Laroche, Sophie von

Laroche, Sophie von

Laroche, Sophie von, geborne Guttermann, die Tochter eines Arztes in Kaufbeuern, wo sie den 6. December 1750 geboren wurde, empfing ihre Erziehung in Augsburg, wohin ihr Vater als erster Stadtphysikus berufen ward. Man weckte früh ihren Sinn für das Schöne, indem man sie unter Blumen spielen ließ und sie aufmerksam auf die Reize der Natur machte; man zeigte und erklärte ihr Kupferstiche und Bilder und suchte ihren Geschmack zu berichtigen, ihr Gedächtniß zu üben und ihren Geist zu bereichern. Der Vater selbst lehrte ihr Geschichte und nahm sie in schonen Nächten mit auf den Altan seines Hauses, wo er ihr die Sternbilder erklärte. Die Mutter, eine fromme, liebevolle Frau, wachte über ihren übrigen Unterricht. 17 Jahr alt, machte sie die Bekanntschaft des Leibarztes vom Fürst-Bischof von Augsburg, Namens Bianconi. Dieser lehrte ihr Mathematik, die italienische Sprache, las mit ihr die Dichter seines Vaterlandes und verband damit die Geschichte der alten und neuen Künste von Rom und Griechenland. Sophie war sehr aufmerksam, um die Zufriedenheit eines Mannes zu verdienen, der ihrem Herzen theuer geworden war, der sie liebte und von dem sie das Glück ihrer Zukunft erwartete. So vergingen zwei glückliche Jahre, als ihre Mutter starb. Die Liebenden dachten jetzt daran, ihr längst geschlossenes Bündniß durch den Segen der Kirche zu heiligen. Allein Bianconi, ein eifriger Katholik, verlangte, daß alle Kinder, womit ihre Ehe gesegnet sein würde, katholisch erzogen werden sollten. Da der Vater dieß nicht zugab, so entstanden Mißhelligkeiten, welche damit endeten, daß die Bande wieder zerrissen wurden, die man eben bereit gewesen war, für die Ewigkeit zu knüpfen. Bianconi bestürmte Sophien jetzt, in eine heimliche Heirath zu willigen, aber sie konnte sich nicht entschließen, das Haus ihres Vaters ohne dessen Segen zu verlassen. Sie sah den Freund abreisen, der ihr so theuer war und dessen eifrigen und liebevollen Bemühungen sie so Vieles verdankte. Sie mußte, um jede Erinnerung an ihn zu vertilgen, ihrem Vater alle Briefe, Gedichte und selbst sein Bildniß bringen und vor seinen Augen verbrennen. Es konnte nicht fehlen, daß eine solche Härte ihren Zweck keineswegs erreichte. Sophiens Gemüth wurde durch sie erbittert, aber Bianconi's Andenken nicht verwischt. Auf ewig von dem geschieden, der sie geliebt und ihren Geist bereichert hatte, that sie das Gelübde, was er ihr gelehrt, in die verschwiegenste Tiefe ihres Innern zu verschließen. Sie hielt Wort, und als nach einigen Jahren ein geistreicher Mann, der kurmainzische Staatsrath von Laroche um ihre Hand warb, gab sie ihm um so williger dieselbe, da kurz vorher eine Verbinbung mit Wieland, der sie nicht abgeneigt gewesen wäre, aus mancherlei, aber nur edlen Beweggründen, gescheitert war. Nicht leidenschaftliche Liebe hatte den Bund ihrer Ehe geschlossen, aber Achtung und Wohlwollen, und redlich theilte sie mit L. Freud' und Leid bis an das Ende seines von manchen Stürmen bewegten Lebens. Da er 16 Jahr mit seiner Familie in der unmittelbaren Nähe des Grafen von Stadion lebte, so hatte Sophie Gelegenheit, den Ton der großen Welt kennen zu lernen und sich manche Kenntniß zu erwerben. Die prächtige Bibliothek des Grafen bot ihr Hilfsmittel aller Art, sich zu unterrichten, und die geistvollsten Männer damaliger Zeit wurden ihr in seinem Hause bekannt. Sophie zählte diese 16 Jahre zu den glücklichsten ihres Lebens. Da aber starb ihr großmüthiger Beschützer, und Umstände nöthigten Laroche, in kurtrier'sche Dienste zu gehen, wo er als Kanzler angestellt wurde. Mehrere Jahre verstrichen auch hier in angenehmen Verhältnissen, bis ihr Gatte aus Gründen, über die ein Schleier ruht, bewogen ward, aus dem Staatsdienste zu treten. Jetzt begann Sophiens literarisches Wirken. Ihr erstes Werk: »Geschichte des Fräuleins von Sternheim« war von Wieland, der bis zu ihrem Tode der treue Freund blieb, in die Welt eingeführt und mit Beifall aufgenommen worden. Mehrere Schriften, deren Zweck war, ihr Geschlecht zu belehren und zu bilden, folgten diesem ersten Versuche und erwarben sich durch das Wohlwollen und die einfache Natürlichkeit, womit sie geschrieben waren. ein zahlreiches Publikum. Auch eine Monatsschrift, Pomona, erhielt sich mehrere Jahre in der Gunst ihrer Leserinnen, und die Schilderungen ihrer Reisen nach England und Frankreich zogen durch eine, zwar oft etwas breit geschwätzige, aber doch treu auffassende Darstellungsgabe die Freunde an, die ihre Muse ihr erworben hatte. Nach dem Tode ihres Mannes hatte sie Offenbach zu ihrem Aufenthalte gewählt, wo sie in stets geistigem Verkehr. innig befreundet mit der Literatur und von ihren Kindern und Enkeln oft besucht, ihr Leben den 18. Februar 1807 im 77. Jahre beschloß. »Melusinens Sommerabende« sind ihre letzte Arbeit, und so wie Wieland ihr erstes Werk in die Welt einführte, eben so begleitete er auch ihr letztes, das kurz vor ihrem Tode erschien, mit einem Vorworte.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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