Subjekt (Grammatik)


Subjekt (Grammatik)

Subjekt bezeichnet in der Sprachwissenschaft eine grammatische Funktion eines Satzteils für den Gesamtsatz. Als typische Eigenschaften eines Subjekts werden für Sprachen wie das Deutsche angegeben: Es trägt Nominativ-Kasus, die Personalform des Verbs muss mit den Merkmalen des Subjekts übereinstimmen (Kongruenz) und es ist die hierarchisch höchste Ergänzung des Verbs im Satz (woraus eine Reihe weiterer Eigenschaften folgen).

Die grammatische Funktion "Subjekt" wird traditionell häufig in einen Zusammenhang gebracht mit der semantischen Eigenschaft, Verursacher eines beschriebenen Ereignisses (Agens) zu sein, sowie auch mit der eher diskurspragmatischen Eigenschaft, Satzgegenstand zu sein. Hierbei handelt es sich jedoch bestenfalls um Korrelationen, nicht um Bestandteile einer Definition der Kategorie Subjekt.

Der Begriff Subjekt bezeichnet letztlich die Vorstellung, dass die genannten charakteristischen Eigenschaften (und einige weitere) regelmäßig in ein und demselben Satzglied zusammentreffen. Bei näherer Betrachtung und insbesondere im Sprachvergleich stellt sich dieser Zusammenhang jedoch nur als grobe Tendenz mit vielen Ausnahmen dar. Somit erhält der Begriff "Subjekt" unscharfe Grenzen, und lässt sich insbesondere auf verschiedene grammatische Typen von Sprachen nicht in genau gleicher Weise anwenden. In der linguistischen Theoriebildung wird "Subjekt" daher meist nicht als elementarer grammatischer Grundbegriff angesehen, sondern im strengen Sinne definierbar und vergleichbar seien eher nur die einzelnen Eigenschaften, die in wechselnder Weise zur Charakterisierung eines Subjektbegriffs herangezogen werden können.

Inhaltsverzeichnis

Das Subjekt in traditioneller Germanistik und theoretischer Linguistik

Schulgrammatik und Deskriptive Grammatik des Deutschen

In der Tradition des schulischen Grammatikunterrichts steht die Aufgabe im Vordergrund, Sätze in Satzglieder zerlegen zu können, und häufig wird das Ziel verfolgt, Grammatik in einen Zusammenhang mit anschaulichen, kommunikationsbezogenen Fragen zu rücken. Dem entspricht das gängige Vorgehen, die Bestimmung von Kasus und grammatischen Funktionen an einen Fragetest zu knüpfen. So wird bereits der Nominativ-Kasus auch als "Wer-Fall" bezeichnet und der Begriff Subjekt so erklärt, dass das Subjekt des Satzes sei, was mit einer "Wer (oder was)"-Frage erfragt werden kann. Für die allgemeine Bestimmung dessen, was ein Subjekt ist, führt dieser Test jedoch nicht weiter als bis zu der Aussage, dass ein Subjekt ist, was im Nominativ steht (da es durch ein Fragewort ersetzt werden kann, und das Fragewort seinerseits auch eine Nominativform aufweist). Darüber hinaus kann eingewandt werden, dass die Entsprechung in Form eines Fragesatzes nicht für alle Satztypen verfügbar ist, so kann bei der Bestimmung des Subjekts in einem Frage- oder Ausrufesatz sinnvollerweise kein weiteres Fragewort eingeführt werden (z.B. in "Ach würde mich doch die Muse heftiger küssen") (Reis 1986, p.69). Die Duden-Grammatik (p 613f.) listet folgende Erkennungszeichen des Subjekts auf. Subjekt ist eine Ergänzung des Verbs, die

  1. ... im Nominativ steht.
  2. ... eine passende Personalform des finiten Verbs erzwingt,
  3. ... im Infinitiv wegfällt,
  4. ... durch eine Passivform unterdrückt wird,

Beispiele: "Der Hund biss die Briefträger"

  1. ... (und nicht Den Hund biss die Briefträger)
  2. ... (und nicht: Der Hund bissen die Briefträger".)
  3. ... (vgl. "...[--] die Briefträger zu beißen"; nicht: "Der Hund die Briefträger zu beißen")
  4. ... (vgl. "Die Briefträger wurden gebissen"; hingegen wäre "Der Hund wurde gebissen" Passiv zu einem anderen Satz)

Die Duden-Grammatik versucht darüber hinaus keine inhaltliche Definition, sondern bietet nur (S. 632f.) Beispiele für mögliche inhaltliche Funktionen des Subjekts wie etwa Agens ("jemanden, der eine Tätigkeit oder Handlung vollzieht"), oder der "Träger eines Vorgangs oder Zustands" ("das Laub fällt", "das Kind schläft ruhig"). Vor allem im Zusammenhang mit bedeutungsschwachen Verben wie der Kopula, Funktionsverben, oder Passiv-Hilfsverben entstehen überdies zahlreiche Sonderfälle.

Linguistische Theorien

In Theorien der formalen Linguistik wird "Subjekt" vereinzelt als ein elementarer Begriff der Grammatik eingeführt, so in der LFG. In der generativen Grammatik im Gefolge Noam Chomskys versucht man hingegen, den Begriff "Subjekt" auf einer rein strukturellen Grundlage zu bestimmen. Hiernach sei der wesentliche Aspekt an einem Subjekt, dass es als sog. Spezifikator des Satzes gemäß der X-Bar-Theorie erscheint, also als die erste Phrase, die bei der Aufteilung des Satzes von dem Rest, der das Prädikat enthält, abgeteilt wird ("NP unter S" in einer vereinfachten Darstellung). Das Erscheinen von Nominativkasus und Kongruenz wird dieser strukturellen Eigenschaft untergeordnet, indem es sich um Erscheinungen handle, die an diese syntaktische Konfiguration gebunden seien. Sowohl innerhalb der generativen Schule (z.B. Haider 2005) wie außerhalb (z.B. in der Role and Reference Grammar) sind jedoch Zweifel geäußert worden, ob eine solche rein strukturelle Definition von Subjekten auch für Sprachen mit freier Wortstellung aufrechterhalten werden kann. (Die Frage entscheidet sich daran, ob sich Variation in der Wortstellung durch Transformationen aus einer festen Grundstruktur ableiten lässt, und stellt sich in verschiedenen Sprachen unterschiedlich dar).

Aus der Tatsache, dass die generative Grammatik verschiedene Stufen der Darstellung eines Satzes unterscheidet, die durch Transformationen auseinander hervorgehen, ergibt sich auch eine Differenzierung des Subjektbegriffs: Satzglieder können schon in der Ausgangsstruktur (Tiefenstruktur) eine Subjektposition besetzen oder erst im Lauf der Ableitung in eine Subjektposition gelangen ("Oberflächensubjekte"). Letzteres wird angenommen für die meisten Arten von Passivkonstruktionen sowie für die sog. unakkusativischen Verben (die in diesem Artikel weiter unten besprochen werden).

In der Sprachtypologie ist die Frage, ob eine Kategorie "Subjekt" sprachübergreifend festgestellt werden kann, ein seit langem strittiges Thema. In einer klassischen Arbeit schug Edward Keenan (1976) vor, dass ein Begriff "Subjekt", der über beliebige Sprachen hinweg Gültigkeit beansprucht, als eine prototypisch organisierte Kategorie zu sehen sei, also eine Kategorie, die nicht aus dem Vorliegen festgelegter Merkmale definiert werden kann, sondern die vorliege, sobald aus einer Schar von möglichen Merkmalen im Einzelfall genügend Merkmale gegeben sind, um eine globale Ähnlichkeit mit anderen Vertretern der Kategorie zu ergeben (ohne dass irgend ein einzelnes Merkmal für sich genommen notwendig ist). Keenan listet gut 30 verschiedene Eigenschaften auf, die in dieser Weise zur Bestimmung von Subjekten beitragen könnten.

Abgrenzung von anderen Begriffen

Subjekt und Agens

"Subjekt" als grammatischer Begriff ist zu unterscheiden von Begriffen wie Agens, Patiens, etc., bei denen es sich um semantische Rollen handelt. Eine Gemeinsamkeit ist, dass beide sich auf die Tatsache beziehen, dass ein Verb eine gewissen Anzahl von Ergänzungen (Argumenten) verlangt, die in eine Hierarchie gebracht werden können. Die semantische Beschreibung von "Teilnehmer-Rollen" wird üblicherweise als eine Hierarchie dargestellt, an deren Spitze die Rolle des Verursachers einer Situation steht, das Agens, und dies deshalb weil das Agens bevorrechtigt ist, die höchste Stelle in der syntaktischen Hierarchie zu besetzen (die sich dadurch auszeichnet, dass sie die Kongruenzform des Verbs kontrolliert etc.). Ein grundlegendes Prinzip der Abbildung von semantischen Rollen auf syntaktische Positionen im Satz lautet also, dass ein Agens nie die Objektposition besetzen kann, sondern immer als Subjekt erscheinen muss (oder durch eine Passivform beiseite geräumt wurde). Die Umkehrung gilt jedoch nicht: Wenn unter den Teilnehmerrollen, die das Verb vergibt kein Agens ist, kann eine andere semantische Rolle (z.B. "Thema" = Teilnehmer der verändert oder bewegt wird) auf die Subjektposition abgebildet werden. Daher gibt es viele Verben, deren Subjekt auch im Aktiv nicht den "Handelnden einer Situation" bezeichnet:

  • Die Heckklappe blieb versehentlich offen.
  • Die Gitarre fiel heraus.
  • Die Gitarre bekam Kratzer.
  • Die Gitarre ist seither verschwunden.

(Man beachte im ersten Satz, dass die Handlungsweise des "Versehens" gerade nicht dem Subjekt zugeschrieben wird, sondern einem Verantwortlichen, der im Satz ungenannt bleibt). In Beschreibungen der Grammatik von Passiv-Sätzen findet sich gelegentlich der Begriff des "logischen Subjekts". Dieser Begriff bezieht sich darauf, dass durch die Passivform des Verbs das Agens unterdrückt wird und daher ein anderer Teilnehmer als im Aktiv als das Subjekt ausgedrückt wird; das unterdrückte Agens wird aber weiterhin als eine "normale" Besetzung der Subjektstelle angesehen und seine Existenz ist auch weiterhin impliziert. Es geht also bei dieser im Grunde irreführenden Terminologie nicht um "logische Verhältnisse", sondern einfach um semantische Rollen, und um eine Einheit die im fraglichen Satz gerade keine Subjekts-Eigenschaften aufweist.

Subjekt und Satzgegenstand

Eine weitere Kategorie, die vom eigentlichen Subjektbegriff zu trennen ist, ist das, was in der neueren linguistischen Literatur Topic genannt wird, traditionell Satzgegenstand oder auch "psychologisches Subjekt". Dieses, um es in der Formulierung von Hermann Paul (1919) (zitiert in Eisenberg 1999, p. 274) zu sagen, "vertritt die Vorstellung (...) die zuerst in der Seele des Sprechenden vorhanden ist". Der nachfolgende Rest des Satzes ist dann Satzaussage, die einen "Kommentar" über diese als Ausgangspunkt dienende Einheit macht und in der Regel dabei neue Information liefert. Die Unterteilung, um die es hier geht ist also im Wesentlichen die zwischen bekannter Information, an die mit einer Aussage angeschlossen wird, und neuer Information, wobei erstere typischerweise am Satzanfang steht. Da in vielen Sprachen das Subjekt aus grammatischen Gründen am Satzanfang steht, ergibt sich eine Korrelation zwischen Subjektstatus und der Funktion als Satzgegenstand. Derade im Deutschen ist dieser Zusammenhang jedoch schwach ausgeprägt, da das Deutsche so viel Wortstellungsfreiheit besitzt, dass jedes Satzglied an den Satzanfang geholt werden kann. Zum Beispiel fungiert im folgenden Satz das Objekt als Topic oder "Satzgegenstand":

  • Diesen Text kann man ohne Brille überhaupt nicht lesen.

In Sprachen mit starrerer Wortstellung wie dem Englischen kann der Zusammenhang dagegen enger sein: Im Englischen wird oft eine Passivkonstruktion gewählt, um ein zugrundeliegendes Objekt an den Satzanfang stellen zu können wo es leichter als Topic dienen kann.

  • This text can't be read without glasses.

Die Funktion des Satzgegenstandes korreliert also mehr oder weniger mit dem Status als Subjekt, kann aber nicht als Definition für die Kategorie Subjekt dienen.

Das Subjekt in der Struktur des Satzes

Das Subjekt als höchste Position in der Hierarchie der Verbergänzungen

Subjekt und Objekt stehen als Ergänzungen des Verbs nicht auf gleicher Stufe. Dies zeigt sich an sogenannten Konstituententests, wie etwa der Verschiebeprobe. Was als ganzes im Satz umgestellt werden kann, bildet ein zusammenhängendes Satzglied (Konstituente), also können (infinites) Verb und Objekt eine solche Einheit bilden, jedoch nicht Subjekt und Verb:

  • Den Artikel lesen wollte ich auch noch

' nicht: Ich lesen wollte den Artikel auch noch.

Eine weitere Eigenschaft, die auf einen höheren Platz in einer Hierarchie verweist, ist der Umstand, dass Reflexivpronomina wie "sich" in Objektposition vom Subjekt abhängen können, jedoch nie ein Reflexiv als Subjekt an ein Objekt gebunden sein kann:

  • Der Affe erkannte sich im Spiegel
  • nicht: Sich erkannte den Affen im Spiegel.

Dieser Effekt kann nicht allein an der Reihenfolge der Wörter liegen (etwa dass das Reflexiv immer dem Bezugswort nachfolgen müsste), da er sich durch einfache Umstellung der Satzteile nicht beseitigen lässt.

Besondere Typen von Subjekten

Die einfachsten Fälle von Subjekten sind selbständig auftretende Nomina (z.B. Eigennamen) oder Nominalgruppen (d.h. Nomina mit von ihnen abhängenden Ergänzungen):

  1. Otto horcht.
  2. Ottos Mops hopst fort.

Besonderheiten ergeben sich hingegen manchmal im Zusammenhang mit Sätzen sowie mit pronominalen Elementen. Neben nominalen Einheiten können auch ganze Sätze in der Funktion eines Subjekts auftreten (ebenso wie sie auch Objekte eines Verbs sein können), z.B. Nebensätze die mit den Konjunktionen "dass" oder "ob" eingeleitet werden, mit Frage- oder Relativpronomen ("wer, was...") eingeleitete Nebensätze, Infinitivkonstruktionen, u.a.:

  1. Ob Ottos Mops zurückkehren wird, ist ungewiss.
  2. Wer raucht, stirbt früher.
  3. Wörter mit dem Laut "o" aneinander zu reihen, bereitet mir Vergnügen.

Diese können ebenso wie Nominalgruppen durch ein Pronomen oder ein Fragewort ersetzt werden. Im Unterschied zu letzteren tragen Sätze aber keine Merkmale für Person und Numerus, was sich auf die Kongruenzregeln auswirkt (siehe unten).

Sätze ohne Subjekt

Vielfach wird das Subjekt als zentrales und wichtigstes Satzglied beschrieben, das immer zusammen mit dem Prädikat den Kern des Satzes ausmache, wogegen ein direktes Objekt weniger zentral sei, weil es nicht immer erscheinen müsse. Dem stehen jedoch eine Reihe von Beobachtungen entgegen. Zum einen verlangen manche Verben als Subjekt ein bedeutungsleeres Pronomen "es" (ein sog. Scheinsubjekt), das lediglich dazu dient, den Platz des Subjekts "auszufüllen", das aber keine genau feststellbare semantische Rolle zu tragen scheint und nicht durch ein Fragewort ersetzt werden kann:

  1. Mal regnet es, dann schneit es wieder

Ein noch weiter gehender Fall besteht darin, dass im Deutschen viele Möglichkeiten existieren, Sätze völlig ohne ein Subjekt zu konstruieren (Beispiele aus Reis 1986: 68):

  • "Mich friert. Mir läge jetzt sehr an einem dicken Pullover."
  • "Jetzt wird angefangen."
  • "Ihm ist nicht zu helfen."
  • "Vom Kuchen ist noch da."

Abgesehen von bestimmten einzelnen Verben, die subjektlos konstruiert werden (etwa "mich friert"), gibt es einen Mechanismus, der im Deutschen systematisch für subjektlose Sätze sorgt: das unpersönliche Passiv. Es entsteht daraus, dass im Deutschen auch intransitive Verben ins Passiv gesetzt werden können, was zur Folge hat dass nach der Tilgung des zugrundeliegenden Agens kein anderes Satzglied als Subjekt nachrücken konnte. Entgegen weit verbreiteter Auffassung existiert hierfür im Deutschen auch kein Expletivpronomen (Füllpronomen), d.h. das "es" in dem folgenden Satz vertritt nicht die Stelle eines Subjekts:

  • Es wurde eifrig gearbeitet.

Dass dieser Satz gar kein Subjekt hat, sieht man anhand eines Vergleichs mit dem nah verwandten Niederländisch: Hier tritt tatsächlich ein Expletivpronomen ein, das den Nominativ trägt. Dieses Pronomen "er" wird nicht vom Verb als solchem verlangt, sondern von der unpersönlichen Konstruktion, in die es gesetzt wurde:

  1. Elk uur dat er gewerkt kon worden, werd er ook effectief gewerkt
  2. Jede Stunde, die -- gearbeitet werden kann, wird -- auch tatsächlich gearbeitet.

Diese Art von expletivem Subjekt kann im Deutschen nicht gesetzt werden. Man beachte, dass ein vom Verb verlangtes Scheinsubjekt wie das "es" bei "regnen" hingegen im Inneren des Satzes stehen und dem Verb folgen kann; in dem deutschen unpersönlichen Passivsatz "Es wurde gearbeitet" kann ein "es" dagegen höchstens am Satzanfang stehen, aber nicht nach dem Verb. Es handelt sich um einen anderen Typ von "es", das nicht die Subjektstelle besetzt, sondern das Vorfeld in einem Verbzweitsatz).

Ausnahmefälle zu den klassischen Kriterien für Subjekte

Da für die Definition der Kategorie Subjekt mehrere Kriterien herangezogen wurden, ergeben sich Fälle, wo einzelne Kriterien nicht zutreffen, jedoch so viele andere Subjekteigenschaften gegeben sind, dass man insgesamt von Subjekten zu reden hat, die lediglich weniger typische Erscheinungsformen darstellen.

Subjekte, die nicht im Nominativ stehen

Hier sind zwei Arten von Fällen möglich: Erstens kann ein Subjekt einer Kategorie angehören, die gar nicht mit einem Kasus markiert werden kann. Diesen Fall stellen die bereits erwähnten Nebensätze in Subjektposition dar. Zum zweiten kommen in bestimmten Konstruktionen Subjekte in anderen Kasus vor. Bekanntestes Beispiel dürfte der AcI (Accusativus cum Infinitivo) sein. Die Beispiele des Deutschen von dieser Form sind jedoch nicht eindeutig:

  • Ich sah ihn das Haus verlassen

Semantisch gesehen ist das Pronomen "ihn" ein Argument des Verbs "verlassen", eine Paraphrase wäre

  • Ich sah, [ wie er das Haus verließ ]

Zu fragen ist jedoch, ob dies auch syntaktisch so ist, oder ob das Akkusativ-Pronomen "ihn" als syntaktisches Objekt zu "sehen" aufgefasst werden kann. Im Lateinischen gibt es Fälle, die eindeutiger sind:

 Oportet       eum  venire
  Gehört-sich  ihn  zu-kommen.   = "Es gehört sich, dass er kommt".

Das Verb "oportet" (es gehört sich) ist kein transitives Verb und ein Akkusativ in diesem Satz kann deshalb kein Objekt sein. Vielmehr muss der Akkusativ "eum" (ihn) als das Subjekt des Infinitivs "venire" (kommen) aufgefasst werden. Damit handelt es sich um einen Fall, wo im Infinitiv das Subjekt nicht wegfällt (was für das Deutsche als Kriterium für Subjekthaftigkeit angegeben wurde), sondern wo nur der Nominativ nicht verfügbar ist.

Besonders im Isländischen gibt es sehr häufig Dative oder sogar Akkusative mit den grammatischen Eigenscahften von Subjekten. Die fraglichen Konstruktionen sehen oberflächlich zunächst nicht viel anders aus als deutsche unpersönliche Verben: Im Unterschied zum Deutschen haben solche Dativ-Formen jedoch grammatische Eigenschaften von Subjekten, so können sie Reflexivpronomen binden. (Alle folgenden Beispiele aus Höskuldur Thráinsson (2007, S. 163-167)

 Hana          vantar    peningana         sina
 Sie(Akkusativ) fehlt Geld(Akkusativ) ihr(Reflexiv)  
  "Sie braucht Geld" (Wörtlich etwa: "Ihr fehlt sich's Geld")

Ferner können Dativ-Subjekte wie bei dem Verb "leidha" (sich langweilen) im Infinitiv wegfallen, was, wie bereits erläutert, im Deutschen nur Nominative können:

 Stelpunum             leiddist  í skólanum
  Die-Mädchen(Dativ) langweilte in der-Schule  
 "Die Mädchen langweilten sich in der Schule"
 
 Stelpurnar              vonast til adh  [--] leidhast    ekki í skólanum
 Die Mädchen(Nominativ)  hoffen für zu [--] langweilt nicht in der-Schlule  
 "Die Mädchen hoffen, sich in der Schule nicht zu langweilen"

Möglich sind ferner Satzanschlüsse, wo ein früherer Nominativ nicht wieder aufgenommen wird, obwohl im zweiten Satzteil ein Dativ gebraucht wird (da dieser Nominativ und der zu erwartende Dativ als parallel behandelt werden, ist gezeigt, dass der Dativ wie der Nominativ als Subjekt verwendet wird):

 Stelpurnar      fóru í skólann      en  [--] leiddist thar.
 Die-Mädchen(Nom) gingen zur Schule aber [--] langweilte dort 
 "Die Mädchen gingen zur Schule aber [sie] langweilten sich dort."

Subjekte, die keine Kongruenz auslösen

Obwohl Sätze zweifelsfrei die Funktion eines Subjekts haben können, kongruiert das Verb mit ihnen nicht in derselben Weise wie mit Nomina als Subjekt, d.h. die Kongruenzform wird stets auf 3.Person Singular gesetzt, weil dies die unmarkierte Form darstellt, jedoch spielen Mermale des Subjektsatzes keine Rolle. Man vergleiche die Beispiele (Reis 1986:77):

* Dass Hans nicht kommt und dass Fritz sich nicht dafür entschuldigt hat ärgert mich (nicht: ärgern mich) 
* Hansens Absage und Fritzens fehlende Entschuldigung ärgern mich.

Literatur

  • Matthew Dryer (1997): Are grammatical relations universal? In Joan Bybee, John Haiman & Sandra A. Thompson (eds.): Essays on language function and language type. Amsterdam: John Benjamins. pp. 115–43.
  • Peter Eisenberg: Grundriß der deutschen Grammatik. Band 2: Der Satz. Metzler, Stuttgart u. a. 1999, ISBN 3-476-01642-0
  • DUDEN Grammatik der deutschen Gegenwartssprache, hrsg. u. bearb. von Günther Drosdowski. 5. Aufl. 1995, Mannheim: Dudenverlag
  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. 4. aktualisierte und überarbeitete Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart u. a. 2010, ISBN 978-3-476-02335-3.
  • Höskuldur Thráinsson (2007): The Syntax of Icelandic. Cambridge: Cambridge University Press
  • Edward Keenan (1976): Towards a universal definition of ‘subject’. In: Charles N. Li & Sandra Thompson (eds): Subject and Topic. New York: Academic Press. pp. 303–33
  • Marga Reis: "Subjekt-Fragen in der Schulgrammatik". Der Deutschunterricht, 38-2 (1986), pp 64-84
  • Gisela Brunner: "Wer oder was kennst du? Probleme des Grammatikunterrichts" In Karl Detering u.a. (eds):. Akten des 16. linguistischen Kolloquiums Bd 1. Tübingen: Niemeyer (=LA119 ), 1982. pp 136-146

Siehe auch


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