Margarethe von Valois, Schwester Franz I.

Margarethe von Valois, Schwester Franz I., geb. 1492, die Schwester des ritterlichen Königs Franz I. von Frankreich, Tochter Karl's von Orleans, Herzogs von Angoulème, hatte die ränkevolle Luise von Savoyen zur Mutter, und wurde in erster Ehe im Jahre 1509 mit Karl, letztem Herzoge von Alenuçon, Connetable von Frankreich, vermählt. Die Folgen der unglücklichen Schlacht von Pavia brachten ihrem Gemahle den Tod und König Franz in die Gewalt seiner Feinde. Der stolze Fürst, gebeugt von so viel Unglück, ward in Madrid gefährlich krank: da eilte Margarethe, den eigenen Schmerz vergessend, dorthin, um durch Pflege und Trost seine trübe Lage zu erleichtern. Seiner Hast entlassen und nach Paris zurückgekehrt, lohnte Franz ihre aufopfernde Treue durch die herzlichste Anerkennung und gewährte ihr nachmals bei Gelegenheit einer zweiten Vermählung mit Henri d'Albret bedeutende Vortheile. Segen begleitete die in Frankreich allgemein geliebte Fürstin in ihrem neuen vergrößerten Wirkungskreise, wo sie nur dem Wohle ihrer Unterthanen und den Wissenschaften lebte. In diese Zeit fällt auch die mächtige Unterstützung, welche die geistvolle Königin, wie später die edle Renata von Bourbon, den blutig verfolgten Protestanten angedeihen ließ. Ihr sanftes Frauenherz konnte sich nie mit den entsetzlichen Bekehrungsversuchen durch Mord und Brand befreunden. Mit liebendem Ernst leitete sie die Erziehung ihrer einzigen Tochter Johanna, nach den von ihr als rechterkannten Meinungen, und diese vererbte wiederum der herrlichen Mutter starke Seele und milde Tugend auf ihren Sohn, Heinrich IV., den großen Bearner, den der Weltengeist ausersehen hatte, die Fackel des Religionskrieges in dem unglücklichen Frankreich zu löschen. Unterdessen fanden mehrere der geächteten Theologen eine Zufluchtsstätte am Hofe von Navarra, und selbst den harten König Franz vermochte die Fürsprache der geliebten Schwester zuweilen zu gelindern Maßregeln. Margarethe machte ihre neugewonnenen Ansichten in einer kleinen Schrift, Miroir de l'àme pêcheresse, öffentlich bekannt, und vertheidigte diese standhaft, selbst als die Sorbonne das Buch als ketzerisch verdammte. Mit großer Leichtigkeit führte überhaupt Navarra's Königin die Feder, und noch besitzen wir mehrere Werke in Versen und Prosa von ihr. Die Liebe für die Dichtkunst, deren echte Priesterin sie war, erwarb ihr bei den Zeitgenossen den Namen der zehnten Muse: nachdem man sie ihrer Anmuth halber schon früher die vierte Grazie geheißen hatte. Doch weit mehr noch verdient Margarethe unsere Achtung durch ihre Tugenden als Königin und Frau zu einer Zeit, wo sie nur von bösen Beispielen umgeben war. Eine Sammlung Novellen, unter dem Titel, Heptameron oder les Nouvelles de la reine de Navarre, die sie verfaßte und von denen kürzlich wiederum neue Uebersetzungen erschienen, können leicht, da sie in dem mehr als leichtfertigen Tone des Boccaccio geschrieben sind, zu dem Urtheile verleiten, als sei Margarethe eine sittenlose Frau gewesen doch zu ihrer Entschuldigung sei bemerkt, daß in jenem rohen Zeitalter gar manches nur für witzig und spaßhaft galt, was wir jetzt als der Tugend und dem Anstande zuwider betrachten. Außerdem sammelte ihr Kammerdiener Jean de la Haye einige religiöse Komödien und andere Gedichte von ihr in einem Bande, der unter dem Namen les Marguerites de la Marguerite des Princesses bekannt wurde, sie aber, die wahre Perle unter den mit ihr zugleich lebenden Fürstinnen, verschied im Jahre 1549 auf dem Odos in Bigorre, nachdem verschiedenartiger Einfluß sie in den letzten Jahren ihres Lebens zur katholischen Religion zurück geführt hatte.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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