Erdmuthe Sophia, Markgräfin von Baireuth

Erdmuthe Sophia, Markgräfin von Baireuth, Markgräfin von Baireuth, geborne Herzogin zu Sachsen, war eine ausgezeichnete Fürstin, die zwar jung starb, aber in dem Andenken der Nachwelt fortlebt. Von sehr würdigen Eltern zu allem Guten erzogen, entwickelten sich ihre glänzenden Anlagen schon in der ersten Kindheit, wo gewöhnlich noch die Eigenschaften der Seele zu schlummern pflegen, und sehr vorzügliche Lehrer, der Magister Johann Heinrich Born, und der Oberhofprediger, Doctor Jakob Weller, so wie ihre Hofmeisterin, Brigitta von Gersdorf, eine treffliche Frau, machten es zu ihrem unermüdbaren Streben, die Keime alles Edlen und Großen, die in ihr lagen, zur vollen herrlichen Blüthe entfalten zu helfen. Wahre Gottesfurcht war die Basis ihrer Erziehung, wodurch die Gesinnungen dieser jungen Prinzessin sich immer mehr von weltlichen Dingen abwandten, und sich zu Dem erhoben, den sie als den höchsten Lenker ihrer Schicksale verehrte, und dem sie unbedingt ihre ganze Seele hingab. Die religiöse Richtung, welche ihr Charakter genommen, sprach sich schon seit ihrem zehnten Jahre durch schriftstellerische, theils poetische, theils prosaische Versuche aus, und ihr erstes Werk, das sie: Christliches Herzensschreinlein benannt hatte, und das man zufällig bei ihr entdeckte, war so wohlgeordnet in seinen Gedanken, so fromm in seinen Ansichten, und so correct in seinem Stil, daß der Oberhofprediger Weller es würdig fand, im Druck zu erscheinen, und es mit einer Vorrede begleitete. Mehrere der geistlichen Lieder, die sie schon damals dichtete, schmücken noch jetzt die deutschen Gesangbücher durch ihre gottesfürchtigen Gefühle, ohne ahnen zu lassen, daß sie in noch kindlichem Alter der Verfasserin entstanden sind. Leider umgab sich damals die Frömmigkeit mit düstern Sinnbildern, durch welche die Welt als ein Jammerthal, und das Leben als eine Verpflichtung der Selbstzerknirschung und der Büßung selbst den jugendlichsten Phantasien erscheinen mußte. Auch Erdmuthe Sophia, obgleich sie noch keinen Schmerz erfahren, sondern nur durch Liebe und Anerkennung auf dem dornenlosen Pfade ihrer Kindheit geleitet worden war, hielt fest an den trübsinnigen Lebensansichten, die finstere Lehrer ihr aufgedrungen hatten. Um sich in stiller Geduld und frommer Ergebung zu üben, führte sie, nach damaliger Sitte, einen Wahlspruch: Alles mit Gott und mit der Zeit. Zu Allem, was sie sowohl in deutscher als in französischer Sprache schrieb, mußte er als Motto dienen, wie sie es denn überhaupt liebte, fromme Sprüche symbolisch zu gebrauchen. Ihr wohlwollendes Gemüth, das seine höchste Freude in dem Glücke Anderer fand, hatte durch kleine Ersparnisse, die sie größtentheils durch Entbehrungen bewirkte, welche sie sich auferlegte, silberne Rechenpfennige prägen lassen, die sie denen, die ihr lieb waren, zum Andenken verehrte, und die ganz nach ihrer Angabe verfertigt waren. Auf der einen Seite stand in einer Strahlenglorie der Name Jehova in hebräischer Schrift, von dem Rautenkranz des sächsischen Wappens und ihren Namen: Erdmuthe Sophia, Herzogin zu Sachsen, umgeben. Auf der Rückseite sah man einen Rosenstock mit drei Blüthen, und mehrern Knospen mit der Umschrift: Alles mit Gott und mit der Zeit. So in jedem Guten fortschreitend, und durch ihre holde Freundlichkeit und bescheidene Anmuth ihres edlen Wesens alle Herzen gewinnend, trat sie in die blühenden Jahre der Jungfrau, wo ihre Schönheit begann Aufsehen zu erregen, und der Ruf ihrer geistigen und gemüthlichen Gediegenheit bei verschiedenen Höfen schon den Wunsch erweckte, sich um ihren Besitz zu bemühen, als ein naher Verwandter, der Markgraf Christian Ernst von Baireuth, von seinen Reisen zurückkehrend, sie kennen lernte, welches hinreichte, um sie zu lieben und um ihre Hand zu bitten. Er war ein liebenswürdiger Fürst, der bei trefflichen Eigenschaften sich eine für die damalige Zeit ausgezeichnete Bildung erworben hatte. Erdmuthe Sophia erwiederte seine Neigung, und nachdem das einzige Hinderniß, ihre beiderseitige, noch zu große Jugend, durch die Zeit gehoben war, wurde die Vermählung am 19. October 1662 in Dresden vollzogen. – Erdmuthe Sophia lebte mit ihrem Gemahl in der musterhaftesten und glücklichsten Ehe, die nur dadurch getrübt wurde, daß sie kinderlos blieb. Kurz nach der Vermählung gab Erdmuthe ihren frühern Wahlspruch auf, um ihn mit dem ihres Gemahls – dem Gottesfürchtigen müssen alle Dinge zum Besten dienen – zu vertauschen. Ohne sich je in Regierungsgeschäfte zu mischen, bewirkte sie doch unendlich viel Gutes, theils durch Unterstützung wahrer Hilfsbedürftiger, theils durch Versorgung sittlich Gefallener. Eines ihrer bedeutendsten Werke von nicht geringem Umfang gab sie im Jahr 1666, jedoch nur für Freunde bestimmt, in den Druck. Es fand aber so vielen Beifall, daß es zum Gegenstand des allgemeinen Lobes, und ohne Vorwissen der Markgräfin mit ihrem Namen nachgedruckt wurde. Es heißt: Handlung von der Welt Alter, des römischen Reichs Ständen und derselben Beschaffenheit, und enthielt theologische, geographische, historische, statistische und genealogische Aufsätze, die, mit Poesie durchwebt, es zu einem literarischen Meisterwerk jener Zeit erhoben. Auch mit Baukunst beschäftigte sie sich gern, und noch jetzt trägt Baireuth manches Denkmal ihres verschönernden Strebens, womit ihr wohlthätiger Sinn zugleich den Zweck verband, arme Künstler, Handwerker und Tagelöhner zu unterstützen. Ihr letztes Werk dieser Art, das sie vereint mit ihrem Gemahl unternahm, war die Erbauung der Schloßkapelle zu Baireuth, die am ersten Pfingstfeiertage des Jahres 1670 eingeweihet, und von ihr mit einem großen silbernen Crucifix beschenkt wurde. Doch nur Einmal sollte sie die fromme Gabe den Altar zieren sehen, denn gleich nach der Kirche am ersten Pfingstfeiertage wurde sie von einem starken Fieberschauer ergriffen, das sie sich durch eine wiederholte Erkältung zugezogen hatte. Ihr Zustand verschlimmerte sich trotz den zweckmäßigsten Bemühungen der Aerzte von Tage zu Tage, und man sah sich genöthigt, ihren Gemahl zurück zu rufen, den dringende Geschäfte in Berlin fest hielten, und den sie selbst durch ihr Zureden, und indem sie sich stärker stellte, als sie war, zu dieser nothwendigen Reise bewogen hatte. Ihre Geduld, ihre Sanftmuth bei den Leiden, die ihrem Tod vorausgingen, ließen sie Allen, die ihr Krankenbett umgaben, als eine Heilige erscheinen. Sie nahm den rührendsten Abschied von ihrer Mutter und ihrem Gemahl und starb den 12. Juni 1670 mit jener Ergebenheit, die nur reinen Seelen eigen ist. Erdmuthe war den 15. Februar 1644 geboren.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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