Kalmückien


Kalmückien
Subjekt der Russischen Föderation
Republik Kalmückien – Chalmg Tangtsch
Республика Калмыкия – Хальмг Тангч
Хальмг Таңһч / Chalʹmg Tangghtsch
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Südrussland
Fläche 74.731 km²
Bevölkerung 289.464 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 3,9 Einwohner/km²
Hauptstadt Elista
Offizielle Sprachen kalmückisch, russisch
Ethnische
Zusammensetzung
Kalmücken (53,3 %)
Russen (35,5 %)
Darginer (2,49 %)
Tschetschenen (2,04 %)
Kasachen (1,71 %)
(Stand: 2002)[2]
Oberhaupt Alexei Orlow
Gegründet 31. März 1992 (4. November 1920)
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahlen (+7) 847xx
Postleitzahlen 358000–359999
Kfz-Kennzeichen 08
OKATO 85
Website www.kalm.ru
Lage in Russland

Kalmückien, auch Kalmükien und Kalmykien, (russisch Калмыкия, kalmückisch Хальмг Таңһч, Chalʹmg Tangghtsch) ist seit 1992 eine autonome Republik im südlichen Teil des europäischen Russlands.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Kalmückien liegt an der Nordwestküste des Kaspischen Meeres und besteht hauptsächlich aus Steppe. Im Süden der Republik liegt die Manytschniederung. Infolge schlecht geplanter und durchgeführter Bewässerungsprojekte ist Kalmückien seit den 1960er-Jahren stark von Wüstenbildung (Desertifikation) betroffen. Mittlerweile wird in Bezug auf die Republik von der „ersten Wüste Europas“ gesprochen.

Bevölkerung

Ethno-linguistische Karte der Kaukasusregion und Kalmückiens

Die Kalmücken sind ein mongolisches Volk, das im frühen 17. Jahrhundert in das Gebiet der unteren Wolga gelangte. Sie sind das einzige mehrheitlich buddhistische Volk in Europa. Nach der russischen Volkszählung von 2002 stellen sie knapp über die Hälfte der Bevölkerung in Kalmückien, nämlich 155.938 (53,33 %) der 292.410 Einwohner. Die größte Minderheit sind mit 98.115 Personen (33,55 %) die Russen. Weitere bedeutende Minderheiten sind die 7.295 (2,49 %) Darginer, die 5.979 (2,04 %) Tschetschenen und die 5.011 (1,71 %) Kasachen. Amtssprachen sind Kalmückisch und Russisch. Die Republik ist mit einem Schnitt von 3,7 Einwohner pro Quadratkilometer äußerst dünn besiedelt.

Geschichte

Nach dem Zerfall der Goldenen Horde im 15. Jahrhundert wurde vom kalmückischen Khan der Beitritt Kalmückiens zum Russischen Reich durch ein Abkommen besiegelt.

Herrscher der Kalmücken und Torghuud

Zu Sowjetzeiten erhielt Kalmückien am 4. November 1920 den Status einer Autonomen Region und am 22. Oktober 1935 den einer Autonomen Oblast innerhalb der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR). Im Deutsch-Sowjetischen Krieg wurde der größte Teil Kalmückien im Juli 1942 von der deutschen Wehrmacht erobert und in der Folge mit Hilfe von Prinz Tundotov unter anderem ein Kalmükisches Kavallerie-Korps mit 3000–5000 freiwilligen Kalmücken aufgestellt, das auf Seite der Deutschen kämpfte.[3][4] Im Dezember 1942 eroberte die Rote Armee das Gebiet zurück.

1943 wurde die Republik aufgelöst. Das gesamte Volk der Kalmücken wurde unter dem Vorwurf der Kollaboration mit dem Deutschen in den asiatischen Teil der Sowjetunion deportiert, die Republikhauptstadt Elista in Stepnoi umbenannt und die Kalmücken aus der Liste der Völker der Sowjetunion entfernt. Nach der Rehabilitierung der Kalmücken wurde die Stadt wieder in Elista umbenannt; am 9. Januar 1957 wurde das Gebiet erneut Autonome Oblast und am 29. Juli 1958 wieder Autonome Republik (ASSR) innerhalb der RSFSR.[5] Nach Auflösung der UdSSR behielt Kalmückien den Autonomiestatus als Republik innerhalb der Russischen Föderation bei (Föderationsvertrag vom 31. März 1992 mit Russland). Präsident der Republik ist seit 1993 Kirsan Iljumschinow. Das Parlament der Republik nennt sich Volks-Chural, was auf die mongolische Tradition Kalmückiens verweist. Am 24. Oktober 2010 wurde Alexei Orlow neues Oberhaupt (Präsident) der Republik Kalmückien.

Verwaltungsgliederung

Die Republik ist in 13 Rajons sowie einen Stadtkreis, den die Hauptstadt Elista bildet, gegliedert. Den Rajons sind insgesamt 2 Stadt- und 112 Landgemeinden unterstellt.

[A 1] Name Name
(russisch)
Name
(kalmückisch)
Einwohner[6] Fläche
(km²)
Bevölkerungs-
dichte
(Ew./km²)
Stadt-
bevölkerung
Land-
bevölkerung
Verwaltungssitz Anzahl
Stadt-
gemeinden
Anzahl
Land-
gemeinden
Lage
I Elista[A 2] Элиста Элст 106.966 208 514 103.053 3.913   1 4 Location of Elista (Kalmykia).svg
1 Gorodowikowsk Городовиковский район Башнтан район 17.268 1.099 15,7 9.480 7.788 Gorodowikowsk 1 6 Location of Gorodovikovsky District (Kalmykia).svg
2 Iki-Burul Ики-Бурульский район Ик Бурла район 11.065 6.363 1,7 11.065 Iki-Burul 13 Location of Iki-Burulsky District (Kalmykia).svg
12 Jaschalta Яшалтинский район Яшлтан район 16.676 2.416 6,9 16.676 Jaschalta 11 Location of Yashaltinsky District (Kalmykia).svg
13 Jaschkul Яшкульский район Яшкулин район 14.519 11.669 1,2 14.519 Jaschkul 13 Location of Yashkulsky District (Kalmykia).svg
11 Justa Юстинский район Юстан район 10.312 7.996 1,3 10.312 Zagan Aman 7 Location of Yustinsky District (Kalmykia).svg
3 Kettschenery Кетченеровский район Көтчнрә район 10.379 6.548 1,6 10.379 Kettschenery 9 Location of Ketchenerovsky District (Kalmykia).svg
4 Lagan Лаганский район Лаганя район 19.189 4.685 4,1 13.770 5.419 Lagan 1 4 Location of Lagansky District (Kalmykia).svg
5 Malyje Derbety Малодербетовский район Баһ Дөрвдә район 10.186 3.666 2,8 10.186 Malyje Derbety 6 Location of Maloderbetovsky District (Kalmykia).svg
6 Oktjabrski Октябрьский район Октябрин район 8.940 3.686 2,4 8.940 Bolschoi Zaryn 7 Location of Oktyabrsky District (Kalmykia).svg
7 Prijutnoje Приютненский район Приютнин район 11.561 3.110 3,7 11.561 Prijutnoje 8 Location of Priyutnensky District (Kalmykia).svg
8 Sarpinski Сарпинский район Сарпан район 13.307 3.738 3,6 13.307 Sadowoje 9 Location of Sarpinsky District (Kalmykia).svg
10 Tschernosemelski Черноземельский район Хар Һазра район 12.847 14.192 0,9 12.847 Komsomolski 8 Location of Chernozemelsky District (Kalmykia).svg
9 Zelinny Целинный район Целинн райод 19.951 5.258 3,8 19.951 Troizkoje 11 Location of Tselinny District (Kalmykia).svg

Anmerkungen:

  1. Nummer des Rajons/Stadtkreises (Rajons in alphabetischer Reihenfolge der Namen im Russischen)
  2. Stadtkreis

Städte

Einzige Großstadt Kalmückiens ist die Hauptstadt Elista. Die nächstgrößeren Ortschaften sind die zwei anderen Städte der Republik Lagan und Gorodowikowsk sowie die Rajonverwaltungszentren Zagan-Aman, Jaschkul, Iki-Burul und Troizkoje.

Städte
Stadt Russisch Kalmückisch Einwohner[6]
Elista Элиста Элст 103.053
Lagan Лагань Лагань 13.770
Gorodowikowsk Городовиковск Башнта 9.480

Wirtschaft

Die Republik ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Einzig in der Hauptstadt Elista gibt es etwas Industrie. Der Uranerzabbau aus Zeiten der UdSSR ruht, stellt jedoch eine gefährliche Altlast dar. Erdöl- und Erdgasvorkommen im Küstenbereich des Kaspischen Meers sind Ressourcen für Devisen.

Nationalsport

Kirsan Iljumschinow, der Kalmückien von 1993 bis 2010 als Präsident regierte, bemühte sich um die Etablierung von Schach als kalmückischen Nationalsport. Bereits im Kindesalter werden Kinder im Schach gedrillt und es ist in der Schule reguläres Schulfach.[7]

Literatur

  • Georgi Watschnadse, Kalmykien, AIDS und Urangruben,(Seite 202 bis 205) Online
  • Joachim Hoffmann: Deutsche und Kalmyken 1942 - 1945, Band 14 der Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges, herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, Verlag Rombach, Freiburg im Breisgau 1977 ISBN 3-7930-0173-3
  • „Kalmyckij Boec (Der kalmükische Kämpfer)“ - Kalmükisches Kavallerie-Korps
  • Dossier Bundesarchiv Nr. N 756 / 240 b [1]

Weblinks

 Commons: Kalmückien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  1. Predvaritel'nye itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Rosstat, Statistika Rossii, Moskau 2011, ISBN 978-5-902339-98-4 (Vorläufige Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010; russisch; Download).
  2. Naselenie po nacional'nosti i vladeniju russkim jazykom po sub"ektam Rossijskoj Federacii. In: Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2002 goda. Rosstat, abgerufen am 1. November 2011 (XLS, russisch, Ethnische Zusammensetzung und Kenntnis der russischen Sprache nach Föderationssubjekt, Ergebnisse der Volkszählung 2002).
  3. Zeitungen-und-Zeitschriften-auslandischer-Einheiten-und-Parteien
  4. Hans Schafranek, Robert Streibel: 22. Juni 1941: Der Überfall auf die Sowjetunion. Picus Verlag: Wien, 1991. ISBN 385452224X S. 136
  5. Isabelle Kreindler The Soviet Deportated Nationalities: A Summary and an Update, in: Soviet Studies, Vol 38, no 3, July 1986. p. 394f
  6. a b Einwohnerzahlen 2010 beim Föderalen Dienst für staatliche Statistik Russlands (Berechnung per 1. Januar; Exceldatei)
  7. GEO 05-2011 S.116 ff

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