Elisabeth, König Jakob's I. Tochter

Elisabeth, König Jakob's I. Tochter, die bedauernswerthe Tochter König Jakob's I. von England und Gemahlin des Pfalzgrafen Friedrich V., glich an Geist und Schönheit ihrer Großmutter, der beispiellos vergötterten und wiederum auf das Tiefste erniedrigten Maria Stuart (s. d.), Königin von Schottland. Vom tausendfachen Jubelrufe ihrer neuen Unterthanen gegrüßt, betrat die jugendliche Fürstin 1613 den kleinen, aber damals glücklichen Staat ihres Gemahls. Ein hoher Ruf war ihr vorausgegangen, und als sie ihren kleinen Hof mit königlicher Pracht umgab, Kunst und Poesie beschützte, da besangen alle Lieder nur sie, da klopften hundert ritterliche Herzen ihr entgegen; Friedrich selbst war stolz darauf, ihr erster Sklave zu sein. So gefeiert und erhoben über die Frauen der Mitwelt würde sich bei gewöhnlicher Eitelkeit die reizende Frau vielleicht befriedigt gefühlt haben; aber Elisabeth war ehrgeizig und ihr genügte der beschränkte Schauplatz sich immer gleich bleibender Huldigungen nicht. Zu herrschen, das königliche Scepter zu führen, wie den Feenstab der Huld, das ersehnte sie sich, und was der Mensch übermüthig wünscht, erlangt er oft zu seinem Verderben. Das Diadem, das die Stirn der Pfalzgräfin schmücken sollte, rissen verzweifelnde Unterthanen vom Haupte des legitimen Monarchen. In Böhmen begann der gigantische Kampf um die Glaubensfreiheit, der zur dreißigjährigen Mordfackel Deutschlands ward. Ein neues, von Wien und Rom unabhängiges Reich wollten die Evangelischen dort gründen, und boten die dem Kaiser entrissene Krone bald dem, bald jenem lutherischen Fürsten, auf daß er die Zügel der Regierung mit kräftiger Hand erfasse, um sie zu beherrschen und zu schirmen. Keiner entschloß sich, sie anzunehmen. – Oestreichs Macht blieb gefürchtet und es schien eine Ahnung der ephemeren Existenz des neuen Thrones zu walten. Der reformirte Pfalzgraf endlich war nach einigem Zögern so unvorsichtig, sich erwählen zu lassen, und seiner Gemahlin mißt man die Schuld bei, ihn dazu getrieben zu haben. Sie hoffte auf die mächtige Unterstützung ihres Vaters und den Muth der vielen Tapfern, die gelobt hatten, ihre Sache zu vertheidigen. Glänzender als je erschien Elisabeth als Königin an Friedrich's Seite in Prag, und wer nicht schon früher ihr auf Leben und Tod ergeben war, weihete sich hier ihren Fahnen. Feste auf Feste bezeichneten diese Epoche ihres Glücks: aber schon nach wenig Monden nahete das liguistische Heer, der Böhmen Empörung zu rächen. Begeistert bereitete sich nun Alles, für den Glauben und die Königin zu fechten. Der junge Held Christian von Braunschweig, einer ihrer lautesten Bewunderer, befestigte sogar einen ihr entfallenen Handschuh an seinem Hute als Feldzeichen. Berühmt und gefürchtet begleitete die Minnegabe den jungen Fürsten auf all' den abenteuerlichen Zügen seines kriegerischen Lebens: aber es gelang ihm nicht, der Geliebten wahrhaft zu nutzen, ja er sah sie nicht einmal wieder. Die verhängnißvolle Schlacht am weißen Berge bei Prag tödtete oder zerstreute ihre Getreuen, Oestreichs Macht siegte, Friedrich's Thron sank und er selbst entfloh nach Holland. Getrennt von den Ihren mußte Elisabeth unsägliche Mühseligkeiten erdulden, ehe es ihr gelang, ein Asyl zu finden, und nur die Treue alter Freunde fristete eine Zeit lang das kummervolle Dasein der einst so stolzen Fürstin. Der eigene Vater, Jakob von England, unterstützte nur zögernd, und selbst behindert, die Bemühungen ihres Gemahls, Böhmens Krone wieder zu erlangen. Sie blieben fruchtlos, und nachdem die Pfalz der Feinde Fuß zertreten, gab sie der Kaiser an den Kurfürsten Maximilian von Baiern. Von der entschwundenen Größe blieb nichts als die Reue und die Erinnerung. Später mit ihrem Gemahle wieder vereint, lebte Elisabeth von da an nur der Erziehung ihrer Töchter. Die eine, gleiches Namens mit der Mutter, hat sich durch eine überaus gelehrte Bildung bekannt gemacht, und schlug, als ihr vollkommenes Gegenbild, einen Thron aus, um unvermählt zu bleiben und sich mit mehr Muße den Studien widmen zu können. Den Thron Jakob's I. bestieg nach dessen Tode Elisabeth's Enkel, der Kurfürst von Hannover, Georg I.; sie selbst aber starb 1632.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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