Geburt
Mutter mit Neugeborenem

Die Geburt (fachsprachlich: lat. partus und grch. γονή) eines Kindes (auch Niederkunft oder, aus Sicht der Hebammen und ärztlichen Geburtshelfer auch Entbindung) ist der Prozess am Ende der Schwangerschaft, bei dem ein Fötus die Gebärmutter der Mutter verlässt. Die meisten Kinder werden innerhalb von jeweils zwei Wochen vor bzw. nach dem errechneten Termin geboren. Auf den Tag genau zum errechneten Termin kommen nur vier Prozent der Kinder zur Welt.

Die Geburt kann sich durch folgende Symptome ankündigen:

Bei Überschreitung des sogenannten errechneten Termins um 14 Tage oder wegen medizinischer Notwendigkeit kann durch eine Geburtseinleitung der Geburtsbeginn künstlich herbeigeführt werden.

Inhaltsverzeichnis

Sprachliches

Das Substantiv Geburt stammt vom Verb gebären ab, das auf die indogermanische Wurzel *bher „tragen” zurückgeht und mit engl. to bear „(er-)tragen, hervorbringen”, lat. ferre, grch. φέρειν (pherein) beide mit der Bedeutung „tragen, bringen” verwandt ist, wörtlich also als "austragen, zu Ende tragen" zu verstehen ist. Andere deutsche Wörter, die dieser Sprachfamilie angehören sind u.a. Bahre, entbehren (eigentlich „nicht tragen”), Bürde und semantisch abweichend gebaren, Gebärde. Auch das Suffix -bar, wie in fruchtbar „Frucht bringend, tragend” geht auf diese Sprachwurzel zurück.

Im juristischen Sprachgebrauch ist meist von der Niederkunft die Rede, dessen Gebrauch fast ebenso alt ist, wie das üblichere Geburt. Die verhüllende Ausdrucksweise von niederkommen, die schlicht das „ins Wochenbett legen” meinte, lässt sich vielleicht an frz. accoucher (d'un enfant) anschließen.

Das historisch jüngste der drei Synonyme scheint Entbindung zu sein, das sich laut Pfeifer und Kluge, den Standardwerken der Etymologie des Deutschen, erst seit dem 14. Jahrhundert auf den Geburtsvorgang bezog und konkret das Losbinden von der Nabelschnur bezeichnet.

Ablauf der Geburt

Der Auslöser für den Geburtsvorgang war lange Zeit unbekannt. Neue Forschungen deuten darauf hin, dass das Protein SP-A, welches für die Lungenreifung verantwortlich ist, über eine Reihe von Reaktionen die Wehen auslöst. Dieses Eiweiß wird vom Kind produziert, welches also wesentlich am Beginn der Geburt mitwirkt.

Die Dauer der Geburt ist sehr unterschiedlich. Man rechnet durchschnittlich 13 Stunden für Erstgebärende, (lateinisch primiparae) und 8 Stunden für Frauen, die bereits ein Kind geboren haben. Die Zeiten, die für eine Geburt als normal angesehen werden, wurden innerhalb der letzten knapp 50 Jahre allerdings halbiert. Der Geburtsverlauf wird in einem Partogramm dokumentiert.

Subjektiv erzählen Frauen oft von einer längeren Geburtsdauer. Dies resultiert daraus, dass sie den Moment, in dem sie die ersten Wehen verspüren, oder den Moment, an dem sie ins Krankenhaus eintreten, als Geburtsbeginn definieren. Für den Geburtshelfer bzw. die Hebamme beginnt eine Geburt aber erst dann, wenn die Wehen zur Verkürzung des Gebärmutterhalses und der Eröffnung des Muttermundes beitragen (sogenannte portiowirksame Wehen). Die Chronobiologie beobachtet, dass die Verteilung der Geburten über den Tag um etwa drei Uhr morgens einen Hochpunkt erreicht.

Eröffnungsphase

Die normale Geburt (auch Spontangeburt) des Menschen beginnt mit der Eröffnungsphase, dem ersten Stadium der Geburt. Sie beginnt meist mit unregelmäßigen Wehen mit einer Frequenz von 2–3 Wehen in 30 Minuten. Ziel der Eröffnungswehen ist die Verkürzung der Cervix uteri (Gebärmutterhals) und die Erweiterung des Muttermundes. Im Verlauf der Eröffnungsphase erhöht sich die Wehenfrequenz normalerweise langsam bis auf 2–3 Wehen in 10 Minuten. Auch der Rhythmus wird meist regelmäßiger. Die Dauer der Wehen in der Eröffnungsphase beträgt durchschnittlich 60 Sekunden. Eine Geburt ist allerdings ein sehr individueller Vorgang, weshalb Wehen in Abstand, Dauer und Intensität und damit auch die Geburtsdauer sehr unterschiedlich sein können. Das Eröffnen der Fruchtblase verstärkt manchmal die Wehen.

Während einer Wehe oder auch Kontraktion zieht sich die Gebärmutterwand über den vorangehenden kindlichen Teil, also meist den Kopf, nach oben zurück. Man bezeichnet diesen Vorgang als Retraktion. Als Folge der Retraktion wird der untere Bereich der Gebärmutter gedehnt. Die Leibesfrucht wird von der Gebärmutter Richtung Beckenausgang gedrückt, gleichzeitig wird der untere Teil der Gebärmutter mit dem Gebärmutterhals über den führenden Kindsteil nach oben zurückgezogen. Dies bezeichnet man als Distraktion. Als Folge kommt es zur Öffnung des Muttermundes. Die Eröffnung des Muttermundes hängt aber auch von weiteren, vor allem von psychischen und hormonellen, Faktoren ab. Ist die Gebärende entspannt und fühlt sie sich wohl, wird die Eröffnung des Muttermundes erleichtert und geht in der Regel schneller vor sich, als wenn sie angespannt ist. Visualisierungen und bestimmte Atemtechniken können zur Entspannung und zur leichteren Eröffnung des Muttermundes beitragen.

Übergangsphase

Das letzte Drittel der Eröffnungsphase wird auch Übergangsphase genannt. In ihr steigt die Wehenfrequenz häufig, die Kontraktionen werden meist stärker und die Schmerzen intensiver. Der Kopf des Kindes tritt durch das Becken der Mutter. Hierzu muss das Kind eine 90-Grad-Drehung machen: Zunächst "schaut" das in Schädellage liegende Kind auf die rechte oder linke Hüfte der Mutter, um in den querovalen Beckeneingang eintreten zu können. Während der Übergangsphase dreht es sich, wenn die Geburt regelgerecht verläuft, mit dem Gesicht nach hinten, in Richtung Steißbein.

Austreibungsphase

Siehe auch Geburtsmechanik

Wenn der Muttermund annähernd oder vollständig eröffnet ist (8–10 cm), beginnt die Austreibungsphase, das dritte Stadium der Geburt. In ihr ändert sich der Charakter der Wehen erneut. Es kommt zu einer durchschnittlichen Frequenz von 6–7 Wehen in 15 Minuten. Wenn der kindliche Kopf entsprechend tief ins Becken eintritt, drückt er auf den mütterlichen Darm. Dies hat zur Folge, dass bei der gebärenden Frau reflektorisch ein Pressdrang ausgelöst wird. Die Frau hat dann meist unweigerlich das Bedürfnis, mitdrücken zu müssen, und unterstützt somit die uterinen Kräfte mit jenen ihrer Bauchmuskulatur. Dieser Pressdrang wird allerdings unter einer Periduralanästhesie unterdrückt. Der kindliche Kopf wird bei normalem Geburtsverlauf gebeugt. Während der Kopf den Beckenboden überwindet und austritt, geht er in eine Überstreckung über. Ist der Kopf geboren, tritt normalerweise eine Wehenpause ein und mit der nächsten Wehe macht das Kind wieder eine Drehung um 90°, schaut also dann wieder nach rechts oder nach links, damit die Schultern aus dem längsovalen Beckenausgang, austreten können. Sind die Schultern geboren, folgt der Rest des kindlichen Körpers unmittelbar.

Die das Kind umgebenden Eihäute werden Fruchtblase genannt. Diese kann entweder vor Wehenbeginn oder in jeder Geburtsphase springen. Sehr selten bleibt die Fruchtblase bei der Geburt des kindlichen Kopfes intakt. Man spricht dann von einer „Glückshaube“.

Nachgeburtsphase

Das letzte Stadium der Geburt ist die Plazentaphase (Nachgeburtsphase). In Abhängigkeit von Stärke und Dauer der Nachgeburtswehen beansprucht sie im Schnitt 10–30 Minuten. Die Geburt endet mit der Ausstoßung des Mutterkuchens und der Fruchtblase (Nachgeburt). Diese wird durch Hebamme oder Arzt auf Vollständigkeit überprüft. Löst sich die Plazenta nicht oder nur unvollständig bzw. bleiben Teile davon in der Gebärmutter zurück (Placenta accreta), ist eine manuelle Lösung der Plazenta oder eine Ausschabung zur Verhinderung von Infektionen und Gewebewucherungen notwendig.

Nach der Geburt kann das gesunde Neugeborene vom Geburtshelfer oder der Mutter selbst auf ihre Brust oder Bauch gelegt und warm zugedeckt werden, um das Bonding und erstes Stillen zu ermöglichen bzw. die Geburt der Plazenta zu erleichtern. Will die Mutter nicht stillen, kann das Kind in dieser Zeit auch zunächst dem Vater übergeben werden, um dessen Bindung an Mutter und Kind zu bestätigen oder zu festigen.

Die Nabelschnur wurde noch bis vor einigen Jahren sofort nach der Entbindung durchtrennt. Heutzutage warten die Geburtshelfer damit oft, bis die Nabelschnur aufgehört hat zu pulsieren. Manche Geburtshelfer durchtrennen die Nabelschnur aber erst, wenn die Plazenta geboren ist.

Im Anschluss an die Entbindung wird der Zustand des Neugeborenen nach einer, fünf und zehn Minuten klinisch beurteilt und der Apgar-Score bestimmt.

Medizinische Interventionen

Während der Austreibungsphase kann ein Dammschnitt sinnvoll werden. Ein präventiver Dammschnitt (vorsorglicher Dammschnitt ohne zwingenden Grund) wird heute seltener durchgeführt als vor ein paar Jahren. Meist wurde ein solcher Dammschnitt damit begründet, den Beckenboden dadurch vor schlimmeren Verletzungen schützen zu können. Dies ist jedoch widerlegt. Allerdings wird ein Dammschnitt heute dann ausgeführt, wenn es dem Kind unter der Geburt schlecht geht, dann kann er die Austreibungsphase um wertvolle Minuten verkürzen.

Bei einer Wehenschwäche oder Erschöpfung der Mutter während der Austreibungsphase wird manchmal mit dem „Kristeller-Handgriff“ von außen während der Wehe kräftig auf die Gebärmutteroberkante gedrückt; Allerdings ist dieser Eingriff umstritten, da er ein gewisses Verletzungsrisiko der inneren Organe der Mutter sowie die Gefahr einer vorzeitigen Plazentalösung mit sich bringt, insbesondere durch falsche Anwendung. Auch kann es beim „Kristellern“ zu Uterusrupturen kommen.

Weitere Hilfsmittel zur schnelleren vaginalen Geburtsbeendigung sind Saugglocke und Geburtszange, ihre Anwendung wird vaginal - operative Entbindung genannt. Auch hierfür ist in erster Linie ein Besorgnis erregender kindlicher Zustand Indikation. Ferner sind Pressunvermögen der Gebärenden verschiedenen Ursprungs (Erschöpfung, Periduralanästhesie) Gründe, die Geburt mittels Kunsthilfe zu vollenden.

Medizinische Aspekte

Die medizinische Disziplin, die sich mit der Geburt befasst, ist die Geburtshilfe. Eine Hebamme ist in besonderer Weise ausgebildet, um Geburtshilfe zu leisten. Nach deutschem und österreichischem Recht ist sie die einzige, die eine Geburt alleine leiten darf. Auch ein Arzt in Deutschland hat, außer in Notfällen, immer die Pflicht, eine Hebamme herbeizurufen.[1]

In der Vergangenheit starb eine große Anzahl Frauen während der Geburt meist auf Grund von zu hohem Blutverlust oder im Wochenbett, oft aufgrund von Wundinfektionen in Folge mangelnder Hygiene (siehe Kindbettfieber) und schlechter Ernährung. Auch heute noch sterben in Entwicklungsländern eine halbe Million Frauen jährlich in der Schwangerschaft oder im Zusammenhang mit der Geburt.[2] Die größte Gruppe, ungefähr 25 Prozent, am Blutverlust nach der Geburt; Infektionen, Geburtskomplikationen, Gestosen sind weitere Ursachen. Die Müttersterblichkeit erreicht in Entwicklungsländern die 1-Prozent-Schwelle, die Kindersterblichkeit – um die Geburt – liegt oft höher als 5 Prozent. Zudem sind häufig die nächsten Krankenhäuser, die Hilfe wie zum Beispiel blutungsstillende Medikamente oder die Durchführung eines Kaiserschnitts anbieten, sehr weit entfernt oder für die Betroffenen ist der medizinische Eingriff unbezahlbar.

In Industrieländern ist die Mütter- und Säuglingssterblichkeit niedrig. Hauptursachen für die Müttersterblichkeit sind hier peripartale Blutungen durch Uterusatonie, HELLP-Syndrom und eine Fruchtwasserembolie.

Geburtsschmerzen

Eine menschliche Geburt kann weit schmerzhafter sein als im Tierreich, auch im Vergleich zu den dem Menschen nahestehenden Affen. Die Gründe dafür sind zwei menschliche Besonderheiten: der große Kopfumfang, bedingt durch das relativ große Gehirn, und der aufrechte Gang. Das Becken, genauer der Beckenboden, der Frau muss deshalb zwei widersprüchliche Aufgaben erfüllen: Einerseits muss er straff genug sein, die Eingeweide vor dem Herausfallen zu bewahren (vgl. hierzu Gebärmuttervorfall), andererseits muss er so dehnbar sein, ein Kind mit einem Kopfdurchmesser von ca. 10 cm passieren lassen zu können.[3] Die Schmerzen vor und während der Geburt können mittels intravenös gespritzter Schmerzmittel, einer Periduralanästhesie (PDA) oder mittels diverser Entspannungstechniken reduziert werden. Verbreitet werden auch homöopathische Mittel und Akupunktur verwendet. Das Schmerzempfinden während der Geburt hängt größtenteils auch von der Ausschüttung bestimmter Hormone ab. Ist die Gebärende entspannt und fühlt sie sich wohl und geborgen, werden in ihrem Körper Hormone (u.a. Serotonin und Oxytocin) ausgeschüttet. Das Serotonin verringert das Schmerzempfinden, wobei das Oxytocin die Wehen verstärkt. Fühlt sich die Frau nicht wohl, hat sie Angst und verspannt sich, wird in der Folge vor allem Adrenalin ausgeschüttet, was die Wehentätigkeit hemmt und das Schmerzempfinden erhöht.

Verschiedene Sichtweisen der Geburt

Hausgeburt

Die Geburt stellt für die Schwangere und gegebenenfalls weitere Beteiligte (meist den Vater) ein sehr emotionales Erlebnis dar. Sie ist teilweise mit großen Schmerzen, aber auch mit großen Freuden verbunden. In der Regel wird die Geburt um so positiver empfunden, je vertrauter der Gebärenden die Umgebung ist.

Geburten finden derzeit im europäischen Kulturkreis in der Regel im Kreißsaal eines Krankenhauses unter der Leitung einer Hebamme und eines Arztes statt, gelegentlich auch in einem nur von Hebammen geleiteten Kreißsaal.

Daneben gibt es von Hebammen geführte Geburtshäuser, und die Hausgeburt, die zurzeit in Österreich, Deutschland und der Schweiz ca. 2 Prozent ausmacht. In den Niederlanden liegt die Hausgeburtsrate bei über 30 Prozent. In den USA gibt es einzelne Fälle einer Hausgeburt völlig ohne medizinischen Beistand, eine sogenannte unassisted childbirth (deutsch etwa: Alleingeburt). Wassergeburten gelten als besonders schonend, weil sich die Mutter im warmen Wasser besser entspannen kann. Auch kommen bei Wassergeburten seltener Dammverletzungen vor und die Blutung nach der Geburt ist im Durchschnitt geringer.

Wichtigstes Ziel ist die Gesunderhaltung und das Erkennen von Abweichungen von der Normalität unter der Geburt. Wie das genau zu erreichen ist, ist aber umstritten. Die generelle Herangehensweise und Atmosphäre bei einer Geburt ist je nach Ort, Umfeld und Anspruch sehr verschieden. Dabei gibt es zwei grundlegende Sichtweisen, die es immer zu verbinden gilt:

  • Auf der einen Seite wird die Geburt als medizinisches Ereignis gesehen, das eine Reihe von Risiken mit sich bringt. Ein Ziel ist daher, Kind und Mutter durch Eingreifen in das Geburtsgeschehen vor möglichst vielen Risiken und vor allem vor bleibenden Schäden zu schützen.
  • Auf der anderen Seite wird die Geburt als normaler körperlicher Vorgang gesehen, der in den meisten Fällen ohne Komplikationen abläuft. Daher seien auch nur selten medizinische Eingriffe wie Betäubungsmittel oder Dammschnitt erforderlich.

Wie die Geburt gesehen wird und wie sie im Einzelfall abläuft, ist unterschiedlich. Deutliche Unterschiede sind abhängig vom jeweiligen Krankenhaus, den behandelnden Ärzten und den Hebammen zu beobachten. Verantwortungsbewusste Hebammen prüfen sorgfältig, ob eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus vertretbar erscheint. Anderenfalls raten sie zur Entbindung in Kliniken.

Vorteile einer natürlichen Geburt

Ähnlich wie das natürliche Stillen, bietet auch eine Geburt ohne künstliche Eingriffe und in gewohnter Umgebung zahlreiche Vorteile. So bietet eine natürliche vaginale Entbindung gegenüber dem Kaiserschnitt eine Besiedelung bakterieller Mikroflora durch die vaginale Schleimhaut. Diese hat eine wesentliche Rolle für die Gesundheit des Individuums, wie etwa Darmbakterien bei der Verdauung oder bei der Abwehr von Krankheiten. Kaiserschnittgeburten weisen dagegen ein höheres Risiko für Infektionen, aber auch Allergien auf. Die Mikroflora beeinflusst auch den Körpergeruch des Kindes.[4]

Eine ausführliche Gegenüberstellung von Argumenten findet sich bei Wunschkaiserschnitt

Die soziokulturelle Geburt in der Soziologie

In der Soziologie wird mit René König und Dieter Claessens von der „zweiten, soziokulturellen Geburt“ des Menschen gesprochen, auch als Übergang von der „Humanisation“ zur „Sozialisation“ bezeichnet.

Während der Humanisation ist das Neugeborene etwa ein Jahr lang auf die zugleich anthropologisch (auch: biosoziologisch) und sozial geprägte Dyade zwischen Säugling und „Dauerpflegeperson“ angewiesen, um das spezielle „Urvertrauen“ zu gewinnen, mit dem es später sozial lernen kann (der Sozialisation fähig wird). In der Zoologie wird die Humanisation als das „extra-uterine Frühjahr“ bezeichnet (Portmann; uterus (lat.) = die Gebärmutter).

Rechtliche Aspekte der Geburt

In Deutschland

Das Einsetzen der Eröffnungswehen gilt im Strafrecht als „Zäsur für den Beginn des menschlichen Lebens“.[5] Mit der Vollendung der Geburt ist der Beginn der Rechtsfähigkeit (§ 1 BGB) des Menschen verbunden. Vollendet gilt die Geburt mit dem vollständigen Austritt des Kindes aus dem Mutterleib, ohne dass die Nabelschnur durchtrennt ist.[6] Ebenfalls beginnt die rechtliche Verantwortung der Eltern im Rahmen des Sorgerechtes. In der ersten Woche nach der Geburt werden dem örtlichen Standesamt die Daten für die Erstellung der Geburtsurkunde übermittelt.

In Österreich

In Österreich setzt die Rechtsfähigkeit des Neugeborenen im Wesentlichen ebenfalls mit dem Beginn der Eröffungswehen ein. Zu diesem Zeitpunkt ändern sich auch die rechtlichen Konsequenzen, die bei einer Tötung der Leibesfrucht gelten, vom Schwangerschaftsabbruch (§ 96 StGB) hin zum Mord (§ 75 StGB), Totschlag (§ 76 StGB), Tötung eines Kindes bei der Geburt (§ 79 StGB) oder etwa fahrlässiger Tötung (§ 80 StGB). Stirbt bereits nach der Zeugung, aber vor der Geburt des Kindes ein potentieller Erblasser, ist der „Nasciturus“ (zu Gebärender) als bereits geboren anzunehmen und ein entsprechender Erbteil zu reservieren. Handelt es sich in der Folge um eine Totgeburt, wird dieser Erbteil unter den lebenden Erben so aufgeteilt, als hätte es die Schwangerschaft nicht gegeben (Nichtigkeit ex tunc).

Spezielle Geburtsbegriffe

  • Frühgeburt – Geburt eines Kindes vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche
  • eine verlängerte Schwangerschaft über die vollendete 42. Schwangerschaftswoche (42 Wochen + 0 Tage) hinaus wird als Übertragung bezeichnet.
  • überstürzte Geburt – eine ungewöhnlich schnell verlaufende Geburt.
  • Fehlgeburt ist die Bezeichnung für eine Geburt eines Feten von weniger als 500 g, wenn er vor oder während der Geburt stirbt; die Geburt eines abgestorbenen Feten mit einem Geburtsgewicht über 500 g heißt Totgeburt
  • Risikogeburt – Geburt mit erhöhter Gefährdung des Kindes oder der Mutter
  • vaginale Geburt: Geburt durch den weiblichen Geburtskanal
  • Schnittentbindung, umgangssprachlich Kaiserschnitt

Statistische Größen

Bekannte Hebammen, Ärzte und Geburtshelfer

Bekannte Personen, die sich mit der Geburt befassten, waren unter anderem

Literatur

  • Eva Labouvie: Andere Umstände : eine Kulturgeschichte der Geburt, Köln [u.a.] : Böhlau, 1998
  • Manuela Raydt: Geburt: Wichtige Tipps zur Vorbereitung, Taschen-Hebamme (Taschenbuch), München: Irisiana 2007, ISBN 3-7205-5007-9
  • Das Imaginäre der Geburt: Praktiken, Narrationen und Bilder, hrg. von Christoph Wulf, Anja Hänsch und Micha Brumlik, München: Wilhelm Fink, 2008, ISBN 3-7705-4718-7

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. §4 HebG
  2. Unicef: Müttersterblichkeit
  3. Jürgen Brater: Lexikon der rätselhaften Körpervorgänge. 8. Aufl., Piper, 2008, ISBN 3-492-23940-4.
  4. Science.ORF.at: Geburtsmethode prägt Bakterienflora. Abgerufen am 10. Juli 2010.
    Forschung aktuell – Deutschlandfunk: Der Duft der Geburt. Abgerufen am 10. Juli 2010.
  5. BGHSt 32, 194
  6. Palandt 64. Auflage § 1
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Synonyme:

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