Maria I., Königin von England

Maria I., Königin von England, Königin von England, finster und blutdürstig wie ihr Vater, Heinrich VIII., bestieg nach dem Tode ihres Bruders, Eduard VI., 37 Jahre alt, den Thron. Unter strengen Andachtsübungen, in freudenloser Einsamkeit, zur Seite ihrer verstoßenen, eifrig katholischen Mutter, Katharina von Aragonien, verstoß ihre Jugend, und wenn etwas die Härte ihrer Regierung und den blinden Fanatismus, dem sie sich hingab, entschuldigen könnte, so wären es jene frühen Eindrücke auf das jugendliche Gemüth. Um Englands Krone als älteste Tochter Heinrich's zu erlangen, schwur sie zwar, die protestantische Religion zu schützen, that es aber nur, um ihren drei Mitbewerberinnen Elisabeth, nachmals Englands größte Königin, Johanna Gray und Maria Stuart wirksamer entgegen treten zu können; doch kaum im Besitze der höchsten Gewalt zeigte sie unverhohlen, wie wenig Ernst es ihr mit jenem Gelöbniß gewesen sei. Die Einkerkerung ihrer Schwester Elisabeth und die Hinrichtung von Johanna Gray, die nur von ihren Verwandten dazu gezwungen, zehn Tage lang den Königstitel getragen hatte, eröffnete die düstere Reihe tirannischer Handlungen, mit denen Marie ihre kurze, aber durch Schrecknisse unvergeßliche Herrschaft befleckte. Bald folgte die feierliche Einführung der katholischen Religion und somit die Umstürzung dessen, was vordem ihr Vater mit gleich gewaltsamen Mitteln angeordnet hatte. Abermals loderten die Scheiterhaufen, färbten sich die Richtstätten mit dem Blute derer, die ihrer Ueberzeugung nicht entsagen wollten, und mit Entsetzen liest man in Hume's Geschichte von England, daß binnen 3 Jahren 3 Bischöfe, 21 andere Geistliche, 8 Edelleute, 84 Bürger, 100 Landleute, Dienstboten und Handwerker, 55 Frauen und 4 Kinder um der Religion willen verbrannt wurden. Während dessen sollte im Jahr 1554 eine Vermählung mit Philipp II. von Spanien Marien den Frieden und das Lebensglück gewähren, das sie so unbarmherzig ihren Unterthanen verweigerte, allein diese Verbindung wurde für sie nur eine Quelle unendlichen Kummers. Nur politische Gründe hatten Philipp ihr zugeführt und gelangweilt durch die übergroße Zärtlichkeit seiner zwölf Jahr ältern, reizlosen Gemahlin fand sogar er, der später über seine Länder ein nicht minder blutiges Scepter führte, Marien's Charakter und Hofhaltung zu hart und finster. Noch in demselben Jahre unternahm er eine Reise nach Flandern, von welcher er niemals wiederkehrte. Marie ihrerseits, die mit Leidenschaft an ihrem jungen Gemahle hing, ließ nichts unversucht, um ihn zu fesseln, und erpreßte ihrem Lande Summe auf Summe, um sie an Philipp zu schicken; erntete dafür aber nur verächtliche Kälte, und kaum zuweilen eine Antwort. Tiefer Gram bemächtigte sich endlich der gekränkten Königin, und ihre unglücklichen Unterthanen empfanden schwer die immer tiefere Umnachtung ihrer Seele, bis endlich im Jahre 1558 nach einer fünfjährigen Regierung, die über 800 Menschen das Leben gekostet und England nur Unglück gebracht oder vorbereitet hatte, der Tod sie in ihrem 43. Jahre abrief.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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