Gerhard Rohlfs (Afrikaforscher)
Gerhard Rohlfs

Gerhard Rohlfs (eigentlich Friedrich Gerhard Rohlfs; * 14. April 1831 in Vegesack, Freie Stadt Bremen; † 2. Juni 1896 in Rüngsdorf, Landkreis Bonn) war ein deutscher Afrikareisender und Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend und Ausbildung

Gerhard Rohlfs wurde als dritter Sohn eines Landarztes geboren. Der körperlich sehr schwach konstituierte Junge erwies sich in seiner Jugend als schwacher Schüler, der es ablehnte, den von den Eltern vorgegebenen Berufsweg als Mediziner einzuschlagen. Im Alter von 17 Jahren verließ er das Gymnasium in Celle und trat zunächst in das Bremische Füsilier-Bataillon und anschließend als Unteroffizier in die schleswig-holsteinische Armee ein. In der Schlacht bei Idstedt im Juli 1850 wurde Rohlfs wegen besonderer Tapferkeit noch auf dem Schlachtfeld zum Leutnant befördert. Die Niederlage im Krieg gegen Dänemark führte jedoch bald danach zur Auflösung der Armee.

Rohlfs begann 1850 ein Medizinstudium in Heidelberg, Würzburg und Göttingen, brach es nach einigen Semestern jedoch bald ab.

Soldat, Legionär, Abenteurer

Rohlfs meldete sich zur österreichischen Armee. Auch dort hielt es ihn nicht lange, er desertierte und ging schließlich als Fremdenlegionär nach Algerien, wo er 1856 bis 1860 als Truppenapotheker und als Feldscher an französischen Feldzügen teilnahm. Nach seinem Abschied aus der Legion bereiste Rohlfs, als Muslim und Wanderarzt getarnt, Algerien und Marokko. Er wurde Leibarzt des marokkanischen Sultans Sidi Muhammad IV. in Fès, aber auch diese Anstellung konnte ihn nur kurzzeitig befriedigen.

Afrikaforscher

Sein größter Wunsch war es, nach der in Europa legendären Oase Timbuktu zu reisen. Er überquerte den bis dahin in Europa unbekannten Anti-Atlas, wurde dann aber überfallen und lebensgefährlich verwundet. Nach der Wiedergenesung unternahm er einen weiteren Versuch, Timbuktu zu erreichen. Er gelangte als erster Europäer in die Oasen von Tafilet, Tuat und Tidikelt. In In Salah, dem Hauptort der Tidikelt-Oasen, galt Rohlfs als französischer Spion. Dies zwang ihn dazu, seine Pläne aufzugeben und über Ghadames an die Mittelmeerküste nach Tripolis zurückzukehren.

Im Januar 1865 kehrte Rohlfs nach Deutschland zurück, das er fast zehn Jahre zuvor verlassen hatte. Der Gothaer Kartograph August Petermann redigierte und überarbeitete Rohlfs Reisenotizen nach wissenschaftlichen Kriterien. Als besonderer Förderer ermöglichte er dem einstigen Aussteiger den gesellschaftlichen Wiedereinstieg als angesehener Forschungsreisender.

Nach nur wenigen Monaten Aufenthalt in Europa ging Rohlfs, nun als offiziell unterstützter Forschungsreisender, erneut nach Tripolis, um von dort (Abreise im Mai 1865) das Hoggar-Massiv zu erforschen und dann nach Timbuktu weiterzuziehen. Aber schon in Ghadames musste er seine Marschrichtung wegen des feindlichen Verhaltens der Tuareg ändern. Er zog anschließend über Murzuk im Fessan und Bilma im Kaouar-Tal am Tschad-See vorbei nach Kuka, der Hauptstadt des Reiches Bornu. Mit Unterstützung des Sultans von Bornu gelangte er von dort an den Benue, den er bis zur Einmündung in den Niger bei Lokoja befuhr. Über Ilorin und Ibadan erreichte er im Mai 1867 Lagos am Golf von Guinea.

Rohlfs hatte damit nicht nur als einer der ersten Europäer die gesamte Sahara durchquert, seine Reise vom Mittelmeer an die westafrikanische Küste wurde zudem als die zweite europäische Afrikadurchquerung überhaupt gefeiert. Dies war zuvor nur dem Engländer David Livingstone geglückt.

Preußischer Beobachter in Afrika

Der zunehmende Ruhm öffnete Rohlfs anschließend auch im politischen Bereich viele Türen. 1867/68 nahm er als Dolmetscher im Auftrag des Königs von Preußen an der britischen Strafexpedition in Abessinien teil. Noch im selben Jahr führte ihn eine, ebenfalls vom preußischen Königshaus unterstützte Expedition in die Cyrenaika. Rohlfs wollte von dort aus in die Kufra-Oasen gelangen, die zuvor noch kein Europäer erfolgreich bereist hatte. Die feindselige Einflussnahme der Senussi, die in ihm einen osmanischen Agenten sahen, machte es ihm aber unmöglich, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Rohlfs musste seine Pläne ändern und reiste zur Oase Siwa weiter. Bei dieser Expedition wurde Rohlfs auch von einem Fotografen begleitet, so dass viele der dortigen historischen Stätten erstmalig dokumentiert werden konnten.

Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 reiste Rohlfs als preußischer Agent nach Tunesien, um von dort aus algerische Berberstämme zum Aufstand gegen Frankreich zu ermutigen. Seine Mission scheiterte, da die französische Abwehr früh von seinen Absichten erfuhr.[1]

Expeditionen in Nordafrika

Grab auf dem Vegesacker Friedhof in Bremen

Seine wissenschaftlich wahrscheinlich bedeutsamste Expedition führte Rohlfs in den Jahren 1873 und 1874 im Auftrag des ägyptischen Khediven Ismail Pascha durch. Von Ägypten aus wollte Rohlfs nach Kufra vorstoßen, aber auch dieses Mal verhinderte die Einflussnahme der Senussi, dass er geeignete Führer fand. Erneut musste Rohlfs seine Pläne ändern und nach Siwa abdrehen.

1878 führte Rohlfs im Auftrag der Afrikanischen Gesellschaft von Tripolis aus eine weitere Expedition durch. Durch die massive Unterstützung der osmanischen Regierung gelang es ihm dieses Mal tatsächlich, als erster Europäer nach Kufra zu gelangen. Dort aber wurde die Karawane überfallen und ausgeraubt, Rohlfs musste daraufhin die Rückreise antreten.

1880 reiste Rohlfs als Gesandter des preußischen Königs an den Hof des Königs Johannes von Abessinien. 1884/1885 stand er für einige Monate im Reichsdienst als Generalkonsul auf Sansibar, zeigte dabei aber nur wenig diplomatisches Geschick.

Gerhard Rohlfs starb am 2. Juni 1896 in Rüngsdorf bei Bad Godesberg. Er wurde auf dem Vegesacker Friedhof in Bremen beigesetzt (Lage: 53° 10′ 43,96″ N, 8° 35′ 50,87″ O53.1788777777788.5974638888889).

Auszeichnungen

  • 1865 Große Goldene Medaille der Pariser Geographischen Gesellschaft
  • 1867 Ehrung durch die Royal Geographical Society, London
  • 1867 Preußischer Kronen-Orden III. Klasse
  • 1870 Ernennung zum Preußischen Hofrat
  • 1870 Korrespondierendes Mitglied an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • 1871 Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Universität Jena

Nachruhm

Denkmal

Gerhard-Rohlfs-Denkmal in Bremen Vegesack

* Thieme-Beckers Künstlerlexikon nennt den sächsischen Bildhauer Walter Hauschild als den Schöpfer eines Denkmals für den Afrikaforscher Gerhard Rohlfs in Vegesack,[2] das, gestaltet vom Bildhauer Paul Halbhuber, seit 1961 im Fährgrund an der Schulkenstraße steht.

Werke

  • Reise durch Marokko, Übersteigung des großen Atlas. Exploration der Oasen von Tafilelt, Tuat und Tidikelt und Reise durch die große Wüste über Rhadames nach Tripolis. Norden 1868.
  • Im Auftrage Sr. Majestät des Königs von Preußen mit dem Englischen Expeditionskorps in Abessinien. Bremen 1869.
  • Land und Volk in Afrika. Bremen 1870.
  • Von Tripolis nach Alexandria. (Bd. 2) Band 1–2. Norden 1871.
  • Mein erster Aufenthalt in Marokko und Reise vom Atlas durch die Oasen Draa und Tafilelt. Bremen 1873.
  • Quer durch Afrika. Reise vom Mittelmeer nach dem Tschad-See und zum Golf von Guinea. Band 1 und 2. Leipzig 1874–1875.
  • Drei Monate in der libyschen Wüste. Cassel 1875.
  • Beiträge zur Entdeckung und Erforschung Afrikas. Berichte aus den Jahren 1870–1875. Leipzig 1876.
  • Kufra. Reise von Tripolis nach der Oase Kufra, ausgeführt im Auftrage der afrikanischen Gesellschaft in Deutschland. Leipzig 1881.
  • Neue Beiträge zur Entdeckung und Erforschung Afrikas. Cassel 1881.
  • Expedition zur Erforschung der Libyschen Wüste unter den Auspizien Sr. H. d. Chedive von Ägypten im Winter 1874/1875 ausgeführt. Cassel 1883.
  • Meine Mission nach Abessinien. Auf Befehl Sr. Maj. des deutschen Kaisers, im Winter 1880/1881 unternommen. Leipzig 1883.
  • Angra Pequena. Leipzig 1884.
  • Quid novi ex Africa. Kassel 1886.

Rezeption

  • Wolfgang Genschorek: Im Alleingang durch die Wüste. Das Forscherleben des Gerhard Rohlfs. 1990, ISBN 3-325-00263-3
  • Horst Gnettner: Der Bremer Afrikaforscher Gerhard Rohlfs. Vom Aussteiger zum Generalkonsul. Eine Biographie. edition lumière, Bremen, 2005, ISBN 3-934686-33-8
  • Konrad Guenther (1912): Gerhard Rohlfs – Lebensbild eines Afrikaforschers. Mit einem Anhang von Rudolph Said-Ruete. 352 S., 70 Abb. auf 45 Tafeln und einer Karte. 1. Aufl. Fehsenfeld Freiburg.
  • Viktor HantzschRohlfs, Gerhard Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 53, Duncker & Humblot, Leipzig 1907, S. 440–449.
  • Rainer-K. Langner: Das Geheimnis der großen Wüste. Auf den Spuren des Saharaforschers Gerhard Rohlfs. Frankfurt am Main, 2004, ISBN 3-10-043930-9
  • Hans-Otto Meissner: Durch die sengende Glut der Sahara. Die Abenteuer des Gerhard Rohlfs; Stuttgart (Cotta) 1967; Neuauflage: Stuttgart (Klett) 1982; ISBN 3-12-920033-9
  • Wilfried Schroeder zu Gerhard Rohlfs; zahlreiche Aufsätze in dem BLV, 1994-1999
  • Gerhard H. Müller: Rohlfs, Gerhard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, S. 767 f.

Einzelnachweise

  1. Peter Heine: Das Rohlfs/Wetzstein-Unternehmen in Tunis während des deutsch-französischen Krieges 1870/71. In: Die Welt des Islams 22 (1982), S. 61-66.
  2. Walter Hauschild. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 16, E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 138

Weblinks

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