Mancini, Maria

Mancini, Maria

Mancini, Maria, die abenteuerliche Schwestertochter des Kardinals Mazarin, der als allmächtiger Minister einst Frankreich beherrschte, ward 1639 zu Rom geb., im Kloster erzogen und erregte, von ihrem Oheim nebst Mutter und Schwester nach Paris gerufen, dort allgemeines Aufsehen durch ihren Geist und hohe Liebenswürdigkeit. Ohne Schönheit, die später Ludwig XIV. immer anzog, wußte Maria durch die Anmuth ihrer Unterhaltung und glänzende Talente den jungen Monarchen so zu fesseln, daß er ernstlich daran dachte, sie als seine Gemahlin auf den Thron zu heben und diesen Entschluß auch ausgeführt haben würde, wenn der staatskluge Mazarin, dem dieß keineswegs zusagte, der Sache nicht zuvor gekommen wäre. Sein Machtwort sandte die Nichte für einige Zeit in's Kloster und ihre vorwurfsvollen Abschiedsworte zu dem schwachen Ludwig: »Sie weinen, Sie sind König und ich reife,« beweisen nur zu deutlich, daß Maria am Schlusse dieses Romans selbst einsah, wie wenig sie von einem so willenlosen Anbeter zu erwarten hatte. Nach des Königs Vermählung mit einer Infantin erhielt sie von dem strengen Onkel die Erlaubniß zur Rückkehr an den Hof und verheirathete sich ebenfalls 1661 mit dem Prinzen Colonna, dem sie eine Mitgift von 100,000 Livres Renten zubrachte; doch war diese Ehe nichts weniger denn glücklich. Nach wenigen Jahren voll Mißhelligkeiten, die sie in Rom an der Seite ihres Gemahls verlebte, faßte die unternehmende Frau den seltsamen Entschluß mit ihrer Schwester, die den Verfolgungen eines Vetters Mazarini entgehen wollte, in Männertracht nach der Provence zu entfliehen. Glücklich gelangten Beide bis nach Aix, wo sie jedoch verhaftet wurden und Maria wegen des durch ihre Flucht gegebenen Aergernisses abermals in ein Kloster, Lys, wandern mußte. Sie fand wiederum Mittel sich zu befreien, ging mit ihrem Bruder nach Italien, von dort nach Deutschland und den Niederlanden, wo sie auf Betrieb ihres Gemahls wieder festgenommen ward. Mit seiner Genehmigung wandte sich die Ruhelose endlich nach Spanien und erlangte dort, trotz allen Versuchen zur Aussöhnung von des Prinzen Seite, die langerwünschte Scheidung von ihm. Freiwillig erwählte jetzt Maria, vielleicht aus momentanem Weltüberdruß, den Aufenthalt in einem Kloster bei Madrid, doch litt ihr unruhiger Sinn sie auch da nicht. Sie entfernte sich heimlich und kehrte 1684 nach Frankreich zurück, wo Niemand mehr Interesse an ihr nahm und der Tod 1715 ihr vielbewegtes Leben endete. Die wunderlichen Kreuz- und Querzüge dieser sonderbaren Frau sind mehrfach Veranlassung zu Romanen, Drama's u. s. w. geworden. In neuester Zeit gab die Mode, den kleinen Zierathen von Bänderchen oder Blümchen, welche sich vom Gelock oder den Shawlen der Balldamen, die Schläfe entlang bis auf die Wangen ziehen, den Namen Mancini. Man trägt dieselben auch statt der Tüll- und Blondenbarben unter den Hüten.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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