Berlin-Lichterfelde

Lichterfelde
Ortsteil von Berlin

Berlin Brandenburg Wannsee Nikolassee Zehlendorf Dahlem Steglitz Lankwitz LichterfeldeLichterfelde auf der Karte von Steglitz-Zehlendorf
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Koordinaten 52° 26′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O52.43333333333313.316666666667Koordinaten: 52° 26′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O
Fläche 18,2 km²
Einwohner 79.737 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 4376 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12203, 12205, 12207, 12209, 14167
Ortsteilnummer 0602
Gliederung
Verwaltungsbezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortslagen

Lichterfelde ist ein Ortsteil im Bezirk Steglitz-Zehlendorf von Berlin. Lichterfelde liegt südlich des Ortsteils Dahlem, grenzt im Osten an Steglitz und nach Westen an Zehlendorf. Lichterfelde unterteilt sich in die Ortslagen Giesensdorf und Lichterfelde Süd sowie die beiden Villenkolonien Lichterfelde West und Lichterfelde Ost, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um das alte Dorf und das Rittergut Lichterfelde entstanden. Das um 1900 entwickelte Wappen von Lichterfelde zeigt drei Lichter (Kerzen), die die drei Bestandteile des heutigen Ortsteils symbolisieren, die Dörfer, die alten Stadtteile und die Villenkolonien.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Dorf Lichtervelde wurde im 13. Jahrhundert wohl von flämischen Ansiedlern gegründet. Lichterfelde erfuhr eine starke Bevölkerungsveränderung und -zunahme mit Entwicklung der Villenkolonien Lichterfelde West und Lichterfelde Ost nach 1860. 1882 wurden die einzelnen Siedlungen zu Groß-Lichterfelde vereinigt. Bei der großen Stadterweiterung von 1920 wurde Groß-Lichterfelde nach Groß-Berlin eingemeindet und Ortsteil des damaligen Bezirks Steglitz, der während der Teilung Berlins zum US-amerikanischen Sektor gehörte.

Die Dorfkirche Lichterfelde wurde im 14. Jahrhundert aus Feldsteinen errichtet und um 1780 erneuert. Die Dorfkirche Giesensdorf ist um 1250 errichtet worden. 1609 erhielt sie größere Fenster. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Beim Wiederaufbau wurde der hölzerne Glockenturm nicht wieder neu errichtet, sondern die Glocken wurden in einem Dachreiter untergebracht. Die neugotische Nazareth-Kirche zu Ehren der Heiligen Familie entstand 1901. Die Lichterfelder Dorfaue war Standort eines weit bekannten und im Jahr 1898 enthüllten Reiterstandbildes von Kaiser Wilhelm I., gefertigt von Ernst Wenck, das – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg verlagert – heute in der Zitadelle Spandau aufgestellt ist.

Lichterfelde war von 1882 bis 1918 Sitz der Preußischen Hauptkadettenanstalt. In Lichterfelde verkehrte die erste elektrische Straßenbahn der Welt. Lichterfelde Süd ist der Standort des Fliege-Bergs, von dem der Flugpionier Otto Lilienthal 1894 seine ersten Flugversuche mit selbstgebauten Gleitflugapparaten startete. Seit 1932 befindet sich dort eine Lilienthal-Gedenkstätte. Der Physiker Manfred von Ardenne führte 1930 in seinem Forschungslaboratorium für Elektronenphysik in Lichterfelde Ost, der heutigen Villa Folke Bernadotte, die ersten elektronisch aufgenommenen und wiedergegebenen Fernsehbilder vor.

Von Juni 1942 bis 1945 befand sich in Lichterfelde ein Außenlager des KZ Sachsenhausen. Das für 1500 Häftlinge ausgelegte Lager befand sich an der Wismarer Straße in der Nähe des Teltowkanals, unweit von Wohnhäusern der Offiziere der Leibstandarte Adolf Hitler. Eine Säule des Erinnerns macht auf diesen Platz aufmerksam. In dem mit seinem hohen adeligen Bevölkerungsanteil lange deutschnational geprägten Lichterfelde West traf sich während des Dritten Reichs der Grafenclub der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis um Peter Graf Yorck von Wartenburg in dessen Wohnung in der Hortensienstraße 50.

Lichterfelde ist Verwaltungssitz des protestantischen Johanniterordens (Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens Sankt Johannis vom Spital zu Jerusalem)[1] und Tagungsort der Ordenskommende. Daneben unterhält auch der Malteserorden ausgedehnte Liegenschaften in Lichterfelde.

Struktur und Bebauung

Lichterfelde West, 1860 gegründet, ist bekannt als das älteste Villenviertel Berlins und bis heute geprägt durch herrschaftliche Villen der Gründerzeit, große Gärten, kleine Alleen und gepflasterte Straßen. Die Villenkolonie ist eine Gründung des Unternehmers Johann Anton Wilhelm von Carstenn, der auf eigene Kosten auch die Bahnhöfe Lichterfelde Ost (1868) und Lichterfelde West (1872) erbauen ließ.

Villa in Lichterfelde West, Kadettenweg

Die Villen in Lichterfelde-West zeichnen sich durch eine große Vielfalt zum Teil phantasievoller Baustile aus, bis hin zu Jugendstilbauten, die um 1900 entstanden. Nach 1900 wurde Lichterfelde-West nach Norden hin durch die Entwicklung von Dahlem als weiterem Villenviertel zum Ortsteil Grunewald hin angeschlossen.

Villa in der Curtiusstraße

Carstenn finanzierte dem preußischen Staat auch den Umzug der Preußischen Hauptkadettenanstalt in großzügige Gebäude an der Finckensteinallee. Im Dritten Reich war dort die Leibstandarte Adolf Hitler der SS untergebracht. Heute ist dort unter anderem eine Zweigstelle des Bundesarchivs. Von 1880 bis 1920 hatte auch das Garde-Schützen-Bataillon seinen Standort in Lichterfelde West in der neuen Gardeschützenkaserne, die heute Teile des Bundesnachrichtendienstes beherbergt. Lichterfelde West verzeichnete nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin die höchste Steigerungsrate bei Immobilien- und Mietpreisen im ehemaligen West-Berlin. Die erhaltene historische Bausubstanz steht inzwischen weiträumig unter Denkmalschutz. Die Villenkolonie profitiert seit dem Mauerfall wieder von der direkten S-Bahn-Verbindung nach Berlin-Mitte und dem Regierungsviertel (Linie S1).

Lichterfelde Ost, das im Osten an den Ortsteil Lankwitz grenzt, ist nach ähnlichem Muster als Villenkolonie angelegt, hat jedoch im Zweiten Weltkrieg stärkere Beschädigungen davon getragen. Insbesondere ursprünglich repräsentativ gestaltete Gartenanlagen um den Bäkefluss und heutigen Teltowkanal fielen Gewerbegebieten zum Opfer. Dennoch findet sich auch in Lichterfelde Ost eine stattliche Zahl erhaltener Gründerzeitvillen. Die alten Alleen sind weitestgehend intakt. In der Gärtnerstraße findet sich das Herrenhaus Correns, auch Siemens-Villa genannt, ein ehemaliges Villenanwesen eines Mitglieds der Familie Siemens, heute Musikarchiv der Deutschen Bibliothek.

Die übrigen Bereiche von Lichterfelde zeichnen sich durch Einfamilienhäuser und Mietbebauung aus. In Lichterfelde Süd befindet sich eine Hochhaussiedlung, die als Thermometersiedlung bekannt ist. Lichterfelde hat außerdem kleinere Gewerbeareale beiderseits des Teltowkanals.

Der Architekt und langjährige Vorsitzende des Deutschen Werkbundes Julius Posener, der in Lichterfelde-West aufwuchs, beschreibt die Villenkolonien so:

„Lichterfelde ist heute noch voll von kauzigen Häusern aller Art: Burgen, Miniatur-Palazzi, Schweizerhäuschen, Backsteinschlössern, in deren hohen, ein wenig düsteren Räumen alte Oberste, Staatssekretäre, Privatgelehrte ihr Wesen trieben, Erinnerung pflegten: Sammlungen, Memoiren […] Die Häuser haben sogar einen Geruch, den der Kenner als „lichterfelderisch“ erinnert.“

Julius Posener

Neben den Villenkolonien ist die bekannteste Attraktion in Lichterfelde der Botanische Garten mit dem Botanischen Museum. Der Botanische Garten Berlin zählt mit einer Fläche von über 43 Hektar und etwa 22.000 verschiedenen Pflanzenarten zu den größten und bedeutendsten botanischen Gärten der Welt und ist der größte in Europa. Einen Besuch lohnt auch der nach einem Gartenarchitekturwettbewerb von 1908 bis 1911 nach einem Entwurf von Friedrich Bauer angelegte Parkfriedhof Lichterfelde am Thuner Platz, der nicht zuletzt wegen seiner schönen Anlage schon in den 1920er Jahren zum Prominentenfriedhof avancierte. Das ehemalige Gutshaus von J.A.W. von Carstenn mit seiner kleinen Grünanlage findet sich am Hindenburgdamm (das Carstenn-Schlösschen) und wird heute vorwiegend zu sozialen Zwecken genutzt. Die ursprüngliche Inneneinrichtung ist zerstört, Teile der Gartenanlage sind erhalten und können besichtigt werden (Schlosspark Lichterfelde).

In Lichterfelde sind zahlreiche Berliner Studentenverbindungen mit eigenen Häusern ansässig.

Verkehr

Informationstafel zur ersten elektrischen Bahn der Welt
Straßenbahndenkmal

Von der Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde West fuhr ab dem 16. Mai 1881 die erste elektrische Straßenbahn der Welt zum Bahnhof der Anhalter Bahn in Groß Lichterfelde Ost. Die von Werner von Siemens und Johann Georg Halske konstruierte „Elektrische Eisenbahn“ fuhr zunächst im Probebetrieb auf der zum Bau der Hauptkadettenanstalt genutzten Strecke, später dann im regulären Betrieb. Der Unternehmer Carstenn unterstützte das Unterfangen, versprach er sich doch durch die revolutionäre Entwicklung Publizität für die Villenkolonien und eine bessere Vermarktung der Grundstücke. Carstenn hatte zuvor die Bahnhöfe Lichterfelde Ost und 1882 Lichterfelde West finanziert.

Der öffentliche Nahverkehr wird heute durch S-Bahnen und Busse bewältigt. Lichterfelde wird von der Wannseebahn sowie der Anhalter Bahn durchschnitten und ist damit gut an das Berliner Stadtzentrum angeschlossen. Es gibt fünf S-Bahnhöfe: Lichterfelde West (Linie S1), Botanischer Garten (S1), Lichterfelde Ost (S25 und Regionalbahnhof), Osdorfer Straße (S25) sowie Lichterfelde Süd (S25).

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortsteils Lichterfelde

Parkfriedhof Lichterfelde

Auf dem – nach einem Entwurf von Friedrich Bauer angelegten und inzwischen als „Prominentenfriedhof“ geltenden – Parkfriedhof Lichterfelde am Thuner Platz wurden neben vielen anderen folgende Persönlichkeiten beigesetzt:

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Berlin-Lichterfelde – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Balley Brandenburg – Mitte des Ordens. Abgerufen am 11. November 2009.

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