Rodewisch

Rodewisch
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Rodewisch
Rodewisch
Deutschlandkarte, Position der Stadt Rodewisch hervorgehoben
50.51666666666712.416666666667434
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Direktionsbezirk: Chemnitz
Landkreis: Vogtlandkreis
Höhe: 434 m ü. NN
Fläche: 26,89 km²
Einwohner:

6.971 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 259 Einwohner je km²
Postleitzahl: 08228
Vorwahl: 03744
Kfz-Kennzeichen: V
Gemeindeschlüssel: 14 5 23 360
Adresse der
Stadtverwaltung:
Wernesgrüner Str. 32
08228 Rodewisch
Webpräsenz: www.rodewisch.de
Bürgermeister: Erhard Meier
Lage der Stadt Rodewisch im Vogtlandkreis
Tschechien Bayern Thüringen Erzgebirgskreis Landkreis Zwickau Adorf/Vogtl. Auerbach/Vogtl. Bad Brambach Bad Elster Bergen (Vogtland) Bösenbrunn Eichigt Ellefeld Elsterberg Erlbach (Vogtland) Falkenstein/Vogtl. Grünbach (Sachsen) Heinsdorfergrund Klingenthal Lengenfeld (Vogtland) Limbach (Vogtland) Markneukirchen Mühlental Mühltroff Muldenhammer Mylau Netzschkau Neuensalz Neumark (Vogtland) Neustadt/Vogtl. Oelsnitz/Vogtl. Pausa/Vogtl. Plauen Pöhl Reichenbach im Vogtland Reuth (Vogtland) Rodewisch Rosenbach/Vogtl. Schöneck/Vogtl. Steinberg (Vogtland) Triebel/Vogtl. Theuma Tirpersdorf Treuen Weischlitz Werda ZwotaKarte
Über dieses Bild

Rodewisch ist eine Kleinstadt im Vogtlandkreis in Sachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Rodewisch liegt im Tal der Göltzsch an der Einmündung von Wernesbach und Göltzsch auf einer Höhe von rund 450 m ü. NN.

Ausdehnung des Stadtgebiets

  • Röthenbach (am 1. März 1994 eingemeindet, vorher bereits vom 1. Juli 1950 bis zum 19. Juni 1957 Ortsteil von Wildenau)
  • Rützengrün (am 1. Juli 1992 eingemeindet)

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind Auerbach (Stadt), Lengenfeld (Stadt), Steinberg (Wernesgrün, Wildenau, Rothenkirchen) und Treuen (Stadt) im Vogtlandkreis sowie Kirchberg (Stadt) im Landkreis Zwickau.

Geschichte

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 39,8 %
 %
50
40
30
20
10
0
45,5%
22,7%
18,2%
13,6%
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+2,2%
-3,5%
+0,7%
+0,5%

1411 wurde Rodewisch erstmals urkundlich als Redewisch erwähnt. Die genaue Namensherkunft ist nicht bekannt. Die älteste Besiedlung ist auf einer hochwasserfreien Terrasse um die heutige St.-Petri-Kirche zu vermuten.

Ursprünglich am Ortsrand lag die wohl im späten 13. Jahrhundert entstandene Wasserburg Göltzsch (das spätere Rittergut Obergöltzsch, die heutige sogenannte Schloßinsel). Dort fanden 1937-39 archäologische Ausgrabungen unter der Leitung des späteren sächsischen Landeskonservators Prof. Dr. Hans Nadler (1910–2005) statt. Die Ergebnisse der Grabung sind im 1951 eröffneten Museum zu besichtigen. 1602 entstanden durch Erbteilung der Edlen von der Planitz drei Rittergüter: Obergöltzsch, Untergöltzsch, Niederauerbach. Laut Vertrag vom 9. Februar 1856 wurden diese Güter zur politischen Gemeinde Rodewisch zusammengeschlossen.

Ein örtliches Hammerwerk wurde 1603 in ein Messingwerk umgewandelt und erst 1924 stillgelegt. 1875 erhielt der Ort einen Bahnanschluss nach Zwickau und Oelsnitz/Vogtl., am 8. Mai 1924 wurde Rodewisch zur Stadt erhoben.

An der Schulsternwarte Rodewisch wurde der Sputnik am 8. Oktober 1957 erstmals mit Hilfe eines Fernglases beobachtet. Hier entstand am 13. Oktober 1957 auch die erste Fotografie der Trägerrakete von Sputnik 1.

Die Sage: Der heidnische Graf von Schöneck hatte eine Tochter, die er sehr liebte. Der christliche Graf von Planschwitz warb um sie und wollte sie zu seinem Glauben bekehren. Doch ihr Vater wollte nicht zulassen, dass seine Tochter sich von seinen Göttern abwendet. Eines Tages ziehen die beiden Grafen gemeinsam in den Krieg. Graf von Planschwitz fällt und gibt dem Grafen von Schöneck seine blutige Schärpe als letzten Gruß an die Geliebte. In der Not ruft Graf von Schöneck seine Götter an und schwört ihnen, wenn er siegt, diejenige Person zu opfern, die ihm bei der Heimkehr zuerst begegnet. Als sie die blutige Schärpe erblickt, läuft ihm seine geliebte Tochter in Sorge um Graf von Planschwitz entgegen. Als Ehrenmann, der sein Gelübde nicht bricht, setzt der Graf schweren Herzens den Opfertag an. Doch seine Tochter flieht nachts und nimmt einzig und allein die Schärpe ihres Geliebten mit sich. Lange irrt sie durch die Wälder bevor sie im Morgengrauen an der Göltzsch Rast macht. Hier schwört sie ihr Leben dem christlichen Gott zu weihen, wenn sie von der Verwandtschaft des Grafen von Planschwitz herzlich angenommen wird. Sie will an diesem Platz ein Haus bauen und ihrem Geliebten ewig die Treue halten. Um die Stelle wiederzufinden, bindet sie die blutige Schärpe an einen Haselstrauch. Durch Wind und Wetter ist die Schärpe bald nur noch ein roter Wisch. So erhielt das Gut Ob der Göltzsch, das die Tochter des bald aus Gram verstorbenen Grafen von Schöneck errichten ließ, den Namen Rothe-Wisch (Rodewisch).

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

  • 1834: 02.643
  • 1871: 03.455
  • 1910: 09.494
  • 1939: 11.237
  • 1960: 12.828
  • 1971: 10.196
  • 1981: 09.513
  • 1998: 08.241
  • 1999: 08.105
  • 2000: 07.904
  • 2001: 7.793
  • 2002: 7.762
  • 2003: 7.670
  • 2004: 7.654
  • 2005: 7.562
  • 2007: 7.366
  • 2008: 7.235
Datenquelle ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen

Opfer der Kriege

001
281
586

Verkehr

Eisenbahn

Rodewisch liegt an der Kursbuchstrecke 539 und verfügt heute über Regionalzugverbindungen nach Zwickau, Falkenstein/Vogtl., Klingenthal sowie über Verbindungen nach Tschechien (Kraslice/Sokolov/Karlsbad). Der Anschluss Rodewisch an das Eisenbahnnetz fällt in das Jahr 1875 als die Strecke Zwickau-Lengenfeld-Falkenstein erstmals in Betrieb genommen wurde.

Den Verkehr wickelt seit 1997 ausschließlich die private Vogtlandbahn ab, zum Einsatz kommen Dieseltriebwagen vom Typ RegioSprinter. Vorher bediente die Deutsche Bahn die Strecke mit Diesellokomotiven (Baureihe 110 und Baureihe 132) und Reisezugwagen aus Beständen der Reichsbahn. Nach dem Rückbau der ursprünglich drei Gleise verlor die Stadt Rodewisch 1968 den Status einer Bahnhofsstadt und der Bahnhof wurde Ende der 1990er-Jahre in eine Bedarfshaltestelle umgewandelt. Überregionaler beziehungsweise Fernverkehr findet nicht statt. Aufgrund des gestiegenen Passagieraufkommens wurde der Status einer Bedarfshaltestelle jedoch wieder aufgehoben, so dass in Rodewisch heute wieder jeder Zug hält.

In den 1970er-Jahren fuhr der Wintersportzug Leipzig-Klingenthal durch Rodewisch, hielt jedoch nur in der Kreisstadt Auerbach. Im Jahr 2000 wurde im Grenzort Klingenthal eine Eisenbahnbrücke fertiggestellt, so dass von Rodewisch aus wieder weitreichenderer Eisenbahnverkehr möglich ist, als das mit den täglichen Personenzügen Zwickau-Falkenstein drei Jahrzehnte lang der Fall war.

In Kraslice ist heute ein Umstieg zur tschechischen Privatbahn Viamont möglich, die meisten Züge fahren aber in der Relation Zwickau-Sokolov, wobei das Angebot Zwickau-Klingenthal eine Leistung der Vogtlandbahn-GmbH ist und die Strecke Klingenthal-Sokolov (siehe Bahnstrecke Sokolov–Klingenthal) ein Angebot von Viamont ist. Dabei werden die Vogtlandbahnen zwischen Klingenthal und Zwotental von tschechischen Triebfahrzeugführern gesteuert, die Fahrscheinkontrollen führt die Vogtlandbahn natürlich selbst durch. In Sokolov und Karlovy Vary besteht Anschluss an das Schnellzug-Netz der tschechischen Eisenbahn České dráhy. Während die Verbindungen nach Kraslice und Sokolov täglich angeboten werden, werden Karlovy Vary (über Chodov) nur am Wochenende angefahren. Eine Besonderheit bei der Verbindung nach Zwickau ist, dass die Züge nicht am Hauptbahnhof enden, sondern nach dem Halt dort als Straßenbahn in die Zwickauer Innenstadt weiter verkehren. 1997, 2006 und 2008 gab es Änderungen in der Streckenführung, so dass für kurze Zeit Adorf (1997), das tschechische Mariánské Lázně (2006) sowie Bečov nad Teplou (Mai und Juni 2008) von Rodewisch aus direkt erreichbar waren. Bečov war mit 111 (Eisenbahn)Kilometer Entfernung von Rodewisch das weiteste jemals direkt erreichbar Ziel.

Rodewisch wird mehrmals pro Jahr von Dampfzügen verschiedener Traditionsvereine durchfahren wobei in unregelmäßigen Abständen diese Züge in Rodewisch auch halten. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Rodewisch auch einen zweiten Bahnhof an der Bahnstrecke Herlasgrün–Falkenstein, dieser lag jedoch auf Rebesgrüner Flur und wurde 1939 an die Stadt Auerbach/Vogtl. verkauft, wo er noch heute als Bahnhof "Auerbach ob. Bf." angefahren wird.

Bus

Rodewisch besitzt einen für die Stadtgröße recht großen Busbahnhof und stellt einen Knotenpunkt im regionalen Busverkehr dar. Von hier sind umsteigefrei zu erreichen: Auerbach/Vogtl., Falkenstein/Vogtl., Treuen, Annaberg-Buchholz, Schneeberg, Chemnitz, Zwickau,Plauen, Reichenbach, Johanngeorgenstadt, Geyer, Aue, Klingenthal. Mit den Verbindungen zum Klinikum Obergöltzsch, zur Randsiedlung und nach Rützengrün hat Rodewisch drei innerstädtische Buslinien.

Trotz der guten Eisenbahn- und Busbverbindungen ist in Rodewisch kein direkter Übergang vom Bahnhof zum Busbahnhof möglich (ca. 1,5 Kilometer Entfernung). Die Einrichtung einer Buslinie ist seit 2007 im Gespräch.

Sport

Rodewisch hat mehrere Sportvereine.

  • Der 1. FC Rodewisch wurde 1908 gegründet.
  • Judo-Bundesligist JV Ippon Rodewisch
  • Der Schachverein Rodewischer Schachmiezen spielt in der 1. Frauenbundesliga.
  • Wintersportgemeinschaft Rodewisch e. V.
  • SV Medizin Rodewisch e. V. (Kegeln)
  • Rodewischer Handballwölfe
  • VSG Rodewisch

Wirtschaft und Infrastruktur

Schulen

  • Friedrich-Schiller-Schule Grundschule
  • Johann-Heinrich-Pestalozzi-Gymnasium
  • Berufliches Schulzentrum f. Wirtschaft Rodewisch

Göltzschtalhalle Die Göltzschtalhalle Rodewisch (Baujahr 1996) ist eine Mehrzwecksporthalle (45 x 27 m) , die vorrangig für den Schul- und Vereinssport genutzt wird. Die Halle ist durch Trennvorhänge in drei Einzelhallen (je 15 x 27 m) teilbar. Versenk- beziehungsweise Absenkvorrichtungen im Hallenboden und Deckenbereich garantieren ein schnelles Umrüsten auf andere Sportarten.

Schulsternwarte und Planetarium "Sigmund Jähn" Fernrohr Der Cassegrain - Reflektor ist mit einem Objektivdurchmesser von 305 Millimetern das größte Fernrohr der Sternwarte. Die Primärbrennweite beträgt 1800 Millimeter, die Sekundärbrennweite 5500 Millimeter. Damit werden die Mondoberfläche, Planeten, Doppelsterne, Sternhaufen, Gas- und Staubnebel sowie Galaxien betrachtet und fotografiert.

Planetarium Projektor "Skymaster ZKP 2" von Carl Zeiss, Jena

Krankenhäuser 1893 entstand auf dem 1888 vom sächsischen Staat aufgekauften Rittergut Göltzsch eine Landesheil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke. 1964 wurde hier das Bezirksfachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie (1994) errichtet .

Heute existieren in Rodewisch das Klinikum Obergöltzsch, dessen Träger der Vogtlandkreis ist. Zudem ist in der Stadt das Sächsisches Krankenhaus für Psychiatrie und Neurologie zu finden.

Museum

Schloßinsel und Museum "Göltzsch" Das Museum Göltzsch wurde 1951 eröffnet. Den Grundstock dafür bildeten die Ausgrabungsstücke der alten Wasserburg, die von 1937 bis 1939 auf dem Inselgelände freigelegt wurden. Tausende Gegenstände des täglichen Bedarfs aus der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts sind in mühevoller Kleinarbeit ausgegraben, konserviert und teilweise restauriert worden.

Söhne und Töchter der Stadt

Städtepartnerschaft

Am 8. Mai 1992 bekräftigten Rodewisch und Langenhagen die seit 1989 entstandene Städtefreundschaft mit einem Vertrag.
Am 24. Mai 1992 wurde in Gerolzhofen/Bayern der Städtepartnerschaftsvertrag mit Rodewisch unterzeichnet.
Im September 1992 kam es in der niederländischen Gemeinde De Lier zu einer Erstbegegnung zwischen Repräsentanten der Stadtverwaltung Rodewisch und Gemeindevertretern der ca. 10 000 Einwohner zählenden Gemeinde. Ein Städtepartnerschaftsvertrag wurde am 7. Juli 1995 im Rathaus von De Lier unterzeichnet.

Literatur

  • Edda Seifert, Lore Hötzel, Siegfried Walther, Werner Böttcher u. Gerd Bertele, Rodewisch/Vogtland. Ein Rückblick (Horb am Neckar 1995). ISBN 3-89570-091-6.
  • Walter Schlesinger (Hrsg.), Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Bd. 8. Sachsen (Stuttgart 1965) S. 307-308 [Artikel Rodewisch].
  • Das östliche Vogtland. 1. Auflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998 (Werte der deutschen Heimat. Band 59). S. 84–93.
  • Erich Keyser (Hrsg.), Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte, Bd. 2. Mitteldeutschland (Stuttgart/Berlin 1941) S. 200-201 [Artikel Rodewisch].
  • Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Sachsen 2. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler (München 1998) S. 862-863 [Artikel Rodewisch]. ISBN 3-422-03048-4.
  • Richard Steche: Rodewisch. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 9. Heft: Amtshauptmannschaft Auerbach. C. C. Meinhold, Dresden 1888, S. 10.

Weblinks

 Commons: Rodewisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Rodewisch im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)

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