Friedhof Ohlsdorf
Die Friedhofsverwaltung

Der Friedhof Ohlsdorf (früher Hauptfriedhof Ohlsdorf, seit 1995 Anstalt des öffentlichen Rechts) im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf wurde am 1. Juli 1877 eingeweiht und ist mit 391 Hektar der größte Parkfriedhof der Welt. Über das gesamte Areal verteilen sich 235.000 Grabstätten. Auf dem Ohlsdorfer Friedhof haben seit seiner Gründung über 1,4 Millionen Beisetzungen stattgefunden - zum Vergleich: auf dem Wiener Zentralfriedhof ruhen über 3 Millionen Verstorbene. Die Anlage ist bestimmt durch den Parkcharakter mit einigen hundert Laub- und Nadelgehölzarten sowie Teichen und Bächen und einer Landschaft, die sich durch eine Mischung aus historischen Bauten, Gartendenkmälern und modernen Themengrabstätten auszeichnet. Neuere Anlagen sind unter anderem Schmetterlingsgräber, Kolumbarien und Paar-Anlagen. Der Friedhof wird zudem vielfach von Touristen besucht, besonders zur Rhododendrenblüte Ende April bis Mitte Mai.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Der Ohlsdorfer Friedhof hat eine Fläche von 391 Hektar, streckt sich in West-Ost-Richtung über eine Länge von 3,5 Kilometer und von Nord nach Süd mit durchschnittlich 1,5 Kilometern bei einer längsten Ausdehnung von 2,2 Kilometern. Sein Umfang beträgt 11,5 Kilometer. Er verfügt über vier Einfahrten, neben der Haupteinfahrt Fuhlsbüttler Straße im Westen, über Borstels Ende im Norden, Einfahrt Bramfeld im Osten und Seehof im Süden. Zusätzlich gibt es vier Fußgängereingänge, den Eingang Bahnhof Ohlsdorf und den Nebeneingang am Krematorium, beide an der Fuhlsbüttler Straße, den Eingang Hoheneichen im Norden und den Eingang Eichenlohweg im Süden. Das Gelände ist durch ein für den Kraftfahrzeugverkehr zugelassenes Straßennetz von insgesamt 17 Kilometern erschlossen, die weiteren Erschließungswege haben eine Gesamtlänge von 80 Kilometern. Durch den nahe gelegenen Bahnhof Hamburg-Ohlsdorf ist der Friedhof an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Zudem verkehren zwei Buslinien des Hamburger Verkehrsverbundes innerhalb des Friedhofs, die Linien 170 und 270, sie haben zusammen mehr als 20 Haltestellen.

Auf dem Friedhofsgelände befinden sich insgesamt zwölf Kapellen, deren offizielle Benennung laufende Nummern sind. Diese verdeutlichen annähernd die Reihenfolge, in der sie oder ihre Vorgänger erbaut und die ihnen zugehörigen Bereiche im Laufe der Friedhofserweiterungen erschlossen wurden. Die Kapellen 1 bis 4 stehen dabei im älteren Friedhofsteil. Kapelle 5 brannte 1940 nieder und wurde nicht wieder aufgebaut, sie stand dort, wo Kapellenstraße, Ostring und Krieger-Ehrenallee sich treffen. Die Kapellen 6 bis 8 befinden sich im nördlichen Waldbereich, die Kapelle 10 am Ende der Cordesallee und die Kapellen 9 sowie 11 bis 13 im östlichen Teil. Die Nummer 11 war für eine dritte Notkapelle freigehalten worden und wurde erst 1950 erbaut, die 1 und die 10 haben Vorgänger und die allererste Kapelle stand auf dem Gebiet des Verwaltungsgebäudes und wurde vor dem Bau von Kapelle 4 abgerissen.

Bereits 1892 wurde der erste Friedhofsplan herausgegeben, um Besuchern eine Orientierungshilfe zu geben. Dabei legte man ein bis heute gültiges Koordinatennetz an.[1] In der Anlage deutlich unterscheidbar sind der ältere Cordesteil, mit dem geschwungenen Wegenetz eines Landschaftsgartens, und die Linneteil genannte Erweiterung mit der klaren, geometrischen Wegführung. Die Hauptverkehrsachse von West nach Ost bildet vom Haupteingang bis zur Kapelle 10 die Cordesallee, führt von dort als Mittelallee zunächst in einem Bogen, dann weiter in gerader Linie nach Osten bis zur Kapelle 13. Die Benennung der Straßen im Cordesteil richtet sich in der Regel nach den topographischen Gegebenheiten, wie unter anderem Bergstraße, Talstraße, Teichstraße aber auch Norderstraße, Westring oder Kapellenstraße. Im Linneteil sind die Wege meist nach den Baumarten benannt, mit denen sie am Rand bepflanzt sind, wie unter anderem Eichenallee, Eschenallee oder Kirschenallee. Auch die Sorbusallee ist entsprechend benannt, aber mit dem lateinischen Namen der Baumart. Im offiziellen Plan sind 22 Straßennamen verzeichnet, davon nur 6 im Linneteil, 3 im Bereich der Grenze zwischen den beiden Teilen und 13 im Cordesteil.

Die Parkpflege sowie die Grabanlagen sind Aufgaben von acht Gärtnermeistereien, die über das Gelände verteilt jeweiligen Kapellenrevieren zugeordnet sind. Sie haben ihre Standorte an den Kapellen 1, 4, 7, 9, 10, 11, 12 und 13. An der Einfahrt Bramfeld ist zudem ein Gärtnerischer Betriebshof eingerichtet. Die Wasserversorgung erfolgt über 120 Kilometer Wasserleitungen und 700 Schöpfbrunnen. Zudem stehen in der Gesamtanlage 2800 Sitzbänke.

Geschichte

Vorgeschichte

Der Cordesbrunnen

Bis Ende des 18. Jahrhunderts beerdigte man die Toten in Hamburg in der Regel auf Begräbnisplätzen und in Gruften bei den Kirchspielen. Aus Platz- und Hygienegründen wurden 1812 innerstädtische Beisetzungen generell verboten, zum Ersatz waren vor den Toren der Stadt ausgedehnte Friedhöfe angelegt worden, so ab 1789 der St. Jakobikirchhof vor dem Steintor, bei der heutigen Kirchenallee, und ab 1793 die Dammtorfriedhöfe auf dem Gelände vor dem Dammtor, bei dem heutigen Messegelände und Planten un Blomen bis hin zur Sternschanze.[2] Aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums und der geplanten Erweiterungen der Stadt erwiesen sich diese Anlagen schon kurze Zeit später als zu eng, so dass der Hamburger Senat ab 1854 Überlegungen zur weiteren Verlagerung und zur Schaffung eines neuen Großfriedhofs anstellte.

Konkrete Planungen wurden ab 1870 aufgenommen, sie waren geprägt von einem gravierenden Umbruch der Sitten und Traditionen im Beerdigungswesen. Dieses sollte aus der Hoheit der Kirchen genommen, unter kommunale Verwaltung gestellt und damit im Zeichen der Säkularisierung für die Toten aller Religionen und Konfessionen geöffnet werden. Einher ging diese Entwicklung mit einem Bedürfnis nach einer Ästhetisierung der Friedhöfe, die steinernen Kirchhöfe sollten abgelöst werden durch die Einbettung der Gräber in Grünanlagen. Humanistische Grundgedanken forderten eine Pietät für alle und damit auch für die armen Bevölkerungsschichten Einzelgräber statt Massengräber.[3] Zudem war die Auflösung aller innerstädtischen Einzelfriedhöfe und damit die Schaffung eines Zentralfriedhofs vorgesehen.

1873 gründeten je drei Mitgliedern des Senats und der Bürgerschaft die Commission für die Verlegung der Begräbnißplätze. Ein Jahr später kaufte die Stadt etwa 130 Hektar Wiesen- und Feldflächen zwischen der Fuhlsbüttler Straße und der preußischen Grenze Richtung Bramfeld, damals weit außerhalb der städtischen Wohnbereiche gelegen. Die Grundzüge der Friedhofsgestaltung gehen auf einen vorläufigen Generalplan des Oberingenieurs Franz Andreas Meyer aus dem Jahr 1875 zurück, mit dem festgelegt wurde, dass die „Gesamtanlage der Umgebung entsprechend parkartig und landschaftlich gehalten werden müsse, wobei jedoch eine beschränkte architektonische Ausschmückung keineswegs ausgeschlossen sein solle“.[4]

Anlage des Friedhofs

Mit der konkreten Ausarbeitung des Generalplans und der Umsetzung beauftragte die Stadt 1876 den Architekten Johann Wilhelm Cordes. 1879 wurde er zum Friedhofsverwalter, 1898 zum Friedhofsdirektor ernannt, er hatte dieses Amt bis zu seinem Tod 1917 inne. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit, schon vor der Erstellung des endgültigen Konzepts, wurde die Belegung eines „aptirten Theil“ notwendig. Diese provisorische Beerdigungsfläche umfasste zunächst ein Gebiet von sechs Hektar nördlich der heutigen Kapelle 1.

Am 1. Juli 1877 erfolgte in einem feierlichen Akt die Friedhofseröffnung, in die die ersten drei Beisetzungen eingebunden waren. Es handelte sich dabei um Verstorbene aus dem Allgemeinen Krankenhaus St. Georg, die aus einer Bevölkerungsschicht kamen, deren Angehörige sich bis dato keine individuellen Grabstätten leisten konnten. So wurden diese ersten Beerdigungen dem Anspruch gerecht, dass auf dem neuen Friedhof durch günstige Preise die Anlagen von wiederauffindbaren Einzelgräbern für Jedermann ermöglicht werden sollten.[5] 1902 wurde an diesem Platz das Denkmal für die Zuerstbeerdigten aufgestellt, es ist ein Findling mit eingelassener Bronzetafel. (→Lage53.62304722222210.038625: U 9)

Mit dem Ankauf der Ohlsdorfer Ländereien hatte die Stadt auch das Bauernhaus des Vorbesitzers Hein Hinrich Schwen erworben, das zu einer provisorischen Kapelle umgebaut wurde. Es enthielt zudem ein Büro und eine Wohnung für den Friedhofsaufseher, die ehemalige Diele diente als Feierraum und eine abseits gelegene Scheune wurde zur Leichenaufbewahrung genutzt. Das ehemalige Schwen'sche Bauernhaus wurde 1896 für die Anlage des bis heute bestehenden Haupteingangs abgebrochen.

Im Verlauf seiner fast 40 Jahre dauernden Amtszeit gestaltete Wilhelm Cordes maßgeblich den westlichen, nach ihm so benannten Cordesteil des Friedhofs. Seine Vorbilder waren amerikanische Parkfriedhöfe und englische Landschaftsgärten mit der Natur nachempfundenen Hügel- und Gewässerformen, Wegführungen und Pflanzungen. Auch ein großer Teil der Bauten gehen auf Cordes zurück, so stammen von ihm die ersten acht zwischen 1880 und 1912 erbauten Kapellen, von denen sechs erhalten sind. Ebenso wurde Verwaltungsgebäude 1909/1910 nach seinen Plänen errichtet, es bildet gemeinsam mit dem Pförtnerhäuschen und zwei Retiradengebäude am Haupteingang ein repräsentatives neobarockes Ensemble.

Erweiterungen

Durch weitere Ankäufe wurde der Friedhof beständig erweitert, so kamen um 1900 die Ohlsdorfer und die Borsteler Feldmark hinzu, eine Fläche von gut 60 Hektar, heute durch den West-, Nord- und Ostring erschlossen, und ab 1913 Flächen der Bramfelder Feldmark im Osten von 156 Hektar. Bis 1919 erfolgte die Erweiterung in mehreren Schritten bis zur Bramfelder Chaussee, damit wurden Gelände über das Hamburger Staatsgebiet hinaus einbezogen, die auf vormals preußischem Gebiet lagen.

1919 übernahm der Gartenbaudirektor Otto Linne das Amt des Friedhofsdirektors. Er änderte die Planung für das östliche Erweiterungsgelände grundlegend und orientierte sich an den Ideen der Friedhofsreformbewegung. Deutlich sichtbar ist die Abkehr von dem landschaftlichen Gestaltungsprinzip zugunsten einer sachlichen und geometrischen Anlage mit klarer Linienführung des heute so genannten Linneteils. 1928 kam als letzte Erweiterung die Anlage des Prökelmoorteichs östlich des Eingangs Kornweg hinzu. 1930 war das Gelände mit seiner größten Ausdehnung von etwa 400 Hektar, die in etwa noch der heutigen Größe entspricht, erschlossen.

Bereits 1929 wurde erwartet, dass sich die Kapazität des Friedhofes in den 1940er Jahren erschöpfen würde, da keine Erweiterung mehr möglich war. Die Stadt kaufte Flächen in Öjendorf für die Anlage eines weiteren Zentralfriedhofs, doch aufgrund der Veränderungen durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof Öjendorf erst 1966 eröffnet.

Friedhofskultur

Nach 1930 fanden Veränderungen nur noch innerhalb des Friedhofsgeländes durch Aufhebung und Ersetzung alter Gräberfelder statt. Die Entwicklung der ästhetischen Friedhofsgestaltung vom bürgerlichen Grabmalkult zur strengen Standardisierung wurde in der Zeit des Nationalsozialismus fortgesetzt. Mit dem Erlass neuer Bestimmungen für die Schmückung der Gräber und Ascheplätze und der Ersetzung der Grabmalgenehmigungs- und -beratungsstelle durch den Friedhofskulturdienst, die unter Einfluss der Reichskulturkammer stand, wurden die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten weiter eingeschränkt. Auch das Friedhofsgesetz von 1948 ließ wenig Spielräume, wenngleich in den 1950er und 1960er Jahren neue Impulse für die Grabmalgestaltung gesetzt wurden. Erst mit den Veränderungen in der Trauerkultur ab den 1970er Jahren setzte eine Entwicklung zur „friedhofskulturellen Diversifikation“ ein, neben den Feldern für herkömmliche Sarg- und Urnengräber entstanden Bereiche für Rasengräber, Paargrabstätten, Gemeinschaftsgrabanlagen und anonyme Urnenhaine.[6] Eine deutliche Abkehr vom standardisierten Gräberfeld ist der im Jahr 2006 nördlich der Kapelle 11 angelegte Ohlsdorfer Ruhewald, in dem in einer naturbelassenen Fläche Urnen unter Bäumen beigesetzt werden. (→Lage53.63078333333310.075108333333: Bx 64/Bw 64)

Die Gesamtanlage

Der Margarethenbrunnen, erschaffen anlässlich der Bundesgartenschau 1953

Konkretisiert wurde die Gesamtanlage 1881 durch einen von Wilhelm Cordes erarbeiteten Generalplan, der bis 1919 Gültigkeit hatte und im heute so genannten Cordesteil umgesetzt wurde. Für die Erweiterungen im östlichen Teil wurden die Planungen, nach den Vorstellungen von Otto Linne, grundlegend geändert und fanden bis 1930 ihre Realisierung in dem heute so genannten Linneteil.

Cordesteil

Vorbild für die Neuanlage des Ohlsdorfer Friedhofs waren die während des frühen 19. Jahrhunderts in den USA entstandenen rural cemetries, wie der 1831 entstandene Mount Auburn Cemetery bei Boston, die sich wiederum in der Gestaltung am Konzept des englischen Landschaftsgartens orientierten. Elemente darin sind eine unregelmäßige Wegführung, gestaltete Hügel- und Teichanlagen und waldartige Bereiche. Wilhelm Cordes sah in den Ausführungen allerdings die Schwierigkeit, dass bei derartigen Neuanlagen auf den eigentlichen Zweck, die Beerdigungen, zunächst keine Rücksicht genommen und so die schönen Parkanlagen durch die Belegung mit Gräbern wieder zerstört wurden. Dieses Problem verstärkt sich durch den damals neu aufkommenden Anspruch, für Jedermann ein Einzelgrab zu schaffen, so dass von vorneherein etwa 70 Prozent der Fläche für eng in Reihen angeordnete Allgemeine Gräber vorgesehen war. Cordes formulierte für seine Planungen die Vorgabe, dass die Eigenart des Friedhofswesens in die Gestaltung einbezogen, die verschiedenen Ansprüche gegeneinander abgemessen und in künstlerischer Form wiedergegeben werden müssen, „nur dann wird die Anlage praktisch und zugleich schön sein.“[7]

Den Ausgleich zwischen Park und Friedhof schuf Cordes durch die Begrenzung der Reihengräber mit dichter Randbepflanzung und vorgesetzten kleineren Familiengräbern, die von den ringartig angelegten Umfahrungsstraßen nicht einsehbar sind und in Landschaftsszenerien einbebettet wurden. Auch die künstlerischen Ausgestaltungen wurden von Zweckmäßigkeiten bestimmt, Teiche wurden an Stellen angelegt, die durch lehmige Bodenschichten für Beerdigungen ungeeignet waren, zusammen mit künstlichen Bachläufen bilden sie zugleich ein ausgeklügeltes Drainagesystem. Die in der Geestlandschaft vorhandenen Hügel bezog Cordes in die Gestaltung ein und ließ sie teilweise mit Alpenflora bepflanzen.

Familiengrabanlagen

Kurz nach der Eröffnung wurden zunächst nur Menschen aus den armen Bevölkerungsschichten in Ohlsdorf, damals weit draußen vor der Stadt, beerdigt. Doch der Plan von Cordes bot den reichen Hamburger Familien die Möglichkeit, große abgeschirmte Grabflächen zu belegen und als Ort der Erinnerung über mehrere Generationen zu schaffen. Sie konnten individuell angelegt, durch Pflanzungen von Nachbargräbern abgeschirmt und über eigene Wege zugänglich gemacht werden. Die Gestaltung unterlag dabei nur wenigen Regelungen und ließ viel künstlerische Freiheit. Die erste derartige landschaftliche Familiengrabanlage nahm 1881 die Familie Laeisz mit ihren Verwandten Canel, Hanssen und Meerwein in Besitz. (→Lage53.62353888888910.037266666667: V 8) und löste unter den Hanseaten einen regelrechten Trend der Abkehr von der herkömmlichen steinernen Gruft aus.

Es entwickelte sich ein Grabkult, der im Kontext stand mit der zeitgenössischen Denkmalbegeisterung, Architekten wurden mit der Schaffung exklusiver Grabbauten beauftragt, repräsentative Grabkapellen, Mausoleen und Säulenhallen geschaffen. Insbesondere das Gelände am Nordteich und der waldartig bepflanzte nördliche Bereich wurden mit teilweise großflächigen Familienanlagen oder imposanten Bauwerken belegt und ausgeschmückt mir Statuen, Plastiken, Grabmalwänden, Pflanzenarrangements, Mauern und Treppchen. Unter den namhaften Künstlern, die diese Werke schufen, befanden sich unter anderem Xaver Arnold, Ernst Barlach, Arthur Bock, Hans Dammann, Richard Kuöhl, Hugo Lederer, Albert Leistner, Gerhard Marcks, Heinrich Pohlmann und Stephan Sinding.[8] Mit dieser Grabart „wurde das neue Ideal der Bestattung an einem lieblichen Ort inmitten der Natur umgesetzt, auf dem zudem noch die bürgerliche Privatsphäre gewahrt blieb.“[9]

Althamburgischer Gedächtnisfriedhof

Grabstätte Althamburger Gedächtnisfriedhof

Zwischen 1896 und 1905 wurde gegenüber dem Haupteingang der Althamburgische Gedächtnisfriedhof, damals unter dem Namen Ehrenfriedhof, angelegt.(→Lage53.620710.0363: P 6) Seine Struktur ist die des Parterres eines Barockgartens mit symmetrisch angeordneter Wegführung und säulenförmig geschnittenen Eiben. Oberhalb des Garten an einer Treppenanlage ist eine überlebensgroße, weithin sichtbare Christusstatue aus weißem Marmor aufgestellt. Sie ist ein Werk des Bildhauers Xaver Arnold und wurde 1905 von dem Reeder Friedrich Wencke (1842–1905) gestiftet. Der Ehrenfriedhof gilt als „stadtgeschichtliches Gedächtnis Hamburgs“, da hier Menschen beerdigt wurden, „deren Wirken für Hamburg bedeutsam war“. Insbesondere in den ersten Jahren seines Bestehens sowie ab 1926 wurden bedeutende Persönlichkeiten von den aufgelösten alten Friedhöfen hierher umgebettet, in den 1960er Jahren kamen die Gebeine von den Friedhöfen in Hamm und in Wandsbek hinzu. Seit 1998 bettete man weitere Personen, deren Ruhezeit in ihren ursprünglichen Grabstätten abgelaufen war, hierher um. Die Ruhezeit für diese Gräber im öffentlichen Interesse ist unbeschränkt.[10]

Die Grabmale sind entlang der Wegachsen nach Berufs- und Bedeutungsgruppen angeordnet, dabei handelt es sich um 74 Sammelgräber, zum Beispiel für Bürgermeister, Senatoren, Kaufleute, Juristen, die Pastoren der Hauptkirchen, Dichter und Schriftsteller, Musiker, Schauspieler, Lehrer verschiedener Schulen oder Architekten, und sechs Familiengräber, so für die Familie Anderson und Rodenborg, die Familie des Malers Philipp Otto Runge, Familie von Struve, Familie Anckelmann, Kellinghusen, Overdiek und Rodriga, Familie Merck und für die Familie Gossler. Außerdem befinden sich zehn Einzelgräber in dieser Anlage, 1905 vom Friedhof St. Georg umgebettet wurden der Gelehrte und Lehrer am Johanneum Vincent Placcius (1642–1699) und der Archivar Johann Martin Lappenberg (1794–1865). Ebenfalls hierher verlegt wurden der Baumeister Alexis de Chateauneuf (1799–1853), der Theaterdirektor Friedrich Ludwig Schröder (1744–1816) und der Übersetzer Johann Diederich Gries (1775–1842), direkt beerdigt wurden der Direktor der Kunsthalle Alfred Lichtwark (1852–1914), die Malerin Anita Rée (1885–1933), der Schauspieler Robert Nhil (1858–1938), die Architekten Fritz Schumacher (1869–1947) und Gustav Oelsner (1879–1956). Am östlichen Rand finden sich zudem die Gräber von Ida Ehre (1900–1989) und Gustaf Gründgens (1899–1963).

Die Gartenanlage war ab den 1950er Jahren verfallen und wurde 1998 mithilfe von Spenden teilrekonstruiert, doch die ehemaligen Rosenpflanzungen konnten nicht erhalten oder wiederaufgenommen werden. Einzig am Grabmal von Alfred Lichtwark wächst ein Rosenstock der Sorte Rosa venusta pendula.

Garten der Frauen

Hauptartikel: Garten der Frauen

Der Garten der Frauen ist eine im Cordesteil des Friedhofs angelegtes Gräberfeld und eine Gedenkstätte, in der an Frauen, die in der Hamburger Geschichte bedeutend waren, erinnert wird. Es handelt sich um ein gut tausend Quadratmeter großes Gelände nordöstlich des Wasserturms (→Lage53.62043611111110.051727777778: O-P 27), das im Juli 2001 eröffnet wurde und auf dem sich etwa hundert Gräber, Grabsteine und Gedenksteine befinden. Betreut wird das Areal von dem im Jahr 2000 auf Initiative der Historikerinnen Rita Bake, Helga Diercks-Norden und Silke Urbanski gegründeten Verein Garten der Frauen e.V.. In diesem Garten können sich Frauen auch bestatten lassen.

Jüdischer Friedhof Ilandkoppel

Hauptartikel: Jüdischer Friedhof Ilandkoppel

Bereits während der Planungsphase zum zentralen Begräbnisplatz bat der Vorstand der hamburgischen deutsch-israelitischen Gemeinde den Senat um Teilhabe an dem Gelände für die ebenfalls zentrale Anlage eines jüdischen Friedhofs. Nach einigen Verhandlungen fand sich ein Kompromiss zwischen dem Anliegen aus der jüdischen Religion auf ewige Totenruhe und der von der Stadt zugesagten Überlassung auf Zeit. So wurde der Friedhof Ilandkoppel auf einem 10 Hektar großen Gelände in direkter Nachbarschaft und ebenfalls nach Plänen des Architekten Johann Wilhelm Cordes gestaltet und 1883 eingeweiht. Er löste den Grindelfriedhof, auf dem 1909 die letzte Beerdigung stattfand, als vornehmlichen Bestattungsplatz ab. Die Aussegnungshalle, entworfen durch den Architekten August Pieper, wurde ebenfalls im Jahr 1883 erbaut.

Linneteil

Die ab 1920 angelegte östliche Erweiterung unter dem Friedhofsdirektor Otto Linne stellt eine deutliche Abkehr von den vorherigen Gestaltungsprinzipien dar. Die gesellschaftlichen Umbrüche nach dem Ersten Weltkrieg wirkten sich auch auf das Friedhofs- und Bestattungswesen aus. Ein Grundgedanke der Friedhofsreformbewegung, entstanden aus der Kritik an der großbürgerlichen Grabmalkultur, war, den Gemeinschaftsbezug der Gesellschaft im Gesamtbild sichtbar werden zu lassen.[11] Diesem entsprechend ist die Anlage des Linneteils an einem sachlichen und funktionalistischen Grundriss orientiert. Die Linie der Übergänge vom Cordesteil zieht sich westlich der Einfahrt Borstels Ende, entlang der langen Reihen der Soldatengräber des Ersten Weltkriegs und knickt dann bei der Bushaltestelle Mittelallee in östliche Richtung ab. Die Gesamtfläche von etwa 200 Hektar ist in gartenartige Grabquartiere unterteilt, abgetrennt durch Hecken- und Baumreihen. Die Wege, Gartenelemente aber auch Teiche sind mit klarer Linienführung angelegt und bilden geometrische Grundformen. Auch die Grabgestaltung wurde angepasst, Art und Gestaltung von Grabmalen unterlagen einschränkenden Vorschriften, so dass die repräsentativen Familiengrabanlagen, wie sie im Cordesteil zu finden sind, in diesem Teil des Friedhofs nicht vorkommen.

Die Kapelle 9 und 10 entstanden 1918 als provisorische Notkapellen im Rahmen der Friedhofserweiterung, die Nr. 9 ist bis heute erhalten geblieben, Nr. 10 brannte 1980 ab und wurde durch einen Neubau ersetzt. Der Standort der Kapelle 11 war ebenfalls für die Errichtung einer Notkapelle reserviert, der heutige Bau stammt jedoch aus den Jahren 1950/1951. Kapelle 12 konnte 1923[12] eingeweiht werden, sie geht auf Planungen der Architekten Zauleck und Hormann zurück und ist ein mit Ziermauerwerk ausgefachter Holzständerbau im Heimatschutzstil.[12] Die Kapelle 13 ist ein Entwurf Fritz Schumachers und korrespondiert mit seiner strengen Backsteinausführung und den hohen, kleinteiligen Buntglasfenstern mit der geometrischen Friedhofsanlage des Linneteils. Sie wurde 1929 als östlicher Abschluss der Mittelallee fertiggestellt.

Bauwerke

Kapellen

Es gibt zwölf Kapellen auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Die Kapellen 1 bis 8 liegen im alten, dem westlichen Teil (Cordes-Teil), die Kapellen 9 bis 13 im neuen, dem östlichen Teil (Linne-Teil). Die Kapelle 5 brannte 1940 wegen Überhitzung eines Ofens ab und wurde nicht mehr ersetzt. Sie war den heutigen Kapellen 3, 4 und 6 bis 8 ähnlich und stand auf dem sogenannten Kreisel, wo heute der Ostring, die Kapellenstraße und die Krieger-Ehrenallee zusammentreffen (→Lage53.62398210.054529: W–X 30).[13]

Kapelle Lage Anmerkung Abbildung
Kapelle 1 Kapellenstraße
Lage: T 9 (→Lage53.62239722222210.03855)
Ursprünglich 1880 als provisorische Holzkapelle aus einem ehemaligen Bauernhaus errichtet; 1965 durch einen Neubau, entworfen von Ursula Suhr, ersetzt, 1995 saniert. Sie umfasst 70 Sitzplätze.
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Kapelle 2 Nebenallee
Lage: V 18 (→Lage53.62327510.045002777778)
Ältestes steinernes Gebäude des Friedhofs; 1886 nach Plänen von Wilhelm Cordes im Stil Neugotik der Hannoverschen Schule errichtet, im Jahr 2000 saniert. Sie umfasst 52 Sitzplätze
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Kapelle 3 Oberstraße
Lage: H–J 19–20 (→Lage53.61766666666710.046302777778)
Mit 53 Sitzplätzen die kleinste Kapelle; 1894 nach Plänen von Wilhelm Cordes errichtet.
3264Kapelle 3 Friedhof Ohlsdorf.JPG
Kapelle 4 Bergstraße
Lage: F 12 (→Lage53.61661944444410.04095)
1898 nach Plänen von Wilhelm Cordes errichtet; aus baulichen Gründen wurde 1996 der Dachreiter entfernt. Sie umfasst 70 Sitzplätze
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Kapelle 6 Nordring / Ostring
Lage: AD–AE 30 (→Lage53.62714722222210.054513888889)
1905 nach Plänen von Wilhelm Cordes und Albert Erbe im Heimatstil errichtet. Sie umfasst 60 Sitzplätze
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Kapelle 7 Westring
Lage: AE–AF 20 (→Lage53.62761111111110.046694444444)
1907/08 nach Plänen von Wilhelm Cordes errichtet. Wie bei Kapelle 4 wurde auch hier der Dachreiter entfernt. Sie umfasst 60 Sitzplätze.
Kapelle 7 - Friedhof Hamburg-Ohlsdorf.jpg
Kapelle 8 Westring
Lage: AE 8–9 (→Lage53.62734444444410.038088888889)
Erstes Kolumbarium
Letztes geplantes Gebäude von Wilhelm Cordes und größte seiner sechs Kapellen im ähnlichen Stil (Kapellen 3, 4, 5, 6, 7 und 8); 1998 saniert und zu einem Kolumbarium umgebaut und täglich geöffnet. Sie umfasst 70 Sitzplätze
3246 Kapelle 8 Friedhof Ohlsdorf.JPG
Kapelle 9 Friedhofsweg
Lage: AB–AC 40 (→Lage53.62622777777810.061916666667)
1917 als Notkapelle in Holzbauweise errichtet und 1997 grundlegend saniert. Sie umfasst 40 Sitzplätze.
1338Kapelle 9,Ohlsdorf.JPG
Kapelle 10 Südallee
Lage: M–N 30–31 (→Lage53.61953055555610.054738888889)
Wie Kapelle 9 als Notkapelle in Holzbauweise errichtet; 1980 brannte diese ab und wurde 1983 durch den heutigen Bau ersetzt. Sie umfasst 151 Sitzplätze.
1325Kapelle 10, Ohlsdorf.JPG
Kapelle 11 Eschenallee
Lage: Bw 66–67 (→Lage53.62982510.075144444444)
Zweites Kolumbarium
1950/51 vom Hochbauamt geplant und als roter Klinkerbau mit Glasfront ausgeführt. Die Belichtung erfolgt durch einen Innenhof, dessen östlicher Teil 2004 zu einem Kolumbarium umgebaut wurde. Sie umfasst 80 Sitzplätze.
1335Kapelle 11,Ohlsdorf.JPG
Kapelle 12 Lärchenallee
Lage: Bk 62–63 (→Lage53.62302222222210.070341666667)
Von den Architekten Zauleck und Hormann geplant im Vierländer Heimatstil mit Ziermauerwerk und 1923[12] eingeweiht. 1985/86 grundlegend saniert und dafür 1990 mit einem Preis für vorbildliche Denkmalpflege ausgezeichnet. Sie umfasst 48 Sitzplätze.
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Kapelle 13 Mittelallee
Lage: Bm 69 (→Lage53.62445555555610.077252777778)
Entworfen von Fritz Schumacher und 1929 als monumentaler Rundbau in Norddeutscher Backsteinarchitektur fertiggestellt. Sie enthält viele kleinteilige Buntglasfenster, entworfen von Fritz Hussmann. 1996 wurde der Bau saniert. Sie umfasst 151 Sitzplätze.
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Mausoleen

Zurzeit gibt es 21 Mausoleen (Stand: August 2008), von denen 16 in der Zeit zwischen 1887 und 1926 errichtet wurden. Die sechs Größten davon sind:

Mausoleum der Familie Campe (1915)
  • Mausoleum von Schröder, das größte Mausoleum des Friedhofs, erbaut 1906/07 im neoromanischen Stil von Edmund Gevert, geschlossene Bauweise, →Lage53.62851666666710.046138888889.
    2008 lief das Nutzungsrecht der Familie von Schröder ab, der neue Pächter ist Klausmartin Kretschmer[14]
  • Mausoleum Jenisch, erbaut 1908 von Gustav Berger, geschlossene Bauweise, →Lage53.62876111111110.044313888889
  • Mausoleum Höpfner, erbaut 1910 von Edmund Gevert, geschlossene Bauweise, →Lage53.62886944444410.044052777778
  • Mausoleum Hoefele, erbaut 1911, geschlossene Bauweise, Lage: wenige Meter nördlich vom Mausoleum von Schröder
  • Mausoleum Riedemann, entworfen von Martin Haller, geschlossene Bauweise, →Lage53.62685833333310.040075
  • Mausoleum Heinrich Freiherr von Ohlendorff, erbaut von Martin Haller, offene Bauweise (hinter dem Gitter stehen die zwei Granitsärge des Ehepaares), →Lage53.62564444444410.047913888889

Die ersten vier stehen alle am Westring, Mausoleum Riedemann steht nicht weit entfernt der Kapelle 8 auf einer Anhöhe und Mausoleum Ohlendorff befindet sich an der Waldstraße. Weitere kleinere Mausoleen in der Nähe vom Mausoleum von Schröder sind:

  • Mausoleum Peper/Hegel, ein offenes Mausoleum mit großer Zentralfigur, erbaut 1925/1929
  • Mausoleum von Puttkamer/Heymann, erbaut 1913/14 nach Entwürfen von Ludwig Raabe und Otto Wöhlicke
  • Mausoleum Ortlepp/Frohböse, ein sehr kleines Urnenmausoleum, erbaut 1912

Seit 2005 sind weitere Mausoleen hinzugekommen, u.a. stammt Mausoleum Nr. 17 von Ulrich Ritterbusch[15] (Übergabe an den Bauherrn am 22. Juli 2005) und Nr. 21 (erbaut 2008) vom Hamburger Fotografen F. C. Gundlach (Architekt: Roland Poppensieker)[16][17]. Letzteres steht ebenfalls am Westring zwischen den Mausoleen von Schröder und Jenisch.

Krematorien

Als letztes Projekt realisierte Fritz Schumacher das „Neue Krematorium“ und zwei Feierhallen im Klinkerstil am Haupteingang Ohlsdorf, bevor er 1933 von den Nationalsozialisten abgelöst wurde. Die 30 Seitenfenster und vorderen und hinteren Fensterbänder aus farbigem Glas in der großen Feierhalle (bisher "Halle B", seit November 2011 "Fritz-Schumacher-Halle") schuf der in Ungarn geborene Ervin Bossányi. Die dritte Feierhalle »C« und die Verstorbenenhalle wurden Anfang der 1950er Jahre ergänzt.

Schumachers Neubau ersetzte das Alte Krematorium, das 1892 von Ernst Paul Dorn im Auftrag des Vereins für Feuerbestattung errichtet wurde. Es ist das älteste erhaltene Krematoriumsgebäude Deutschlands, umfasste zunächst auch ein Kolumbarium, ab 1901 und 1904 auch zwei Urnenfriedhöfe (→Lage53.61836111111110.027666666667). Es liegt etwas abseits des Friedhofsgeländes in der Alsterdorfer Straße. 1997 wurde das Gebäude umfassend saniert. 1998 bis 2003 wurde es unter dem Namen „Alsterpalais“[18] und ab 2003 unter anderem Namen als Gourmet-Restaurant genutzt. Am Tag des offenen Denkmals 2008 war es vollständig ausgeräumt zu besichtigen[19] und seit 2009 wird es als Schule genutzt.

Die Einäscherungen der Verstorbenen für die gesamte Metropolregion Hamburg finden seit 1996 im „Krematorium Hamburg“ auf dem Friedhof Öjendorf statt, weil das Neue Krematorium die Grenzwerte der 27. BImSchV nicht einhalten konnte und ein Umbau des denkmalgeschützten Schumacherbaus damals wegen der hohen Kosten nicht sinnvoll erschien. Die Kapazität des nicht denkmalgeschützten Krematoriums in Öjendorf, das bereits die Grenzwerte einhielt, wurde daher erweitert.[20] Die Trauerhallen in Ohlsdorf wurden aber weiter genutzt.[21]

Da diese Situation schon länger als unbefriedigend angesehen wurde, weil Zeremonien in Ohlsdorf nach der Trauerfeier mit dem Sarg vor der Beisetzung der Urne für die Einäscherung in Öjendorf unterbrochen werden mussten, wurde am 24. März 2010 der Grundstein für das „Bestattungsforum Ohlsdorf“ gelegt.[22] Im Zusammenhang mit dessen Eröffnung im November 2011 wird das Neue Krematorium Ohlsdorf wieder in Betrieb genommen.[23] Die Urne wird dann etwa 1½ Stunden nach der Trauerfeier zur Beisetzung zur Verfügung stehen, sodass Trauerfeier und Beisetzung wie vor 1996 am selben Tag stattfinden können.

Ehemaliger Wasserturm

Der im historistischen Baustil 1898 errichtete ehemalige Wasserturm bildet einen beeindruckenden Orientierungspunkt an der Cordes-Allee.

Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Unter dem Titel Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft werden verschiedene Grabfelder und Gedenkorte zusammengefasst, die den Menschen gewidmet sind, die durch Kriegseinwirkungen zu Tode kamen oder Opfer nationalsozialistischer Gewaltmaßnahmen, Verschleppung und Vertreibung wurden. Nach dem Gesetz über die Erhaltung dieser Gräber, haben sie ein dauerhaftes Ruherecht und dienen sie dazu, „der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in besonderer Weise zu gedenken und für zukünftige Generationen die Erinnerung daran wach zu halten, welche schrecklichen Folgen Krieg und Gewaltherrschaft haben.“[24]

Zu ihnen zählen die deutschen Soldatengräber beider Weltkriege, die Gräber und Ehrenanlagen der verschiedenen Nationen, die Bombenopfer-Gräber, die Gräber jüdischer Opfer, die Holocaust-Gedenkstätte und die Gedenkstätten für die Widerstandskämpfer.[25]

Darunter befinden sich insgesamt sechs Gedenkstätten für die Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus: die Gedenkstätte für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, das Mahnmal Fahrt über den Styx für die Opfer des Feuersturms, der Ehrenhain für die Hamburger Widerstandskämpfer, zudem das 1961 auf Veranlassung der Sophie-Scholl-Stiftung eingerichtete Ehrenfeld Hamburger Widerstandskämpfer, das Gräberfeld für die ausländischen Opfer, 1977 für das Gedenken an die KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter eingerichtet, und die im Jahr 2002 eingeweihte Erinnerungsspirale im Garten der Frauen als Gedenkort für Opfer und Gegnerinnen des NS-Regimes. Eine weitere Gedenkstätte befindet sich seit 1951 auf dem benachbartem jüdischen Friedhof Ilandkoppel, das Mahnmal für die ermordeten Hamburger Juden.[26].

Gedenkstätte für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung

Gegenüber dem Neuen Krematorium liegt die Gedenkstätte für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Sie wurde 1949 als Mahnmal mit einer Stele und einer vor dem Denkmal liegenden Marmorplatte eingerichtet, graviert sind die Namen von 25 Konzentrationslagern. Auf dem Gräberfeld befindet sich in 105 ober- und 29 unterirdischen Urnengefäßen die Asche von Opfern und Erde aus deutschen Konzentrationslagern. Sie ist hervorgegangen aus der bereits im November 1945 während einer Trauerwoche eingeweihten Erinnerungsstätte.

Mahnmal für die Opfer des Feuersturms

In einem kreuzförmig angelegtem Sammelgrab liegen etwa 38.000 Opfer der Bombennächte vom 25. Juli bis 3. August 1943. 1952 wurde in deren Mittelpunkt ein Mahnmal von Gerhard Marcks eingeweiht, ein monumentaler quadratischer Sandsteinblock umschließt die Figurengruppe Fahrt über den Styx.

Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer

Rechts vom Haupteingang an der Bergstraße (→Lage53.61859810.0357) befindet sich seit dem 8. September 1946 der Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer 1933–1945, die Begräbnisstätte für 55 hingerichtete oder an den Haftfolgen verstorbene Antifaschisten. Die 1953 von dem Hamburger Bildhauer Richard Steffen (1903–1964) geschaffene Bronzeplastik „Der Redner“ stand bis zu ihrem Diebstahl im März 2011 am Eingang des Ehrenhains.[27] Auf der eingrenzenden Steinwand stehen die Worte des 1943 hingerichteten tschechischen Widerstandskämpfers Julius Fučík: „Menschen, wir hatten Euch lieb, seid wachsam“.

Soldatengräber

Auf dem Gelände befinden sich zwei deutsche und ein britischer Soldatenfriedhof beider Weltkriege.

Gräber bekannter Persönlichkeiten

Auf dem Ohlsdorfer Friedhof sind eine Vielzahl internationaler, nationaler und Hamburger Persönlichkeiten bestattet. Darunter sind die Schauspieler Hans Albers, Inge Meysel, Heinz Erhardt, Hanns Lothar, Otto Lüthje, Henry Vahl und Helmut Griem, der Physiker Heinrich Hertz, dessen Neffe und Nobelpreisträger Gustav Hertz, der für Hamburg noch heute stadtbildbestimmende Architekt Fritz Schumacher oder die Gründer der Schiffswerft Blohm & Voss, Hermann Blohm und Ernst Voss, sowie die Botanikerin und Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt, Loki Schmidt.[28]

Denkmäler und freie Skulpturen

Friedhofsmuseum

Aus dem Museumsarchiv: Grabbrief von 1904 (Detail)

Das „Museum Friedhof Ohlsdorf“ besteht seit 1996.

Träger ist das Unternehmen Hamburger Friedhöfe AöR, die ehrenamtliche Betreuung obliegt dem Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof e. V.. In einem kleinen historischen Gebäude nahe dem Haupteingang wird auf 60 m² Fläche die Vielfalt der hamburgischen Friedhofs- und Bestattungskultur gezeigt. Außerdem finden Sonderausstellungen mit wechselnden Themen zur Friedhofs- und Trauerkultur statt. Das Museum dient auch als Auskunftsstelle für kulturell interessierte Friedhofsbesucher. Dazu steht ein Archiv des Förderkreises zur Verfügung. Es umfasst:

  • eine Präsenzbibliothek mit etwa 700 Titeln von Büchern, Broschüren und Zeitschriften. Sie sind in einer Datenbank erfasst und nach Themenbereichen und Autoren sortiert,
  • eine Kartei über bildende Künstler, die auf dem Ohlsdorfer Friedhof wirkten,
  • eine Sammlung von Zeitungsausschnitten und Abbildungen zu Leben und Wirken bekannter Persönlichkeiten, die auf dem Ohlsdorfer Friedhof bestattet wurden. Die Sammlung datiert z. T. zurück bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts,
  • eine Sammlung von Aktenauszügen, Fachaufsätzen, Gesetzestexten, Pressemeldungen, Zeitungsausschnitten und dergleichen.

Bildergalerie


Siehe auch

Literatur

  • Rita Bake, Brita Reimers: Stadt der toten Frauen. Frauenportraits und Lebensbilder vom Friedhof Hamburg Ohlsdorf. Dölling und Galitz Verlag, München 1997, ISBN 3-930802-56-2.
  • Herbert Diercks: Friedhof Ohlsdorf – Auf den Spuren von Naziherrschaft und Widerstand. Ergebnisse Verlag, Hamburg 1992, ISBN 3-87916-012-0.
  • Barbara Leisner, Heiko K. L. Schulze, Ellen Thormann: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. 2 Bände und eine Übersichtskarte 1:4000, Hans Christians, Hamburg 1990, ISBN 3-7672-1060-6.
  • Barbara Leisner, Norbert Fischer: Der Friedhofsführer – Spaziergänge zu bekannten und unbekannten Gräbern in Hamburg und Umgebung. Christians Verlag, Hamburg 1994, ISBN 3-7672-1215-3.
  • Helmut Schoenfeld, Norbert Fischer, Barbara Leisner, Lutz Rehkopf: Der Ohlsdorfer Friedhof. Ein Handbuch von A–Z. Edition Temmen, Bremen 2006, ISBN 3-86108-086-9.

Weblinks

 Commons: Hauptfriedhof Ohlsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Jüdischer Friedhof Ohlsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Plan des Ohlsdorfer Friedhofs Die in diesem Artikel verwendeten Lagebeschreibungen beziehen sich auf dieses offizielle Netz.
  2. Barbara Leisner, Norbert Fischer: Der Friedhofsführer. Spaziergänge zu bekannten und unbekannten Gräbern in Hamburg und Umgebung, Hamburg 1994, S. 31 ff.
  3. Barbara Leisner, Norbert Fischer: Der Friedhofsführer. Spaziergänge zu bekannten und unbekannten Gräbern in Hamburg und Umgebung, Hamburg 1994, S. 48
  4. Helmut Schoenfeld: Der Ohlsdorfer Friedhof. Ein Handbuch von A-Z, Hamburg 2010, S. 34
  5. Barbara Leisner, Norbert Fischer: Der Friedhofsführer. Spaziergänge zu bekannten und unbekannten Gräbern in Hamburg und Umgebung, Hamburg 1994, S. 48
  6. Helmut Schoenfeld: Der Ohlsdorfer Friedhof. Ein Handbuch von A-Z, Hamburg 2010, S. 59
  7. Johann Wilhelm Cordes im Generalplan zur Gestaltung des Centralfriedhofs, 1881, zitiert nach: Markwart Herzog und Norbert Fischer (Herausgeber): Nekropolis: Der Friedhof als Ort der Toten und der Lebenden, Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018508-X, S. 72
  8. Barbara Leisner: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf: Geschichte und Grabmäler, S.37, 77.
  9. Johann Wilhelm Cordes im Generalplan zur Gestaltung des Centralfriedhofs, 1881, zitiert nach: Markwart Herzog und Norbert Fischer (Herausgeber): Nekropolis: Der Friedhof als Ort der Toten und der Lebenden, Stuttgart 2006, S. 73
  10. Helmut Schoenfeld: Der Ohlsdorfer Friedhof. Ein Handbuch von A-Z, Hamburg 2010, S. 71
  11. Helmut Schoenfeld: Der Ohlsdorfer Friedhof. Ein Handbuch von A-Z, Hamburg 2010, S. 118
  12. a b c „Kapelle 12 in der Lärchenallee“ auf Friedhof-Hamburg.de, abgerufen am 16. November 2011
  13. Postkarte Die Kapellen und Hauptwege des Friedhofes zu Ohlsdorf, um 1900.
  14. Zeitungsartikel vom 5. Mai 2009 im Hamburger Abendblatt [1]
  15. Zeitungsartikel vom 22. Juli 2005 im Hamburger Abendblatt [2]
  16. Zeitungsartikel vom 20. August 2008 in der Hamburger Morgenpost [3]
  17. Bauwelt (Zeitschrift), Ausgabe 20/2009, S. 22–27
  18. „Die Wandlungen eines Krematoriums“ aus „Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur“, abgerufen am 24. Oktober 2011
  19. „Das Alte Krematorium in der Alsterdorfer Straße“ auf fredriks.de, abgerufen am 24. Oktober 2011
  20. „Wo der Schornstein nicht mehr raucht“ aus „Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur“, abgerufen am 24. Oktober 2011
  21. „Hamburger Krematorium eins-zwei-drei“ aus „Ohlsdorf - Zeitschrift für Trauerkultur“, abgerufen am 24. Oktober 2011
  22. Bestattungsforum Ohlsdorf, abgerufen am 24. Oktober 2011
  23. Eröffnung des Bestattungsforums am 10. November 2011, abgerufen am 24. Oktober 2011
  24. Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft (Gräbergesetz) vom 9. August 2005, online einsehbar als pdf-Datei, abgerufen am 14. Juli 2011
  25. Helmut Schönfeld: Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft auf dem Friedhof Ohlsdorf, Mai 2005, abgerufen am 14. Juli 2011
  26. Wegweiser zu den Gedenkstätten in Hamburg, S. 49 - 55, abgerufen am 13. Juli 2010
  27. Pressemeldung Friedhof Ohlsdorf vom 31. März 2011 [4]
  28. Genaue Auflistung der Gräber Prominenter auf www.friedhof-hamburg.de
53.62472222222210.061666666667

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