Ford Scorpio


Ford Scorpio
Ford Scorpio
Hersteller: Ford-Werke AG, Köln
Produktionszeitraum: 1985–1998
Klasse: Obere Mittelklasse
Karosserieversionen: Stufenheck, viertürig
Schrägheck, fünftürig
Kombi, fünftürig
Vorgängermodell: Ford Granada
Nachfolgemodell: keines
Ford Scorpio '85 (1985–1989)
Heckansicht

Der Ford Scorpio ist ein von Ford in Köln zwischen Frühjahr 1985 und Sommer 1998 gebauter Pkw der oberen Mittelklasse. Er wurde in den drei Karosserie-Versionen Aero-Heck (Fließheck), Stufenheck und Turnier (Kombi) gebaut. Der Scorpio basierte auf einer Heckantriebs-Plattform, die zeitweise durch einen optionalen Allradantrieb ergänzt wurde. Der Scorpio erhielt des Weiteren die Auszeichnung zum Auto des Jahres 1986.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Scorpio war 1985 der erste Großserien-PKW in Europa, der mit einem serienmäßigem Antiblockiersystem (ABS) angeboten wurde. Bis dahin gab es ABS von verschiedenen Herstellen nur als teure, aufpreispflichtige Extra-Ausstattung. Ab Modelljahr 1994 waren auch Fahrer- und Beifahrer-Airbags serienmäßig, ab Frühjahr 1998 dann auch Seitenairbags. Das Platzangebot war (besonders im Fond) für dieses Fahrzeugsegment überdurchschnittlich groß.

Als Motorisierung wurden – je nach Modell und Baujahr – Benzinmotoren zwischen 1,8 und 2,9 Litern Hubraum angeboten, zusätzlich Dieselmotoren mit 2,5 Litern Hubraum (zunächst ein Peugeot-Motor, später ein VM-Diesel). Besonders häufig wurden der 1989 eingeführte DOHC-Motor mit 88 kW (120 PS), der 1992 aus Versicherungsgründen auf 85 kW gedrosselt wurde, und der 2,9-Liter-V6 mit 107 kW (145 PS) verkauft.

Trotz eines positiven Marktstarts, guter Kritiken der Fachpresse (Auto des Jahres 1986) und zahlreicher Modellpflegemaßnahmen blieb der Verkauf insgesamt hinter den Erwartungen zurück, was auch an den zu spät nachgelieferten Karosserievarianten Stufenheck (1989) und Kombi (1992) lag.

Vom Scorpio wurden 850.000 Exemplare produziert und verkauft – das entspricht etwa der Hälfte der in einem vergleichbaren Zeitraum produzierten Modelle Ford Consul und Ford Granada (1,6 Mio. Exemplare zwischen 1972 und 1985).

In Großbritannien wurde der Name des Vorgängermodells, Granada, zunächst fortgeführt (bis zum Modellwechsel 1994), da der Produktname sehr gut eingeführt war. Das Aero-Heck des neuen Modells kam aber besonders bei der konservativen britischen Kundschaft dieser Fahrzeugklasse nicht gut an.

Scorpio '85 / Scorpio '92 (1985–1994)

Im März 1985 wurde der Scorpio, welcher ursprünglich Lugano heißen sollte[1], als Nachfolger des Ford Granada vorgestellt und war zunächst ausschließlich als Fließhecklimousine (mit dem sogenannten Aero-Heck) erhältlich. 1986 wurde der Scorpio 4×4 mit Allradantrieb und 2,8-l-V6-Motor vorgestellt.

Zum Ende des Jahres 1989 kam, zusammen mit einigen Detailveränderungen, die klassische Stufenhecklimousine auf den Markt.

Ab 1991 war die Top-Motorisierung mit einem 2,9-l-24V-Motor der Motorenschmiede Cosworth erhältlich. Dieser Motor mit 143 kW (195 PS) (1991–1994) bzw. 152 kW (207 PS) (1994–1998) war ausschließlich mit Automatik-Getriebe erhältlich. Der Scorpio 24V war als komfortable Reiselimousine positioniert, daher tauchte der Name Cosworth in der Modellbezeichnung nicht auf. Laut KBA waren zum 1. Januar 2010 noch 390 Fahrzeuge (101 Fließheck, 267 Stufenheck, 22 Turnier) des Scorpio 24V (1991–1994) in Deutschland zugelassen.

Im März 1992 wurde der Scorpio mit einem Facelift versehen und zusätzlich auch als Kombi – bei Ford traditionell Turnier genannt – angeboten.

Auf den britischen Inseln behielt der Scorpio bis zum Modellwechsel im Herbst 1994 den Namen Granada, lediglich die Top-Version wurde unter der Bezeichnung Granada Scorpio verkauft.

Motoren

ab 1985:

  • 1,8-Liter-OHC-Vergasermotor (66 kW/90 PS);
  • 2,0-Liter-OHC-Vergasermotor (77 kW/105 PS);
  • 2,0-Liter-OHC-Einspritzmotor (85 kW/115 PS);
  • 2,0-Liter-OHC-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (74 kW/101 PS);
  • 2,8-Liter-V6-Einspritzmotor (110 kW/150 PS);
  • 2,5-Liter-Peugeot-Diesel (51 kW/69 PS)

ab 1987:

  • 2,4I-Liter-V6-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (92 kW/125 PS);
  • 2,4-Liter-V6-Einspritzmotor ohne Katalysator (96 kW/130 PS);
  • 2,9-Liter-V6-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (107 kW/145 PS);
  • 2,9-Liter-V6-Einspritzmotor ohne Kat (110 kW/150 PS);
  • 2,5-Liter-Peugeot-Turbo-Diesel (68 kW/92 PS)
Ford Scorpio '92 2,9i 24V Cosworth

ab 1989:

  • 2,0-Liter-DOHC-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (88 kW/120 PS)

ab 1991:

  • 2,9i-24V-Cosworth-BOA-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (143 kW/195 PS)

ab 1992:

  • 2,5-Liter-VM-Turbodiesel (86 kW/115 PS)

Ausstattungsvarianten (exemplarisch)

  • CL – höhenverstellbares Lenkrad, ABS, Mittelarmlehne hinten, zwei von innen manuell einstellbare Außenspiegel (erst ab etwa 1987 wurde der CL-Ausstattungsumfang erweitert: nunmehr waren auch Servolenkung, Zentralverriegelung und höhenverstellbarer Fahrersitz serienmäßig, welche zuvor beim CL nur gegen Aufpreis erhältlich gewesen waren);
  • GL – zusätzlich elektrische Fensterheber vorn, Drehzahlmesser, Mittelarmlehne vorn, getönte Scheiben, elektrisch einstellbare Außenspiegel, andere Radzierblenden;
  • Ghia – zusätzlich elektrisch verstellbare Rücksitzlehnen, Cashmere-Velours-Bezugsstoffe, zusätzliches Beleuchtungspaket, elektrische Fensterheber hinten, große Rammschutzleisten außen an den Türen, optional Radiosteuerung und Kopfhörerbuchsen hinten, graue Stoßstangen, Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfer, Bordcomputer.

Zum Facelift 1992 wurde die Ausstattungsvariante CL zu CLX, sowie der GL zum GLX umbenannt. Nur die Bezeichnung Ghia blieb.

  • Saphir (1991–1992) – Basis ist der CL, jedoch serienmäßig verfeinert mit Holzoptik-Zierleiste im Armaturenbrett, speziellen Stoffbezügen, in Wagenfarbe lackierter Heckblende, Alufelgen und etwas Komfortausstattung, wie elektrische Fensterheber vorn.
  • Topas (1993–1994) – Basis ist der CLX. Hier wurden zusätzlich Außenspiegel, Seitenstoßleisten und Türgriffe in Wagenfarbe lackiert. Dazu gab es spezielle Alufelgen und Stoffbezüge. Für mehr Komfort sorgen serienmäßig elektrische Fensterheber vorn und die vordere Mittelarmlehne.

Merkur Scorpio

Zeitweilig wurde der Scorpio unter der 1985 eigens für den Import europäischer Ford-Modelle geschaffenen Premium-Marke Merkur in den USA durch ausgewählte Händler der Lincoln-Mercury-Division vertrieben. Der Scorpio wurde (nach Verfügbarkeit des 2,9i-V6-Motors mit einem geregeltem Katalysator) in den Modelljahren 1988 und 1989 dort angeboten, allerdings wurde die Marke Merkur aufgrund von Akzeptanzproblemen (Schwierigkeit der Markenabgrenzung zur Marke Mercury) 1989 eingestellt. Neben dem Scorpio wurde auch der Sierra XR4 Ti mit einem 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbomotor angeboten, in dieser Version gebaut bei der Fa. Karmann in Rheine.


Scorpio '95 (1994–1998)

Ford Scorpio '95 (1994–1997)
Heckansicht
Ford Scorpio '95 Turnier
Ford Scorpio '95 (1997–1998)

Im Oktober 1994 wurde die Karosserie des Scorpio überarbeitet. Ford hatte beschlossen, die Schrägheckversion aus dem Programm zu nehmen, da sie sich zunehmend schlechter verkaufte, auch weil sie in der oberen Mittelklasse eher eine untypische Erscheinung darstellte. Jetzt waren nur noch Stufenheck und Kombi im Angebot.

Zu den bekannten Motoren wie dem 2,0-Liter mit 85 kW und dem 2,9-V6-Zylinder kamen auch modernere 16-Ventil-Aggregate wie der 100 kW starke 2,0-Liter mit 16 Ventilen und auch ein 2,9-Liter, der 150 kW leistete und zwei oben liegende Nockenwellen besaß.

Mitte 1996 folgte noch ein etwas erstarkter 2,5-Liter-Turbodiesel, der es statt 85 nun auf 92 kW brachte.

Trotz all dieser Modernisierungsmaßnahmen blieb der Verkaufserfolg hinsichtlich des Vorgängers betrachtet weit hinter den Erwartungen zurück, was nicht zuletzt auch an der äußerst gewöhnungsbedürftigen Front lag, die gerne im spöttischen Sinne als „Fischmaul“ betitelt wurde. Nur der Turnier genannte Kombi brachte es auf einigermaßen zufriedenstellende Stückzahlen.

Im November 1997 wurde der Scorpio daher leicht überarbeitet. Im Rahmen dieses Facelifts erhielt das Stufenheck nun eine neue Rückleuchteneinheit, erkennbar an der Farbgebung, wie auch durch den Wegfall des bisher darüber verlaufenden, durchgehenden Chrombandes. Auch die breite Chromumrandung beider Modelle am Kühlergrill entfiel, die Kühlergrillumrandung war nun in Wagenfarbe gehalten mit einer schmalen Chromzierleiste. Die Scheinwerfer waren dunkel abgesetzt und im vorderen Stoßfänger befanden sich nun links und rechts seitlich der Blink- und Nebelleuchtengläser kleine Lufteinlässe.

Diese Ausführung blieb allerdings nur knapp ein Jahr im Angebot, bevor die Produktion des Scorpio im August 1998 endgültig eingestellt wurde. Wohl auch aus diesem Grunde sind die überarbeiteten Varianten noch seltener anzutreffen als die Ursprungsversionen.

Ausstattungsvarianten

  • Scorpio – unter anderem elektrische Fensterheber vorn, zwei elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrisch höhenverstellbarer Fahrersitz, Fahrer-/Beifahrerairbag, ABS, Kopfstützen hinten, Servounterstützung, Zentralverriegelung, Wärmeschutzverglasung, Wurzelholz-Imitat im Cockpit;
  • Scorpio Ghia – zusätzlich zum Basismodell: Mittelarmlehne vorn, Klimaautomatik, Beleuchtungspaket, elektrische Fensterheber vorne und hinten, elektrisch verstellbarer Fahrersitz mit drei Memory-Funktionen, Bordcomputer, Innenrückspiegel mit Abblendautomatik. Der rechte Außenspiegel schwenkte beim Einlegen des Rückwärtsganges nach unten.

Motoren

ab 1994:

  • 2,0-Liter-DOHC-8V-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (86 kW/115 PS)
  • 2,0-Liter-DOHC-16V-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (100 kW/136 PS);
  • 2,9-Liter-V6-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (110 kW/150 PS) (nur wenige Monate);
  • 2,9i-24V-Cosworth-BOB-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (152 kW/207 PS);
  • 2,5-Liter-VM-Turbodiesel (86 kW/115 PS);

ab 1996:

  • 2,3-Liter-DOHC-16V-Einspritzmotor mit geregeltem Katalysator (108 kW/147 PS);
  • 2,5-Liter-VM-Turbodiesel (92 kW/125 PS), erfüllt Abgasnorm Euro 2

Das Ende der Modellreihe

Die Gründe für den nicht befriedigenden Verkaufserfolg des Scorpio sind vielschichtig. Einerseits wurde zu sehr auf die Gewinnung von „Aufsteigern“ von verschiedenen Marken aus der Mittelklasse gesetzt. Andererseits wurde die bereits vorhandene Kundschaft des Ford Granada und der oberen Mittelklasse anderer Marken durch das zunächst ausschließlich mit dem ambitionierten „Aero-Heck“ versehenen Modell nicht angesprochen. Erst Ende 1989 wurde alternativ dazu die konventionellere Stufenheck-Limousine angeboten.

Auch die Zielgruppe der Kombiwagenfahrer im oberen Marktsegment wurde vernachlässigt, da Ford erstmals seit 1957 mit dem Scorpio zunächst kein Kombi-Modell im oberen Marktsegment mehr anbot. Erst im Frühjahr 1992 korrigierte Ford diese Entscheidung mit der Einführung des Scorpio Turnier. In der Übergangszeit importierten einige Ford-Händler die Kombiversion des US-amerikanischen Schwestermodells Ford Taurus, die aber qualitativ nicht vergleichbar war und somit in Deutschland erfolglos blieb.

Das 1994 eingeführte neue Design mit einer stark amerikanisch inspirierten, sehr individuellen Front- und Heckpartie traf ebenfalls nicht den Zeitgeschmack in dieser Klasse. Zudem wurde zeitgleich das Angebot an Ausstattungs- und Motorvarianten verringert. In einem sich insgesamt rückläufig entwickelnden Marktsegment der oberen Mittelklasse konnte sich der Scorpio in der Folge nicht mehr durchsetzen.

Die Einstellung der Modellreihe war bereits zum Zeitpunkt der Vorstellung des Scorpio '95 beschlossen worden, da man 1999 einen Nachfolger aus den USA (die Lincoln LS-Baureihe) importieren wollte und das weltweite Kompetenzzentrum im oberen Segment bei Ford USA angesiedelt werden sollte. Aus konzernpolitischen Erwägungen heraus (unter anderem um hinsichtlich des Marketings Überschneidungen mit dem neuen Jaguar S-Type zu vermeiden) erschien aber auf dem europäischen Markt kein Nachfolger. Somit zog sich die Marke Ford 1998 aus der oberen Mittelklasse zurück.

Die Kernmarke Ford wurde nach Einstellung des Scorpio in eine Mehrmarkenstrategie des Ford-Konzerns eingebunden, bei der das „obere Segment“ in Europa von den damaligen Konzernmarken Volvo und Jaguar der PAG (Premier Automotive Group) abgedeckt wurde. Jaguar S-Type und Volvo S80 galten aus damaliger Konzernsicht als indirekte Nachfolger des Scorpio. In der Käufergunst nimmt die Position des Scorpio der in den Dimensionen inzwischen erheblich gewachsene Ford Mondeo ein, der als Modell der Mittelklasse jedoch nicht als Nachfolger des Scorpio angesehen werden kann.

Literatur

  • Kittler, Eberhard: Deutsche Autos seit 1990. Bd. 6, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-02052-1, S. 73–83.
  • Oswald, Werner: Deutsche Autos 1945–1990. Bd. 3, Motorbuch Verlag, Stuttgart, ISBN 3-613-02116-1, S. 483–489.

Sonstige Quellen

  1. [1] Auto-Zeitung Heft 02/2009 – Rückschau auf das Jahr 1984 (Link nicht mehr abrufbar)

Weblinks

 Commons: Ford Scorpio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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