Seide

Seide. Man glaubt, daß die erste S. aus China, wo sie noch jetzt in hoher Vortrefflichkeit zu finden ist, kam. Die Gemahlin des Kaisers Hoangri gilt als die Entdeckerin derselben. Die Perser kannten sie früher als Rom, wo deßhalb der Ausdruck persisches Gewand gleichbedeutend mit seidenes Kleid war. Die Römer hatten nach dem Zeugniß der alten Schriftsteller eine Seidenart, die auf Bäumen wuchs. Niemals ist ergründet worden, was damit eigentlich gemeint war, doch könnte es wohl Baumwolle, die sie unvergleichlich schön zuzubereiten verstanden, gewesen sein. Die ächte Seide ward mit Gold aufgewogen und der weise Kaiser Marc Aurel befahl dieser Kostbarkeit halber, ein ihm gebotenes seidenes Gewand lieber zu verkaufen. Auch Aurelian erlaubte seiner Gemahlin nicht seidene Kleider zu tragen und Heliogabalus war der Erste der Cäsaren, der die Prunksucht so weit trieb. Die ordentliche Einführung der Seide in Europa soll sich von Mönchen herschreiben, die im 6. Jahrhunderte unter Kaiser Justinian's Regierung in ihren ausgehöhlten Wanderstäben die Eier des Seidenwurms von China, wo ihre Exportation streng verboten war, heimlich nach Constantinopel brachten. Die Entstehung der Seiden-Manufacturen in Europa ist schwer zu bestimmen, doch kann man das Jahr 551 annehmen. Ende des 13. Jahrhunderts kamen die Maulbeerbäume und mit ihnen die Seidenwürmer in die Grafschaft Venaissin, wo man nach und nach anfing seidene Zeuge zu fabriciren. Noch mehr gehoben ward dort dieser Handelszweig, als die Papste, welche schon in Italien die Seidenkultur sehr begünstigt hatten, ihren Aufenthalt zu Avignon nahmen Verbreiteter zeigte sich dieser Industriegegenstand zu Ende des 15. Jahrhunderts. Ludwig XI. und sein Sohn Karl VIII. riefen Griechen und Italiener nach Frankreich, die sich zu Tours niederließen, woher die frühern, schweren Seidenzeuge den Namen Gros de Tours bekamen. Die Kriege des Mittelalters trieben überhaupt aus der Lombardei viele Seidenweber und S-Bauer, die ihre Kenntniß in friedlichere Nachbarstaaten trugen. Lyon ist jetzt durch die bedeutendsten Seidenmanufacturen hochberühmt, in Italien Neapel und Florenz. Auch in Deutschland ist, wiewohl mit wenig Erfolg, versucht worden, Seidenwürmer zu ziehen. In Sachsen findet sich auf dem Gute Jahnshausen, dem Herzog Johann zu Sachsen gehörig, eine zu diesem Zwecke kultivirte Maulbeerpflanzung. Leider sind die Bäume so zärtlich, daß sie selbst im Süden nicht selten durch den Winter leiden, um so mehr gehört es zur seltenen Ausnahme, wenn sie nördlichen Frösten eine Zeitlang widerstehen.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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