Baptisten in Österreich
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Basisdaten
Offizieller Name: Bund der Baptistengemeinden
in Österreich

staatlich eingetragene religiöse
Bekenntnisgemeinschaft
Geistliche Leitung:
Vorsitzende:
Anita Ivanovits
Stellvertreter:
Martin Wendland
Missionssekretär:
Pastor Walter Klimt
Mitgliedschaft: Baptistischer Weltbund,
Europäisch-Baptistische Föderation,
Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler
Missionen Österreichs
und der Diakonie Österreich.
Örtliche Gemeinden:
24 (incl. unabhängige
Baptistengemeinden)
Gemeindeglieder: 1472 Getaufte (ohne Kinder,
Angehörige und Freunde) Stand 2010
Sonstiges: Es besteht eine
enge Zusammenarbeit
mit dem BEFG
in Deutschland
Anschrift: Bund der Baptistengemeinden
in Österreich
,
Krummgasse 7/4, 1030 Wien,
Ausbildungsstätte für
Pastoren und Pastorinnen:
u.a.: Fachhochschule
Theologisches
Seminar Elstal
, Deutschland
Offizielle Website: www.baptisten.at

Erste gottesdienstliche Versammlungen von Baptisten in Österreich sind für 1847 in Wien nachgewiesen. Die Arbeit der Wiener Baptisten geschah aufgrund staatlicher Repressionen über zwei Jahrzehnte im Geheimen. Erst 1869 kommt es zur offiziellen Gründung der Wiener Gemeinde getaufter Christen / Baptisten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Durch österreichische Handwerkergesellen, die sich auf der Walz befanden, wurde die baptistische Lehre in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nach Österreich gebracht.

Anfänge

Zu den ersten, bei denen diese Missionstätigkeit auf fruchtbaren Boden fiel, gehörte das Ehepaar Karl und Theresia Wisotzky. Sie lebten in Wien und öffneten 1847 ihre Wohnung für gottesdienstliche Versammlungen, woraus sich eine kleine Gemeinde entwickelte. Bereits im Sommer 1847 besuchte Johann Gerhard Oncken, der 1834 in Hamburg die erste deutsche Baptistengemeinde gegründet hatte, die junge Gemeinschaft. 25 Zuhörer, so liest man in Onckens Notizen, hörten seinen Vorträgen zu. In einer Großaktion wurden zunächst 10.000 und nach Onckens Abreise noch einmal 20.000 Traktate verteilt.

1848 wirkte in Wien für kurze Zeit der spätere Bremer Baptistenpastor Johann Friedrich Oncken. Solange die revolutionäre Volksherrschaft währte, konnte er in einem Kloster große Versammlungen durchführen. Dabei wurde eine Reihe von neuen Mitgliedern gewonnen. Auch der aus Jever stammende Baptistenpastor und Gemeindeälteste Johann Ludwig Hinrichs reiste auf Veranlassung von Oncken nach Wien und verhalf der jungen Gemeinde zu ersten Strukturen. Infolge der Niederschlagung der Wiener Revolution durch kaiserliche Truppen wurden J.F. Oncken und J. L. Hinrichs der österreichischen Hauptstadt verwiesen.

Das Ehepaar Wisotzky verzog nach Graz und begann dort mit einer weiteren Gemeindegründungsarbeit.

Verfolgungen

Edward Millard

Für die Wiener Baptistengemeinde, die sich zu dieser Zeit noch nicht konstituiert hatte, begann eine lange Zeit der Unterdrückung und Verfolgung, an der katholische Kirche und Staat Hand in Hand beteiligt waren.

Zwar erhielt 1850 der Baptist Edward Millard, ein Beauftragter der Britischen Bibel-Gesellschaft, von den österreichischen Staatsbehörden die Genehmigung, in Wien Bibeln und religiöse Schriften zu verbreiten. Doch bereits im Frühjahr 1851 wurde diese Genehmigung zurückgezogen. Während eines Gottesdienstes führte die Polizei eine Hausdurchsuchung durch, beschlagnahmte Bibeln und Bücher und verhängte über die Anwesenden Arreststrafen. Millard wurde aus Österreich ausgewiesen. Seine Bestände an Bibeln und Schriften wurden vernichtet.

In der Folgezeit war es bei Strafe verboten, öffentliche Versammlungen abzuhalten sowie das Abendmahl und die Taufe zu feiern. Kinder baptistischer Eltern wurden zwangsweise getauft.

Ein im Jahr 1867 verabschiedetes Gesetz, das die Glaubens- und Gewissensfreiheit in Österreich garantierte, kam nur den Mitgliedern der sogenannten anerkannten Religionsgemeinschaften zugute. Baptisten konnten sich auch nach Inkrafttreten des Gesetzes nicht legal zu Gottesdiensten versammeln. Dennoch wuchs die Gemeindearbeit.

Offizielle Gründung der Wiener Baptistengemeinde

Die Baptistengemeinde Wien konstituierte sich unter Federführung ihres Leiters Edward Millard und in Gegenwart Johann Gerhard Onckens, der auf der Rückreise von Südrussland und Südosteuropa in Wien Station machte, am 20. Dezember 1869. Ihre gottesdienstlichen Versammlungen fanden in der Wohnung des Ehepaars Millard statt. Der erste Evangelist der Gemeinde war der Prediger Bänziger. Ihm folgte der Prediger Hilzinger, der in dieser Funktion bis 1874 wirkte. Am 21. März 1879 wurde aufgrund eines Erlasses der kaiserlich-königlichen Statthalterei den Baptisten ein absolutes Versammlungsverbot erteilt, aber im Mai 1880 wieder rückgängig gemacht.

Gründung der Baptistengemeinde Graz

Für die Stadt Graz ist das Vorhandensein von Baptisten seit 1870 aktenkundig. Sie trafen sich zunächst in verschiedenen Wohnungen. Darunter war auch das Haus des bereits erwähnten Ehepaares Wisotzky.Im Jahr wuchs die Zahl der getauften Gemeindeglieder so stark an, dass sich 1882 in Graz eine eigenständige Gemeinde konstituierte und aus dem Gemeindeverband Wien entlassen wurde.

Weitere Entwicklungen

Die Verfolgungen, bei denen die Römisch-katholische Kirche und die staatlichen Organe zusammen wirkten, gingen jedoch weiter. Ein besonders schlimmes Beispiel dafür ist das Schicksal des baptistischen Bibelkolporteurs Carl Rauch, der 1874 an der Eisack bei Bozen von einigen durch die katholische Presse aufgehetzte Bauern ermordet und damit zu einem fast vergessenen Märtyrer der freikirchlichen Bewegung wurde. Am 13. Jänner 1875 fand man seine Leiche, schrecklich verstümmelt und nackt. Bibeln und Schriften, die er mit sich geführt hatte, fand man verbrannt, nicht weit vom Tatort entfernt. Auch in anderer Hinsicht erlebte die junge baptistische Bewegung Schikane und Behinderungen.

Am 3. Oktober 1885 trafen sich in Budapest zum ersten Mal siebzehn Abgeordnete aus fünf Baptistengemeinden Österreich-Ungarns, um eine eigenständige Vereinigung zu bilden. Diese fünf Gemeinden befanden sich in Wien, Budapest, Graz, Snjatin und Prag. Sie vertraten rund 870 gläubig getaufte Gemeindemitglieder und deren ca. 2100 Familienmitglieder und Freunde. Auf dieser Konferenz wurde Edward Millard zum Vorsitzenden gewählt. Diese Vereinigung wurde zur Keimzelle der heutigen nationalen Baptistenbünde in Österreich, Slowakei, Slowenien, Tschechien Ungarn und der Ukraine.

Erst 1921 war es möglich, über den Umweg eines eigens gegründeten Hülfsvereins ein Grundstück für einen geplanten Kapellenbau offiziell zu erwerben. Zahlreiche Anträge auf Anerkennung als Religionsgemeinschaft wurden von 1906 bis 1990 abschlägig beschieden. Erst 1998 bekamen mehrere Freikirchen das Recht, als eigenständige Rechtspersönlichkeit aufzutreten und zwar aufgrund einer Beschwerde der Adventisten beim Europäischen Gerichtshof. Noch vor dem Gerichtsentscheid erließ der österreichische Staat ein Gesetz für die Registrierung von Religiösen Bekenntnisgemeinschaften, das aber immer noch nicht die volle Anerkennung der Baptisten und anderer Freikirchen als Religionsgemeinschaft beinhaltet. Im Jahr 2009 hat der 1953 gegründete Bund der Baptistengemeinden in Österreich einen erneuten Antrag auf volle Anerkennung gestellt. Im Falle einer Ablehnung ist eine Beschwerde wegen Nichtgewährung der Religionsfreiheit in Aussicht gestellt worden.[1]

Organisation und Statistik

Wie alle Gemeinden dieser freikirchlichen Bewegung betonen auch die österreichischen Baptisten die Autonomie der Ortsgemeinde. Erst nach über 100jähriger Geschichte kam es 1953 zu einem Zusammenschluss als Bund der Baptistengemeinden in Österreich. Die Baptisten sind keine gesetzlich anerkannte Kirche. Rechtsverbindliche Geschäfte konnten sie nur durch einen Hilfsverein der Baptisten in Österreich abschließen. Seit Juli 1998 ist der Bund der Baptistengemeinden in Österreich eine staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft und damit eine rechtliche Persönlichkeit. Der Hilfsverein besteht weiter und ist seit 1996 Mitglied der evangelischen Diakonie Österreich.

Zum Bund der Baptisten gehören ungefähr 20 selbständige Gemeinden.[2] Mehr als ein Viertel der österreichischen Baptisten sind Mitglieder rumänisch-sprachiger Gemeinden.[3] Höher als die Zahl der Mitglieder (ca. 1400) ist die Zahl der Gottesdienstbesucher (ca. 1800).[4]

Die theologische Ausbildung der in Österreich aktiven vollzeitigen Mitarbeiter(innen) erfolgte an evangelisch-theologischen Fakultäten, an evangelikalen Seminaren sowie am Theologischen Seminar der Baptisten in Elstal bei Berlin, und am englisch-sprachigen International Baptist Theological Seminary in Prag.

Geleitet wird der Bund der Baptisten in Österreich von der Bundesleitung. Die Bundeszentrale, das sogenannte Bundesbüro, befindet sich in Wien-Krummgasse.

Arbeitszweige

Überregionale Angebote für junge Erwachsene, Jugendliche und Kinder hält das Kinder- und Jugendwerk österreichischer Baptisten bereit.

Ökumene

Die österreichischen Baptisten verstehen sich als Teil des weltweiten Leibes Christi. Ihre Gemeinden arbeiten in der Evangelischen Allianz und z.T. in der Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Gemeinden Österreichs[5] mit. Der Bund der Baptisten in Österreich ist "Mitglied mit beratender Stimme" (also nicht Vollmitglied) im Ökumenischen Rat der Kirchen Österreichs.[6]

Literatur

  • Joseph Lehmann: Geschichte der deutschen Baptisten. 2 Bände. Oncken, Cassel 1896–1900.
  • Rudolf Donat: Das wachsende Werk. Ausbreitung der deutschen Baptistengemeinden durch sechzig Jahre (1849 bis 1909). Oncken, Kassel 1960.
  • Franz Graf-Stuhlhofer (Hrsg.): Frisches Wasser auf dürres Land. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Bundes der Baptistengemeinden in Österreich. Oncken, Kassel 2005, ISBN 3-87939-203-X, (Baptismus-Studien 7).
  • Emanuel Wieser, Franz Graf-Stuhlhofer: Die Baptisten. Zahlreich in der Welt, kaum präsent in Österreich, in: Johann Hirnsperger, Christian Wessely, Alexander Bernhard (Hg.): Wege zum Heil? Religiöse Bekenntnisgemeinschaften in Österreich. Selbstdarstellung und theologische Reflexion, Styria: Graz u.a. 2001, S.25-42.
  • Franz Graf-Stuhlhofer: Baptisten und Österreicher - ein Widerspruch? In: Österreichisches Archiv für Recht und Religion 47 (2000) S.127-144.
  • Franz Graf-Stuhlhofer: Freikirchen in Österreich seit 1846. Zur Quellenlage und zu Methodenfragen, in: Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 124/125 (2008/09) 270-302.

Einzelnachweise

  1. Lars Heinrich / Helmut Rabenau: Einblick - Durchblick - Ausblick. 140 Jahre Baptisten in Österreich; in: Die Gemeinde. Glauben. Gemeinsam. Gestalten., 27/2009, S. 7
  2. Deutschsprachige Gemeinden befinden sich in Bad Ischl, Neusiedl am See, Graz, Innsbruck, Linz, Neulengbach, Salzburg, Steyr und Wien (6 Gemeinden).
  3. Rumänisch sprachige Gemeinden arbeiten an folgenden Orten: Graz, Grein, Kapfenberg, Krems, Linz und Wien (2 Gemeinden).
  4. Eine internationale Gemeinde, die International Baptist Church of Vienna, existiert in Wien und führt Gottesdienste vor allem in englischer Sprache durch.
  5. Arbeitsgemeinschaft evangelikaler Gemeinden Österreichs (ARGEGÖ)
  6. Ökumenischer Rat der Kirchen in Österreich (abgekürzt ÖRKÖ)

Siehe auch

Weblinks


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