Montserrat


Montserrat
Montserrat
Flagge Montserrats
Wappen Montserrats
Flagge Wappen
Wahlspruch: Each Endeavouring, All Achieving
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Plymouth (de jure)
Brades (de facto)
Regierungssitz Brades
Staatsform Britisches Überseegebiet des Vereinigten Königreichs
Staatsoberhaupt Elisabeth II.
Gouverneur: Peter Andrew Waterworth[1]
Regierungschef Chief Minister Reuben Meade
Fläche 102 km²
Einwohnerzahl 6.409 (Stand Januar 2008)
Bevölkerungsdichte 63 Einwohner pro km²
Währung 1 Ostkaribischer Dollar = 100 Cents
Nationalhymne God Save the Queen
Zeitzone UTC -4
Internet-TLD . ms
Telefonvorwahl +1 (664) siehe NANP
Montserrat in its region.svg
Topographische Karte
Topographische Karte
Montserrat, im Hintergrund der Vulkan Soufrière Hills
Montserrat, im Hintergrund der Vulkan Soufrière Hills

Montserrat ist eine Insel in der Karibik und gehört zu den Kleinen Antillen. Sie ist ein Überseegebiet des Vereinigten Königreichs.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Insel liegt südwestlich von Antigua, südöstlich von Nevis und nordwestlich von Guadeloupe.

Sie ist vulkanischen Ursprungs und besteht im Wesentlichen aus drei vulkanischen Massiven: den Silver Hills im Norden, den Centre Hills in der Mitte und den Soufrière Hills im Süden.

In Montserrat herrscht tropisches Klima mit Temperaturen zwischen 23 und 30 °C ohne ausgesprochene Regen- oder Trockenperioden.

Vulkanismus

Auf Montserrat sind nur die Soufrière Hills noch aktiv. Geowissenschaftler gehen von einem letzten großen Ausbruch des Vulkans Soufrière vor 20.000 Jahren aus. Die letzte Phase größerer Aktivität wurde nach 400-jähriger Pause registriert, die sich durch Erdbebenschwärme seit 1992 ankündigte. 1995 wurde bei einem Vulkanausbruch ein großer Teil der Insel verwüstet.

2/3 der Insel sind aufgrund des Vulkanausbruchs Sperrgebiet. Ein Befahren der Küstengewässer ist riskant, da keine aktuellen Seekarten vorliegen. In weitem Umkreis auf See ist ein starker Geruch nach Schwefelwasserstoff wahrnehmbar (April 2005). Ein Umkreis von 10 Seemeilen gilt als komplettes Sperrgebiet, auch gilt der Vulkan noch immer als so aktiv, dass über Seefunk noch mehrmals täglich die aktuelle Bedrohung mitgeteilt wird.

Das Sperrgebiet auf der Insel wurde 2005 teilweise aufgehoben. Es werden Führungen über die Insel angeboten (Mitte 2005). Schiffe können die nördliche Bucht anlaufen, nur im südlichen Teil der Insel ist Anlanden verboten. Kreuzfahrtschiffe fahren am Tag bis auf 500 m an die Südküste.

Seit dem 8. Januar 2007 ist der Soufrière wieder aktiv. Der Südteil der Insel ist seither wieder gesperrt.

Bevölkerung

30 % sind Anglikaner, 23 % Methodisten, 10 % Katholiken. Die Tabelle stellt die Bevölkerungsentwicklung dar.

Jahr Bevölkerung
1980 11.606
1998 2.8501)
2001 4.482
2005 9.341
2008 6.4092)

Die meisten europäischen Einwanderer sind Iren, z.B. ist der St. Patrick’s Day ein gesetzlicher Feiertag und auf der Flagge ist das Irische Nationalsymbol die Harfe abgebildet. Durch Rückwanderung nach dem verheerenden Ausbruch des Inselvulkans Soufrière Hills 1995 nahm die Bevölkerung zwischen 1998 und 2007 stark zu. Das Bevölkerungswachstum betrug in dieser Zeit 1,8%.

1) Nach Ausbruch des Soufrière Hills 1995
2) Nach wieder anwachsender Aktivität des Soufrière Hills 2007

Geschichte

Montserrat ist seit ca. 7000 Jahren besiedelt. Ab 400 v. Chr. wanderten Arawak ein, die bis zur europäischen Landnahme die Bevölkerungsmehrheit stellten. Im 15. Jahrhundert wurden sie von den kriegerischen Kariben unterworfen. Die Kultur der Arawak blieb jedoch dominant.

Christoph Kolumbus entdeckte die Insel am 3. November 1493 und nahm sie unter dem Namen Santa Maria de Montserrate, nach dem bekannten Kloster Montserrat auf dem gleichnamigen Berg in Katalonien (Spanien) für die spanische Krone in Besitz. Allerdings wurde Montserrat nie von Spaniern besiedelt.

Das Desinteresse der Spanier nutzen die Engländer aus und gründeten 1632 eine erste Siedlung. Die Spannungen zwischen Katholiken und Anglikanern im Mutterland, die in den Englischen Bürgerkrieg mündeten, hatten die Karibik erreicht. Die irischen Bewohner der Nachbarinsel St. Kitts wurden nach Montserrat ausgesiedelt. Später kamen irische Einwanderer aus anderen britischen Kolonien Amerikas dazu. Noch heute ist ein großer Teil der europäischstämmigen Bewohner irischer Abstammung.

1672 bildete Montserrat gemeinsam mit Antigua, St. Kitts und Nevis eine Konföderation englischer Inselkolonien mit gemeinsamem Abgeordnetenhaus unter dem Gouverneur Wiliam Stapleton.[2]

Die Siedler bauten Tabak, Zuckerrohr und Baumwolle an. Für die Arbeit in den Feldern wurden westafrikanische Sklaven eingeführt. Deren Nachkommen bilden heute die Bevölkerungsmehrheit. 1838 wurde die Sklaverei abgeschafft.

Von 1871 bis 1956 gehörte Montserrat zur Föderation der Leeward Islands, 1958 wurde sie Mitglied der Westindischen Föderation. Nach Auflösung der Föderation 1962 entschieden sich die Inselbewohner in einer Abstimmung dafür, wieder britische Kronkolonie zu werden.

Im September 1989 wurde die Insel vom Hurrikan Hugo mit voller Wucht getroffen und stark zerstört.

Ein Großteil der Insel wurde durch eine Reihe von Ausbrüchen des Vulkans Soufrière Hills, die am 18. Juli 1995 begannen, verwüstet, darunter auch der einzige Flughafen der Insel. 75 % der Bevölkerung flohen von der Insel. Die Hauptstadt Plymouth wurde 1997 aufgrund der Vulkanausbrüche offiziell aufgegeben. Ein Übergangsregierungssitz wurde in Brades, am nordwestlichen Ende der Insel errichtet.

Im Februar 2005 wurde der neue Flughafen John A. Osborne auf der Nordhälfte der Insel von Prinzessin Anne eröffnet. In Little Bay ist eine neue Hauptstadt in Bau.

Politik

Montserrat ist ein britisches Überseegebiet. Es ist Mitglied der CARICOM, der OECS und gehört zu den Trägern der Universität der Westindischen Inseln. Der Regierungschef der Insel ist der Chief Minister von Montserrat.

Verwaltungsgliederung

Montserrat besteht aus folgenden drei Verwaltungsgemeinden (parishes):

  • Saint Anthony (im Süden)
  • Saint Georges (im Osten)
  • Saint Peter's (im Nordwesten)

Die ersten beiden Gemeinden sind von den Sperrzonen betroffen, die nach dem Ausbruch des Vulkans Soufrière Hills eingerichtet wurden, und bestehen nur noch de jure. Die gesamte Bevölkerung konzentriert sich im Parish of Saint Peter's im Nordwesten der Insel, wo auch der vorläufige Regierungssitz Brades liegt.

Infrastruktur

Es besteht Linksverkehr.

Kultur

Fußball

Montserrat ist eigenständiges Mitglied der FIFA und der CONCACAF und nimmt mit einer eigenen Mannschaft an deren Wettbewerben teil. In der Regel verliert Montserrat sehr hoch und steht traditionell auf einer der letzten Positionen der FIFA-Weltrangliste. Ein interessantes Porträt des Fußballs auf Montserrat bietet der Dokumentarfilm „The Other Final“, der über das im Jahre 2002 parallel zum WM-Finale stattfindende Länderspiel gegen den damaligen Vorletzten der FIFA-Weltrangliste Bhutan berichtet. Montserrat verlor das Spiel in Bhutan mit 0:4.

Musik

In den 1980er-Jahren befanden sich auf Montserrat die „Air Studios“ des früheren Beatles-Produzenten George Martin, der zeitweise auf Montserrat lebte. In den Studios nahmen eine ganze Reihe renommierter Musiker berühmte Alben auf, so z.B. die Dire Straits, Sting, Orchestral Manoeuvres in the Dark, Paul McCartney oder Phil Collins. Viele dieser Künstler nahmen am 15. September 1997 in der Londoner Royal Albert Hall am Benefizkonzert „Music for Montserrat“ zugunsten der Insel teil.

Der 1954 auf Montserrat geborene Musiker Arrow (eigentlich Alphonsus Celestine Edmund Cassell) nahm 1983 den Song Hot Hot Hot auf, der zur heimlichen Nationalhymne von Montserrat wurde.

Ian Anderson, Frontmann der Band Jethro Tull, verarbeitete die jüngsten Ereignisse in Montserrat im gleichnamigen Song auf seinem dritten Soloalbum („Secret language of birds“).

Quellen

  1. The Montserrat Reporter, 3. August 2007
  2. H. Wellenreuther: Niedergang und Aufstieg, S.401

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Montserrat – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Montserrat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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