Blumenthal (Bremen)
Stadtteil von Bremen
Blumenthal
Häfen (Bremen) Blockland Blumenthal (Bremen) Borgfeld Burglesum Findorff (Bremen) Gröpelingen Häfen (Bremen) Häfen (Bremen) Hemelingen Horn-Lehe Huchting (Bremen) Mitte (Bremen) Neustadt (Bremen) Oberneuland Obervieland Östliche Vorstadt Osterholz (Bremen) Schwachhausen Seehausen (Bremen) Strom (Bremen) Vahr Vegesack Walle (Bremen) Woltmershausen Weser Bremerhaven NiedersachsenStadt Bremen, Stadtteil Blumenthal hervorgehoben
Über dieses Bild
Basisdaten  Rang 
Fläche: 22,634 km² 5/23
Einwohner: 31.551 9/23
Bevölkerungsdichte: 1.394 Einwohner je km² 16/23
Ausländeranteil: 11,2 % 12/23
Arbeitslosenquote: 16.6 % 3/23
(Stand der Angaben: 31. Dez. 2008)
Koordinaten: 53° 12′ N, 8° 34′ O53.1944444444448.5666666666667Koordinaten: 53° 11′ 40″ N, 8° 34′ 0″ O
Ortsteile: Blumenthal
Lüssum-Bockhorn
Rönnebeck
Farge
Rekum
Postleitzahlen: 28777, 28779
Stadtbezirk: Nord
Ortsamt: Blumenthal
Website: Ortsamt Blumenthal

Blumenthal (Niederdeutsch Blomendal) ist der nördlichste Stadtteil von Bremen und gehört zu Bremen-Nord.

Inhaltsverzeichnis

Geographie und Ortsteile

Bremen-Blumenthal Wasserturm 01.jpg

Blumenthal liegt an der Weser im äußersten Nordwesten der Stadt Bremen und gehört zum Kultur- und Wirtschaftsraum Bremen-Nord. An den Stadtteil Blumenthal grenzen im Südosten der Stadtteil Vegesack und im Norden die niedersächsische Gemeinde Schwanewede. Am gegenüberliegenden Weserufer liegt die Gemeinde Berne.

Zum Stadtteil Blumenthal gehören die Ortsteile: Blumenthal, Lüssum-Bockhorn, Rönnebeck, Farge und Rekum.

Der Stadtteil ist rund 8,5 km lang und 1,5 bis 4 km breit.

Blumenthal

Fläche: 4,05 km², 9600 Einwohner[1]

Geschichte, Sehenswürdigkeiten und öffentliche Einrichtungen

Siehe für den Ortsteil Blumenthal bei den Kapiteln Geschichte, Kultur und Sehenswürdigkeiten und Öffentliche Einrichtungen des Stadtteils Blumenthal.

Rekum

→ Siehe auch Rekum

Fläche: 5,59 km², 2403 Einwohner[1]

Rekum ist Bremens nördlichster Ortsteil. Hier befindet sich der U-Boot-Bunker Valentin. Rekum ist durch die Rekumer Geest im Osten, die relativ steil zum Marschland an der Weser abfällt, landschaftlich geprägt. Die Straßennamen Reeker Barg und Unterm Berg bezeichnen diese Struktur. Die Besiedlung orientiert sich am Geestrand in Nord-Süd-Richtung. Die Marschflächen südlich vom Bunker Valentin tragen Busch- und Baumbestand. Nördlich davon befindet sich landwirtschaftlich genutztes Grünland. Große Flächen auf der Geest werden für den Ackerbau genutzt. Die sogenannte Ölumschlaganlage Farge liegt an der Weser im Süden Rekums. Sie ist über Pipelines mit dem Tanklager Farge (siehe Abschnitt Wirtschaft) verbunden.

Chronik

Rekum wurde schon im 12. Jahrhundert erwähnt. Es war Sitz einer Ministerialenfamilie. Der Erzbischof Gebhard II. ließ hier (bei Rekum / bei Farge) 1220 auf einem Hügel an der Weser die Witteborg errichten, die nur wenige Jahre bestand. Um 1400 gab es eine Mühle am Weserübergang.

Rekum gehörte zum Kirchspiel Neuenkirchen, ab 1604 zum Kirchspiel Blomendal. 1955 entstand in Rekum eine eigene Kirche.

Im heutigen Ortsteil Rekum waren von 1943 bis 1945 Zwangsarbeiter für den Bau des Bunkers Valentin und des Marine-Tanklagers in der Schwaneweder und Neuenkirchener Heide in einem Arbeitserziehungslager und einem Lager für sowjetische Kriegsgefangene sowie Wachpersonal im Marinegemeinschaftslager I untergebracht.

Rekum war eine Gemeinde im Landkreis Blumenthal, der 1932 im Landkreis Osterholz aufging.

Farge

Kraftwerk Farge

→ Siehe auch Farge

Fläche: 5,46 km², 2937 Einwohner[1]

Der Ortsteil ist neben Wohnbebauung durch Infrastrukturanlagen (Tanklager, Kraftwerk Farge, Klärwerk) sowie Industrie und Gewerbe geprägt (siehe Abschnitt Wirtschaft).

Chronik

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Farge ein bedeutender Industriestandort. 1853 wurde die Steingutfabrik Witteburg gegründet. 1867 entstand deshalb der Farger Consumverein, der bis 1944 bestand. 1877 wurde an der Rekumer Straße eine Schule gebaut, die um 1925 sechs Klassen hatte (heute Grundschule). 1902 entstand die Freiwillige Feuerwehr, die sich seit 1924 zur Freiwilligen Feuerwehr Farge-Rekum zusammenschloss und sich 1929 wieder neu gründete. Farge war von 1911 bis 1931 (Personenverkehr) bzw. 1938 (Güterverkehr) Umsteige- und Umschlagsbahnhof zwischen der Farge-Vegesacker Eisenbahn und der Niederweserbahn, der Kleinbahnstrecke nach Wulsdorf. Das WiFo-Tanklager wurde 1935 bis 1943 gebaut.

Farge gehörte zum Amt Blomenhal und war dann eine Gemeinde im Landkreis Blumenthal, der 1932 im Landkreis Osterholz aufging.

Einwohnerentwicklung
  • 1821: 188 Einwohner
  • 1905: 1.004 Einwohner

Lüssum-Bockhorn

→ siehe auch bei Lüßum

Fläche: 5,08 km², 12.094 Einwohner[1]

Lüssum-Bockhorn ist ein Wohngebiet. In Bockhorn befindet sich zudem eine großflächige Gärtnerei und Teile eines Golfplatzes. In Lüssum steht das Haus der Zukunft zur Förderung des Problemgebietes.

Chronik

Die Kirchgemeinde der Johann-Heinrich-Wichern-Kirche in Lüssum-Bockhorn entstand 1961 nach Abtrennung von der Kirchgemeinde Blumenthal. 1959 wurde die Kirche Am Himmelskamp geweiht. Die Kirchgemeinde Lüssum entstand 1977 als Abspaltung, das Gemeindehaus am Neuenkirchner Weg wurde bereits 1973 eingeweiht.

Die Schule am Pürschweg entstand 1951 mit Erweiterungen von 1957 und 1961. Sie war ursprünglich eine Grund- und Hauptschule und ist heute nur noch eine Grundschule. Mittelstufenzentren sind das SZ Lehmhorster Straße (diese Schule gibt es seit 1963) und das SZ „Sandwehen“. Für die Oberstufe gibt es das SZ an der Eggestedter Straße (1970 als Gymnasium Blumenthal errichtet).

Seit 1904 gibt es den Bürgerverein Lüßum e. V.[2]

Lüssum hat eine Bevölkerung mit einem hohen Anteil Migrationshintergrund und wird deshalb seit den 1990er Jahren als so genanntes WIN-Gebiet (Wohnen in Nachbarschaft) gefördert. Das Haus der Zukunft e.V. an der Lüssumer Heide 6 ist in einem von den Architekten Helmut Rabien und Ulrich Helpertz geplanten Gebäude untergebracht, das 1998 den BDA-Preis (Bund Deutscher Architekten) erhielt.

Einwohnerentwicklung
  • 1821: 214 Einwohner
  • 1858: 384 Einwohner
  • 1905: 3.721 Einwohner
  • 1995: 14.128 Einwohner

Rönnebeck

→ siehe auch bei Rönnebeck

Fläche: 2,43 km², 4511 Einwohner[1]

Chronik

Rönnebeck entstand auf dem Gebiet von Lüßum. Es war lange Zeit ein Teil des Amtes Blomendal bzw. seit 1885 eine Gemeinde des Landkreises Blumenthal. Es gehörte zum Bistum Bremen und dann von 1648 bis 1714 zum schwedisch regierten Herzogtum Bremen, danach bis 1866 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg bzw. zum Königreich Hannover und bis 1939 zur preußischen Provinz Hannover. Zum 1. November 1939 wurde Rönnebeck bremisch und ist seit 1946 ein Ortsteil des Bremer Stadtteils Blumenthal.

Rönnebeck gehörte zum Kirchspiel Lüßum und ab 1905 zur neugebildeten Kirchengemeinde Rönnebeck-Farge.

Einwohnerentwicklung
  • 1813: 480 Einwohner
  • 1885: 694 Einwohner
  • 1905: 1.690 Einwohner
  • 1975: 4.671 Einwohner
  • 1995: 4.705 Einwohner

Politik, Verwaltung

Beirat

Der Beirat Blumenthal tagt regelmäßig jeden zweiten Montag im Monat öffentlich im Rathaus Blumenthal. Der Beirat setzt sich aus den auf Stadtteilebene direkt gewählten Vertretern zusammen. Die Beiratswahlen finden alle 4 Jahre statt, zeitgleich mit den Wahlen zur Bremischen Bürgerschaft. Der Beirat diskutiert über alle Belange des Stadtteils, die von öffentlichem Interesse sind, und fasst hierzu Beschlüsse, die an die Verwaltung, die Landesregierung und die Stadtbürgerschaft weitergeleitet werden. Auch interessierte Bürger können mündliche Anträge stellen. Für seine Arbeit bildet der Beirat Fachausschüsse, denen auch sachkundige Bürger angehören können.

Siehe auch: Sitzverteilung in den Beiräten von Bremen

Ortsamt

Das Ortsamt Blumenthal (Landrat-Christians-Straße 107) ist seit 1946 eine örtliche Verwaltungsbehörde. Es unterstützt den Beirat bei seiner politischen Arbeit. Es soll bei allen örtlichen Aufgaben, die von öffentlichem Interesse sind, mitwirken. Es wird von einem vom Beirat vorgeschlagenen und vom Senat bestätigten Ortsamtsleiter geführt.
Ortsamtsleiter ist Peter Nowack

Geschichte

Das Amt Blumenthal im 17. Jahrhundert

Namen

Blumenthal bedeutet Tal der Blumen in dem Auetal. Es hieß 1305 Blomendal, 1380 Blomendale, 1450 Blomendall und 1638 Blomenthall.
Bockhorn hieß 1032 Borchhorn und 1302 Bochorne. Borch kann als Burg gedeutet werden. Horn(e) stammt von dem niederdeutschen Begriff für Spitze oder Sporn.
Lüssum hieß 1492 Lusen dann Lüszen und 1542 Lussen. Die Deutung des Namens aus der urkundlichen Bezeichnung villa Liusci ist nicht gewährleistet.
Rekum hieß um 1300 Reken(e) und 1405 Reeken.

Lüßum und Haus Blomendal

Haus Blomendal

Die älteste historische Siedlung im heutigen Stadtteil Blumenthal war das Dorf Lüßum. Es soll erstmals in einer auf das Jahr 832 datierten Urkunde erwähnt worden sein, in der Ludwig dem Frommen der villa liusci die Fischereirechte an der Weser bestätigte haben soll. Es besteht der Verdacht einer Fälschung. Die erste gesicherte Erwähnung von Lüssen als Lussen erfolgte 1492.

Die ursprüngliche Besiedlung folgte der Weser am hohen Geestrücken. Schiffbauer, Kahnschiffer und Fischer siedelten an der Weser.

Im 13. Jahrhundert bauten die Ritter von Oumünde die erste Burg Blomendal auf dem Burgberg oberhalb des Auetals. 1305 war die erste urkundliche Erwähnung von Blomendal, als auf Grund des Friedensdiktats des Bremer Erzbischofs Giselbert mit den Rittern die Burg wieder abgerissen werden musste. 1354 wurde das zweite Haus Blomendal als Wasserburg von den Rittern von Oumünde und Steding erbaut.
Der zur ersten Burg gehörende Sattelhof wurde als „Vorborch tho Blomendale“ bereits 1304 erwähnt.[3]
Haus Blomendal war von 1866 bis 1932 Sitz des preußischen Landratsamtes. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Kriegsgefangenenlager und danach für Flüchtlingswohnungen. Ab 1972 wurde darin der Blumenthaler Heimatverein untergebracht.

Bremer Landbesitz

Blumenthal um 1600

Der Bremer Rat kaufte 1436 für 1400 Rheinische Gulden von den Rittern von Borch die Burg Blomendal mit der Vogtei und dem Gericht Blomendal, die danach zu einem Verwaltungsamt wurde und als Ruhesitz der Bremer Bürgermeister diente. 1469 erwarb Bremen das nördlich angrenzende Gericht Neuenkirchen und schlug es dem Amt Blomendal zu.

Die Reformation der Blumenthaler Kirchengemeinde erfolgte 1522. Von der alten Dorfkirche ist nur der Turm von 1604 erhalten geblieben. Um 1600 wurde Haus Blomendal Sitz von zwei Amtmännern, welche die Verwaltung und die Gerichtsbarkeit ausübten.

Schweden, Dänemark, Frankreich und Preußen

Nach dem Ersten Bremisch-Schwedischen Krieg kam Blumenthal 1654 zum neu geschaffenen Herzogtum Bremen unter schwedischer landesrechtlicher Oberhoheit. Einige Gerichts- und Verwaltungsrechte verblieben jedoch bei Bremen.

1712 gelangte Blumenthal kurzzeitig an Dänemark. Es wurde 1715 als Teil des Herzogtums Bremen an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg verkauft, das später als das Kurfürstentum Hannover bezeichnet wurde. 1741 verlor Bremen die noch vorhandenen Verwaltungsrechte über das Amt Blumenthal.

Von 1806 bis 1813 stand die Region unter französischer Herrschaft. Zur Mairie Blumenthal gehörten noch Lobbendorf, Lüssum, Rönnebeck, Farge, Flethe, Hammersbeck und Rekum. Von 1811 bis 1814 war die Region Teil des Kantons Vegesack im französischen Département des Bouches du Weser.

1814 wurde durch den Wiener Kongress aus dem Kurfürstentum das Königreich Hannover.

Blumenthal 1818/1819

1821 gehörten zum Amt Blumenthal das Kirchspiel Blumenthal mit den Dörfern Bockhorn, Farge, Fähr, Hammersbeck, Lüssum, Rönnebeck und Schwankenforth und das Kirchspiel Lesum mit den Dörfern Aumund, Beckedorf, Hünertshagen, Lobbendorf und Löhnhorst.
1852 wurden Blumenthal die Stadtrechte verliehen, die offizielle Bezeichnung lautete: Stadt Blumenthal/Unterweser.
1862 wurde das Dorf Flethe nach Blumenthal eingemeindet.

1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover und damit auch Blumenthal, das Sitz eines preußischen Landkreises wurde.
Die Mitgliedschaft im Deutschen Zollverein begünstigte die wirtschaftliche Entwicklung Blumenthals. Die Bremer Woll-Kämmerei wurde wegen der günstigen und direkten Anlieferung von Rohwolle 1884 gegründet. Sie hatte 1898 rund 2.300 Beschäftigte.

1878, 1890 und wieder 1975 erfolgte die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr mit den Feuerwehren von Blumenthal, Lüssum, Neurönnebeck und Rönnebeck. Von 1939 bis 1951 gab es eine Berufsfeuerwehr.
1888 wurde der Ort mit der Farge-Vegesacker Eisenbahn an das Bahnnetz angeschlossen.
Die Werft Bremer Vulkan wurde 1893 an der Grenze des Landkreises Blumenthal zu Vegesack errichtet. [4]

1900 bis 1945

Polizei- und Gerichtsgefängnis Blumenthal

1904 erfolgte der Bau des Elektrizitätswerks und 1912 der eines Gaswerkes.
Lüssum, Rönnebeck und Bockhorn wurden 1907/08 und Neurönnebeck 1923 in die Stadt Blumenthal eingemeindet.
1908 wurden das neue Rathaus, das heutige Ortsamtsgebäude, sowie das Kreiskrankenhaus Blumenthal, aus dem das Klinikum Bremen-Nord hervorgegangen ist, eingeweiht.
Die erste Buslinie nach Vegesack wurde 1925 eingerichtet.
Der Bau der Blumenthaler Abwasserkanalisation, des Wasserwerkes und des Wasserturmes erfolgten von 1925 bis 1927.

1932 wurde der Landkreis Blumenthal mit dem Landkreis Osterholz zusammengelegt, damit verlor Blumenthal den Status als Kreisstadt.

Blumenthal und Farge/Rekum wurden infolge der Vierten Verordnung über den Neuaufbau des Reichs zum 1. November 1939 zusammen mit den übrigen heute nordbremischen Gebieten nördlich der Lesum (außer der Stadt Vegesack, die bereits bremisch war) im Tausch gegen Bremerhaven nach Bremen eingemeindet.[5]

1943 bis 1945 wurde der U-Bootbunker Valentin in Rekum gebaut. Dafür wurden Tausende von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangene und Häftlingen eingesetzt. Ein Nebenlager des Konzentrationslagers Neuengamme wurde auf der Bahrsplate eingerichtet.

Entwicklung nach 1945

Nach Kriegsende erhielt Blumenthal 1946 im Zuge des Neuaufbaus der Verwaltung im Lande Bremen den Status eines Ortsamtsbereiches.

Die Bremer Woll-Kämmerei (BWK) war in den 1950er Jahren mit bis zu 5.000 Mitarbeitern in Blumenthal ein Großbetrieb. Die nahe gelegene Mühlenstraße entwickelte sich zu einer sehr belebten Einkaufsstraße mit vielen Gaststätten. Nachdem die BWK ihren Betrieb am Standort Blumenthal seit den 1980er Jahren stark umstellte und reduzierte und 2009 endgültig schloss, verlor auch die Mühlenstraße zunehmend ihre besondere Bedeutung.

Der Personenverkehr auf der Bahnstrecke von Vegesack nach Farge über Blumenthal wurde 1961 für fast ein halbes Jahrhundert eingestellt.

Ab 1967 entstand das Gymnasium und dann Schulzentrum Blumenthal an der Eggestedter Straße.

Die Werftenkrise von 1975 führte zu Kurzarbeit und ersten Entlassungen bei der Werft Bremer Vulkan. Der Konkurs des Bremer Vulkan von 1996/97 hatte erhebliche Auswirkungen auf den Stadtteil Blumenthal.

Mit dem Programm Wohnen in Nachbarschaften (WiN) in Lüssum sollen seit 1999 Verbesserungen ebenso erreicht werden wie mit dem Haus der Zukunft Bremen.

2002 begann der Bau eines Einkaufszentrums im Bereich des Müllerlochs.

Im Dezember 2007 wurde der Personenverkehr auf der Bahnstrecke Vegesack - Farge unter Betriebsführung der NordWestBahn wieder aufgenommen. Die Strecke soll voraussichtlich im Dezember 2011 in das Netz der im Dezember 2010 in Betrieb genommenen Bremer S-Bahn einbezogen werden.

Einwohnerentwicklung

Um 1830 stieg die Einwohnerzahl Blumenthals erheblich, weil sich Schiffbauer und Kahnschiffer zum Transport der Waren zwischen Bremerhaven und Bremen ansiedeln.
Mit der Ansiedelung der Wollkämmerei und anderer Industriebetriebe kam es zu einer starken Bevölkerungszunahme, vor allen durch polnische Zuwanderer aus den preußischen Ostprovinzen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Einwohnerzahl Blumenthals in kurzer Zeit, zunächst vor allem durch den Zuzug von Vertriebenen und Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten, später auch von Gastarbeitern aus Südeuropa und der Türkei. Zur Unterbringung der Neubürger wurden neue Wohnsiedlungen, insbesondere in Lüssum, errichtet. Im letzten Vierteljahrhundert gingen zahlreiche Arbeitsplätze verloren, vor allem auf der teilweise in Blumenthal und teils im benachbarten Vegesack gelegenen Werft Bremer Vulkan, aber auch bei der Bremer Wollkämmerei. Damit verbunden sank auch die Einwohnerzahl wieder. Dazu die Entwicklung des Stadtteils und Ortsteils Blumenthal in Einwohnerzahlen:

Orts-/Stadtteil 1821 1885 1905 1975 1995 2007
Blumenthal 282 1.644 10.670 10.103 9.612
Rönnebeck 480 694 1.690 4.671 4.705 4.565
Lüssum-Bockhorn 214 3.721 15.647 14.128 12.333
Farge 188 1.004 3.654 3.377 2.982
Rekum 484 819 1.103 1.867 2.474 2.430
Stadtteil 9.315 36.507 34.786 31.922

Rönnebeck und Rekum: Angaben bei 1821 aus 1813

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Ev.-ref. Kirche in Blumenthal
Martin-Luther-Kirche in Blumenthal
  • Die Burg Blomendal, als Wasserburg 1354 ff. erbaut und nach diversen Umbauten und Nutzungswechseln in den 1970er Jahren restauriert, wird für kulturelle Zwecke genutzt (Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, alle zwei Jahre Burgfest); aus der Zeit der Renaissance sind Deckenmalereien erhalten.
  • Die evangelisch-reformierte Kirche mit Pfarrhaus an der Landrat-Christians-Straße, neugotischer Backsteinbau, errichtet nach Plänen von Johannes Vollmer von 1877 bis 1879 als Ersatzbau für die abgebrochene alte Blumenthaler Dorfkirche.
  • Der Turm der alten Kirche von 1604 (Renaissance) wird seit 1933 als Gefallenen-Gedenkstätte genutzt.
  • Die evangelisch-lutherische Martin-Luther-Kirche an der Wigmodistraße 31a, ein neugotischer Backsteinbau, wurde 1901/02 nach Plänen von Karl Mohrmann erbaut.
  • Die Katholische St.-Marien-Kirche ist ein neugotischer Backsteinbau, erbaut ab 1859 in mehreren Abschnitten.
  • Das Rathaus, jetzt Sitz des Ortsamtes Bremen-Blumenthal, wurde von 1908 bis 1910 in historistischer Architektur nach Plänen von August Abbehusen und Otto Blendermann erbaut.
  • Der Wasserturm Blumenthal an der Mühlenstraße entstand nach Plänen von Michael Fischer,[6] 1927/28 als Backsteinbau in schlichten expressionistischen Formen. Er ist jetzt eine Kindertagesstätte.
  • Wätjens Schloss, erbaut von 1858 bis 1864 nach Plänen des Architekten Heinrich Müller im neugotischen Stil als Landsitz für den Bremer Reeder Christian Heinrich Wätjen; der gleichzeitig angelegte Landschaftspark nach Plänen von Isaak Altmann wird seit 2005 unter gartendenkmalpflegerischen Gesichtspunkten rekonstruiert.
  • Der Uferpark Bahrsplate an der Weser mit einer Gedenkstätte für das hier im Zweiten Weltkrieg bestehende Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme.
  • Der U-Bootbunker Valentin im Ortsteil Rekum.
  • Die Windmühle im Ortsteil Rekum, Typ Erdholländer, erbaut 1872.
  • Das Haus des Kapitäns Dallmann von 1850, Kapitän-Dallmann-Straße 84.
  • Das denkmalgeschützte Amtsgericht Blumenthal an der Landrat-Christians-Straße wurde von 1896 bis 1899 gebaut und 1913/1914 erweitert. Das Gebäude nahm neue Reformtendenzen der Architektur auf, mit einer Rückbesinnung auf lokale Bautraditionen.

Denkmale

  • Am 13. Oktober 2008 beschloss der Beirat des Ortsamts Blumenthal die Anbringung einer weiteren Gedenktafel für die im Gerichtsgefängnis im Dezember 1936 ermordete Margarete Göhner.[8]

Theater

Parkanlagen

  • Dillener Park im Ortsteil Rönnebeck, 1 Hektar groß
  • Uferpark Bahrsplate im Ortsteil Blumenthal an der Weser gelegen, 6 Hektar groß.
  • Die weiträumige Anlage Wätjens Park liegt auf dem Geestrücken zwischen Vegesack und Blumenthal im Südosten des Ortsteils Blumenthal. Unmittelbar nördlich davon erstreckt sich der „Forst Löh“.

Öffentliche Einrichtungen

Allgemein

Amtsgericht Blumenthal 1899
  • Das Ortsamt mit Bürgeramt befindet sich im Rathaus Blumenthal von 1910 an der Landrat-Christians-Straße.
  • Die Stadtbibliothek Blumenthal von 1998 an der Lüder-Clüver-Straße wird von einem Förderverein betrieben.
  • Das Polizeirevier Blumenthal am Schillerplatz mit den Polizeistationen Farge und Lüssum.
  • Die Freiwillige Feuerwehr Bremen-Blumenthal, Heidbleek 8 beim Schillerplatz, wird von einem Förderverein unterstützt.
  • Das Amtsgericht Bremen-Blumenthal, Landrat-Christians-Straße 65 bis 69, ist für den Stadtbereich Bremen-Nord zuständig. Das Amtsgericht ist in einem Gebäude von 1899, das Grundbuchamt ist im Nebengebäude Haus C untergebracht.
  • Das Klinikum Bremen-Nord an der Hammersbecker Straße hat um die 500 Betten und beschäftigt 1.000 Mitarbeiter.
  • Das DOKU Blumenthal, Heidbleek 10, im ehemaligen Schulhaus am Schillerplatz, ist seit 1988 ein Dokumentationszentrum für Geschichte und Gegenwart sowie ein Haus der Begegnung.

Schulen

  • Das Förderzentrum Reepschlägerstraße ist zuständig für sonderpädagogische Förderungen.
  • Die Schule an der Wigmodistraße ist eine Grundschule in Blumenthal.
  • Die Tami-Oelfken-Schule am Lüssumer Ring ist eine Grundschule als Ganztagsschule.
  • Die Schule am Pürschweg ist eine Grundschule in Lüssum-Bockhorn.
  • Die Schule Farge ist eine Grundschule mit zwei Standorten in Farge und Rekum.
  • Die Schule Rönnebeck ist eine Grundschule an der Helgenstraße.
  • Das Schulzentrum an der Lehmhorster Straße ist ein Schulzentrum der Sekundarstufe I als Ganztagsschule mit ca. 720 Schülern in Lüssum-Bockhorn.
  • Die Oberschule In den Sandwehen ist ein Schulzentrum der Sekundarstufe I als Ganztagsschule mit ca. 980 Schülern in Lüssum-Bockhorn.
  • Das Schulzentrum des Sekundarbereichs II Blumenthal mit den Abteilungen Gymnasium und Berufliche Schulen für Hauswirtschaft und Sozialpädagogik liegt an der Eggestedter Straße.
  • Die Freie Waldorfschule Bremen-Nord in Blumenthal.

Soziales

Sport

  • Burgwall-Stadion
  • Sportzentrum am Bockhorner Weg
  • Freibad in Lüssum
Vereine
  • BSV - Blumenthaler Sportverein
  • BTV - Blumenthaler Turnverein von 1862
  • FTB - Freie Turner Blumenthal von 1907
  • LSV - Lüssumer Sportverein
  • NTV - Neurönnebecker TV von 1880
  • TSV - Turn- und Sportverein Farge-Rekum von 1890
  • Wassersportverein Blumenthal
  • Golf-Club Bremer Schweiz
  • Kanu-Club Rönnebeck
  • Leichtathletik Gemeinschaft Bremen-Nord

Kirchen, Religionsgemeinschaften

Die katholische Kirche St. Marien.

Siehe auch Liste der Kirchen in Bremen

Kirchen
  • Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Bremen-Blumenthal; 1522 wurde die „neue lutherische Lehre“ eingeführt. 1618 nahm diese Kirchgemeinde die reformierte Glaubensrichtung an.[10]
  • Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Rönnebeck-Farge
  • Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bockhorn
  • Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Lüssum
  • Evangelisch-lutherische Paul-Gerhardt-Gemeinde im Bremen-Norder Stadtteil Rönnebeck-Farge
  • Evangelisch-lutherische Martin-Luther-Gemeinde Blumenthal
  • Evangelischer Diakonieverein Rekum e. V.
  • Blumenthal ist Sitz der römisch-katholischen Pfarrgemeinde St. Marien.[11]
  • Mit Unterbrechungen besteht in Blumenthal seit 1903 eine Baptistengemeinde. [12]
  • In Blumenthal befinden sich Gemeinderäume verschiedener Freikirchen.
Moscheen
  • Muslime verfügen in Blumenthal über zwei Moscheen
Sonstige

Wirtschaft und Verkehr

Wirtschaft

  • Das Klinikum Bremen-Nord an der Grenze von Vegesack und Blumenthal ist ein Krankenhaus der Stadt Bremen mit ca. 488 Betten und rund 1.000 Beschäftigten.
  • Größter Arbeitgeber im industriellen Bereich ist die Maschinenfabrik ThyssenKrupp Krause GmbH - Standort Johann A. Krause in Farge mit um die 1.000 Beschäftigten.
  • Die Bremer Woll-Kämmerei (BWK) hatte bis 2009 ihren Sitz in Blumenthal. Bis zu 5.000 Mitarbeiter waren in den 1950er Jahren bei der BWK beschäftigt. Zwei Tochtergesellschaften betrieben eine Verdampfungs- und Verbrennungsanlage. Die erhaltenen Firmen Brewa GmbH und Heizkraftwerk Blumenthal GmbH führen die Betriebe zur Wärmegewinnung weiter.
  • Das Kraftwerk Farge ist ein Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von 345 MW. Es versorgt das niedersächsische Umland.
  • Die TanQuid Betriebsführungsgesellschaft mbH betreibt das Tanklager Bremen-Farge mit einer Gesamtkapazität von 319.500 m3 Mineralölprodukte.[14]
  • Die Geo. Gleistein & Sohn GmbH ist eine führende deutsche Tauwerkfabrik mit Hauptsitz in Rönnebeck.
  • Die Spinnbau GmbH in Farge stellt Textilmaschinen her.
  • Die EGERLAND Car Terminal GmbH & Co. KG betreibt an der Blumenthaler Westpier ein PKW-Verladezentrum. 2008 wurden von hier aus 800.000 Fahrzeuge verschifft.[15]

Verkehr

Streckenverlauf der Farge-Vegesacker Eisenbahn mit der Station „Bremen-Blumenthal“
Bahn

Mit der Eisenbahn ist der Ortsteil seit Dezember 2007 wieder über die eingleisige Strecke Vegesack–Farge mit den Haltepunkten Vegesack–Aumund–Klinikum HB Nord/Beckedorf–Blumenthal–Mühlenstraße–Kreinsloger–Rönnebeck/Turnerstraße–Farge erreichbar. Die Strecke wurde nach Einstellung des Personenverkehrs 1961 über 46 Jahre lang nur für den Güterverkehr genutzt. Unter Betriebsführung der NordWestBahn wird sie nunmehr mit modernen Dieseltriebwagen im Rahmen des neuen S-Bahn-Konzeptes der Region Bremen täglich im Halbstunden-Takt bedient. Die Bahn legt die Strecke Vegesack–Farge in 18 Minuten zurück.

Teile der Marinebahn Farge–Schwanewede werden noch von der Bundeswehr und der Stadtgemeinde Bremen betrieben.

ÖPNV

Im ÖPNV ist Blumenthal vom Bahnhof Bremen-Vegesack aus mit den Buslinien 70S, 71, 74, 74S, 75, 76 und N7 der Bremer Straßenbahn AG, mit der Buslinie 677 der Weser-Ems Bus und (nur in den Nächten von Samstag auf Sonntag) mit der Nachtlinie N61 des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen zu erreichen. Hinzu kommt die zwischen Schwanewede und dem Bahnhof Blumenthal verkehrende Nachtlinie N8 der Bremer Straßenbahn AG. Am 11. Dezember 2011 wird in Bremen-Nord ein neues Busnetz eingeführt, das auch für Blumenthal etliche neue Linienwege und Liniennummern mit sich bringt.[16]

Straße

Blumenthal ist über die Bundesautobahn 270 an die A 27 von Bremen nach Bremerhaven angebunden.

Wasser
  • Zwischen Blumenthal und Motzen sowie Farge und Berne bestehen Fährverbindungen.
  • In der Sommerperiode verkehren Ausflugsschiffe der Hal över Reederei auf der Unterweser zwischen Bremen-Martinianleger und Bremerhaven-Seebäderkaje, die auch in Blumenthal und Farge anlegen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Ortes

Weitere Persönlichkeiten, die in Blumenthal gelebt haben

Alphabetisch geordnet

Ehrenbürger

  • Otto Telschow (1876–1945) am 20. August 1933. Die Ehrenbürgerschaft der damals selbstständigen Stadt Blumenthal erlosch nach 1945.[17][18]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d e Statistisches Jahrbuch 2009. Statistisches Landesamt Bremen, S. 9–11, abgerufen am 15. Juni 2010.
  2. zum Lüssumer Wappen
  3. http://www.genealogie-tagebuch.de/2010/07/19/der-sattelhof-burgwall/
  4. Die Werft wurde im heutigen Vegesacker Ortsteil Fähr-Lobbendorf gebaut und erreichte erst durch Erweiterungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Blumenthal.
  5. Vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 28. September 1939
  6. Rainer Steinbach: Der Wasserturm. blumenthal.de, abgerufen am 8. Oktober 2010.
  7. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, Seite 216
  8. Die Norddeutsche vom 15. Oktober 2008
  9. http://www.luessumer-volksbuehne.de/
  10. http://www.blumenthal.de/info/geschichte_html
  11. http://www.sanktmarienzentrum.de
  12. http://www.christusgemeinde-blumenthal.de/index.php
  13. http://www.ilse-eickhoff-akademie.de/
  14. TanQid Standort Bremen-Farge
  15. http://www.egerland.de/index.php?option=com_content&task=view&id=16&Itemid=31
  16. http://www.bsag.de/10273.php
  17. Biographie im Prignitzlexikon
  18. Auskunft Staatsarchiv Bremen

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