Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1964


Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1964
Wahlmännerstimmen nach Bundesstaaten:
  • Mehrheit für die Republikaner (Goldwater)
  • Mehrheit für die Demokraten (Johnson)
Ergebnisse der Wahl nach Bezirken, rot gefärbte Gebiete stimmten für Goldwater, blaue für Johnson. Desto dunkeler die Farbe, desto größerer der jeweilige Vorsprung an Stimmen

Die 45. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 3. November 1964, ein Jahr nach dem Attentat auf John F. Kennedy, statt. Gewählt wurde der demokratische Amtsinhaber Lyndon B. Johnson der sich klar gegen den Republikaner Barry Goldwater durchsetzen konnte. Johnson blieb damit 36. US-Präsident und wurde, nachdem er Kennedy als Vizepräsident ins Amt nachgefolgt war, regulär in das höchste Staatsamt gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Kandidaten

Demokraten

Die Demokratische Partei nominierte für das Amt des Präsidenten den Amtsinhaber Lyndon B. Johnson. Der Senator Hubert H. Humphrey aus Minnesota wurde für das Amt des Vizepräsidenten nominiert. Johnson nahm die Nominierung bereits am 27. August 1964, seinem 56. Geburtstag, bei einer Rede, die sein Programm näher umrissen hatte, an.[1]

Republikaner

Für die Republikanische Partei traten Senator Barry Goldwater aus Arizona als Kandidat für das Amt des Präsidenten und William E. Miller, Kongressabgeordneter aus New York, als Kandidat für die Vizepräsidentschaft an. Goldwater war auch innerparteilich umstritten und verdankte seine Kandidatur nicht zuletzt dem Nichtantreten von Richard Nixon (der nach Niederlagen bei der Präsidentschaftswahl 1960 und der kalifornischen Gouverneurswahl 1962 diesmal nicht zur Verfügung stand) sowie dem schlagzeilenträchtigen Privatleben seines schärfsten innerparteilichen Rivalen, des liberalen Gouverneurs von New York, Nelson Rockefeller. Goldwater minimierte seine Chancen schon auf dem von schweren Flügelkämpfen geprägten republikanischen Parteitag, wo er eine scharfe und polarisierende Nominierungsrede hielt, die in dem Satz gipfelte, dass „Extremismus bei der Verteidigung der Freiheit keine Schande“ sei.

Weitere Parteien

Kandidaten kleinerer Parteien waren Eric Hass von der Socialist Labor Party, Clifton DeBerry von der Socialist Workers Party, E. Harold Munn von der Prohibition Party und John Kasper von der National States' Rights Party. Sie alle hatten mit dem Wahlausgang nichts zu tun.

Die Wahl

Die eigentliche Wahl fand am 3. November 1964 statt. Präsident Johnson, der knapp ein Jahr als Nachfolger des ermordeten John F. Kennedy im Amt war, konnte durch verschiedene Gesichtspunkte die Wähler für sich gewinnen: Er verkündete das Programm der Great Society (Große Gesellschaft), welches sehr umfassende Reformen im Sozialwesen und den Bürgerrechten vorsah. Obwohl Johnson erst ein Jahr im Amt war, verabschiedete er bereits neben Steuererleichterungen den Civil Rights Act von 1964, eine der bedeutendsten Gesetzgebungen der USA welche die öffentliche Rassentrennung fortan verbot und den Afroamerikanern verfassungsrechtliche Gleichberechtigung zusprach. Zudem hatte Johnson damit begonnen, Schritte in die Wege zu leiten, die den Kampf gegen die zunehmende Armut einleiteten. Er schaffte es auch, seinen Konkurrenten Goldwater als einen Extremisten darzustellen, der die Nation in einen Atomkrieg führen könnte. Besonders intensiv setzte der demokratische Amtsinhaber auf Werbespots im Fernsehen, in denen ein Mädchen auf einer Blumenwiese zu sehen war und später eine nukleare Explosion stattfand. Dieser Werbespot sollte zum Ausdruck bringen, was geschehen würde, wenn Goldwater das Präsidentenamt übernehmen würde. Präsident Johnson hingegen würde jedoch laut des Spots in der Lage sein, den Frieden auch in Zeiten des Kalten Krieges zu erhalten und die komplexen Zusammenhänge der Weltpolitik zu verstehen. Aufgrund dieser Faktoren gewann Johnson die Wahl überaus souverän. Seine Wiederwahl war der höchste Sieg, den die Demokraten im Verhältnis der abgegebenen Wählerstimmen je erringen konnten, sowie der höchste jemals erreichte, seit das Zweiparteiensystem in heutiger Form in den USA existiert. Der amtierende Präsident erhielt 61,1 Prozent aller abgegebenen Stimmen sowie eine sehr deutliche Mehrheit der Wahlmänner. Trotzdem stellt diese Wahl die Abkehr von Teilen des Südens von der Demokratischen Partei und Johnsons rassenfreundlicher Politik dar. Während das ganze restliche Land demokratisch stimmte, gewannen hier die Republikaner, mit Ausnahme von Johnsons Heimatstaat Texas. Dies war vor allem mit den Rassenproblemen des Südens verbunden. Viele Teile der Bevölkerung in den Südstaaten waren gegen das Bürgerrechtsgesetz des Präsidenten, der sich deutlich auf die Seite der Schwarzen stellte. Er erhielt bei der Wahl rund 95 Prozent der afroamerikanischen Stimmen. Dies übertraf sogar deutlich den Wert von John F. Kennedy (rund 60 Prozent) vier Jahre zuvor, obwohl auch dieser für die Gleichberechtigung der Schwarzen eingetreten war.[2][3][4]

Ergebnis

Kandidat Partei Stimmen Wahlmänner
Anzahl Prozent
Lyndon B. Johnson Demokrat 43.126.584 61,1 % 486
Barry Goldwater Republikaner 27.177.838 38,5 % 52
Andere 336.489 0,4 % 0
Gesamt 70.639.284 100 % 538

270 Stimmen waren für die Wahl zum Präsidenten notwendig.

Seit der Wahl im Jahr 1936 hatte kein Präsident einen solch großen Vorsprung an Wahlmännerstimmen gehabt, es war die höchste Zustimmung, die ein Präsident seit 1820 je im Popular Vote erhalten hatte. Im Englischen spricht man daher auch von einem landslide victory (Erdrutschsieg). Am größten war Johnsons Zustimmung bei den Arbeitern und den Schwarzen. Jedoch hatten sogar viele Geschäftsleute und Wohlhabende für den Amtsinhaber gestimmt.

Besonderheiten

Zum ersten Mal durfte auch die Hauptstadt Washington D.C. (kein Bundesstaat) an der Präsidentenwahl teilnehmen.

Einzelnachweise

  1. AmericanPresident.org: Acceptance Speech at the Democratic National Convention (August 27, 1964)
  2. Phoenix Fernsehbeitrag: Wahl von Lyndon B. Johnson
  3. Robert Dallek: Lyndon B. Johnson: Portrait of a President. Oxford University Press, ISBN 0-19-515921-7 S.180/81
  4. HistoryCentral.com United States Presidential Election 1964

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