Martinique
Martinique
Flag of France.svg
Flagge Martiniques
Wappen von Martinique
Wappen Martiniques
Basisdaten
Amtssprache Französisch
Hauptort Fort-de-France
Fläche 1.128 km²
Einwohnerzahl 397.730 (1. Januar 2007)[1]
Bevölkerungsdichte 353 Einwohner pro km²
Arrondissements 4
Kantone 45
Gemeinden 34
Präfekt Laurent Prévost
Präsident des Regionalrates Alfred Marie-Jeanne
Präsident des Generalrates Claude Lise
Währung Euro
Zeitzone UTC-4

(Unterschied zu MEZ (bzw. MESZ) im Winter -5, im Sommer -6)

Internet-TLD .mq
Vorwahl +596
Karten
Martinique in der Karibik
Martinique-Karte.png
Martinique von der ISS aus fotografiert

Martinique [maʀtiˈnik] (Martinique-Kreolisch Matinik oder Matnik) ist eine Insel in der Karibik und gehört zu den kleinen Antillen - genauer gesagt zu den Inseln über dem Winde. Sie ist ein französisches Überseedépartement und eine französische Überseeregion.

In der Sprache der Ureinwohner wurde die Insel Madinina (Blumeninsel) genannt, diese Bezeichnung wird auch heute noch oft von den Einheimischen verwendet.

Martinique ist ein vollintegrierter Teil des französischen Staates und damit auch Teil der Europäischen Union.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Martinique liegt zwischen dem karibischen Meer und dem Atlantischen Ozean 25 km südlich von Dominica und 37 km nördlich von St. Lucia. Sie liegt ungefähr 6.850 km von Paris und 3.150 km von New York entfernt sowie 440 km vor der Küste Venezuelas.

Die Insel hat eine Länge von 73 km und eine Breite von 39 km. Die Küstenlinie ist zirka 350 km lang. Die Insel ist bergig. Im Norden der Insel liegt der Vulkan Montagne Pelée, der eine Höhe von 1.397 m hat.

Siehe auch: Liste der Berge auf Martinique

9,43 % der Landfläche der Insel ist verstädtert. Landwirtschaft wird auf 11,32 % der Fläche betrieben.

Klima

Das Klima ist tropisch und die Regenzeit dauert von Juni bis Oktober. Der Norden ist feucht mit einer üppigen Vegetation. Im Süden ist das Klima trockener, dort befinden sich auch die meisten touristischen Ziele. Die mittleren Lufttemperaturen liegen im Januar und Februar zwischen min. 21° C und max. 27° C, im August und September zwischen min. 24° C und max. 30° C. Die Monate Juni bis November zeichnen sich durch hohe Luftfeuchtigkeit aus. Der Februar hat im Mittel 12 Regentage, der Juli 22.

Die Wassertemperatur kann im Juli bis Oktober 28° C überschreiten und liegt auch im Februar nicht unter 26° C.

Zwischen Juni und November können Wirbelstürme auftreten.

Klimadiagramm von Fort-de-France 1941–1970
Klimadiagramm von Le Lamentin 1961–1990


Bevölkerung

Die Bevölkerung ist zu ca. 80 % afrikanischer Herkunft. 15% der Bewohner sind indischer oder afro-indischer Herkunft (in Martinique "coolies" genannt), überwiegend im Osten der Insel. Etwa 5% der Einwohner Martiniques sind europäischer Abstammung. Zu dieser Gruppe gehören die auf Martinique geborenen Weißen, die von der kolonialen Oberschicht abstammen und Béké genannt werden. Sie lassen sich auf etwa 30 Familien zurückführen. Alle auf Martinique geborenen Menschen, sowohl Weiße als auch Schwarze, werden Kreolen genannt. Daneben leben europäische Zuwanderer aus der Metropole (Frankreich) und nach Martinique entsandte französische Staatsbeamte auf der Insel. Aufgrund des im regionalen Vergleich sehr hohen Lebensstandards zieht Martinique - wie die anderen französischen Départements Guadeloupe und Französisch-Guayana - auch Zuwanderer aus der Region an, vor allem aus Haiti.

85 % der Bevölkerung sind römisch-katholisch, 10,5 % protestantisch (hauptsächlich Adventisten). Je 0,5 % bekennen sich zum Islam und zum Hinduismus.

Die offizielle Sprache ist Französisch. Die Muttersprache der Mehrheit der Bevölkerung ist das Martinique-Kreolische, eine französische Kreolsprache.

Geschichte

Ehemaliges Rathaus von Fort-de-France

Erste Besiedlungen können bis 4.000 v. Chr. nachgewiesen werden. Etwa um 100 v. Chr. besiedelten die Arawak vom Orinokogebiet in Venezuela ausgehend die Insel. Im 10. Jahrhundert folgten die Kariben. Als erster Europäer entdeckte Christoph Kolumbus Martinique am 15. Juni 1502 auf seiner vierten Reise für Europa. Er ging bei der heutigen Gemeinde Carbet an Land. Die Insel wurde 1635 von Frankreich durch Pierre Belain d'Esnambuc im Namen der von Richelieu gegründeten „Compagnie des Isles d'Amerique“ kolonialisiert und blieb seitdem bis auf drei kurze Perioden fremder Besatzung in französischem Besitz. Im Jahre 1648 ging die „Companie des Isles d'Amerique“ in Konkurs, daraufhin wurde die Insel an Jaques Dyel du Parquet, Neffe von Pierre Belain d'Esnambuc verkauft. Er gründete Fort-de-France und ließ zum ersten Mal Zuckerrohr anpflanzen, was zu einem ersten wirtschaftlichen Aufschwung führte. Um 1660 war fast die gesamte einheimische Bevölkerung ausgerottet.

Durch die Gründung der Französischen Ostindienkompanie durch Jean-Baptiste Colbert im Jahr 1664 wurde Martinique Besitz der französischen Krone. Während des Zweiten Englisch-Niederländischen Krieges war Frankreich mit den Niederlanden verbündet - eine englische Flotte griff wiederholt französische Siedlungen auf Martinique an und besiegte am 6. Juli bei Saint-Pierre ein französisches Geschwader.[2] Im Dritten Englisch-Niederländischen Krieg, in dem Frankreich nun mit England gegen die Niederlande kämpfte, wurde Martinique am 16. Juli 1674 durch die Flotte des holländischen Admirals Michiel de Ruyter angegriffen.

1685 wurde der sogenannte Code Noir verabschiedet, der die Sklaverei in den französischen Kolonien bestätigte. Im Jahr 1694 traf der Dominikaner Père Labat ein. Er war Missionar, Ethnologe und Schriftsteller; er führte die Windmühlen ein und verbesserte die Rumdestillation.

Von 1762 bis 1763 war Martinique durch die Briten besetzt. Am 23. Juni 1763 wurde Joséphine, geb. Tascher, die spätere Gattin Napoleons, in Trois-Îlets bei Fort-de-France auf Martinique geboren. Ihre Eltern betrieben dort eine Zuckerrohrplantage, die noch heute als Museum zu besichtigen ist. Auf dem Zentralplatz von Fort-de-France steht eine kleine Statue von Joséphine, allerdings seit 1991 ohne Kopf, da sie bei der Bevölkerung wegen der erneuten Einführung der Sklaverei auf Martinique unbeliebt ist.

Kokospalme auf Martinique

Im Jahr 1783 gab es ca. 60.000 Sklaven. Von 1787 bis 1802 entflammte ein Bürgerkrieg wegen Konflikten zwischen Plantagenbesitzern und Händlern, es gab einen Sklavenaufstand. 1794 stimmte die französische Konvention im Geiste der französischen Revolution für die Abschaffung der Sklaverei. Dieser Beschluss hielt aber nicht lange, denn Napoleon führte 1802 die Sklaverei wieder ein. Am 22. Mai 1848 wurde die Sklaverei endgültig aufgehoben. Victor Schoelcher spielte hierbei eine wichtige Rolle. Wegen Knappheit an Arbeitskräften auf den Plantagen wurden ab dieser Zeit Inder und Chinesen dort beschäftigt.

Am 8. Mai 1902 brach der Vulkan Mt. Pelée aus. Ein pyroklastischer Strom hatte mehr als 30.000 Tote zur Folge. In Saint-Pierre überlebten lediglich ein Schuhmacher und ein Gefängnisinsasse. Die Stadt war damals, wegen der guten Reede, die wirtschaftlich bedeutendste von Martinique. Im Jahr 1946 wurde Martinique zu einem der französischen Überseedépartements (Départements d'Outre-Mer / DOM), die politisch als Teil des Mutterlandes gelten. Martinique erhielt vier Abgeordnete und zwei Senatoren. Ein Jahr später, 1974, wurde Martinique eine Région, ein Parallelstatus zum DOM. 1983 wurde durch die Dezentralisation der Regionalrat eingeführt. 1958 gab es Autonomiebewegungen. Im Jahr 1999 wurde die Banane aus Martinique Anlass eines „Handelskriegs“ zwischen den USA und Europa. 2003 wurde der Doppelstatus als Region und Department (DOM) bestätigt.

Wie auf Guadeloupe kam es 2009 auch auf Martinique zu einem Generalstreik. Er begann am 5. Februar und ging im März zu Ende. Auslöser waren die hohen Lebenshaltungskosten. Gegner der Streikenden waren die „békés“, die Nachfahren der früheren weißen Sklavenhalter, die die Inseln ökonomisch noch immer weitgehend dominieren. Die Streikenden konnten höhere Löhne durchsetzen.[3] Die Zusagen wurden allerdings zum Teil nicht eingehalten.[4]

Bei einer vom französischen Staat initiierten Volksabstimmung über mehr Autonomie des Départements vom 10. Januar 2010 stimmten 79 Prozent der Abstimmenden dagegen.[5]

Politik

Martinique ist eine französische Überseeregion und ein französisches Überseedépartement.

Region und Département sind als Gebietskörperschaften für dasselbe Territorium zuständig, haben jedoch getrennte Institutionen - den Regionalrat bzw. den Generalrat (Conseil général) des Départements mit 45 Abgeordneten -, die ihre jeweiligen Kompetenzen unabhängig voneinander wahrnehmen.

Als Vertreter der Zentralregierung fungiert der Präfekt. Martinique entsendet vier Vertreter in die französische Nationalversammlung und zwei in den Senat.

Als vollintegrierter Teil des französischen Staates ist Martinique auch Teil der Europäischen Union. Der Euro ist wie im französischen Kernland das gesetzliche Zahlungsmittel.

Siehe auch: Liste der Präsidenten des Regionalrates von Martinique seit 1983

Verwaltungsgliederung

Lage der Arrondissements
Arrondissement Einwohner
(2007)
Fläche
(km²)
Bev.dichte Kantone Gemeinden
Fort-de-France 167.961 171 982 16 4
Le Marin 119.269 409 292 13 12
Saint-Pierre 23.796 210 113 5 8
La Trinité 86.704 338 257 11 10

Siehe auch: Liste der Gemeinden auf Martinique, Liste der Kantone auf Martinique

Infrastruktur

Auf der Insel gibt es den Aéroport International Martinique Aimé Césaire in Lamentin (IATA-Flughafencode: FDF). Die Flugdauer von Paris-Orly nach Martinique beträgt hin ca. 8 Stunden 30 Min und zurück ca. 8 Stunden. Weitere Direktflugverbindungen gibt es von bzw. nach San Juan (Puerto Rico, American Eagle), Santo Domingo (Dominikanische Republik), St. Lucia, Guadeloupe, Cayenne (Franz. Guyana) und saisonal nach Montreal (Canada), Isla Magarita (Venezuela), Panama, Havanna (Kuba) und Marseille.

Das Straßennetz ist hervorragend und zum Teil vierspurig ausgebaut. Einige Nebenstraßen sind sehr kurvig mit teilweise starken Steigungen, so dass die erreichbaren Durchschnittsgeschwindigkeiten relativ niedrig sind, zumal regelmäßig auch Stauungen auftreten.

Auf Martinique gibt es keine Eisenbahn.

Regelmäßige Fähren verbinden Martinique mit St. Lucia, Dominica und Guadeloupe.

Wirtschaft

Für das Jahr 2005 weist EUROSTAT 397.500 Einwohner und ein Bruttoinlandsprodukt von 7,336 Mrd. € für Martinique aus. Dies entspricht 18.455,- € pro Einwohner. [6]

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Martinique betrug 1995 4,48 Mrd. € und damit 11.990 € pro Einwohner (Frankreich 19.360 €). Damit hat Martinique das höchste BIP aller vier französischer Überseedepartemente und aller karibischer Staaten. Im Vergleich mit dem BIP der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht Martinique einen Index von 73,4 (EU-25:100) (2003). [7]

7,6 Prozent der Beschäftigten sind im primären Bereich, 17,5 im sekundären und 74,9 im tertiären Bereich beschäftigt.

Bananen tragen zu 40 % der Exporterlöse bei und sind damit das wichtigste Exportgut. 80% der in der Landwirtschaft Beschäftigten sind im Anbau von Bananen tätig. Rohrzucker, Rum, Ananas sind weitere wichtige landwirtschaftliche Produkte.

Der sekundäre Bereich wird hauptsächlich durch zwei Unternehmen abgedeckt, den französischen Stromkonzern Electricité de France und die Société Anonyme de la Raffinerie des Antilles.

Der tertiäre Bereich besteht hauptsächlich aus Handel und Tourismusindustrie. Der Tourismus trägt zu 7 % des BIP bei. Circa 80,1 % der Touristen kommen aus Frankreich, 5,0 % aus Europa (ohne Frankreich), 10,4 % aus der Karibik, 3,1 % aus den USA und der Rest (1,4 %) aus dem Rest der Welt.

Söhne und Töchter von Martinique

Weblinks

 Commons: Martinique – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Martinique – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Populations légales 2007
  2. [1] D. Marley: Wars of the Americas, S.167
  3. Bernard Schmid, Aufruhr in den französischen „Überseegebieten“, Artikel vom 12. März 2009 (abgerufen am 15. September 2009)
  4. Bernhard Schmid: Arm, aber autonom, jungle world 16. Juli 2009 (abgerufen am 15. September 2009)
  5. tagesschau.de: Referenden in Überseedepartements Guayana und Martinique gegen mehr Autonomie (nicht mehr online verfügbar) (Zugriff am 11. Januar 2010)
  6. EUROSTAT
  7. [2]

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