira Sorvino), die, ohne es zu wissen, die Mutter seines Adoptivsohnes ist. Der Film brilliert mit einem sporadisch auftretenden griechischen Chor, der in einem Original-Amphitheater in Südeuropa gedreht wurde. Der Chor übernimmt dabei – skandierend und tanzend – das Erzählen der Rahmenhandlung, wird aber zusehends in das Geschehen, das sich in New York abspielt, involviert. Irgendwann sitzt der in Lumpen gekleidete griechische Chorführer in Allens Upper-East-Side Luxus-Apartment und hilft ihm beim Ehebruch, indem er den Zettel mit einer Hand vor dem Verrutschen sichert, auf dem Allen, verdeckt vor seiner Frau telefonierend, die Telefon-Nummer des Callgirls notiert, mit der er später ein Verhältnis haben wird. Eine geradezu typische Allen-Szene, in der banale Realität mit Kunstfiguren anderer Epochen gemischt wird. Etwas Ähnliches hatte er auch in Mach’s noch einmal, Sam mit Humphrey Bogart konstruiert. Dabei setzte er dort wie hier das umstrittene, oft ernste Image dieser Figuren zu Steigerung der Komik ein.

Mit Julia Roberts, Goldie Hawn, Drew Barrymore und anderen drehte er 1996 in New York, Venedig und Paris das auf bekannte Jazz-Standard-Songs aufgebaute Musical Alle sagen: I love you. Bei Harry außer sich wurde Allen 1997 in der Bildsprache dem Originaltitel Deconstructing Harry – der nicht zufällig auf den Dekonstruktivismus anspielt – gerecht. Er dekonstruiert die physische Umgebung, verwendet kurze Jump Cuts und erzählt von einem Mann, der von anderen Menschen nur noch unscharf („out of focus“) gesehen wird.

1998 drehte Allen Celebrity, eine Gesellschaftskomödie, in der er selber nicht auftritt, dafür jedoch einen selbstironischen Leonardo DiCaprio vorführt, der einen abgehobenen Hollywoodstar spielt und damit seine eigene reale Existenz satirisch bricht. Im selben Jahr lieh Allen der Ameise Z in dem Warner Brothers-Streifen Antz seine Stimme. In der deutschen Synchronfassug übernahm dies sein Standardsynchronsprecher Wolfgang Draeger. Z-4195 – so die genaue Bezeichnung – weist dabei viele Facetten der von Woody Allen bekannten, von ihm konzipierten und verkörperten Charaktere auf: Zu Beginn des Films liegt Z auf der Couch eines Psychiaters.

Das Spätwerk

Allen und Hauptdarsteller Owen Wilson bei der Premiere ihres Films Midnight in Paris bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2011

Allen dreht weiterhin pro Jahr einen Film, sodass auch sein Spätwerk einen beachtlichen Umfang annimmt. Beispielsweise erschien 1999 der oben genannte Film Sweet and Lowdown, des Weiteren 2000 Schmalspurganoven mit Hugh Grant, 2001 Im Bann des Jade Skorpions, 2002 Hollywood Ending, 2003 Anything Else und 2004 Melinda und Melinda. In einigen deutschen Kinos wurden die Filme mit Verzögerung im Original mit Untertiteln gezeigt. Im September 2004 wurde Anything Else dem deutschen Publikum vorgestellt. Ende 2005 in die Kinos kam Match Point, der auf Festivals bejubelt wurde und viele Kritiker von einem neuen, wiedererstarkten Allen schwärmen ließ. Match Point war Allens erster Film, der ausschließlich in London spielte und produziert wurde. Auch sein nächstes Projekt Scoop – Der Knüller wurde in London gedreht, wie auch das Drama Cassandras Traum, dessen Dreharbeiten 2006 abgeschlossen wurden. Der Film hatte im Mai 2007 bei den Filmfestspielen in Cannes Premiere; Colin Farrell und Ewan McGregor verkörpern darin zwei Brüder im Londoner Arbeitermilieu, die in die Kriminalität abdriften. Für die weibliche Hauptrolle konnte man die noch unbekannte Britin Hayley Atwell gewinnen. Allens nächster Film Vicky Cristina Barcelona mit Scarlett Johansson, Rebecca Hall und Javier Bardem in den Hauptrollen sowie Penélope Cruz (gewann dafür ihren bisher einzigen Oscar) in der Nebenrolle wurde im Sommer 2007 in Barcelona gedreht und kam am 4. Dezember 2008 in die deutschen Kinos. Mit der spanischen Produktionsfirma Mediapro plant Allen zwei weitere Filme.

Anfang September 2008 gab Allen mit einer Inszenierung von Giacomo Puccinis Einakter Gianni Schicchi sein hochgelobtes Debüt als Opernregisseur. Die in Zusammenarbeit mit der Los Angeles Opera produzierte Inszenierung entstand auf Vermittlung von Generaldirektor Placido Domingo, dem Allen zwei Jahrzehnte zuvor eine Oper versprochen hatte.[1]

Whatever Works wurde im Frühjahr 2008 in New York gedreht und eröffnete am 22. April 2009 das Tribeca Filmfestival in New York. In den deutschen Kinos startete der Film am 3. Dezember 2009.

Die Dreharbeiten zu seinem vorletzten Film Ich sehe den Mann deiner Träume ("You Will Meet A Tall Dark Stranger") wurden im August 2009 in London beendet, und der Film feierte im Mai 2010 beim Internationalen Filmfestival in Cannes seine Weltpremiere.[2] Auf der Besetzungsliste stehen Freida Pinto, Josh Brolin, Lucy Punch, Anthony Hopkins, Antonio Banderas und Naomi Watts.[3] In die deutschen Kinos kam der Film am 2. Dezember 2010.

Im Sommer 2010 fanden die Dreharbeiten zu Midnight in Paris mit Owen Wilson und Marion Cotillard statt. In einer Nebenrolle war die französische Präsidenten-Gattin Carla Bruni-Sarkozy zu sehen.[4] Die Liebeskomödie um einen erfolgreichen US-amerikanischen Drehbuchautor (Wilson), der ins Paris der 1920er Jahre zurückversetzt wird, eröffnete 2011 die 64. Filmfestspiele von Cannes. In den deutschen Kinos startete der Film am 18. August 2011. Ende September hatte der Film bereits 107 Millionen US-Dollar eingespielt.[5]

Zur Zeit dreht Allen in Rom den Fim "The Bop Decameron", auf der Besetzungliste stehen: Jesse Eisenberg, Ellen Page, Penelope Cruz, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Judy Davis, Greta Gerwig, Alison Pill und Woody Allen selbst.[6]

Deutsche Synchronstimme

Seit 1965 wird Allen von Wolfgang Draeger als Standardsprecher synchronisiert. Nur in zwei Filmen wurde er von anderen Schauspielern gesprochen. In Casino Royale (1967) lieh ihm Horst Sachtleben seine Stimme, in der Kinoversion von Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten wurde er von Harald Juhnke gesprochen. Für die Fernsehauswertung dieses Films im ZDF 1987 wurde sein Part jedoch wiederum von Draeger synchronisiert. Woody Allen ist sogar der Meinung, die deutsche Synchronstimme von Wolfgang Draeger passe besser zu ihm als seine eigene. [7] [8] [9]

Woody Allen als Jazzmusiker

Woody Allen mit Band, Jerry Zigmont (links), Simon Wettenhall

Allen spielt regelmäßig Klarinette in einer Jazz Band im New Orleans (Traditional Jazz) Stil, bei Woody Allen with the Eddy Davis New Orleans Jazz Band.[10] Zuerst spielte Allen jeden Montag im Club "Alexander's", danach lange Zeit im Carlyle Hotel in Manhattan. Zur Band gehört auch der Posaunist Jerry Zigmont. Mit seiner Band war Allen auch 1996 auf Europa Tour, was Gegenstand des Dokumentarfilms Wild Man Blues von Barbara Kopple war (auch als DVD erschienen, der Soundtrack als CD bei RCA). Sie tourten auch schon in Griechenland, der Türkei, Südamerika und waren 2008 in Dresden. Gelegentlich tritt er auch mit seiner Band auf Jazz Festivals auf, wie dem Montreal Jazz Festival 2008. In seinen Filmen setzt er regelmäßig Jazz Musik ein, so in dem Film Sweet and Lowdown um einen (als Figur teilweise an Django Reinhardts kurze Zeit in den USA angelehnten) Jazzgitarristen. Ebenfalls Swing-orientiert war der ebenfalls als CD erschienene Soundtrack zu dem Film Radio Days, der in den 1940er Jahren spielt. In dem Film Der Schläfer tritt er auch selbst als Jazzmusiker auf, mit dem Preservation Hall Orchester in New Orleans und dem New Orleans Funeral Ragtime Orchestra. Zwei mit seiner Lebensgefährtin Soon-Yi Prévin adoptierte Kinder nannte er Manzie und Bechet nach den Jazzmusikern Manzie Johnson und Sidney Bechet. Woody Allen geht als Musiker regelmäßig auf Tournee, und so war er im März 2010, als auch im März 2011 für jeweils drei Konzerte in Deutschland.

Werke

Eine Statue von Woody Allen in Oviedo, Spanien

Filme

Legende: B – Buch, D – Darsteller, R – Regie

Theaterstücke

Legende: UA – Uraufführung

  • 1966: Vorsicht, Trinkwasser! (UA 1966)
  • 1969: Spiel’s noch einmal, Sam (UA 1969)
  • 1975: Tod und Gott (UA 13. Januar 1978, Teaneck, New Jersey)
  • 1988: Eine Sommernachts-Sexkomödie (Theateradaption des Films; UA 1988)
  • 1995: Central Park West(UA 1995)
  • 1996: Kugeln überm Broadway (Theateradaption des Films; UA 1996)

Bücher

Auszeichnungen

  • Academy Awards
    • 1978 Oscar in den Kategorien Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch (für Der Stadtneurotiker)
    • 1987 Oscar in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch (für Hannah und ihre Schwestern)
    • Von 1978 bis 2006 außerdem 18 Mal als Regisseur oder Autor für den Oscar nominiert
  • Golden Globe Awards
    • 1986 Golden Globe in der Kategorie Bestes Drehbuch (für The Purple Rose of Cairo)
    • 2009 Golden Globe in der Kategorie Beste Komödie (für Vicky Cristina Barcelona)
  • Writers Guild of America
    • 1987 WGA Awards (Screen) in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch (für Verbrechen und andere Kleinigkeiten)
    • 1990 WGA Awards (Screen) in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch (für Hannah und ihre Schwestern)
  • Berlinale 1975
    • 1975 Silberner Bär für das Lebenswerk
    • 1975 Preis der Union International de la Critique de Cinema (UNICRIT) (für Die letzte Nacht des Boris Gruschenko)
  • British Academy Film Awards
    • 1993 BAFTA Award in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch (für Ehemänner und Ehefrauen)
    • 1987 BAFTA Award in den Kategorien Bester Film und Bestes Originaldrehbuch (für Hannah und ihre Schwestern)
    • 1997 Ehrenpreis
  • César
    • 1980 César für den besten ausländischen Film (für Manhattan)
    • 1986 César für den besten ausländischen Film (für The Purple Rose of Cairo)
  • Bodil Awards
    • 1978 Bodil Award für den besten nicht-europäischen Film (für Der Stadtneurotiker)
    • 1980 Bodil Award für den besten nicht-europäischen Film (für Manhattan)
    • 1984 Bodil Award für den besten nicht-europäischen Film (für Zelig)
    • 1986 Bodil Award für den besten nicht-europäischen Film (für The Purple Rose of Cairo)
    • 1987 Bodil Award für den besten nicht-europäischen Film (für Hannah und ihre Schwestern)
  • David di Donatello
    • 1984 David di Donatello in der Kategorie Bester ausländischer Schauspieler (für Zelig)
    • 1985 David di Donatello in der Kategorie Bestes Drehbuch/Ausländischer Film (für Broadway Danny Rose)
    • 1987 David di Donatello in der Kategorie Bestes Drehbuch/Ausländischer Film (für Hannah und ihre Schwestern)
    • 2006 David di Donatello in der Kategorie Bester europäischer Film (für Match Point)
  • Fotogramas de Plata
    • 1974 Fotogramas de Plata für den besten ausländischen Darsteller
    • 1986 Fotogramas de Plata für den besten (ausländischen) Film (für The Purple Rose of Cairo)

Außerdem eine zweistellige Anzahl von Nominierungen für die oben genannten und andere Filmpreise sowie der Prinz-von-Asturien-Preis 2002.

Literatur

Filmdokumentationen

  • Im November 2009 erschien die "Woody Allen Collection", eine DVD-Box mit 19 seiner Filme. Sie umfasst fast alle seiner Filme zwischen 1972 und 1991 und dokumentiert damit sein frühes und mittleres Schaffen.

Einzelnachweise

  1. vgl. Nina Wachenfeld: Woody Allen inszeniert seine erste Oper bei welt.de, 10. September 2008
  2. festival-cannes.com
  3. filmstarts.de
  4. lvz-online.de
  5. Andrew Pulver: Woody Allen gets his groove back after years of decline., Guardian vom 30. September 2011, abgerufen am 1. Oktober 2011
  6. [1]
  7. Synchronkartei
  8. Deutschlandradio Kultur: Zeitreisen vom 11. Februar 2009
  9. Radio Bremen: Kulturjournal vom 1. Dezember 2010
  10. Woody Allen and Eddy Davis New Orleans Jazz Band
  11. Bop Decameron, www.variety.com, abgerufen am 2. September 2011

Weblinks

 Commons: Woody Allen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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