Schaf [1]

Schaf [1]

Schaf, 1) (Ovis), Gattung der Wiederkäuer, kenntlich an den nach hinten u. dann spiralförmig nach vorn gebogenen Hörnern, an der rundlichen Schnauze u. am Mangel des Bartes. Alle S-e lassen sich in drei Racen unterscheiden, welche in ihrer äußeren Erscheinung so von einander abweichen, daß man sie auf den ersten Blick unterscheiden kann. Diese Racen sind das gemeine S. (Ovis aries, Stoß, Ding), die Merinos od. Edelschafe u. die Mestizen; von jeder gibt es wieder eine Menge Varietäten, Abarten od. Schläge, welche man, wo sie zu einer gewissen Consolidation gekommen sind, Stämme nennt. Man nimmt an, daß das gemeine S.u. namentlich das filzwollige S. in Baiern, Preußen, dem nördlichen Deutschland, die Haideschnucken, die S-e in Polen, Rußland, Serbien, den Haidegegenden Frankreichs u. Englands u. das Zackelschaf von dem Argali (s.d.), die langwolligen S-e in Frankreich, am Rhein, auf der Schwäbischen Alp, im Rhöngebirge, Italien, Schweiz, den Niederlanden, den niederdeutschen Marschgegenden, der Picardie u. die langwolligen S-e Englands von dem Mouflon (s.d.) abstammen. Das alte S. männlichen Geschlechts heißt Schafbock (Widder, Bock, Stähr, Stör, Stier), das alte weibliche S. Schafmutter (Zibbe, Schibbe); verschnitten das männliche S. Hammel od. Schöps; die Jungen Lämmer (Bock- u. Zibvenlämmer), wenn sie nach 8 Wochen entwöhnt sind Absetzlämmer, die von Michaelis des ersten Jahres an Jährlinge u. 1 Jahr alt Zeitschafe od. Zeitböcke. Das Alter des S-s erkennt man an den Zähnen. Das S. hat 28 Zähne, wovon 8 Schneidezähne, welche jedes Lamm bei der Geburt schon hat; sie sitzen in der unteren Kinnlade, in der oberen fehlen sie. Nach 13 bis 14 Monaten, zuweilen auch etwas später, fallen die zwei mittleren Schneidezähne aus u. werden durch zwei breitere Schaufelzähne ersetzt, das Thier heißt nun Zweischaufler, zweijähriger Jährling; ein Jahr später gehen die zwei folgenden Schneidezähne auf beiden Seiten verloren u. werden eben so wie jene wieder ersetzt, das S. heißt dann Vierschaufler u. steht im dritten Jahre; so geht es auch im vierten Jahre mit den zwei nächsten Zähnen (Sechsschaufler); nach dem vierten Jahre verliert es die beiden letzten, das S. hat versetzt od. es ist vollzählig u. heißt Achtschaufler. Bis zum sechsten Jahre bleiben die Zähne weiß u. stehen geschlossen, aber mit dem siebenten Jahre werden sie gelb, wachsen aus dem Zahnfleisch hervor, werden abgenutzt u. anbrüchig. Man kann daher nach dem fünften Jahre nicht mehr mit Gewißheit auf das Alter schließen. Das gemeine S. ist meist 31/2 Fuß lang, 2 Fuß hoch, hat ursprünglich wohl Hörner, obschon jetzt die S-e ohne Hörner weit häufiger vorkommen. Bei Widdern werden sie häufiger gefunden als bei Schafmüttern. Die Schnauze ist gebogen, lang, dürr u. spitz, die obere Lippe hängt über die untere herab, die Stirn ist breit. Die Farbe der sehr dicht den ganzen Körper bedeckenden Wolle ist meist schmutzig weiß, doch gibt es auch braune, schwarze u. gefleckte, welche jedoch gröbere Wolle als die weißen haben. Die Wolle auf dem Rücken u. an den Seiten des Halses ist krauser u. kürzer, als an dem übrigen Halse, an den Seiten des Leibes u. an den Schultern, die an den äußeren Schenkeln u. am Schwanz ist gröber, steifer u. fast glatt. Die Haare an den übrigen Theilen des Körpers sind kaum Wolle zu nennen. Das S. ist mild u. folgsam, daher es dem Pfiffe des Schäfers, dem Bellen des Hundes u. dem Leithammel willig folgt u. letzterem alles nachmacht, dabei blöde u. furchtsam. Selten bedient sich das S. seiner Waffen, der Hörner u. Füße, u. höchstens kämpfen Widder um eine Schafmutter, selten Schafmütter für ihre Jungen. Es gilt daher für ein Symbol der Geduld u. Sanftmuth, im gemeinen Leben aber für das der Dummheit. Das S. liebt Licht u. Musik, bes. die Schalmei. Sein Blöken ertönt vorzüglich bei der Trennung einer Herde u. beim Wiedersehen bekannter S-e, auch von der Schafmutter bei dem Verluste eines Lammes. Das S. lebt 14 Jahre, ist aber höchstens sieben, die Merinos 10 Jahre nutzbar. Den meisten Nutzen leistet das S. durch die Wolle. Das Fleisch wird als Schöpsenfleisch gegessen, die Milch ist nahrhaft, u. das S. kann bis gegen Mitte September gemolken werden, doch geschieht dies selten, indem mit dem Melken dem Fleisch u. der Wolle Nahrung entzogen wird u. die Lämmer auch weniger gedeihen. Deshalb ist die Schafbutter u. der wohlschmeckende Schafkäse, zu welchem aber nicht die geronnene Milch, sondern auch die Sahne genommen wird, nicht sehr gewöhnlich. Die Schaffelle werden mit der Wolle zu Schafpelzen gegerbt, zu Handschuhen, Pergament u. anderen Lederarbeiten gebraucht; den Talg brauchen die Seifensieder, die Därme (Saitlinge) dienen zur Fertigung von Saiten, die Knochen den Papiermüllern zum Kochen des Papierleimes, der Mist zur Düngung.

I. Das Gemeine S. hat spitzen u. platten Kopf, welcher mit weißen Glanzhaaren bedeckt ist, häufig sind diese Haare u. dann selbst die Ohren auch braun u. schwarz; die Stirn ist mit struppigen Haaren besetzt, u. eigentliche Wolle findet man erst hinter der Stirn. Die Wolle besteht fast nur aus hornartiger Substanz u. ist sehr selten mit Schweiß u. Fett durchdrungen. Das Wollhaar wächst gerade u. ohne Biegungen u. ist an seinem Ausgange zugespitzt. Mit Wolle ist nur der Rumpf bis an die Stirn bedeckt. Am Bauche u. an den langen dünnen Beinen ist es häufig nackt. Von dem gemeinen S. gibt es wieder eine Menge Abarten od. Schläge; die eine Art hat trockene u. geradwachsende Wolle, die andere eine mildere Wolle, u. diese neigt sich, da sie schon eine gewisse Art von Krümmkraft hat, zum Filzen. Auch entdeckt man an dieser Wolle schon Schweiß, u. Thiere mit solcher Wolle geben die Grundlage zur weiteren Veredelung. Ferner hat die eine Art minder lange Wolle als die andere, die eine Art ist weiß, die andere schwarz an Kopf u. Ohren, noch eine andere rothbraun bis dunkel-schwarz über den ganzen Körper od. schwarz u. weiß gemischt. Die Spielarten, welche durch Klima, Lebensart, Futter u. durch Kreuzung entstanden, sind: A) das Haideschaf (Haideschnucke, Haideschmacke, Schnucke), lebt in Haidegegenden Norddeutschlands, bes. zwischen der Ems u. Elbe, in der Lüneburger Haide, im Osnabrückschen, in Ostfriesland, in Frankreich (als Biscuins, Bocages), ist[58] so groß als ein starker Hühnerhund, verhältnißmäßig sehr lang gestreckt, mit schmaler Brust u. dünnen Beinen, kurzem Schwanz, langen Ohren, 20–30 Pfund schwer; von Farbe grau, Kopf, Beine u. Bauch schwarz; manche ganz schwarz od. röthlich; der Körper ist obenher, wie der Schwanz, mit zottiger Wolle, Kopf, Bauch u. Füße mit kurzen, dichten Haaren bedeckt. Die Wolle ist eine gekräuselte, feinere, kurze Unterwolle von hellerer, weißlicher Farbe u. eine gröbere, sehr straffe, dunklere, 5–6 Zoll lange Oberwolle, welche wellen- u. zottenförmig am Leibe herabhängt. Beide Geschlechter sind gehörnt. Sie leben nur im Winter in Ställen, wo sie mit getrocknetem Haidekraut, Buchweizen- u. Haferstroh genährt werden. In gute Weide gebracht, erkrankt das Heideschaf leicht u. stirbt dann schnell. Es wird zweimal geschoren u. die Wolle zu groben Hüten, Strümpfen, Handschuhen, Haidemanchester u., mit Hanfgarn vermischt, zu Packleinwand verarbeitet; Fleisch sehr schmackhaft. Mit Landschafen gekreuzt, geben sie einen halbedeln Schlag, welcher jedoch wenig besser, als das Haideschaf ist u. fettere Weide bedarf. B) Das Friesische S., sehr groß u. breit, kann bis zu 120 Pfund gemästet werden, mit starker, aber nicht krauser, sondern schlechter, oft 5 Zoll langer Wolle. Die kleineren geben 7, die größeren 10 Pfund Wolle. Sie werfen 2–3 Lämmer u. 6 Stück geben eben so viel Milch als eine Kuh, brauchen aber gutes Futter. C) Das Flamändische (große Niederländische) S., sehr groß, oft 5 Fuß lang, 170 Pfund schwer, gibt bis 15 Pfund Wolle, hat keine Hörner; soll aus Mysore in Ostindien stammen. D) Das Vagasschaf, weit größer als ein gewöhnliches Landschaf, hat lange Beine, länglichen Kopf mit spitzer Schnauze, lange Wolle, feurige Augen, ist wild, setzt über hohe Zäune, bedarf fetter Weiden u. frißt sich nie krank; auf trockenen Höhen kann es sich nicht ernähren. E) Das Schottische S., das kleinste von allen S-en, gibt noch spinnbare Wolle. F) Das Dänische S., an den Nordseeküsten; groß, gehörnt, oft mit vier Hörnern, mit stark knorpeligen, emporstehenden Ohren, hat eine sehr seine Grundwolle, darüber aber starre u. borstenartige, nicht fest sitzende Haare; gibt jährlich 9 Pfund Wolle; erhält sich auf der niedrigsten Weide. G) Das Isländische S., klein, fast dem Haideschaf gleich, hat oft mehre, zuweilen bis acht Hörner, kurzen Schwanz, rauhe Wolle, läßt sich einschneien, wo sich die Herde durch den von ihr aufsteigenden Dunst verräth u. die äußeren mit den inneren S-en wechseln. H) Das Budjadinger S., eine große, lang- u. grobwollige Schafrace im Oldenburgischen, den Vierlanden u. dem Budjadinger Lande, das große Nutzvieh aus der Bremer Marschgegend. l) Das Eiderstedter S., klein, nur auf dem Rücken u. an den Seiten mit Wolle, am übrigen Körper mit Haaren, wirst meistentheils Zwillinge, wird auf guter Weide leicht fett. K) Das Dithmarsche S., holsteinische Schafrace, größer als das Eiderstedter, Stirn u. Kinnbacken mit Wolle bewachsen, der ebenfalls mit Wolle bewachsene Schwanz fast bis auf die Erde reichend, Schenkel, Vorderbein u. Bauch sehr wollig, Wolle beträchtlich lang, aber nicht kraus, 6 Pfund von einem Stück, ist bes. zur gekämmten Wolle brauchbar u. wird theuer bezahlt. L) Das Englische S. sämmtlich mehr od. weniger veredelt, s. unten III. M) Das Ungarische S. (Straubengeis, Zackelschaf), mit aufwärts gewundenen Hörnern, langer, glatter, grober Wolle, nur zu den schlechtesten Decken od. auf dem Fell zu Pelzen benutzbar. N) Das Akjermanische, Podolische S. (der Parankin), im südlichen Rußland u. der Krim, mit langem Schwanze, hat sehr klein gelockte Wolle; von ihren feingelockten Lämmersellen werden die Schafpelze, welche blos mit buntfarbiger Leinwand od. einfarbigem Kattun überzogen sind, gefertigt. Von ihnen kommen auch die Baranken (s.d.) od. Krimer. O) Das Zigaier S., in Bessarabien vorkommend, hat ziemlich elastische Wolle von mittler Länge. P) Das Macedonische S. (Türkisches, Griechisches, Walachisches S.), stark bewollt, doch ist die Wolle zu haarig u. nur zu groben Filzen brauchbar; leicht zu mästen, mit sehr grobfaserigem Fleisch. Q) Das Tschundikschaf, in Taurien heimisch, hat gespaltenen Schwanz, ungleiche Zahl der Hörner; die Wolle hat viel Flaum. R) Das Australische S., die Wolle hat keine Elasticität, keinen Nerv, zeichnet sich aber durch jenen Glanz aus, welcher der gebundenen Wolle einen vorzüglichen Kaufpreis erwirbt.

II. Die Mestizen od. Metisschafe bilden das Mittelglied zwischen dem gemeinen S.u. den Merinos u. sind die Grundlage der letzteren. Sie unterscheiden sich nach ihrer äußeren Gestalt, namentlich aber nach dem Wachsthum u. der Qualität der Wolle. Es gibt Mestizen, welche dem gemeinen S. noch sehr nachstehen, u. solche, welche sich schon dem Merino nähern. Die ersteren haben am Kopf noch Glanzhaare, mitunter braune Augeneinfassungen u. braune Ohren, lange nackte Beine, kahlen Bauch u. rauhwollige Schwänze; die letzteren mit Wolle bewachsene Backen, röthliche Augeneinfassungen u. Ohren, die Beine sind bis an das Knie u. wohl noch tiefer herab mit Wolle bewachsen u. auch der Bauch ist mit Wolle bedeckt. Der Wolle nach scheiden sich die Arten der Mestizen in lang- u. kurzwollige, stark- u. schwachschweißige, sanft- u. rauhwollige.

III. Die Merinos od. Edelschafe unterscheiden sich von dem gemeinen S. durch edle gekräuselte Wolle, schöne, imponirende Gestalt, dichtes Vließ von grauweißer Farbe. Das Merinoschaf ist am ganzen Körper mit Ausnahme des Gesichts, der untersten Theile der Füße, der Achselgruben u. des Euters mit Wolle bewachsen; bes. ist dies bei den Infantados der Fall, welche sich durch Falten u. Koder (Kader, Wampe, der unter dem Kinn herabhängende Fleischtheil) auszeichnen. Die Widder sind in der Regel gehörnt, die Hörner dick, gegen die innere Seite zusammengedrückt, nach der Quere gefurcht, nach Außen od. nach der Seite spiral- od. schneckenförmig gewunden; das Mutterschaf dagegen hat keine Hörner od. ausnahmsweise sehr kleine von unregelmäßigem Wuchs. Das Edelschaf ist zarter als das gemeine S., daher von geringerer Kraft u. Ausdauer. Natur u. Kunst haben mehre Varietäten der Edelschafe hervorgebracht. Die verschiedenen Arten, Schläge u. Stämme unterscheiden sich nach ihren Körperformen u. hauptsächlich nach der Qualität ihrer Wolle. Es kommt dabei darauf an, wie sein od. wie grob die hornartige Substanz ist, aus welcher die Wolle besteht. Hiernach entstehen verschiedene Arten von S-en, welche, wenn sie endlich in ihrer Gesammtheit auftreten, zu Stämmen werden; sind sie dabei gleichartig in ihren Körpergestalten, so spricht man von Schlägen. Die edelsten S-e sind: A) die Merinos aus Spanien, vielleicht[59] durch Kreuzung entstanden od. eine eigenthümliche, durch arabische Pflege gebildete, im 14. Jahrh. aus Afrika nach Spanien gebrachte Race; zeichnet sich durch kurze gekräuselte Wolle aus, welche sich bes. zu seinen Tüchern eignet; der Kopf ist lang, Nase u. Augenknochen gebogen, unter den Augen haben sie, bes. der Bock, lange u. tiefe Augenhöhlen, Ohren länger, als bei anderen S-en, Bock öfter gehörnt, als ungehörnt, die Schafmutter meist ungehörnt. Die Merinoheerden heißen Möstas. Man unterscheidet hinsichtlich der Zucht in Spanien: wandernde Merinos, welche sonst das Recht hatten weidend mehre Provinzen Spaniens zu durchziehen u. stets unter freiem Himmel blieben, indem sie während des Winters in die südlichen Provinzen getrieben wurden. Zu diesem Behufe war eine 40 Ruthen breite Straße gelassen, welche Anfangs nur der Krone, später nur dem Adel u. den Klöstern gestattet wurde. In der Spanischen Revolution 1822 wurde dieses Vorrecht der Merinobesitzer abgeschafft. Die stehenden Merinos werden im Stalle überwintert u. sind länger, höher von Beinen u. größer; Kopf u. Beine sind mit Wolle bewachsen, allein ihre Wolle ist nicht sein. Es ist falsch, wenn man nach der Wolle von den Electorales, Negrettis u. Infantados als von verschiedenen spanischen: Merinoracen spricht, da es nur eine Merinorace gibt, höchstens bestehen Unterschiede nach den Provinzen, wie Merino von Leon, Segovia, Castilien, Badajoz, Soria. Blos als eine Abart der spanischen Merinos wird B) der Sächsische Merino od. die Electoralrace betrachtet. Weil Sachsen schon 1765 u. 1779 durch Übersiedelung spanischer Schafherden anfing auf Verfeinerung der eingeführten Merinos hinzuarbeiten u. die nackt u. zart gefallenen Lämmer, welche man sonst schlachtete, nun nicht mehr getödtet, sondern auswärts verkauft wurden, kam Sachsen auch am ersten zu feineren Merinos. Darin allein liegt der Unterschied zwischen den sogenannten Electorales, Negrettis u. Infantados. Die Negrettis (S-e mit kurzer seiner Wolle) werden mit der Zeit auch Electorales, sobald ihre Zucht alt genug wird u. man auf Feinheit hinarbeitet. Züchtet man ferner Thiere, welche viele, wenn auch weniger seine Wolle liefern, so erhält man Infantados (welchen Namen man bes. den seit 1802 nach Holics u. später nach Mannersdorf in Österreich übergesiedelten S-en gibt); züchtet man aber Thiere, welche hochfeine, milde, also weniger Wolle tragen, so erhält man Electoralschafe, so genannt, weil Sachsen damals ein Kurfürstenthum war. Eine Spielart der sächsischen Merinos ist wieder das Angoraschaf auf dem königlich sächsischen Kammergut Döhlen, durch Naturspiel entstanden, mit schlichten, glänzenden Haaren, welche aber, da sie keine Walkfähigkeit besitzen, weder zum Krempeln noch zum Kämmen taugen. Vorzügliches Verdienst hat sich nächst der sächsischen Regierung der Graf Heinrich Ernst von Schönburg-Rochsburg um die Veredelung der sächsischen S-e erworben, so daß bereits seit 1816 die sächsischen S-e u. deren Wolle selbst in England höher geschätzt werden, als die spanischen. Auch die schlesischen S-e sind durch Zucht u. meist aus Sachsen hergeholte Merinos den sächsischen gleich gekommen u. haben sie noch in Einigen übertroffen. Durch künstliche Pflege sind C) in England mehre Racen entstanden. Die sehr verschiedenen Landesracen zerfallen in zwei Hauptabtheilungen: das Höhe- od. kurzwollige u. das Niederungs- od. langwollige S. Einige Racen von jeder dieser Arten sind gehörnt, die anderen ungehörnt. Die verschieden ursprünglich vorhandenen Racen sind: a) kurzwollige: Southdown, ungehörnt, Wilts u. Chiltern, Dorset, Portland, Exmoor u. Dartmoor, Cornish, gehörnt, Ryeland, ungehörnt, Dean Forest, Mendix, Norfolk, gehörnt, Cannok Heath, ungehörnt, Shropshire Morf, Delamer, Forest, gehörnt, Herdwick, Cheriot, ungehörnt, Scotch Heath, gehörnt, Shetland, gehörnt u. ungehörnt, Welsh Mountain, gehörnt u. ungehörnt, Irische, gehörnt, reine Merinos, gehörnt u. ungehörnt; b) langwollige: Bampton Notts, Southham, Cotswold, Ramney Marsh, Dishley, Leicester u. Lincolnshire, Tretwater, Irische, sämmtlich ungehörnt. Neuerer Zeit sind durch Kreuzungen zwischen verschiedenen dieser Racen eine Menge Unterracen gebildet, manche der alten dadurch verbessert, manche verschlechtert, manche fast ganz ausgerottet worden. Am berühmtesten unter den englischen S-en sind: die Dishleyrace, von Backwell gezüchtet; Kopf lang u. schmal, wenig behaart, Hals dünn u. sein, Brust breit, Schultern, Rippen u. Rückgrath sehr voll, Knochen sehr sein u. zart, Fell dünn, Wolle nicht zu lang; wird sehr fett. Die Teeswaterrace, sehr groß u. sehr fruchtbar, eine Mutter wirst oft drei Junge; die Dorsetshirerace lammt jährlich zwei Mal; die Hertfordshirerace u. die Dunstowoodrace haben sehr seine, die Shetlandsrace eine seidenartige Wolle. D) Das Gothländische S. (S. von der Insel Ösel), zu Anfang des 18. Jahrh. durch, auf Gothland eingeführte u. auf die nahen Inseln Åland, Ösel etc. verbreitete Merinos entstanden, haben jetzt zwar wenig Ähnlichkeit mit den Merinos, aber seine, schlichte u. mit einem schöneren Glanze versehene Wolle, welche gewöhnlich drei, selten zwei Mal geschoren werden.

IV. S-e, welche sich durch besondere Eigenheiten des Körpers unterscheiden. a) Das Fettschwänzige, arabische, tibetanische, capsche, bucharische S. (O vis aries steatopygos), von der gewöhnlichen Gestalt des S-s, nur größer, mit zwei unbehaarten Fettschwielen zu beiden Seiten der Kerbe an den Hinterbacken, einigen Wirbelbeinen mehr u. an denselben einen ungeheuer fetten, nach unten zu keulenförmig zunehmenden Schwanz. Dieser Schwanz u. die mit Fleisch durchwachsenen Schwielen sind eine Delicatesse, u. erster gibt gemästet einen Braten von 40 Pfund Gewicht. Dies S. hat zwei Fleischglöckchen, wie die Ziegen, am Halse, lange hängende Ohren u. sehr grobe Wolle, wird in Arabien, Tibet, der Bucharei, in Nordafrika u. an dem Cap gezogen. b) Das Langschwänzige S. (Ovis aries macroura), mit seiner Wolle u. langem Schwanz, welchen es auf einem Wägelchen mit zwei Rädern nachfahren muß, in Südrußland, Tibet u. Karamanien; seine Wolle dient zu den Kaschemirshawls. c) Das Fettschwielige S., ohne Schwanz, mit seiner Wolle, in Persien, Syrien, der Bucharei u. in Ägypten. d) Das Kalmüchische (Kirgisische) S. (Ovis aries laticaudata), mit einem kleineren Fettschwänze, schwarz geflecktem Kopfe, in der Kalmückei. Die 3 letztern Arten sind dem gewöhnlichen fettschwänzigen S. ähnlich. e) Das Dachsschaf, kurzbeinig, an den Füßen dem Dachs ähnlich. f) Das Spiegelschaf, ein S. von gemeiner Race, mit bläulichen Ringen um die Augen,[60] in Mecklenburg, den Ostseegegenden, Franken. g) Das Purikschaf, in Ladak in Indien, so groß wie das europäische S., von gefälliger Form, dauerhaft, sehr geneigt zum Fettwerden, hängt an den Menschen, nimmt mit dem schlechtesten Futter vorlieb, wird jährlich zwei Mal geschoren, wirst zwei Lämmer; die Wolle, mit den Spitzen des Haares partienweise aneinanderhängend, wird zu Shawls verarbeitet. h) Riesenschafe, in Bergamo, die großen Bergamos haben grobe Wolle, hängende Ohren, die Widder auch ohne Hörner. i) Das Hundah, ostindische Schafrace, hoch u. groß, mit seinen, spiralförmig gewundenen Hörnern, kurzem, seinem Schwanz, ausgezeichneter Wolle.

V. Die Schafzucht ist wegen des großen Nutzens der S-e (s. oben) von Wichtigkeit für den größeren Landwirth. A) Die Fortpflanzung der S-e. Die S-e werden in der Regel in einem Alter von 2 Jahren belegt. Das Begattungsgeschäft geschieht a) durch Springen des Bockes aus der Hand, wozu man solche Böcke (Probirböcke) wählt, welche sehr hitzig sind u. die stährigen Mütter eifrig aufsuchen. Man läßt sie unter die Mutterherde, nachdem man ihnen eine Schürze (Stährschürze) vorgebunden hat, welche die Vollziehung des Begattungsactes verhindert. Findet der Probirbock ein S., welches zum Bocke geht, so nimmt man es heraus u. läßt es von dem für dasselbe bestimmten Widder bespringen. Dann wird der Tag des Bespringens im Stammregister bezeichnet. Hat der Bock einmal, aber gehörig besprungen, dann wird das S. von ihm entfernt. Mehr als drei bis vier Mütter läßt man den Bock in einem Tage nicht bespringen. Das Begattungsgeschäft geschieht auch b) dadurch, daß man die Mutterschafe in kleine Haufen theilt, den Bock unter sie bringt u. ihn nach Willkür springen läßt. Die Mütter gehen hier mit dem Bock auf die Weide, werden aber zu Hause von dem Bock getrennt, od. man läßt den Bock nur so lange unter den Müttern (aber nicht über Nacht), als sich diese zu Hause befinden. Auch hierbei, wo man 40–50 Mütter auf einen Bock rechnet, bringt man die Nummern der für einen Bock bestimmten u. von ihm besprungenen Mütter nebst seiner Nummer in ein Register. Man läßt entweder von Mitte October bis Mitte November bespringen u. erhält dann die Winterlämmer, welche von Mitte Februar bis Mitte März fallen; od. man läßt Mitte März bis Mitte April bespringen u. erhält dann die Sommerlämmer, welche Mitte Juli bis Ende August fallen. Localität, Futter etc. entscheiden, welche Art der Lammung man wählt; im Allgemeinen hat aber die Sommerlammung Vorzüge vor der Winterlammung. Hauptregel ist die Lammung so einzurichten, daß die Mütter während ihres Trächtigseins u. bei der Lammung die meiste u. beste Nahrung haben. Ein Mutterschaf trägt 5 Monate; es ist dann zarter als sonst u. erheischt aufmerksame Wartung, vorzüglich muß man vermeiden die trächtigen Thiere zu jagen od. zu erschrecken. 4–6 Wochen vor der Geburt muß man ihnen die Weideplätze so nahe als möglich am Stalle anweisen. Die Annäherung der Geburt verräth sich durch das Anschwellen des Euters, Ausfluß von einer schleimigen Feuchtigkeit aus demselben u. Eintreten der Milch. Bei der Geburt muß der Schäfer zugegen sein u. der Mutter beistehen, wenn das Lamm nicht mit dem Kopf kommt od. der Kopf in verkehrter Richtung austritt. Sobald eine Mutter das Lamm geboren hat, wird sie mit demselben in die Kaue (kleine hölzerne Behältnisse längs den inneren Wänden des Schafstalles) gestellt, damit sich beide aneinander gewöhnen. S-e, welche ihre Lämmer nicht saugen lassen wollen, müssen dazu angehalten werden. Beschmutzte Euter müssen gereinigt, die Wolle an dem Euter, insoweit sie das Saugen hindert, sanft ausgezupft, von Milch zu sehr strotzende Euter so weit als nöthig abgemolken werden. Verliert ein Lamm seine Mutter, so muß man ihm eine Amme geben od. es wird mittelst einem Kännchen mit Kuhmilch aufgezogen. Verliert eine kräftige Mutter ihr Lamm, so bringt man ein Lamm von einer schwächlichen Mutter zu ihr. Nun wird das Lamm gezeichnet u. in das Stammregister eingetragen. Da sich die Lammzeit auf einige Wochen vertheilt, so muß man mehre Abtheilungen für die neugeborenen Lämmer machen. Im Anfange geschieht die Abtheilung der Lämmer nach Wochen, später nach Monaten. Die Mutterschafe müssen ausreichend mit gutem kräftigem, aber gleichmäßigem Futter genährt werden. Kennen sich Mütter u. Lämmer gegenseitig genau u. vermögen diese die Nahrung nach 14 Tagen selbst aufzusuchen, so bringt man sie, um sie schon theilweise mit Pflanzenfutter zu nähren, in den Jungstall, in welchem sich blos Mutterschafe mit den jüngsten Lämmern befinden. Damit ihnen aber das Futter nicht von den Müttern weggefressen werde, macht man mittelst Horden eine Abtheilung im Stalle, in welche sie durch kleine Öffnungen, nicht aber ihre Mütter, gelangen können; hier gibt man ihnen in die Raufen süßes, blätterreiches Heu, in die Krippen Hafer u. Erbsen, in die Tröge überschlagenes Wasser. Fressen u. saufen die Lämmer gut, dann müssen sie auch zweimal die Woche gestoßenes Satz im Tranke erhalten. Drei Wochen alt, werden die Lämmer klassificirt u. die zu Böcken bestimmten nach edler Abstammung u. reiner Race ausgewählt, die Bocklämmer, welche man nicht zur Fortpflanzung brauchen will, nach 6–8 Wochen castrirt u. ihnen zugleich die Schwänze ein wenig, den Zibbenlämmern noch mehr verstutzt, doch so, daß der Stummel das Geburtsglied noch gehörig bedeckt. Das Zeichnen u. Nummeriren der Lämmer geschieht hierbei mit Zackenzangen, mittelst deren man dem S. in die innere Ohrenfläche Ziffern, Buchstaben od. Namen eintättowirt u. diese eingeprägten Zeichen mit einer gewählten Farbe fest einreibt u. so in der Haut festhält; od. man nummerirt die S-e mittelst in die Ohren gezwickter Kerben u. Löcher, wo dann stets ein solches Zeichen an seinem bestimmten Orte eine besondere Zahl bedeutet; od. man nummerirt mittelst hölzerner Täfelchen od. viereckiger Hölzchen, auf denen die Nummer des S-s eingebrannt u. welche dann mit einer Schnur am Halse der S-e befestigt werden. Dies geschieht, um die S-e von anderen zu unterscheiden (Heerdezeichen) u. bei der Paarung u. Veredelung die Nummern des Mutterschafes u. des für jedes bestimmten Bockes in das Stammregister einzutragen, um den Erfolg der Zusammenstellungen u. Paarungen wieder zu finden. Das Absetzen der Lämmer geschieht in einem Alter von zwei Monaten u. am leichtesten, wenn man sie in den ersten drei Wochen täglich vier Mal, in den zweiten drei Wochen täglich drei Mal, in den dritten drei Wochen täglich zwei Mal u. in den vierten drei Wochen täglich nur ein Mal zu ihren Müttern zum Saugen läßt. Die Lämmer müssen nun eine gesunde u. nahrhafte Weide erhalten[61] u. mit reinem Getränk reichlich versorgt werden. Man wählt die am nächsten beim Stalle gelegenen guten u. trockenen Hofweiden, od. bestimmt jährlich ein eigenes Stück Feld zur Anlegung einer künstlichen Weide. Auch gibt man den Lämmern außer dem Weidefutter noch Körner. In größeren Schäfereien werden die abgesetzten Lämmer in einen besonderen Lämmerstall gebracht u. von dem Lämmerknechte od. Lämmerjungen auf der Lämmerweide gehütet. Die Bocklämmer wachsen bald stark heran u. beunruhigen die Mutterlämmer. Daher müssen sie von diesen getrennt u. der Widder- od. Hammelheerde zugetheilt werden. Um Johannis pflegt man die Lämmer zu scheeren, damit sie weniger von dem Ungeziefer leiden, die rauben Spitzen der Wolle vermindert werden u. die Vließe sich dichter setzen; doch ist es besser, die Winterlämmer im ersten Jahre nicht zu scheeren.

B) Die Wartung der S-e bezieht sich auf ihre Ernährung in u. außer dem Stalle u. auf ihre Gesundheitspflege. Dazu müssen sie vor Allem nach Alter, Geschlecht u. Stärke der Thiere abgesondert u. zusammengestellt werden. Größere Heerden bringt man auf diese Art in zwei Hauptabtheilungen u. diese wieder in mehre Unterabtheilungen. Die erste Abtheilung besteht aus den Hammeln u. Böcken, die zweite aus den Mutterschafen. Die verschiedenen Altersklassen dieser Hauptabtheilungen enthalten alte (welche drei Jahre od. darüber alt sind) u. Jährlinge. Außer dem Stalle werden die S-e vom zeitigen Frühling an gewöhnlich auf die Weide geführt, doch hat man sie in der neuern Zeit auch auf dem Stalle zu füttern versucht (s.u. Stallfütterung). Die Schafweiden sind natürliche (zur Weide eigens bestimmte Plätze) od. künstliche (eigens angesäete Gras- u. Futterkräuterplätze), letztere, bes. die mit Weißklee angesäeten Äcker, weist man gern den Lämmern an (Lämmerweide). Die Weide muß trocken sein; nasse, sumpfige, tiefliegende u. Mast- od. Fettweide sind dem Edelschaf nicht zuträglich; die Weide darf nicht mit Vieh überfüllt u. es muß eine gewisse Ordnung in ihr eingeführt werden, so daß eine u. dieselbe Fläche nach mehrwöchentlicher Beweidung eben so lange Zeit unbeweidet liegen bleibt. Sind die Weiden weit vom Stalle entfernt u. von großer Ausdehnung, so werden auf ihnen offene Schuppen angebracht, welche den S-en als Ruheort während der heißen Mittagssonne u. als Zufluchtsstätte bei Regen dienen. Im Frühjahr darf man nicht eher mit dem Weiden anfangen, bis der Boden völlig trocken ist. Bei feuchten u. nebeligen Nächten im Frühjahr u. Herbst u. so lange die Weide nicht hinlänglich Futter gewährt, müssen die S-e, bevor sie ausgetrieben werden, etwas trockenes Futter erhalten. So lange der Thau liegt, darf nicht ausgetrieben werden; sobald der Thau fällt, muß man eintreiben. Mittags, wenn die größte Sonnenhitze herrscht, führt man die S-e zum Lagern an einen schattigen Ort. Während der Weidezeit wird das S. ein Mal vor dem Austreiben mit reinem Wasser getränkt. Zuchtvieh darf nur auf ungedüngten Stoppelfeldern geweidet werden; Gersten- u. Haferstoppeln darf man dann nicht mehr beweiden, wenn die ausgefallenen Körner zu keimen anfangen; abgemähte Kleefelder dürfen nur ganz trocken u. wenn die S-e nicht hungrig sind beweidet, u. die S-e müssen dann in beständiger Bewegung erhalten werden. Das Beweiden der Wintersaaten, wenn es nicht bei starkem Reif, weicher Witterung, Schnee, Glatteis geschieht, ist den S-en sehr zuträglich, doch darf man diese Weide nicht als alleiniges Sättigungsmittel betrachten. Beim Weiden geht der Heerde gewöhnlich ein abgerichteter Hammel Leithammel) mit einer kleinen Glocke voran, welcher dem Schäfer u. Hund leicht gehorcht u. dessen Führung dir ganze Heerde folgt. Für den Winter muß man sich mit wenigstens auf eine Zeit von 180 Tagen reichendem gutem Winterfutter versorgen. Die gewöhnlichsten Futtermittel sind: Wiesenheu, Lupinenben u. die verschiedenen Kleeheuarten, Stroh von Hülsenfrüchten u. Getreide, Kartoffeln, Rüben, Ölkuchen, Branntweinschlempe, Laubbüschel etc. Körner von Gerste, Lupinen, Hafer u. Erbsen, geschroten od. gequellt. Man kann annehmen, daß ein S. täglich 21/2 Pfund gutes Wiesenheu od. ein diesem gleichkommendes Äquivalent bedarf. Bei der Fütterung kann man Böcke, altes u. zweijähriges Vieh in eine Klasse nehmen. Von Jährlingen rechnet man fünf auf vier alte S-e. Dem Muttervieh (bes. zur Zeit des Säugens), den Widdern u. Lämmern ist das beste Futter zuzuweisen; die Hammel, die gelten S-e u. die Zeitmütter haben sich mit weniger gewähltem Futter zu begnügen. Am besten füttert man täglich drei Mal: früh, Mittags u. Abends. Hauptsache ist regelmäßige Fütterungszeit u. eine sich stets gleich bleibende Futtermenge. An Wasser darf es den ganzen Winter hindurch nicht fehlen, es muß sich in rein gehaltenen hölzernen Trögen im Stalle befinden. Salz ist das ganze Jahr hindurch nothwendig, auf 100 S-e rechne man 200 Pfund, welches in Zwischenräumen von 8–14 Tagen Abends in langen, auf kreuzweise eingeschlagenen Pfählen ruhenden Krippen (Salzlecken), fein gestoßen u. (um Unterschleif Seitens des Schäfers zu verhüten) mit Kleie, Asche etc. vermengt gereicht wird. Von Zeit zu Zeit werden dem Salz auch sein gestoßene bittere Kräuter, wie Enzian, Wermuth, Alant, Kalmus, Wachholderbeeren zur Erhaltung der Gesundheit beigemischt. Während regnerischer, feuchter Witterung wird mit dem Salz ausgesetzt, denn es bewirkt hier Durchfall. Lämmer erhalten die Hälfte des angegebenen Quantums. Was die Pflege der S-e anlangt, so muß stets auf ein gutes reinliches Strohlager gehalten werden, den Mist darf man nicht zu lange im Stalle liegen lassen; s. Schafstall.

C) In jeder Schäferei ist man auf Veredelung der Race bedacht. Man soll nur einen reinblutigen Bock von echtem, edlem Merinostamme zur Fortpflanzung benutzen. Je länger eine Reinblutheerde sich nun durch Inzucht (s.d.) erhalten hat, um so fester hat sich die Vererbungsfähigkeit bei ihr ausgebildet. Außer reinem, unvermischtem Blut muß der Zuchtbock auch hinsichtlich seiner Wolleigenschaften u. seines Körperbaues tadellos u. fehlerfrei sein u. ein Vließ haben, welches bei hoher Feinheit auch dicht, gut gestapelt u. ausgeglichen ist. Ist die zu veredelnde Mutterheerde reinblutig, so wählt man mit strenger Beachtung auf das Vorhandensein der guten Woll- u. der für ein Zuchtthier erforderlichen körperlichen Eigenschaften, die ausgezeichnetsten aus u. bildet aus ihnen die Stammheerde; ist dagegen die zu veredelnde Mutterheerde noch nicht reinblutig, so schafft man sich eine kleine Anzahl ausgezeichneter reinblutiger, wo möglich mit der eigenen Heerde verwandter Thiere an u. erzieht ans diesen die nöthigen[62] Zuchtböcke. Das Streben des Schafzüchters bei Veredelung muß nun dahin gerichtet sein, alle vorhandenen guten Eigenschaften in der Heerde zu erhalten u. zu fixiren, die fehlerhaften aber zu vertilgen u. in tadellose umzuwandeln. Um Beides zu erreichen, muß die Veredelung in einer Heerde eben so viel Male verschieden sein, als verschiedene, sich charakteristisch unterscheidende, gute od. fehlerhafte Wolleigenschaften in ihr vorhanden sind, um das gewünschte Resultat, gute u. einander ähnliche Nachzucht, zu liefern. Daher muß auch die Züchtung nach den vorherrschenden guten od. schlechten Wolleigenschaften eingeleitet u. die Heerde nach selbigen in eben so viel verschiedene Züchtungsklassen getheilt werden. In die erste Züchtungsklasse kommen alle Mütter, welche hinsichtlich ihrer Feinheit, ihres Wollreichthums, ihres guten Stapelbaues u. ihrer Ausgeglichenheit normal sind; in die zweite solche Mütter, welche eine grobe Wolle tragen; in die dritte alle schütter- u. armwolligen Mütter; in die vierte solche Mütter, welche einen fehlerhaften Stapelbau haben, der bei der Nachzucht verbessert werden soll. Für diese verschiedenen Klassen werden nur solche Böcke gewählt, welche die angegebenen Fehler bei der Nachzucht vertilgen, die guten Eigenschaften dagegen verbreiten u. erhalten u. dieselbe daher für die Normalklasse tauglich machen. Je weiter die Veredelung einer Heerde fortgeschritten ist, um so nöthiger wird der Bedarf von verhältnißmäßig immer besseren Böcken, um nicht auf der erreichten Veredelungsstufe zu bleiben od. gar Rückschritte (Rückschläge) zu thun, sondern um noch ausgezeichnetere Resultate zu erhalten. Zu diesem Zwecke bildet man aus der Normalklasse durch strengste Auswahl der edelsten u. ihre edeln Eigenschaften am treuesten vererbende Mütter eine Stamm- od. Zuchtheerde zur Erziehung für noch höhere Veredelung tauglicher Böcke, welche in drei Klassen eingetheilt werden: Veredelungsböcke, welche alle gute Eigenschaften in vereintem Grade besitzen u. zu noch höherer Veredelung verwendet werden; Constantirungsböcke, welche alle gute Eigenschaften in vollkommenem Grade besitzen u. zu ihrer Festhaltung dienen; Correctionsböcke, welche alle gute Eigenschaften in vollkommenem Grade besitzen, in einer aber excelliren u. zur Correction der vorherrschenden Fehler bei den Müttern verwendet werden. Die richtige Klassificirung der Böcke muß aber auch durch ihre Lämmer controlirt, erprobt u. nöthigenfalls rectificirt werden. Zu diesem Zwecke beginnt man sogleich mit den Jährlingsböcken, von denen man 10–15 Mütter verschiedener Klassen zur Probe bespringen läßt. Ein richtiger Kenner beurtheilt schon im Lamme die Leistung des Bockes. Daher nimmt man eine genaue Beschreibung der gefallenen Lämmer vor u. wiederholt diese, wenn sie zweijährig geworden. Man erfährt dann, welche seiner Eigenschaften der Bock vorzüglich vererbt u. mit welcher Mutter. Um sich eine genaue individuelle Kenntniß der Vererbungsfähigkeit jedes einzelnen Zuchtthiers zu verschaffen, zeichnet man die geschehene Auswahl u. Zutheilung, die Paarung derselben u. ihre Erfolge in eigenen dazu eingerichteten Registern (Stamm-, Zuchtregistern) genau auf. Man hat zwei solcher Register, eins für die Mütter, das andere für die Böcke. Die Bonitirung der Wolle geschieht durch die Buchstaben a, b, c, denen man, um die gehörige Klasse od. den Feinheitsgrad zu bezeichnen, 1 od. 2 + od. – anhängt. In diesem Register erhält jedes Mutterschaf eine eigene Seite. Diese Stamm- u. Ahnentafel macht es möglich jedem Bock seine bestimmten u. bleibenden Mütter zuzutheilen u. die Abstammung u. Verwandtschaft der einzelnen Thiere unter einander genau kennen zu lernen. Die Constanz ist nur Folge einer consequenten Inzucht u. kann nie erreicht werden durch Einmischung fremden Blutes od. durch Kreuzung. Die Kreuzung unterscheidet sich nach ihrer Anwendung dadurch, daß man entweder gleich Anfangs zur Veredelung seiner großen Heerde eine kleine Stammheerde angeschafft hat, in welcher man inzüchtlich die nöthigen Zuchtböcke auch für die große Heerde zieht. Verwendet man nun diese in der großen Heerde, so wird diese mit der Stammheerde gekreuzt, während man in der Stammheerde reine Inzucht treibt. Die aus einer solchen Kreuzung hervorgehenden Thiere haben aber keine solche Vererbungsfähigkeit, wie inzüchtlich erhaltene Thiere, u. erstere können nicht als Zuchtthiere für weitere Veredelung verwendet werden. Oder man nimmt die nöthigen Zuchtböcke fortwährend aus einer fremden Heerde u. kreuzt beständig, wobei aber keine Vererbungsfähigkeit u. Constanz erreicht wird. Hat man selbst reines Blut gehabt u. mit solchem gekreuzt, so kann nach u. nach wenn man das Beste des erhaltenen Products zusammenstellt, daraus eine Stammheerde bildet u. diese inzüchtlich fortzüchtet, in vielen Fällen noch eine gute, brauchbare Zuchtheerde daraus werden. Bei einer lange fortgesetzten Inzucht können sich aber auch in einer Heerde Fehler einschleichen, welche später schwer wieder zu entfernen sind u. wo man gezwungen ist aus fremden Heerden Hülfe zu holen. Man wählt dazu eine Heerde, welche mit der eigenen die größte Blutsverwandtschaft hat, worauf man wieder zur eigenen strengen Inzucht zurückkehrt. Eine solche vorübergehende Kreuzung nennt man Auffrischen des Blutes. Je mehr man mit der Veredelung vorgeschritten, um so behutsamer muß man zu Werke gehen bei Erzielung noch höherer Feinheit. Denn ein zu schneller, forcirter Schritt führt leicht Überbildung herbei: Thiere mit kahlen Köpfen, Bäuchen u. Füßen u. wenig, kraftloser, flaumartiger Wolle. Gleiches geschieht, wenn man zu schnell auf Dichtwolligkeit hinarbeitet, welche dann nur auf Kosten der Feinheit erlangt wird. Um die Schafveredelung noch mehr zu heben, haben sich Vereine zu Ausstellungen von Mutterschafen u. Vließen gebildet. Außer dem Wollertrag geben hoch veredelte Schäfereien großen Gewinn durch den Verkauf der Zuchtschafe. Electoralböcke wurden früher bis zu 1000 Thlrn. verkauft u. noch jetzt ist der Preis 100 bis 200 Thlr. Die Pflege u. Fütterung veredelter Heerden ist bei weitem kostspieliger, als bei Landschafen, u. Menge u. Gewicht des Wollertrags im Verhältniß geringer, bei hohen Wollpreisen aber doch lohnender, als die Erzielung vieler, aber gröberer Wolle.

D) Ausmerzen. Da in jeder Schäferei, wo Lämmer gezogen werden, der natürliche Zuwachs stärker ist, als der natürliche Abgang durch den Tod, so müssen jedes zweite Jahr eine bestimmte Anzahl Thiere ausgemerzt u. verkauft werden. Bei gewöhnlichen Schafheerden werden die überzähligen Thiere als Schlachtvieh verkauft, bei der Zucht seiner S-e werden alle Mutterschafe u. Böcke noch als Zuchtvieh an andere Schafzüchter verkauft. Beim Verkauf der ausgemerzten Thiere an den Fleischer[63] werden nur so viel Bocklämmer unverschnitten gelassen, als man zur Fortsetzung der Zucht Sprungwidder nöthig hat. Die übrigen werden gehammelt. In seinen Stammschäfereien aber, wo auf den Verkauf guter Sprungböcke gerechnet wird, läßt man so viel Stährlämmer ungehammelt, als gute Sprungböcke zu werden versprechen u. man deren verkaufen zu können glaubt. Dadurch sind beim Ausmerzen zwei verschiedene Methoden aufgekommen; die gewöhnlichste ist, daß dazu vorzugsweise die Thiere von allen Geschlechtern u. Klassen bestimmt werden, welche das höchste Alter erreicht haben; dann kommen die, welche einen Fehler der Gesundheit, Gestalt od. Wolle haben, schwer lammen, böse u. schadhafte Euter haben, beim Säugen der Lämmer widerspenstig sind, schlecht vererben, wollarm sind. Bei der andern Methode werden vorzugsweise die jungen Stähre zur Zucht, die Mutterschafe, welche irgend einen Wollfehler haben, zum Verkauf ausgesetzt; dann erst, wenn diese ausgezeichnet sind, geschieht die übrige Auswahl nach dem Alter. Mit Krankheiten behaftete S-e werden bei beiden Methoden ausgemerzt. Die Auswahl selbst geschieht im Februar u. März, weil man zu dieser Zeit die Thiere hinsichtlich der Wolle u. des Gesundheitszustandes am besten beurtheilen kann.

VI. Schur, das Geschäft, wo den Schafen die Wolle in ganzen Vließen abgenommen wird. Die Schur geschieht bei den einschürigen Schafen Mitte bis Ende Mai, bei den zweischürigen Schafen im April u. September. Um eine gute Schur zu bewirken, ist zunächst eine sorgsame Schafwäsche nöthig. Damit die Schafe bei der Wäsche nicht zu sehr leiden, soll dieselbe nur bei warmer Luft (11° R.) geschehen. Die einfachste u. zweckmäßigste Reinigung der Wolle ist das Schwemmen der Schafe in Fluß- od. besser in weichem, warmem Teichwasser, welches nicht mit mineralischen Bestandtheilen u. Farbstoffen versehen sein darf. Der Grund des Wassers muß kiesig u. darf nicht schlammig sein. Alle künstlichen Wollwäschen, z.B. die Wollwaschmittel, die Spritz- u. Druckwäsche, haben sich theils nicht bewährt, theils schaden sie der Güte u. dem Gewicht der Wolle, indem dieselbe entweder hart u. rauh wird od. ihre öligen Bestandtheile verliert. Die Schwemme muß so eingerichtet sein, daß die Schafe eine Strecke schwimmen können. Gewöhnlich wird durch Stangen od. Horden eine 3–4 Ellen breite Gasse gebildet, durch welche die Schafe schwimmen müssen. Da, wo die Schafe in das Wasser springen, muß dasselbe so tief sein, daß sie nicht auf den Grund kommen; da wo sie das Wasser verlassen, darf es nicht steil aufwärts gehen. Am Abend vor der Wäsche werden die Schafe mittelst Durchtreiben durch das Wasser eingeweicht u. bleiben über Nacht in dem mit Stroh ausgestreuten Stalle stehen, damit das Wasser alle Schmutz- u. Fettklümpchen durchdringen u. auflösen kann. Am andern Tage erfolgt die Reinwäsche; es werden starke Personen auf 3–6 Plätzen, je 3 u. 3 zusammen, im Wasser aufgestellt, 1 Mann faßt Kopf u. Vorderfüße, ein anderer die Hinterfüße u. löst die größern Kothklumpen vom Hintertheil u. Schwanz ab; ein dritter Mann steht an der Seite des Schafes u. drückt u. quetscht die Wolle der Seiten, des Halses etc. Eben so wird beim zweiten u. dritten Stande verfahren. Am vierten Platze werden alle etwa noch zurückgebliebenen Schmutzflecken rein gewaschen u. dann die Schafe behutsam aus dem Wasser gelassen, auf staublosen Wegen getrieben u. auf schattigen Plätzen geweidet. Den Sonnenstrahlen darf man sie nicht aussetzen, weil die Wolle durch zu schnelles Trocknen spröd u. hart anzufühlen ist. Meist sind die Schafe am dritten Tage so trocken, daß sie am vierten geschoren werden können. In Spanien wird die Wolle nicht auf den Schafen, sondern erst nach der Schur in Vließen gewaschen. Die Schur geschieht mittelst der Schafschere, einer aus zwei messerartigen, durch eine Feder verbundenen Schenkeln bestehenden Schere. Hauptsächlich kommt es darauf an, daß die Wolle rein u. glatt vom Felle abgeschnitten wird, daß keine Stufen bleiben, daß die Schafe nicht verwundet (was bes. durch die Einrichtung der englischen Schafscheren unmöglich wird) u. die Vließe nicht zerrissen u. beschmutzt werden. Die Schur wird im Schafstalle, od. auf einer Tenne, od. auf einem reinen trockenen Rasenplatze vorgenommen, die abgeschornen Vließe werden behutsam vom Schurplatz weggetragen u. auf einen Tisch gebracht. An diesem Tische sind zwei Personen angestellt, welche die Vließe vorsichtig auseinanderbreiten, die innere abgeschnittene Fläche zu unterst legen, alle gelben u. braunen Theile von dem Vließ ablösen, die Seitentheile über einander schlagen u. dann die eine Person vom Schwanze, die andere vom Halse an das Vließ sich entgegen zusammenrollen. Man kann auch bis 8 od. 10 Vließe in ein Bündel bringen. Diese Bündel werden übers Kreuz mit starker Schnur gebunden, In der Regel bringt man so viel Vließe in ein Bund, daß dasselbe einen Stein wiegt. Das Einpacken der Wolle in Säcke ist nicht so gut, weil dabei viele Vließe zerrissen werden, Fabrikanten u. Händler auch lieber Bundwolle kaufen, weil sie sich von der Güte derselben genauer überzeugen können Die abgerissenen Wollstücke u. Locken werden am besten bes. verpackt. Der Wollertrag der Schafe ist sehr verschieden; ein Merinoschaf gibt 2–21/2, ein Landschaf 21/2–4, ein Marschschaf 4–7 Pfund Wolle.

VII. Mastung. Entweder werden nur die ausgemerzten Thiere (s. oben V.) gemästet od. man hält nur große Thiere, hauptsächlich Hammel. Die Mast ist entweder Weide- od. Stallmast. Behufs der Weidemast werden die S-e auf gut bestandene Weideplätze getrieben, auf denen nahrhafte Pflanzen wachsen. Die Weidemast ist wohlfeiler als die Stallmast; am vortheilhaftesten mästet man die S-e auf der Weide an u. füttert sie mit gehackten rohen Kartoffeln, Roggenstroh, Häcksel, od. Erbsenstroh u. Heu fett. Bei dem Steigen der Fleischpreise u. dem Sinken der Preise der seinen Wolle versucht man in neuester Zeit mit der Erzeugung einer mittelfeinen Wolle so viel als thunlich die Production von Fleisch zu verbinden. Die Zucht u. Haltung von Fleischafen hat sich auch überall da bewährt, wo feinwolliges Schafvieh entweder nicht an seiner Stelle ist od. nicht angemessen rentirt. Die Hauptsache, auf welche es bei der Zucht von Fleischschafen ankommt, ist frühzeitige vollkommene Ausbildung u. gute Verwerthung des Futters Obschon die Franken-, Rhön- u. Marschschafe gute Fleischschafe sind, so sind diese Racen doch, wenn es sich neben Fleischerzeugung um Erzielung einer guten Mittelwolle handelt, nicht als Wollschafe zu verwenden, sondern man muß zu diesem Behuf S-e mit mittelfeiner Wolle mit Southdown- od. Cotswoldböcken kreuzen. Die Kreuzung dieser Böcke mit Landschafen liefert auch ein gutes Ergebniß, indem die Wolle der Landschafe[64] verbessert u. ihre Statur größer wird. Am besten kreuzt man nur einmal; die Producte der Kreuzung verkauft man als Fleischthiere in einem Alter von 2 Jahren.

VIII. Krankheiten der S-e sind zum Theil sehr verwüstend; dahin gehören: Fäule (s. Schaffäule), Ruhr, Pocken (s. Schafpocken), Räude, Drehkrankheit, Klauenseuche, Rothes Wasser, Eutergeschwulst, Egel in den Eingeweiden, Husten, Gehirnentzündung, Auflaufen, Schwindel, Ausschlag, Kotherbrechen, Fallsucht, Kreuzdrehe, Gnubberkrankheit, Östruslarvenkrankheit, Lämmerlähme (s.d.a.). Das sogen. Schmiervieh sind S-e, welche kleine Blasen auf der Haut aufgekratzt od. aufgebissen u. dadurch einen ekelhaften Grind erhalten haben, wodurch auch die Wolle mit einer fettigen, übelriechenden Feuchtigkeit verunreinigt wird. Die Schäfer legten sonst Tabak u. Lauge auf die Pusteln, um dieselbe zu heilen, od. kauten Tabak u. spuckten auf die Bläschen, od. wuschen sie mit Menschenharn u. dgl., indessen muß Reinlichkeit die Hauptsache thun, u. oftmaliges Baden u. stetes frisches Sausen hilft am kräftigsten. Ein Fehler der S-e ist das Wollfressen. Um ihnen dasselbe abzugewöhnen, wäscht man wiederholt die befreßbaren Theile der S-e, bes. die Keulen, mit einer Abkochung von weißer Nießwurzel (Veratrum album), daß die Flüssigkeit bis auf die Haut dringt. Die S-e, welche sich wollfreßbegierig zeigen, werden von den gewaschenen einige Tage abgesperrt. Ein anderer Übelstand sind die Hungerzähne, nadelspitzenähnliche Zacken, welche die jungen S-e zuweilen auf den Backenzähnen bekommen, deshalb nicht gut kauen können u. abmagern. Ein Kennzeichen der Gesundheit beim Ankaufe der S-e ist das Innere des Auges, dieses darf nicht blaß od. ganz weiß, sondern muß vielmehr roth u. bes. die kleinen Adern lebhaft roth erscheinen. Im Gegentheil ist auf einen krankhaften Zustand, bes. auf Fäule, zu schließen. Eben so muß auch die Haut am ganzen Körper, so wie das Zahnfleisch, roth erscheinen. Daneben wird auch eine feuchte Nase für ein Zeichen innerer Gesundheit gehalten. Feinde der S-e sind: Schafwurm, Schafbandwurm, Schafbremse, Schaflausfliege u. Schafzecke.

IX. Bei den Hebräern machten Schafheerden nächst den Rinderheerden den Hauptzweig der Viehzucht aus u. die Schafhirten standen in großer Achtung. Die S-e jener Gegenden hatten gewöhnlich Hörner, weiße Wolle, seltener waren sie schwarz u. nur zuweilen gefleckt. Auch fettschwänzige S-e kommen bei den Hebräern vor. Die Schafheerden blieben den ganzen Sommer auf dem Felde, liefen frei umher u. wurden nur des Nachts in eine Hürde eingeschlossen. Die S-e warfen jährlich zweimal, u. außer dem Fleisch, welches als Lieblingsspeise jenes Volkes auch hauptsächlich als Opfer gebracht u. zum Passahfest in jeder Familie gegessen wurde, brauchte man das Fell, bes. die Wolle, welche man jährlich zweimal abschor. Dabei war ein Fest, welches das fröhlichste unter den ländlichen Festen war. Überhaupt war Asien reich an S-en, u. außer einer Art wilder S-e in Phrygien erwähnen die Alten bes. noch der S-e in Indien, wo man hauptsächlich viel Sorgfalt auf die Schafzucht wendete; die S-e warfen hier gewöhnlich drei Lämmer u. gelangten bis zur Größe der Esel; ihre Schwänze waren ebenfalls sehr lang u. reichten bis auf die Füße, die Hirten schnitten dieselben, wenn das S. werfen wollte, ab u. machten aus dem Fett Öl. In Griechenland gehörten in der Heldenzeit die Schafheerden zum Reichthum der Fürsten, u. ein S. nebst einem Lamm galt als kostbares Geschenk. Später wurden die S-e indeß sehr wohlfeil u. kosteten zu Athen höchstens 1 Drachme (51/2 gGr.), standen aber in größerem Werth als bei den Römern, da bei diesen das S. nur 1/10 von dem Werth eines Ochsens, bei den Griechen aber als 1/5 desselben galt. In der Blüthenzeit Athens aber stieg der Kaufpreis eines S-es auf 10–20 Drachmen, je nach Alter, Art u. Schwanken des Preises. Die christlichen Religionsurkunden allegorisiren das S. nach seiner sanften u. duldsamen Natur, als die bessern u. frömmern, aber auch als die arg- u. wehrlosen unter den Menschen. Jesus selbst wird wegen seiner Sündlosigkeit u. weil er sich zum Opfer für die Sünde der Welt gegeben hat, ein Lamm genannt. Als Feind erscheint der Wolf.

Vgl. von Ehrenfels, Geschichtliche Darstellung der niedern Schafcultur, Prag 1814; Schwinghammer, Unterricht in der Schafzucht, Landsh. 1830; Elsner, Handbuch der veredelten Schafzucht, Stuttg. 1832; Löhner, Anleitung zur Schafzucht, 3. A. von Osumbor, Prag 1857; Schmalz, Anleitung zur Zucht der S-e, 2. Aufl. Königsb 1833; Haumann, Die Schafzucht, Weim. 1839; Kreyssig, Die Schafzucht, Braunschw. 1840; Elsner, Schäferkatechismus, 2. Aufl., Prag 1841; André, Die Züchtung des Edelschafs, Prag 1842; Elsner, Die Schafzucht Schlesiens, Bresl. 1844; Erfurt, Der vollkommene Schafmeister, Lpz. 1844; Rothe, Der erfahrne Schäfer, Bresl. 1844, 3. Aufl. 1853; Schmidt, Die Schafzucht u. Wollkunde, Stuttg. 1852; Blacklocks englische Schafzucht, aus dem Englischen von Schmidt, Weim. 1854; von Nathusius, Erfahrungen u. Ansichten über die Zucht der Fleischschafe, Berl. 1856; Utieschil, Das Ganze der Schafzucht, Prag 1856; May, Kurze Anleitung zur Schafzucht, München 1857; Elsner, Die verschiedenen Phasen der deutschen Merinoschafzucht, Berl. 1857; Menzel, Handbuch der rationellen Schafzucht, Preisschrift, 2. Aufl. Berl. 1861; Gumprecht, Die enthüllten Betrügereien der Schäfer, Eisen. 1825; Haubner, Die drei verwandten Krankheiten der Lämmer, Anklam 1840; Kuers, Die drei wichtigsten Jugendkrankheiten der S-e, Berl. 1840; Hering, Belehrung über die Schaftande, Stuttg. 1843; Delafond, Die Blutkrankheit der S-e, Berl. 1844; Fricke, Die Drehkrankheit der S-e, Landsb. 1844; Löwe, Die falsche Drehkrankheit, Pasewalk 1853; Seer, Die Heerdenkrankheit der S-e, Glogau 1854.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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