Hiltrudis, Herzogin von Baiern

Hiltrudis, Herzogin von Baiern

Hiltrudis, Herzogin von Baiern, Tochter Karl Martell's und Gemahlin Odilo's, des Baiernherzogs, wurde 728 geboren. Kaum der Kindheit entwachsen und entrüstet über das Unrecht, mit welchem nach ihres erlauchten Vaters Tode ihre Brüder Pipin und Karlmann den schwächern Theil ihrer Familie bedrückten, floh sie auf den Rath ihrer Stiefmutter Swunhilde, zu ihrer mächtigen Base Gertrudis, der Herzogin von Baiern, der Mutter des tapfern Odilo. Allein erst nach deren Tode traf sie in Regensburg ein, fand jedoch bei dem verwaiseten Sohne, ihrem Vetter, die freundlichste Aufnahme. Der unwiderstehliche Reiz leidender Schönheit, ihre Unschuld und Jugend fesselten den jungen Herzog. Er versprach Hilfe, vermählte sich mit ihr und beide verlebten ein Jahr im Genusse eines ungetrübten, ehelichen Glückes Doch nur zu bald mußten sie eine harte Prüfung erdulden. Die Franken fielen in Baiern ein, und nach der Riesenschlacht, in welcher die Baiern mit Löwenmuth kämpften, und in deren Folge alle Städte zwischen dem Lech und Inn verheert wurden, ward Odilo schwer verwundet, gefangen und aller seiner Lande beraubt. Hiltrudis ertrug nicht den Verlust ihres Gatten; der Heldenmuth der ehelichen Liebe beseelte sie. Sie flog an den Hof ihrer Brüder, langte hier am Tauftage Karl's d. Gr. an, gewann seine Mutter für sich, hob unerkannt das neugeborne Kind aus der Taufe und beschenkte es mit königlichen Geschmeiden. Jetzt erkannten sie die Brüder, schlossen sie gerührt in ihre Arme und es erfolgte ein Fest der rührenden Versöhnung. Sie gaben der bittenden Schwester nicht nur den Gatten, sondern diesem auch das Reich zurück Beide kehrten nun heim zu ihrem jubelnden Volke. – Aber nur 5 Jahre genoß Hiltrudis das Glück, ihren Gatten wieder zu besitzen; der unerbittliche Tod raubte ihn in der Blüthe seiner Jahre von der Seite seiner Geliebten. Ihr Schmerz um seinen Verlust war so wahr und tief, daß sie ihm kurze Zeit drauf (754) folgte. Im reizend gelegenen Kloster Osterhofen schlummert sie an der Seite Gertrudens, längst in Staub und Asche zerfallen, aber immer noch geehrt wegen treuer, aufopfernder Gattenliebe.

K.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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