Yamaha XT 500


Yamaha XT 500
Yamaha
Xt500.JPG

XT 500, Baujahr 1978

XT 500
Hersteller: Yamaha
Verkaufsbezeichnung: XT 500
Produktionszeitraum: 1976–1989
Klasse: Enduro
Motor: luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor
Bohrung (mm): 87
Hub (mm): 84
Verdichtung: 9:1
Hubraum (cm³): 499
Leistung (kW/PS): 27/33 bei 6500/min
Drehmoment (Nm): 34,4 bei 4500/min
Höchstgeschwindigkeit (km/h): 140
Kraftstoff: Benzin
Kraftstoffverbrauch:
Getriebe: 5
Antrieb: Kette
Fahrwerk/Rahmen: Einrohrrahmen in Doppelschleife übergehend
Bremsen: Simplex-Halbnaben-Trommeln, vorne 160 mm, hinten 150 mm
Radstand (mm): 1420
Bereifung vorne: 3.00-21 auf 1.60 Felge (1976–1977)
3.25-21 auf 1.85 Felge (ab 1977)
Bereifung hinten: 4.00-18 auf 1.85 Felge
Maße (L × B × H mm): 2200 × 880 × 1130
Sitzhöhe (cm): 83
Leergewicht (kg): 141
Gewicht fahrbereit (kg): 155
Zuladung (kg): 164
Tankvolumen (Liter): 8,8 Liter, davon 2 l Reserve
Nachfolgemodell: Yamaha XT 550
Ähnliche Modelle: Honda XL 500

Die Yamaha XT 500 ist eine Enduro des japanischen Fahrzeugherstellers Yamaha Motor und war das erste geländegängige Großserienmotorrad mit einem Einzylinder-Viertaktmotor und 499 cm³ Hubraum. Die XT500 wurde erstmals 1976 in Marrakesch der Presse vorgestellt und bis 1989 gebaut. Alleine in Deutschland wurden insgesamt über 25.000 Stück verkauft.[1]

Inhaltsverzeichnis

Enduro

Der Begriff Enduro, den beispielsweise das 1977er Modell auf dem Seitendeckel trug, ist angelehnt an den englischen Begriff endurance für „Ausdauer“. Die Bezeichnung Enduro wurde zum Inbegriff einer neuen Kategorie von Motorrädern, die nicht nur wie Moto Cross-Maschinen für kurze Ausflüge ins Gelände geeignet waren, sondern durch ihre Leistungsstärke und Robustheit auch für längere Reisen mit Gepäck auf oder neben Straßen. So legte schon 1978 die 16.000 km lange Fahrt von Peter Falb durch Nordafrika und insbesondere die Sahara die Grundlage für die Legende von der „unverwüstlichen“ Enduro. Die Erfolge der XT500 bei den ersten beiden Wüstenrallyes Paris-Dakar unterstrichen dieses Image.

Die XT war die zulassungsfähige Version des für die USA konzipierten geländeorientierten Modells TT500, das z. B. noch keine Beleuchtung und keinen Tacho besaß und auch sonst in einigen Details anders aufgebaut war, obschon nicht als reine Wettbewerbsmaschine konzipiert.

Technik

Das Fahrwerk der XT basierte auf früheren Zweitaktmaschinen, anders als bei einigen DT-Modellen wurde keine Cantilever-Federung eingesetzt, sondern konventionelle Stereo-Federbeine. Die Gabel bot einen für damalige Verhältnisse großen Federweg von 195 mm.

Wesentlicher Erfolgsfaktor war der luftgekühlte Einzylinder-Viertaktmotor mit 499 cm³ mit obenliegender Nockenwelle und zwei Ventilen. Einzige Besonderheit des sonst einfach konstruierten Motors war die Trockensumpfschmierung. Gestartet wurde der drehmomentstarke Motor mit einem Kickstarter, dessen Betätigung einige Übung voraussetzte. Bedingt durch den heftigen Rückschlag des Kickstarterhebels soll es zu Waden- und Schienbeinbrüchen gekommen sein.

Engagierte XT-Besitzer haben teils Umbauten vorgenommen. So wurde der serienmäßige 8,8-Liter-Tank durch größere Tanks mit bis zu 20 Liter ersetzt, dem Vorbild der Paris-Dakar-Rennversionen und der Yamaha XT 600 Ténéré folgend, womit die serienmäßige Reichweite von nur 170 km auf bis 400 km erhöht wurde. Weitere übliche Erweiterungen sind eine 12-Volt-Anlage samt H4-Halogen-Scheinwerfer sowie eine Doppeldirektschmierung.

Modellgeschichte

Vor der eigentlichen straßenzugelassenen XT500 kam die TT500 in den USA auf den Markt. Die TT war für US-amerikanische Verhältnisse konzipiert als Spaßfahrzeug für Offroad-Trips ähnlich dem VW Buggy oder als Basisfahrzeug für Wüstenrallyes wie die Baja 1000 in Mexiko. Bei der XT war bis 1986 nur ein schwacher 6-Volt-Wechselstrom-Scheinwerfer verbaut, dessen Leistung drehzahlabhängig ist. Rücklicht, Blinker und Hupe wurden nachgerüstet und mit Gleichspannung betrieben, um auch per Batterie an der Ampel noch notdürftig zu funktionieren. Schon 1976 wurden die ersten 200 Maschinen in Deutschland per Einzelabnahme zugelassen, die sich u.a. durch einen tiefliegenden Auspuffkrümmer und die volle Leistung von 24 kW (33 PS) von späteren Versionen unterscheiden.

Ab 1977 wurde die XT500 offiziell in Deutschland importiert, mit anderer Auspuffanlage und durch einen geänderten Ansaugstutzen auf 20 kW (27 PS) gedrosselt. Als Gründe dafür wurden die Geräuschentwicklung sowie mangelnde Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten aufgrund der Rahmengeometrie und nicht für Autobahngeschwindigkeiten geeignete Stollenbereifung angegeben. Wesentlich für die Leistungsreduzierung war aber auch die Abschaffung der hubraumorientierten Versicherungseinteilung und die Einführung von Versicherungsklassen nach Motorleistung, so dass die XT mit ihrer Leistung von 33 PS nur knapp oberhalb der neuen Klasse bis 27 PS lag, so dass die XT ohne Drosselung nach dem neuen System sehr ungünstig eingeordnet worden wäre. Zwischenzeitlich ist es aber aufgrund eines von Yamaha für die SR500 erwirkten Teilegutachtens zur Leistungssteigerung üblicherweise kein Problem mehr, auch die XT legal auf die offene Leistung von 25 kW umzurüsten.

Schon im Jahr 1977 wurden in Deutschland 2005 Zulassungen registriert, 1981 wurde dann mit 4160 Stück die höchste jährliche Zulassungszahl erreicht. Der bewährte XT500-Motor wurde fast identisch auch in der von der Enduro abgeleiteten Straßenmaschine Yamaha SR 500 verbaut.

Aufgrund des Erfolges der XT500 kam es bald zu einem Wettrüsten der japanischen Hersteller mit anderen Hinterradaufhängungen für mehr Federweg als die relativ bescheidenen 16 cm der XT500 sowie mit Vierventil-Motoren mit mehr Hubraum und Leistung, zuerst in Form der Honda XL 500.

Trotz oder gerade wegen dieser Konkurrenz behielt die klassische XT500 aufgrund der simplen und zuverlässigen Technik weiterhin viele Anhänger und wurde bis 1989 weiter gebaut, wobei sie sogar ihr Vierventil-Nachfolgemodell Yamaha XT 550 und mehrere Generationen der Yamaha XT 600 überlebte.

Technische Daten

Typschlüssel:

  • Motor: Fahrtwindgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 2 Ventile, Leichtmetallzylinder mit Graugusslaufbuchse, obenliegende, über Kette angetriebene Nockenwelle
  • Hubraum: 499 cm³
  • Bohrung: 87 mm
  • Hub: 84 mm
  • Verdichtungsverhältnis: 9:1
  • Vergaser (International): Mikuni VM 34 SS, Rundschieber
  • Vergaser (Deutschland): Mikuni VM 32 SS, Rundschieber
  • Leistung (International): 24 kW/33 PS bei 6500 min-1
  • Leistung (Deutschland): 20 kW/27 PS bei 6000 min-1 (durch geänderten Ansaugstutzen gedrosselt)
  • Drehmoment: 34,4 Nm bei 4500 min-1
  • Getriebe: Fünfganggetriebe, klauengeschaltet, Gangstufen 2,357/1,556/1,19/0,961/0,778, mit Kickstarter
  • Sekundärübersetzung: 16:42 oder 16:44
  • Tankinhalt: 8,5 l Superbenzin, davon 2 l Reserve
  • Länge: 2200 mm
  • Breite: 880 mm
  • Höhe: 1130 mm
  • Radstand: 1420 mm
  • Lenkkopfwinkel: 59,9° (1976–1977) / 60° (1977–)
  • Nachlauf: 135 mm
  • Sitzhöhe: 830 mm
  • Federweg: Gabel 195 mm, Gasdruckfederbeine 159 mm
  • Bodenfreiheit: 240 mm unbelastet
  • Gewicht: 155 kg, vollgetankt, mit Bordwerkzeug
  • Leergewicht: 150 kg
  • Achslast v/h: 67,5 kg/87,5 kg
  • zulässiges Gesamtgewicht: 319 kg
  • Höchstgeschwindigkeit: 135 km/h
  • Bereifung vorne: 3.00-21 auf 1.60 Felge (1976–1977), 3.25-21 auf 1.85 Felge (ab 1977)
  • Bereifung hinten: 4.00-18 auf 1.85 Felge
  • Bremsen: Simplex-Halbnaben-Trommeln, vorne 160 mm, hinten 150 mm
  • Elektrische Anlage: 6 Volt bis 1985, danach 12 Volt

Einzelnachweise

  1. Zeitschrift "mopped", Ausgabe 8/1999

Literatur

  • Heinz Stahl: Donnerschlag – Yamaha XT 500 – der Dampfhammer aus Japan unter der Lupe, in Oldtimer Praxis, Mai 2000
  • Lars Rosenbrock: Yamaha XT 500 - von der Wandlung eines Alltagsmotorrads zum Sammlerstück, in Oldtimer Praxis, Juli 2007
  • Reparaturanleitung Yamaha XT 500, ab 1979. Bucheli Verlag Band 5065, ISBN 3-7168-1663-9
  • Andreas Schlüter: Motorräder die Geschichte machten. Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-01498-X
  • Ingo Hattendorf : Umfangreiche Sammlung hilfreicher Daten und Informationen rund um die XT 500: http://www.ih-es.de/technische_daten.htm

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