Andreas Achenbach
Ehrengemälde des Malers Professor Andreas Achenbach anlässlich seines 70. Geburtstages, von Heinrich von Angeli
Andreas Achenbach, Lithographie von Adolf Dauthage, 1883

Andreas Achenbach (* 29. September 1815 in Kassel; † 1. April 1910 in Düsseldorf) war ein deutscher Landschaftsmaler der Romantik und der Bruder von Oswald Achenbach. Er wird der Düsseldorfer Malerschule zugerechnet.

Thema seiner Landschaftsmalereien waren vor allem Seestücke. Sein Bruder Oswald Achenbach dagegen konzentrierte sich auf die Darstellung der Landschaft Italiens. Die beiden Brüder wurden deshalb auch scherzhaft als das „A und O der Landschaftsmalerei“ bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Familie

Ufer des zugefrorenen Meeres, 1839, Öl auf Leinwand, Eremitage, Sankt Petersburg

Andreas wurde als Sohn von Hermann und Christine Achenbach, geb. Zilch, in Kassel geboren. Wenig ließ darauf schließen, dass aus dieser Familie zwei für das 19. Jahrhundert wichtige Maler hervorgehen würden. Hermann Achenbach war in einer Reihe unterschiedlicher Berufe tätig. Er war als Bier- und Essigbrauer tätig, besaß zwischenzeitlich einen Gasthof in Düsseldorf und arbeitete später als Buchhalter.

Kunstausbildung

„Die alte Akademie in Düsseldorf“, 1831, Kunstmuseum Düsseldorf

Andreas Achenbach erhielt schon als Kind Zeichenunterricht und begann seine Kunstausbildung 1827, also mit zwölf Jahren, an der Kunstakademie Düsseldorf bei Wilhelm von Schadow, Heinrich Christoph Kolbe und Carl Friedrich Schäffer. Auf einer Ausstellung des „Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen“, den Schadow 1829 mitbegründet hatte, erzielte der erst vierzehnjährige Achenbach seinen ersten größeren Erfolg, als er nicht nur zu den ausstellenden Malern gehörte sondern auch eines seiner Gemälde verkauft wurde. Dem ersten Verkaufserfolg schlossen sich sehr schnell weitere an. In Die alte Akademie in Düsseldorf wählte Achenbach den Ausblick von einem Fenster der Wohnung seiner Eltern im Haus Burgplatz 152. Die Wahl dieses nüchternen Sujets betont die Eigenständigkeit des Künstlers, denn die Schilderung der „Wirklichkeit“ galt in der Akademie als unkünstlerisch. Nur eine gefestigte Künstlerpersönlichkeit konnte es wagen, ein „bildunwürdiges“ Thema zum Gegenstand eines Gemäldes zu machen.[1]

1832 und 1833 unternahm er mit seinem Vater eine ausgedehnte Studienreise unter anderem nach Rotterdam, Scheveningen, Amsterdam und Riga. Die Reise bot ihm die Gelegenheit, sich intensiver mit der holländischen und flämischen Landschaftsmalerei auseinanderzusetzen. Prägend für ihn waren vor allem die Gemälde von Jacob Isaacksz. van Ruisdael und Allart van Everdingen. Vom Zeitpunkt dieser Reise an dominierten vor allem Seestücke sein Werk, bei denen er sich künstlerisch mit dem Erlebnis des Meeres und der Küste auseinandersetzte.

Zu seinen späteren Lehrern zählte außerdem auch Johann Wilhelm Schirmer. Achenbachs frühes Werk war vom Pseudo-Idealismus der deutschen Romantiker geprägt, doch nach seinem erneuten Umzug nach München 1835 gab Louis Gurlitt dem jungen Talent eine entscheidende Wende, und Achenbach wurde zum Gründer des deutschen Realismus. Anlass zu dem Weggang von der Kunstakademie Düsseldorf waren die dort zunehmenden Auseinandersetzungen innerhalb dieser Akademie über die künstlerische Ausbildung. 1885 wurde Andreas Achenbach Ehrenbürger von Düsseldorf.

Er gehörte zur bevorzugten Auswahl zeitgenössischer Künstler, die das „Komité zur Beschaffung und Bewertung von Stollwerckbildern“ dem Kölner Schokoladenproduzent Ludwig Stollwerck zur Beauftragung für Entwürfe vorschlug.[2]

Reisen

„Leuchtturm bei Ostende“, 1887, Museum der Bildenden Künste, Leipzig

Ähnlich wie sein Bruder Oswald hat auch Andreas Achenbach während seines Lebens zahlreiche Studienreisen unternommen, die er vor allem zu Naturstudien nutzte. 1835 unternahm er eine größere Reise nach Dänemark, Norwegen und Schweden. Nach Norwegen kehrte er 1839 erneut zurück. Zu seinen Reisezielen gehörten 1836 allerdings auch die Bayerischen Alpen und Tirol. Von 1843 bis 1845 hielt er sich in Italien auf, vor allem in der Campagna sowie auf Capri. 1846 kehrte er nach Düsseldorf zurück und war dort ab 1847 Mitglied zahlreicher Vereine, die zum künstlerischen Leben der Stadt gehörten, darunter dem Künstlerverein Malkasten. So heißt es 1856 in einer Düsseldorfer Zeitschrift:

„Beide Brüder Achenbach sind […] vornehmlich das belebende Prinzip der Gesellschaft [des Malkastens]; sie sind lebensfroh, witzig und […] erfreuen sich einer beneidenswerten Unabhängigkeit.“[3]

Der Einfluss Achenbachs als Lehrer

Obschon seine Landschaften das Bemühen, ein Bild zu gestalten, erkennen lassen, ist er ein Meister der Technik und ein historisch bedeutender Reformer. Aufgrund seiner intensiven Maltätigkeit hat er während seines Lebens nur wenig Schüler ausgebildet. Zu diesen zählen sein zwölf Jahre jüngerer Bruder Oswald Achenbach und Albert Flamm. Umstritten ist, wie intensiv die Kunstausbildung insbesondere seines jüngeren Bruders war. Belegt ist lediglich, dass er in den 1840er Jahren diesem in Briefen Empfehlungen über Bildkomposition und Maltechniken gab und ihn damit indirekt mit der Kunstauffassung Schirmers vertraut machte.

Werkauswahl

Landschaft mit Fluss, 1866, Öl auf Leinwand, Eremitage, St. Petersburg

Illustrationen (Auswahl)

Digitalisierte Ausgaben der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

  • In: Aquarelle Düsseldorfer Künstler: den kunstsinnigen Damen gewidmet. Arnz, Düsseldorf 1861. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Düsseldorfer Lieder-Album: 6 Lieder mit Pianofortebegleitung. Arnz, Düsseldorf 1851. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Tegnér, Esaias. Frithiofsage. Uebersetzt von Julius Minding. Cornelius, Berlin (u.a.) 1842. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Endrulat, Bernhard: Ein Kaiserfest im "Malkasten" zu Düsseldorf: und 11 in Holzschnitt ausgeführten Originalzeichnungen. Voß, Düsseldorf 1878. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Reinick, Robert. Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde. zwischen 1836 und 1852.
    • Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde. Schulgen-Bettendorff, Düsseldorf 1836, Probedruck. Digitalisierte Ausgabe
    • Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde. Schulgen-Bettendorff, Düsseldorf 1838, farbige Mappen-Ausgabe. Digitalisierte Ausgabe
    • Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde. Schulgen-Bettendorff, Düsseldorf 1838. Digitalisierte Ausgabe
    • Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde. Buddeus, Düsseldorf zwischen 1839 und 1846. Digitalisierte Ausgabe
    • Lieder eines Malers mit Randzeichnungen seiner Freunde. Vogel, Leipzig ca. 1852. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Bund, Ludwig (Hrsg.). Lieder der Heimath: Eine Sammlung der vorzüglichsten Dichtungen im Bilderschmucke deutscher Kunst. Breidenbach, Düsseldorf 1868. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Stieler, K./Wachenhusen, H. /Hackländer, F. W.: Rheinfahrt: Von den Quellen des Rheins bis zum Meere. Kröner, Stuttgart 1875. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Sammlung von Original-Radirungen Düsseldorfer Künstler. Schulgen, Düsseldorf 1850. Digitalisierte Ausgabe
  • Achenbach, Hermann. Tagebuch meiner Reise nach den Nordamerikanischen Freistaaten oder: Das neue Kanaan. Beyer, Düsseldorf 1835, 2 Bde. Digitalisierte Ausgabe
  • In: Weihnachts-Album. Arnz, Düsseldorf 1853. Digitalisierte Ausgabe
  • Zwölf Original-Radirungen. Schwan & Steifensand, Düsseldorf 1885. Digitalisierte Ausgabe
  • Der Ewlenspiegel und die drey Blinden Digitalisierte Ausgabe
  • Die Narren des Grafen von der Lipp, oder der überwundene Trommelschläger. Digitalisierte Ausgabe
  • Reneaudin, Bollinger et Comp. 1857. Digitalisierte Ausgabe
  • Zum 80. Geburtstag unseres Ehrenmitgliedes des herrn Professor Doctor Andreas Achenbach am 29. September 1895 im Malkasten zu Düsseldorf : 1815 - 1895. Bagel, Düsseldorf 1895 (Digitalisierte Ausgabe)
  • Ein Herberg in der Mühl : komische Oper in 2 Acten nach einem Gedicht aus dem 16ten Jahrhundert ; Theateraufführung im Malkasten Januar 1856. Düsseldorf, 1856 (Digitalisat der ULB Düsseldorf)
  • Der Ewlenspiegel und die drey Blinden : sehr herrliche schöne Tragedi, Commedi vnd schimppff Spil, geistlich und weltlich, vil schöner alter warhafftiger histori, auch kurztweiliger geschicht auff das deutlichst an Tag geben ... ; Theateraufführung im Malkasten, 7.3.1857. Düsseldorf, 1857. (Digitalisat der ULB Düsseldorf)

Literatur

  • Wolfgang Peiffer: „Andreas Achenbach – Italienreise“, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3937978581
  • Ralf Kern: „Oswald Achenbach: Ein Düsseldorfer malt Italien“. LIT Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-643-10081-8
  • Andreas und Oswald Achenbach. „Das A und O der Landschaft“. Ausstellungskatalog Kunstmuseum Düsseldorf (Hamburg, Linz) 1997/98 (Hg.: Martina Sitt). Köln: Wienand 1997, ISBN 3-87909-549-3
  • Wend von Kalnein (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule. Ausstellungskatalog. Redaktion: Dieter Graf. Kunstmuseum Düsseldorf 1979, ISBN 3-8053-0409-9
  • Mechthild Potthoff; „Oswald Achenbach – Sein künstlerisches Wirken zur Hochzeit des Bürgertums – Studien zu Leben und Werk“, Hanstein Verlag Köln-Berlin 1995, ISBN 3-9802183-6-8
  • Kindlers Malerei Lexikon im dtv, Band 1, DTV Verlag München 1976, ISBN 3-423-05956-7
  • Eberhard Hanfstaengl: Achenbach, Andreas. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 30 f. (Onlinefassung).

Einzelnachweise

  1. Rolf Andree in: Die Düsseldorfer Malerschule. Ausstellungskatalog. S. 241
  2. Detlef Lorenz: Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder, Reimer, 2000.
  3. Potthoff, S. 22

Weblinks

 Commons: Andreas Achenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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