Geschichte der Stadt Wiesbaden
Wappen der Stadt Wiesbaden

Diese Seite beschäftigt sich mit der Geschichte der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge und Römerzeit

Hauptartikel: Aquae Mattiacorum

Die ersten Besiedlungsspuren im Wiesbadener Stadtgebiet datieren aus dem Neolithikum.

In der spätaugusteischen Zeit (um 6 bis 15 nach Christus) wurde von den Römern eine Befestigung oberhalb des Quellenviertels errichtet, dort wo die Straßennamen Römerberg und Kastellstraße des modernen Wiesbadens Bezug darauf nehmen. Die heißen Quellen wurden erstmals 77 in dem Werk Naturalis historia von Plinius dem Älteren beschrieben. Die Legionen I Adiutrix, XIIII Gemina, XXI Rapax und XXII Primigenia bauten in flavischer Zeit die Thermen aus. Die bleiernen Wasserleitungen wurden von der Legio XIIII Gemina hergestellt.[1] Mit dem Ausbau der Thermen wurde eine römische Siedlung begründet, die 121 unter dem Namen Aquae Mattiacorum erstmals Erwähnung fand. Der Name bezog sich auf den hier ansässigen chattischen Stamm der Mattiaker. Aquae Mattiacorum war Hauptort der Civitas Mattiacorum. Im Vorort Erbenheim wurden 2009 Reste einer römischen Villa Rustica ausgegraben, wobei dort auch frühere und spätere Besiedlung nachgewiesen wurde.[2]

259/260 wurde die Befestigung von den Alemannen erobert und zu weiten Teilen zerstört. Das Gebiet um Wiesbaden diente als Mainzer Vorposten den Römern als Sammellager für Eroberungszüge in die Wetterau und an die Elbe. In diesem Zusammenhang wurde die sogenannte Heidenmauer errichtet. Die Mauer ist damit das älteste erhaltene Bauwerk Wiesbadens aus der Zeit des römischen Reiches.

Völkerwanderung und Mittelalter

Im 6. Jahrhundert verdrängen die Franken die Alemannen und errichten im 8. Jahrhundert einen Königshof. Einhard, der Biograf Karls des Großen, erwähnt um 828/830 Wisibada, die früheste Überlieferung des Namens Wiesbaden.

In den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts werden die Grafen von Nassau mit den Herrschaftsrechten in und um Wiesbaden belehnt. Vermutet wird die Erhebung Wiesbadens zur Reichsstadt im Jahr 1232, was eine der Ursachen der Eroberung durch den Mainzer Erzbischof im Jahre 1242 gewesen sein dürfte. Dieser lässt die Stadt niederbrennen, in der Folge wird der Status der Reichsstadt für Wiesbaden nicht mehr erwähnt. 1270 kehrt Wiesbaden zur Grafschaft Nassau zurück. Um 1283 wurde Wiesbaden und die Burg Sonnenberg in einer Nassauisch-Eppsteinische Fehde erneut zerstört.

Kaiser Ludwig der Bayer stellt Nassau 1329 das Münzprivileg aus und in Wiesbaden werden Münzen geprägt.

Der Kochbrunnen wurde 1366 erstmals als „Brühborn“ erwähnt. Er führt 15 Quellen zusammen und war im 19. Jahrhundert Zentrum der Wiesbadener Trinkkur. Die 66 °C heiße Natriumchlorid-Therme ist die bekannteste Quelle der Stadt und liefert 346 Liter Heilwasser pro Minute.

Während des Bauernkrieges erheben sich 1525 auch die Wiesbadener und verlieren nach ihrer Niederschlagung alle erteilten Privilegien, erst 1566 erhalten sie diese wieder. Mit der Ernennung Wolf Dentheners zum evangelisch-lutherischen Pfarrer wird 1543 die Reformation in Wiesbaden eingeführt. Im gleichen Jahr wird eine Lateinschule begründet, die als Vorbereitung für das Gymnasium in Idstein dient und später zur heutigen Diltheyschule wird.

Wiesbaden – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655

Von 1609 bis 1610 wird das alte Rathaus erbaut, das älteste noch existierende Gebäude in Wiesbaden. Die meisten älteren Gebäude sind zwei Bränden in den Jahren 1547 und 1561 zum Opfer gefallen.

Nassauische Residenz (ab 1744)

Nach dem Übergang des Fürstentums an die Usinger Linie des Hauses Nassau wird das Biebricher Schloss, ursprünglich ein Gartenhaus, welches zur Sommerresidenz erweitert wurde, 1744 zur Hauptresidenz und 1806 wird Wiesbaden Regierungssitz und Hauptstadt des neu gegründeten Herzogtums Nassau.

1771 erteilte der Fürst von Nassau-Usingen eine Konzession für das Glücksspiel in Wiesbaden. Ab 1810 befand sich die Spielbank Wiesbaden im alten Kurhaus. Nachdem ein Reichsgesetz von 1872 die Schließung der Spielbanken zur Folge hatte, konnte das Spiel erst 1949 im Foyer des Theaters wieder aufgenommen werden. Heute befindet sich die Spielbank im ehemaligen Weinsaal des Kurhauses. In der Spielbank versuchten auch der russische Dichter Fjodor Dostojewski (welcher daraus wohl einen Teil seiner Inspiration für seinen Roman Der Spieler bezog) und der Komponist Richard Wagner ihr Glück.

Die revolutionären Ereignisse des Jahres 1848 gingen auch an Wiesbaden nicht spurlos vorbei. Am 4. März versammelten sich 30.000 Nassauer Bürger - im Zeitalter der Postkutsche eine ungeheure Menschenmenge, die die Zahl der Einwohner deutlich überstieg - vor dem Stadtschloss und verlangten vom Großherzog das Zugeständnis einer Verfassung, welches sie auch erhielten.

Aufstieg zur Weltkurstadt (1852 bis 1918)

Das alte Wiesbadener Kurhaus

1818 legt der Architekt Christian Zais grundlegende Baupläne und Gutachten für das später so genannte Historische Fünfeck vor. Er plant, den Stadtkern von fünf gerade verlaufenden Straßen zu begrenzen und damit die als unschön empfundene Stadt dahinter zu verbergen. Von 1847 bis 1855 wird die russisch-orthodoxe Kirche am Neroberg als Grabkirche der Herzogin Elisabeth Michailowna errichtet, und 1862 wird die Marktkirche eingeweiht. (Siehe auch Kapitel „Sehenswürdigkeiten und Tourismus“)

1840 wird in Wiesbaden die Landeskreditanstalt Nassau gegründet, aus der die heutige Nassauische Sparkasse und die Helaba hervorgingen.

Im Deutschen Krieg (Bruderkrieg) zwischen Preußen und Österreich und ihren Verbündeten wird Nassau österreichischer Bündnispartner und 1866 als Partei der unterlegenen Seite von Preußen annektiert, womit Wiesbaden den Status als Landeshauptstadt verliert. 1867 wird der Regierungsbezirk Wiesbaden gebildet und Wiesbaden wird Sitz des Mainkreises, später nach dessen Teilung Sitz des Landkreises Wiesbaden, bleibt selbst aber kreisfreie Stadt. In der Folgezeit wird Wiesbaden als Kurbad, Kongressstadt und Verwaltungssitz weiter ausgebaut und erlebt einen großen Aufschwung. Die Zeit um die folgende Jahrhundertwende gilt als die Blütezeit der Stadt. Wiesbaden wird zur Weltkurstadt und als Nizza des Nordens bezeichnet. Kaiser Wilhelm II. besucht die Stadt regelmäßig zur Sommerfrische. Im Gefolge des kaiserlichen Hofstaats kommen zahlreiche Adlige, Künstler und wohlhabende Unternehmer in die Stadt und lassen sich dort zunehmend auch nieder. Im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. wurde das heutige Hessische Staatstheater 1894 von den Wiener Architekten Fellner und Helmer gebaut; das repräsentative Foyer im prunkvollen neobarocken Stil 1902 angefügt.

Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wächst die Stadt enorm. Die Einwohnerzahl steigt zwischen 1840 (rd. 11.650) und 1910 (rd. 109.000) um nahezu das Zehnfache. Umfangreiche Stadterweiterungen werden notwendig. Neben den heute unter Flächendenkmalschutz stehenden Villengebieten Ost (zwischen Frankfurter und Bierstadter Straße) und Nord (um das Nerotal) entstehen in dieser Epoche vor allem die neuen Wohngebiete um die in einem Viertelkreisbogen von Süd nach West um das Historische Fünfeck verlaufende Ringstraße (Kaiser-Friedrich-Ring und Bismarckring). Hervorzuheben sind hier das im Nordwesten gelegene Feldherrnviertel, das südlich angrenzende Rheingauviertel und das Dichterviertel, die ihre Namen den entsprechenden Straßenzügen verdanken. Im Zweiten Weltkrieg nur zu ca. 25 % zerstört, gibt es hier noch heute viele Villen und Häuser im Baustil des Historismus, Klassizismus und Jugendstils.

Wiesbaden um 1900

Von 1884 bis 1887 wird das neue Rathaus erbaut und 1888 wird die Nerobergbahn in Betrieb genommen, die aus dem Nerotal zum Neroberg hinauf führt. (Siehe auch Kapitel „Sehenswürdigkeiten und Tourismus“)

Als Durchbruch der Heidenmauer wird das Römertor 1902 in antikisierendem Stil als überdachte Holzbrücke errichtet. Im Römischen Freilichtmuseum neben dem Römertor sind heute Kopien von in Wiesbaden gefundenen Steintafeln aus der Römerzeit ausgestellt.

Weimarer Republik und Drittes Reich (1919 bis 1945)

Parade zum Abzug der britischen Truppen aus Wiesbaden im September 1929
Martin Niemöllers Haus in Wiesbaden Brentanostraße 3
Der Wiederaufbau des Jagdschlosses Platte lässt mit der gläsernen Dachkonstruktion den Zustand nach der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg noch erahnen

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Wiesbaden unter die Alliierte Rheinlandbesetzung und wurde 1918 von der französischen Armee besetzt. 1921 fand in Wiesbaden die Unterzeichnung des Wiesbadener Abkommens über die deutschen Reparationszahlungen an Frankreich statt. 1925 wurde Wiesbaden Hauptquartier der britischen Rheinarmee bis zum Abzug der Besatzungsmächte aus dem Rheinland 1930.

1929 erfolgte der Umbau der Trabrennbahn bei Wiesbaden-Erbenheim zu einem Flughafen. Auf diesem wurde das Jagdgeschwader 53 stationiert, welches seit 1936 Teil der Legion Condor war, einer Formation der Luftwaffe. Bekannt wurde die Legion Condor in Zusammenhang mit der Bombardierung Gernikas, die im Rahmen der Unterstützung Adolf Hitlers für den spanischen General und späteren Diktator Francisco Franco im Bürgerkrieg gegen die demokratisch gewählte Regierung erfolgte.

Seit 1933 wurden in der Stadt mehrere Dienststellen des NS-Regimes angesiedelt, darunter im Oktober 1936 das Generalkommando des XII. Armeekorps. In der Reichspogromnacht, am Morgen des 10. November 1938, wurde die 1869 von Philipp Hoffmann im maurischen Stil erbaute große Synagoge am Michelsberg zerstört. Gelegentlich wird berichtet, auch die zweite Synagoge in Wiesbaden-Biebrich sei an diesem Tag zerstört worden. Dies ist jedoch unklar, da hierzu fast nichts überliefert ist. Nach Angaben eines Nachbarn kam es zu keiner Niederbrennung des Gebäudes (Artikel Wiesbadener Kurier vom 5. April 1979), jedoch wurde der Innenraum demoliert. Das Synagogengebäude wurde im Krieg durch eine Luftmine beziehungsweise Bomben zerstört. Die Ruine wurde sodann noch vor Kriegsende abgebrochen.

Während des „Dritten Reiches“ wurden insgesamt etwa 1200 Wiesbadener Juden deportiert und ermordet. Dabei wurden einige Wohnhäuser in der Innenstadt als sogenannte „Judenhäuser“ genutzt, in denen Juden zwangseinquartiert wurden, bevor man sie zum Schlachthof transportierte. Dieser, in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof gelegen, war dann die letzte Station vor der Deportation. Der Wiesbadener Ludwig Beck war am 20. Juli 1944 am Attentat auf Hitler beteiligt und bezahlte dies mit seinem Leben. Ihm zu Ehren verleiht die Stadt jährlich den Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage. Martin Niemöller, Widerstandskämpfer, Mitgründer des Pfarrernotbundes und Ehrenbürger von Wiesbaden, hielt in der Marktkirche die letzte Predigt vor seiner Verhaftung.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Wiesbaden von den alliierten Bombenangriffen weitgehend verschont. Im Zeitraum zwischen August 1940 und März 1945 wurde Wiesbaden an 66 Tagen durch alliierte Bomber angegriffen. Bei etwa der Hälfte der Angriffe handelte es sich um Not-, Fehl-, oder Gelegenheitsabwürfe. Bei den Angriffen wurden insgesamt 18 % der Wohnungen zerstört. Ungefähr 1.700 Menschen verloren ihr Leben.[3] Der schwere Bombenangriff in der Nacht vom 2. auf 3. Februar 1945 verfehlte aufgrund der schlechten Wetterlage das geplante Zielgebiet und damit die volle Wirkung. Gleichwohl starben etwa 570 Menschen und 28.000 wurden obdachlos. Besonders stark getroffen wurde das Kurviertel, vom Paulinenschlösschen über Kurpark, Kurhaus, Theater, Hotel Vier Jahreszeiten, Marktkirche, Stadtschloss, Rathaus bis zum Polizeipräsidium. Besonders tragisch war der Volltreffer einer Luftmine in das Lyzeum neben der Marktkirche am Schloßplatz. Das massive Bauwerk wurde für viele Wiesbadener, die in dem als Luftschutzbunker dienenden Keller Schutz suchten, zum Grab und es wurde nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut.[4][5] [6] Nachdem im Laufe der Kriegshandlungen schon das Biebricher Schloss schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, wurde im Februar 1945 kurz vor Kriegsende noch das Jagdschloss Platte zielgerichtet zerstört, weil dort eine Flugabwehrleitstelle untergebracht war.

Nachkriegsentwicklung (ab 1945)

Am 28. März 1945 wurde Wiesbaden von US-amerikanischen Truppen besetzt. Damit war der Zweite Weltkrieg für die Stadt zu Ende. Die nördlich des Mains gelegenen rechtsrheinischen Mainzer Vororte Amöneburg, Kastel und Kostheim wurden im Sommer 1945 durch Anordnung der Militärregierung dem Stadtkreis Wiesbaden zugeordnet. General Dwight D. Eisenhower gründete durch die Proklamation Nr. 2 vom 19. September 1945 das Land Groß-Hessen, Wiesbaden wurde am 12. Oktober 1945 durch die Organisationsverfügung Nr. 1 der Militärregierung dessen Hauptstadt. Dabei blieb es auch nach der Gründung des Landes Hessen am 1. Dezember 1946, dem Tag der Volksabstimmung über die Verfassung des Landes Hessen, denn in der Verfassung wird keine Hauptstadt bestimmt.

Die Entscheidung fiel aus mehreren Gründen für Wiesbaden: Wiesbaden war nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichsweise unversehrt geblieben und liegt zentraler als andere hessische Städte wie beispielsweise Kassel. Hessens größte Stadt Frankfurt kam zudem nicht in Frage, da man damals fest damit rechnete, Frankfurt würde neue Bundeshauptstadt werden.

Während der Berlin-Blockade war der Militärflugplatz Erbenheim für die US Air Force im Rahmen der Berliner Luftbrücke einer der beiden westdeutschen Hauptstützpunkte. Fast 11 Monate lang starteten hier ununterbrochen Versorgungsflüge mit Frachtmaschinen, den so genannten Rosinenbombern, nach West-Berlin.

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 erwarb Wiesbaden den Status der Landeshauptstadt eines Bundeslandes. Die Stadt wurde Sitz von zwei Bundesbehörden, des Bundeskriminalamtes und des Statistischen Bundesamtes. Nach der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik und Aufbau der Bundeswehr wurde Wiesbaden Standort einer Wehrbereichsverwaltung. Zudem war Wiesbaden zeitweise Hauptquartier der US Air Force für Europa (USAFE) im damaligen Camp Lindsey.

1954 wurde Erich Mix (FDP) zum Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden gewählt. Mix hatte dieses Amt bereits 1937–1945 inne. Damit war Wiesbaden die größte westdeutsche Stadt in der ein Oberbürgermeister des NS-Regimes zugleich Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg war. Die Wahl war möglich, weil die Wiesbadener CDU nicht den eigenen Kandidaten Hermann Callies sondern Erich Mix wählte. Als Begründung hieß es Callies sei 1937 aus der Kirche ausgetreten und damit für die CDU unwählbar. Diese Wahl war bereits im Vorfeld heftig umstritten.

Einwohnerentwicklung

Bevölkerungsentwicklung

Der Verlauf der Einwohnerentwicklung von Wiesbaden zeigt, dass sich die Einwohnerzahl im 19. Jahrhundert, eingeleitet durch die Erhebung zur herzoglich-nassauischen Residenzstadt, etwa alle 20 Jahre verdoppelte. Von 1800 bis 1905 wuchs die Bevölkerung von 2.239 Einwohnern auf 100.953 Einwohner. Damit erreichte Wiesbaden den Status einer Großstadt. Die danach zu verzeichnende Stagnation des Wachstums wurde durch eine erste Welle von Eingemeindungen 1926 und 1928 beendet. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wuchs die Stadt auf 170.354 Einwohner. Dies war durch die wirtschaftlich günstige Lage am Rhein und der Nähe zum Ruhrgebiet begünstigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg strömten viele Menschen in die relativ wenig zerstörte Stadt. 1956 wurden schon 244.994 Einwohner gezählt. In den nächsten 20 Jahren wuchs die Einwohnerzahl nur noch geringfügig auf 250.592. Sie erhielt nur noch einen Schub durch die Eingemeindungen von 1977 und erreichte die Zahl von 274.464 im Jahr 1980. Entgegen dem seitdem in deutschen Großstädten zu beobachtenden Trend zum Schrumpfen der Einwohnerzahl konnte Wiesbaden seine Einwohnerzahl halten mit 274.865 Einwohnern im Jahr 2005. Dazu beigetragen hat auch der Bau immer neuer Wohnviertel in den Stadtteilen.

Im Jahre 2002 betrug der Anteil der Einwohner ohne deutschen Pass 17,5 % und lag damit deutlich niedriger als die jeweiligen Anteile in Frankfurt (26,4 %) und in Offenbach (31,2 %). Allerdings ist der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Wiesbaden seit 1980 (11,3 %) um etwa 55 % gestiegen.

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1833 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. Die Angaben beziehen sich ab 1843 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und seit 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Vor 1843 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Jahr Einwohner
1521 192
1629 915
1699 730
1722 1.329
1800 2.239
1. Dezember 1840 ¹ 11.648
3. Dezember 1861 ¹ 20.800
3. Dezember 1864 ¹ 26.600
3. Dezember 1867 ¹ 30.100
1. Dezember 1871 ¹ 35.500
1. Dezember 1875 ¹ 43.700
1. Dezember 1880 ¹ 50.238
1. Dezember 1885 ¹ 55.454
Jahr Einwohner
1. Dezember 1890 ¹ 64.670
2. Dezember 1895 ¹ 74.133
1. Dezember 1900 ¹ 86.111
1. Dezember 1905 ¹ 100.953
1. Dezember 1910 ¹ 109.002
1. Dezember 1916 ¹ 90.310
5. Dezember 1917 ¹ 86.555
8. Oktober 1919 ¹ 97.566
16. Juni 1925 ¹ 102.737
16. Juni 1933 ¹ 159.755
17. Mai 1939 ¹ 170.354
31. Dezember 1945 172.083
29. Oktober 1946 ¹ 188.370
Jahr Einwohner
13. September 1950 ¹ 220.741
25. September 1956 ¹ 244.994
6. Juni 1961 ¹ 253.280
31. Dezember 1965 260.331
27. Mai 1970 ¹ 250.122
31. Dezember 1975 250.592
31. Dezember 1980 274.464
31. Dezember 1985 266.623
25. Mai 1987 ¹ 251.871
31. Dezember 1990 260.301
31. Dezember 1995 267.122
31. Dezember 2000 270.109
30. September 2005 274.865

¹ Volkszählungsergebnis

Eingemeindungen

Die ersten Eingemeindungen waren die von Biebrich, Schierstein und Sonnenberg am 1. Oktober 1926. Dadurch wurde Wiesbaden zu einer Stadt am Rhein. Schon am 1. April 1928 wurden 9 weitere Gemeinden aus dem Landkreis Wiesbaden eingemeindet, der gleichzeitig aufgelöst wurde. Die restlichen Städte und Gemeinden des Landkreises wurden Bestandteil des neu gegründeten Main-Taunus-Kreises.

Als Kriegsfolge wurden am 10. August 1945 Mainz-Kastel, Mainz-Amöneburg und Mainz-Kostheim zu Stadtteilen von Wiesbaden. Von diesen drei Orten war Wiesbaden seit dem Wiener Kongress durch eine Landesgrenze getrennt, die Landesgrenze zwischen Nassau bzw. Preußen einerseits und Hessen andererseits. Es handelt sich auch sonst um keine der üblichen Eingemeindungen, da die Stadt Wiesbaden in diesen Stadtteilen nicht einfach die Rechtsnachfolge der Stadt Mainz angetreten hat. Die Wasserrechte zur Trinkwassergewinnung etwa sind bei Mainz geblieben und auch an den Eigentumsverhältnissen von städtischen Grundstücken hat sich nichts geändert.

Die letzten Eingemeindungen betrafen 6 Gemeinden des Main-Taunus-Kreises am 1. Januar 1977. Hierzu sei angemerkt, dass der Gesetzesentwurf zur Neugliederung des Main-Taunus-Kreises und der Stadt Wiesbaden ursprünglich vorsah, dass Delkenheim Stadtteil von Hochheim werden sollte und Wallau ein Stadtteil von Wiesbaden. Die kommunalen Gremien beider Gemeinden haben sich jedoch vehement für die im Gesetz letztendlich getroffene Regelung eingesetzt. Die Stadtgrenze zum Main-Taunus-Kreis weist dadurch einige auffallende Ein- und Ausbuchtungen auf, wobei diese durch Tausch von größeren Teilen der Feldgemarkung sogar schon geglättet worden sind.

Jahr Orte Zuwachs in ha
1. Oktober 1926 Biebrich (Stadt) 1299
1. Oktober 1926 Schierstein 943
1. Oktober 1926 Sonnenberg 834
1. April 1928 Bierstadt 922
1. April 1928 Dotzheim 1827
1. April 1928 Erbenheim 1127
1. April 1928 Frauenstein 1065
1. April 1928 Heßloch 154
1. April 1928 Igstadt 726
1. April 1928 Kloppenheim 539
1. April 1928 Rambach 992
Jahr Orte Zuwachs in ha
1. April 1928 Georgenborn (1939
wieder ausgemeindet)
(?)
10. August 1945 Mainz-Kastel und
Mainz-Amöneburg ¹
1.332
10. August 1945 Mainz-Kostheim ¹ 953
1. Januar 1977[7] Auringen 312
1. Januar 1977 Breckenheim 640
1. Januar 1977 Delkenheim 743
1. Januar 1977 Medenbach 447
1. Januar 1977 Naurod 1099
1. Januar 1977 Nordenstadt 773

¹ diese Stadtbezirke gehörten bis 1945 zu Mainz. Die Militärverwaltungen der Besatzungsmächte Frankreich und USA legten jedoch den mitten durchs bisherige Mainzer Stadtgebiet verlaufenden Rhein als Grenze zwischen ihren Besatzungszonen und folglich auch der neu gegründeten Länder Hessen und Rheinland-Pfalz fest. Drei der sechs rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz wurden deshalb der Stadt Wiesbaden zugeordnet. Sie behielten jedoch ihre bisherige Bezeichnungen „Mainz-“.

Die historischen Thermal- und Mineralquellen

Lageplan des Quellenschutzgebietes der Wiesbadener Mineral- und Thermalquellen nach dem Stand von 1969
Inschrift im Buntglasfenster des Bäckerbrunnens

In Wiesbaden gibt es seit der Römerzeit eine ganze Reihe von warmen Quellen im sogenannten Quellenviertel. Die wasserführenden Schichten im Untergrund des Quellenviertels stehen vielfach miteinander in Verbindung. Wenn man an einer Stelle nach Thermalwasser bohrt und es entnimmt, fehlt es an anderer Stelle.

Im Jahr 1991 hat das städtische Tiefbauamt die Wiesbadener Quellen "nach Inbetriebnahme der Speicher- und Verteileranlage" für die Versorgung mit Thermalwasser aufgestellt.[8] Die Quellbezeichnungen stehen im engen Zusammenhang mit den Wiesbadener Badehäusern und der Geschichte der Stadt.

    • Kochbrunnen, Bohrung III (Eigentümer: Stadt Wiesbaden 66,66 %; Römerbad GmbH, Schwarzer Bock, Hotel Rose, je 11,11 %. Ein 2/45tel Anteil der Stadt geht an die Bäder der Allianz in der Wilhelmstraße 8.)
    • Salmquelle, Bohrung I (Stadt Wiesbaden)
    • Große und Kleine Adlerquelle, Bohrungen (Stadt Wiesbaden)
    • Schützenhofquelle, Bohrung (Stadt Wiesbaden)
    • Pariser-Hof-Quelle, oberflächennahe Bohrung (Privat)
    • Sekundärquellen:
    • Kochbrunnen, Tümpel (Stadt Wiesbaden)
    • Sonnenbergquelle, Spiegelgasse 9 (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • Bäckerbrunnenquelle, Wagemannstraße/Goldgasse (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • Quelle Goldgasse 1-3 (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • Quelle Goldgasse 4 (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • Sternquelle, Webergasse 21 (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • Goldenes-Kreuz-Quelle, Spiegelgasse 15 (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • Goldenes-Roß-Quelle, Goldgasse/Häfnergasse (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • Quelle Grabenstraße 9 (Stadt Wiesbaden; außer Betrieb)
    • ''Römerquelle, Kranzplatz/Spiegelgasse (Stadt Wiesbaden; beseitigt)
    • Spiegelquelle, Kranzplatz 11 (Stadt Wiesbaden, Nassauer Hof; beseitigt)
    • Quelle Häfnergasse/Schellenbergpassage (Stadt Wiesbaden, Zwei Böcke, je 50 %; außer Betrieb)
    • Kölnischer-Hof-Quelle, Drei-Lilien-Platz (Privatbesitz)
    • Zwei Böcke-Quelle, Webergasse/An der Dreililienquelle (Zwei Böcke)
    • Bärenquelle, Drei-Lilien-Platz (Hotel Zum Bären)
    • Goldener-Brunnen-Quelle, Goldgasse 10-12 (Goldener Brunnen)
    • Drei-Lilien-Quelle (Stadt Wiesbaden 75 %, Schwarzer Bock 25 %)
    • Goldene-Kette-Quelle, Langgasse 45 (Schwarzer Bock)
    • Gemeindebadquelle (Stadt Wiesbaden; beseitigt)
    • Kranzquelle (Pumpquelle), Langgasse 56 (Stadt Wiesbaden; beseitigt)
  • Mineralquelle (Primärquelle, keine Thermalquelle):
    • Faulbrunnen, Bohrung (Stadt Wiesbaden)

Diese Liste führt 26 Quellen auf, darunter sechs Primärquellen. Traditionell wirbt Wiesbaden mit der Zahl von 27 Thermal- und Mineralquellen Im Stadtgebiet. Bei der fehlenden Quelle könnte es sich um die Wilhelms-Heilanstalt-Quelle handeln oder um die Quelle des ehemaligen Hotels Vier Jahreszeiten. Von den aufgelisteten Sekundärquellen tragen 13 Quellen den Hinweis außer Betrieb oder beseitigt. In einem Bericht der Stadtverwaltung für die Stadtverordneten aus dem Jahr 2008 wird ein Bestand von 15 vorhandenen Quellen angegeben, die tatsächlich Wasser geben.[9]

Dass im Brunnenhaus des Bäckerbrunnens in der Grabenstraße Wasser läuft obwohl die Bäckerbrunnenquelle außer Betrieb ist, hängt damit zusammen, dass diese Zapfstelle an das weit verzweigte Leitungsnetz angeschlossen ist, das in den 1930er-Jahren im Zusammenhang der Umnutzung der Kurhauskolonnade zur Brunnenkolonnade angelegt worden war. Das Leitungsnetz verteilt das Wasser verschiedener Quellen, wie des Kochbrunnens, der Adlerquelle und der Schützenhofquelle. Die eigentliche Bäckerbrunnenquelle liegt unterhalb des kleinen Platzes zwischen Goldgasse und Wagemannstraße (vor Goldgasse 10 und 12). Das Gebäude des Bäckerbrunnens steht also nicht auf der Bäckerbrunnenquelle, sondern ist nur ein Auslauf dieses Leitungsnetzes.

Die Drei-Lilien Quelle ist ein weiteres Beispiel für die Vernetzung der Quellen. Diese Quelle wurde Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt und aus den Quellen der Badhäuser Goldene Kette, Weiße Lilien, Vier Jahreszeiten und eines städtischen Brühbrunnens in der "kleinen Webergasse" gespeist (diese Gasse ist heute der Parkplatz vor dem Hotel Bären).

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Gabriele Wesch-Klein: Soziale Aspekte des römischen Heerwesens in der Kaiserzeit, Steiner, Stuttgart 1998 (= Habil. Heidelberg 1995). ISBN 3-515-07300-0, S. 86.
  2. http://www.wiesbadener-kurier.de/region/wiesbaden/stadtteile/erbenheim/7889546.htm Gesichtet am 19. November 2009 07:00 Uhr
  3. Philipp Kratz: Die Luftangriffe auf Wiesbaden während des zweiten Weltkrieg 1939–1945 In: Nassauische Annalen. 117, Verlag des Vereines für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Wiesbaden 2006, ISSN 0077-2887
  4. wiesbaden.de: Geschichte Wiesbadens 1848 bis 1945
  5. Private Website mit Zeittafel Wiesbaden bis 1945
  6. Thomas Weichel: Wiesbaden im Bombenkrieg 1941–1945. Wartberg Verlag, Oktober 2004, ISBN 3-8313-1408-X
  7. Gesetz zur Neugliederung des Main-Taunus-Kreises und der Stadt Wiesbaden vom 26. Juni 1974 GVBl. I S. 309
  8. Liste der Quellen zu finden in: "Walter Czysz, "Vom Römerbad zur Weltkurstadt", Schriften des Stadtarchivs Wiesbaden, Wiesbaden 2000, Seite 378
  9. Wiesbadener Tagblatt vom 18. September 2008: Quellen sind eine Image-Frage. Aus dem Bericht einer Projektgruppe für die Stadtverordneten: Bei den Thermal- und Mineralquellen wird ein Bestand von 27 Quellen angegeben. Tatsächlich vorhanden sind jedoch nur 15 Quellen. Sieben Quellen sind außer Betrieb und fünf weitere wurden beseitigt

Die Villa stellt natürlich nur einen Teil einer ganzen Reihe von villae rusticae rund um Wiesbaden dar, die sich zum einen südlich Erbenheims entlang des Wäschbachs nach Norden Richtung Igstadt entlang zog. Diese Siedlungen waren wohl landwirtschaftlich ausgerichtet, während sich die villae rusticae, die nördlich von Wiesbaden im Stadtwald liegen, eher auf Viehzucht ausgerichtet waren. H. Schopps vermutet aufgrund von Ziegelstempeln die hier gefunden wurden, zumindest in zweien dieser villae ursprüngliche Straßenposten entlang der von Wiesbaden zum Kastell Zugmantel führenden Straße (Schoppa 1974, 79).

Literatur

  • Baedeker Wiesbaden Rheingau, Karl Baedeker Verlag, Ostfildern-Kemnat, Österreich, 2001
  • Klaus Kopp: Wasser von Taunus, Rhein und Ried: aus 2 Jahrtausenden Wiesbadener Wasserversorgung. verl. v. Stadtwerke Wiesbaden AG. Wiesbaden 1986, ISBN 3-9801288-0-6
  • H. Schoppa, Aquae Mattiacae- Wiesbadens römische und alamannisch-römische Vergangenheit (Wiesbaden 1974)
  • W. Czysz, Wiesbaden in der Römerzeit (Stuttgart 1994)

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