Araber in der Türkei
Ein alter Araber in Şanlıurfa

Die Araber in der Türkei (arabisch ‏العرب في تركيا‎, türkisch Türkiye Arapları) stellen mit 1,1 bis 2,4 Prozent der türkischen Gesamtbevölkerung (ca. 800.000[1]) eine der größten ethnischen Minderheiten in der Türkei dar. Die große Mehrheit der Araber in der Türkei spricht Arabisch in einem syrischen, libanesischen oder irakischen Dialekt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Araber leben schon seit Jahrhunderten in Südostanatolien. Mitte des 7. Jahrhunderts eroberten die Araber Südostanatolien und Nordmesopotamien. Der letzte Umayyaden-Kalif Marwan II. erhob sogar Harran um 745 zu seiner Residenz. Nach der Expansion wurden viele arabische Familien von der arabischen Halbinsel nach Südostanatolien und Nordmesopotamien um Harran (‏حران‎ / Ḥarrān), Cizre (‏جزيرة ابن عمر‎ / Dschazīrat), Siirt (‏سِعِرْد‎ / Siʿred) und Şanlıurfa (‏الرها‎ / ar-Ruhā) umgesiedelt.[2]

Beim Militärputsch 1980 wurden die Angehörigen der Landbevölkerung vielfach durch die türkischen Streitkräfte, gezwungen, sich als so genannte Dorfschützer zu betätigen und dafür Waffen anzunehmen. Wer keine Waffen akzeptierte, hatte die Wahl, entweder das Dorf zu verlassen oder verhaftet zu werden. Dagegen zeigten die Araber weniger Widerstand als die Kurden. Viele von ihnen akzeptierten Waffen, einige wanderten jedoch auch aus – insbesondere in den Libanon, in dem heute noch 50.000 arabischsprachige Mhallami aus der Provinz Mardin leben. Andere gingen als Asylbewerber in die westeuropäischen Länder, vor allem nach Deutschland.

Siedlungsgebiet

Das Siedlungsgebiet der Araber im Süden und Südosten der Türkei

Araber leben hauptsächlich im Süden und Südosten der Türkei an der Grenze zu Syrien und Irak, in den Provinzen Adana, Batman, Bitlis, Gaziantep, Hatay, Mardin, Mersin, Muş, Siirt, Şanlıurfa und Şırnak. Dazu kommt die Diaspora-Gemeinde in der Metropole Istanbul, in der mit 87.983 Personen, etwa 0,7% der Istanbuler Gesamtbevölkerung, eine große arabische Community besteht.[3] Weitere Diaspora-Gemeinden bestehen in den Großstädten Adana und Mersin.

Heute leben knapp ein Viertel der Araber in der Provinz Hatay. In den Landkreisen Altınözü, Samandağ, Yayladağı, stellen die Araber die absolute Mehrheit der Bevölkerung und in Antakya, Iskenderun, Kumlu und Reyhanlı sind sie mit den Türken etwa im gleichen Verhältnis. In den Provinzen Adana und Mersin leben die Araber vor allem in den Dörfern in den Landkreisen Karataş und Yumurtalık beziehungsweise Tarsus, die nicht weit vom Mittelmeer entfernt sind. In der Provinz Gaziantep leben die Araber ausschließlich im Landkreis Karkamış, dort leben sie neben Türken sowie einigen Kurden. In der Provinz Şanlıurfa bilden sie in den Landkreisen Akçakale und Harran die absolute Mehrheit. In Birecik, Ceylanpınar und Suruç leben die Araber vor allem in den Dörfern an der Grenze zu Syrien sowie in den umliegenden Dörfern von Şanlıurfa. In der Provinz Mardin stellen die Araber etwa 15% der Bevölkerung, viele von ihnen sind arabischsprachige Mhallami. Dort leben sie neben Kurden und einigen Aramäern vorwiegend in den Landkreisen Mardin, Midyat, Ömerli, Savur und Yeşilli. In Idil, einem Landkreis der Provinz Şırnak, sind die Araber eine kleine Minderheit sowie in der Stadt Siirt auch. Des Weiteren gibt es vereinzelte Dörfer im Landkreis Hasköy der Provinz Muş, in den Landkreisen Kozluk und Sason der Provinz Batman sowie in den Landkreisen Güroymak und Mutki der Provinz Bitlis, die überwiegend zum arabischen Bidri-Aşiret gehören. Zum Bidri-Aşiret, der etliche Unterzweige wie Babil, Rasul, Şigo und Said hat, gehören insgesamt knapp 100.000 Angehörige.[4]

Religionen

Die Araber in der Türkei gliedern sich in drei Religionsgruppen, d. h. in Sunniten, Alawiten und Christen. Die sunnitischen Araber bilden die größte Gruppe innerhalb dieser Ethnie. Sie leben vornehmlich in Batman, Bitlis, Gaziantep, Hatay, Mardin, Muş, Siirt, Şanlıurfa und Şırnak. Die sunnitischen Araber gehören, anders als der Großteil der sunnitischen Muslime in der Türkei, der schafiitischen Rechtsschule an. Der Großteil der 300.000 bis 350.000 alawitischen Araber[5], die fälschlicherweise mit den türkischen und kurdischen Aleviten gleichgesetzt werden, leben in den Provinzen Adana, Hatay und Mersin. Religionsgeschichtlich stellen die Alawiten eine ultra-schiitische Sekte dar, die vermutlich aus der Fünfer-Schia hervorging und nicht etwa eine Abspaltung der 12er Schia darstellen. Der Glauben ist unter anderem auch von gnostischen Elementen und Messianismus geprägt. Ali werden göttliche Eigenschaften zugeschrieben bzw. als Imanation Gottes aufgefasst. Die ca. 18.000 christlichen Araber[6] leben in der Mehrzahl in der Provinz Hatay, in den Städten Antakya und Iskenderun sowie im Dorf Tokaçlı. Sie gehören der griechisch-orthodoxen Kirche von Antiochien an, eine Gemeinschaft mit eigenem Patriarchat und mit Arabisch als Liturgiesprache. Die Eigenbezeichnung lautet Nasrani und sie bilden eine besondere Gruppe innerhalb der Christen in der Türkei.

Bekannte Araber

(* = väterlicherseits arabischer Abstammung)

Aus dem Seldschukischen bzw. Osmanischen Reich

Aus der Republik Türkei

Siehe auch

Literatur

  • Dalal Arsuzi-Elamir: Arabischer Nationalismus in Syrien. Zaki al-Arsuzi und die arabisch-nationale Bewegung an der Peripherie Alexandretta/Antakya 1930–1938. Lit, Münster 2002, ISBN 3-8258-5917-7.
  • Otto Jastrow: Die mesopotamisch-arabischen qeltu- Dialekte II. Volkskundliche Texte in elf Dialekten. Steiner, Stuttgart 1998, ISBN 3-515-03389-0.

Weblinks

 Commons: Araber in der Türkei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ali Tayyar Önder: Türkiye'nin etnik yapısı: Halkımızın kökenleri ve gerçekler. Kripto Kitaplar, Istanbul 2008, ISBN 605-4125-03-6, S. 103. (Türkisch)
  2. Orhan Koloğlu: Bedevi, Lavrens, Arap, Türk. Arba, 1993, S. 88–90. (Türkisch)
  3. Die Bevölkerungsgruppen in Istanbul (türkisch)
  4. Ali Tayyar Önder: Türkiye'nin etnik yapısı: Halkımızın kökenleri ve gerçekler. Kripto Kitaplar, Istanbul 2008, ISBN 605-4125-03-6, S. 205–211. (Türkisch)
  5. Die Nusairier weltweit und in der Türkei (türkisch)
  6. Christen in der islamischen Welt – Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 26/2008)
  7. HABERVITRINI: Was wir über Emine Erdoğan nicht wissen!.. (türkisch)

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