Bahnhof Berlin Jannowitzbrücke
Der S-Bahnhof von außen

Der S- und U-Bahnhof Jannowitzbrücke liegt an der gleichnamigen Brücke im Berliner Bezirk Mitte und ist ein Kreuzungspunkt des öffentlichen Nahverkehrs. Südlich des Bahnhofs befindet sich die Brückenstraße, nördlich die Holzmarkstraße und die Alexanderstraße. Der Bahnhof dient auch als Haltepunkt verschiedener privater Ausflugs- und Sightseeingsschiffe, unter anderem von der Stern und Kreisschiffahrt und der Reederei Riedel.

Inhaltsverzeichnis

S-Bahnhof

Als die Jannowitzbrücke neu errichtet wurde (1881–1883), wurde gleichzeitig der Vorortbahnhof noch ohne Halle auf dem Stadtbahnviadukt direkt neben der Spree eröffnet. Als Eröffnungsdatum wird offiziell der 7. Februar 1882 angegeben.[1] Da sich die Fahrgäste jedoch durch den Lokomotivenrauch gestört fühlten, der vom Wind von der Spree gen Norden geweht wurde, beschloss man 1885, eine Halle zwischen den Vorort- und Fernverkehrsgleisen zu bauen.

Bahnsteig des S-Bahnhofes, links ein Zug der Baureihe 481/482

Der Verkehr der Stadtbahn nahm stetig zu, und der schmale Mittelbahnsteig des Vorortbahnhofes Jannowitzbrücke musste verbreitert werden. Um genügend Platz zu erhalten, wurden die Gleise des Fernverkehrs 1906/1907 leicht in Richtung Süden verlegt, sodass sie jetzt durch eine tragende Konstruktion direkt über der Spree lagen. 1997 wurde die Konstruktion leicht verändert, um die Stabilität zu erhöhen.

Als das neue System der S-Bahn sich bewährt hatte und ab 1928 auch auf der Stadtbahn elektrische Züge fahren sollten, wurde der Bahnhof abgerissen und von 1927 bis 1932 nach Plänen des Architekten Hugo Röttcher in seiner heutigen Form neu erbaut. Ab dem 11. Juni 1928 fuhren auch S-Bahnzüge in der neu errichtete Station.

Während des Krieges musste die S-Bahn vom April 1945 bis zum 15. November 1945 pausieren. Danach stieg der Verkehr aufgrund der Umsteigemöglichkeit von S- und U-Bahn wieder stetig an. Dies wurde nach dem 13. August 1961 jedoch anders: Hinweise auf die U-Bahn wurde entfernt und der Bahnhof Jannowitzbrücke wurde zur „einfachen“ S-Bahn-Station. Nach der Wende – bereits am 11. November 1989 – war es hier wieder möglich, zwischen S-Bahn und U-Bahn umzusteigen.

Nach der Wende stand eine gründliche Sanierung der Stadtbahn an. Die S-Bahnen fuhren auf den stillgelegten Fernverkehrsgleisen um die S-Bahn-Halle herum, sodass diese dort nicht halten konnten. So war es möglich, die S-Bahn-Station vom 15. November 1994 bis zum 21. Oktober 1996 komplett zu sanieren. Seitdem bereichern ein Aufzug, mehrere Rolltreppen und Geschäfte den Bahnhof.

U-Bahnhof

Zeichnung für einen geplanten Schwebebahnhof Jannowitzbrücke, 1904

Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin der Entschluss gefasst worden war, ein neues Schnellbahnsystem zu errichten, gingen sehr viele verschiedene Vorschläge dazu ein. Neben dem später erbauten U-Bahnsystem von Siemens gab es auch die Idee, eine Schwebebahn in Berlin zu errichten, wie es zum Beispiel bereits in Wuppertal durchgeführt worden war. Dafür wurde auch ein Schwebebahnhof Jannowitzbrücke in Erwägung gezogen. Aus ästhetischen Gründen lehnten die Berliner Stadtväter dieses System jedoch ab und favorisierten das U-Bahn-System von Siemens beziehungsweise AEG.

1907 legte die AEG Pläne für eine neue U-Bahn-Linie von Rixdorf (heute Neukölln) nach Gesundbrunnen vor. Die Verhandlungen mit Berlin waren sehr zäh, bis sich schließlich die beiden Parteien 1912 auf einen Vertrag einigen konnten. Nachdem infolge des Ersten Weltkrieges und der darauffolgenden Wirtschaftskrise die AEG-Schnellbahn-AG, eine Tochterfirma der AEG, bankrottgegangen war und liquidiert werden musste, übernahm die Stadt Berlin die bisher errichteten U-Bahn-Bauten, dazu gehörte unter anderem auch die Spreeunterfahrung bei der Jannowitzbrücke. Diese befand sich jedoch nicht wie heute unter der Jannowitzbrücke, sondern unter der Waisenbrücke. Dieses Tunnelstück wurde später zu einem Betriebstunnel umgebaut. Außerdem korrigierte die Stadt noch einmal den Verlauf, zum Beispiel am Alexanderplatz, um eine bessere Umsteigebeziehung zu erreichen.

Bahnsteig des U-Bahnhofes

Am 6. April 1928 wurde die Strecke Schönleinstraße – Neanderstraße der heutigen U8 eröffnet. Wie bereits erwähnt, musste der Verlauf korrigiert werden. Da die Jannowitzbrücke sowieso in einem schlechten Zustand war, wurde sie durch einen Neubau ersetzt. Da die Jannowitzbrücke nicht benutzt werden konnte, wurde der Straßenverkehr über die in der Nähe liegende Waisenbrücke umgeleitet. Für die Fußgänger musste eine eigene Behelfsbrücke erbaut werden. Schließlich konnte am 18. April 1930 der Abschnitt Neanderstraße – Gesundbrunnen mit dem U-Bahnhof Jannowitzbrücke eröffnet werden.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Bahnhof kaum Schäden, nur zur Zeit des „Endkampfes“ musste er geschlossen werden. Dies war vom April 1945 bis zum 16. Juni der Fall, die damalige Linie D, heute U8, konnte als erste aller Linien daher bereits am 16. Juni in voller Länge und im Umlaufbetrieb auf der Strecke Gesundbrunnen–Leinestraße befahren werden.

16 Jahre später, am 13. August 1961, musste der Bahnhof jedoch schon wieder geschlossen werden. Diesmal jedoch nicht nur für ein paar Monate, sondern für knapp 28 Jahre. Die Station wurde aufgrund des Mauerbaus ein „Geisterbahnhof“. Die Züge fuhren damals einfach durch, die Linie D hielt kein einziges Mal in Ost-Berlin. Auch wurden die Zugänge zur zwei Ebenen weiter oben fahrenden S-Bahn komplett vermauert, nur ein leises Rumpeln war noch zu hören. Übrigens wurden auf dieser Strecke, ebenso wie auf der U-Bahnlinie C (heute U6), nur jeweils die Züge ältester Baureihen eingesetzt, da die BVG (West) befürchtete, dass die DDR in einer Aktion Neubauzüge über den Waisentunnel nach Ost-Berlin verschleppen könnte.

Bahnhof und Brücke zur blauen Stunde
Wiedereröffnung im Jahr 1989

Zur Wende spielte der U-Bahnhof Jannowitzbrücke wieder eine sehr wichtige Rolle: Bereits zwei Tage nach dem Mauerfall, am 11. November, wurde der U-Bahnhof als Grenzübergangsstelle wiedereröffnet, wofür sich das zwischen U-Bahn und S-Bahn befindliche Zwischengeschoss eignete.

Öffnung des provisorischen U-Bahnhofs Jannowitzbrücke im Jahr 1989. Viele junge Menschen in der DDR sahen diesen U-Bahnhof zum ersten Mal in ihrem Leben

Somit übernahm der Bahnhof eine wichtige Rolle im Grenzverkehr: Die Ost-Berliner, die mit der S-Bahn angereist waren, konnten nun via Hermannplatz mit der U7 ins West-Berliner Zentrum gelangen. Monate später, am 1. Juli 1990, entfielen mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen den beiden deutschen Staaten auch die Grenzkontrollen. Somit konnte der Bahnhof wieder uneingeschränkt benutzt werden.

In den Jahren 2002 und 2003 erfolgten eine Deckensanierung des Bahnhofes, die Erneuerung der Beleuchtung sowie eine Vervollständigung mit dem Fahrgastinformationssystem „DAISY“. Am 19. Januar 2009 begann die Generalsanierung des Bahnsteigs, bei der im ersten Bauabschnitt bis zum 3. Mai die eine Seite des Bahnsteigs, in Richtung Hermannstraße, komplett erneuert und mit einem Blindenleitsystem versehen wurde. Vom 4. Mai bis zum 23. Juli 2009 folgte dann im zweiten Bauabschnitt die Seite in Richtung Wittenau. Die Öffnung war erst für den 13. August geplant doch um die Einschränkungen im S-Bahn-Verkehr (kein Verkehr auf der Stadtbahn) abzumildern wurde der Bahnhof früher freigegeben.[2] In der zweiten Phase der Bahnhofssanierung soll die südliche Vorhalle saniert, ein Aufzug installiert und ein Ausgang in Richtung Holzmarktstraße geöffnet werden. Außerdem ist geplant ein neues Service-Center zu eröffnen. Bis Mitte 2010 sollen die Bahnhofsmöbel erneuert werden und die Erneuerung der Fliesen im Hintergleisbereich und auf dem Bahnsteig (Pfeiler etc.) durchgeführt werden. Die Sanierungsarbeiten sollen bis 2011 abgeschlossen sein.[3]

Anbindung

Der Bahnhof ist Treffpunkt von vier Linien der Berliner S-Bahn sowie der Linie U8. Ferner besteht eine Umsteigemöglichkeit zu einer Omnibuslinie der Berliner Verkehrsbetriebe.

Linie Verlauf
Berlin S3.svg Spandau – Stresow – Pichelsberg – Olympiastadion – Heerstraße – Messe Süd – Westkreuz – Charlottenburg – Savignyplatz – Zoologischer Garten – Tiergarten – Bellevue – Hauptbahnhof – Friedrichstraße – Hackescher Markt – Alexanderplatz – Jannowitzbrücke – Ostbahnhof – Warschauer Straße – Ostkreuz – Rummelsburg – Betriebsbahnhof Rummelsburg – Karlshorst – Wuhlheide – Köpenick – Hirschgarten – Friedrichshagen – Rahnsdorf – Wilhelmshagen – Erkner
Berlin S5.svg Westkreuz – Charlottenburg – Savignyplatz – Zoologischer Garten – Tiergarten – Bellevue – Hauptbahnhof – Friedrichstraße – Hackescher Markt – Alexanderplatz – Jannowitzbrücke – Ostbahnhof – Warschauer Straße – Ostkreuz – Nöldnerplatz – Lichtenberg – Friedrichsfelde Ost – Biesdorf – Wuhletal – Kaulsdorf – Mahlsdorf – Birkenstein – Hoppegarten – Neuenhagen – Fredersdorf – Petershagen Nord – Strausberg – Hegermühle – Strausberg Stadt – Strausberg Nord
Berlin S7.svg Potsdam Hauptbahnhof – Babelsberg – Griebnitzsee – Wannsee – Nikolassee – Grunewald – Westkreuz – Charlottenburg – Savignyplatz – Zoologischer Garten – Tiergarten – Bellevue – Hauptbahnhof – Friedrichstraße – Hackescher Markt – Alexanderplatz – Jannowitzbrücke – Ostbahnhof – Warschauer Straße – Ostkreuz – Nöldnerplatz – Lichtenberg – Friedrichsfelde Ost – Springpfuhl – Poelchaustraße – Marzahn – Raoul-Wallenberg-Straße – Mehrower Allee – Ahrensfelde
Berlin S75.svg Spandau – Stresow – Pichelsberg – Olympiastadion – Heerstraße – Messe Süd – Westkreuz – Charlottenburg – Savignyplatz – Zoologischer Garten – Tiergarten – Bellevue – Hauptbahnhof – Friedrichstraße – Hackescher Markt – Alexanderplatz – Jannowitzbrücke – Ostbahnhof – Warschauer Straße – Ostkreuz – Nöldnerplatz – Lichtenberg – Friedrichsfelde Ost – Springpfuhl – Gehrenseestraße – Hohenschönhausen – Wartenberg
Berlin U8.svg Wittenau – Rathaus Reinickendorf – Karl Bonhoeffer-Nervenklinik – Lindauer Allee – Paracelsus-Bad – Residenzstraße – Franz-Neumann-Platz – Osloer Straße – Pankstraße – Gesundbrunnen – Voltastraße – Bernauer Straße – Rosenthaler Platz – Weinmeisterstraße – Alexanderplatz – Jannowitzbrücke – Heinrich-Heine-Straße – Moritzplatz – Kottbusser Tor – Schönleinstraße – Hermannplatz – Boddinstraße – Leinestraße – Hermannstraße

Literatur

  • La Baume: Die Umbauten am Bahnhof Jannowitzbrücke in Berlin. Die Bautechnik. 9. Jahrgang. Heft 18 (24. April 1931) und Heft 19 (1. Mai 1931), S. 255–258 und 271–275.
  • A. B. Gottwaldt und S. Nowak: Berliner Bahnhöfe, einst und jetzt. Düsseldorf 1991, ISBN 3-87094-342-4.
  • Jürgen Meyer-Kronthaler: Berlins U-Bahnhöfe – Die ersten hundert Jahre. be.bra, Berlin 1996, ISBN 3-930863-16-2.
  • Jürgen Meyer-Kronthaler und Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe – Ein dreiviertel Jahrhundert. be.bra. verlag, Berlin 1998, ISBN 3-930863-25-1.
  • Norbert Schmidt: Berliner Verkehrsorte im Wandel der Zeit – Jannowitzbrücke. Verkehrsgeschichtliche Blätter. 31. Jahrgang. Heft 5 (September 2004) und Heft 6 (November 2004), S. 118–129 und 163–171.

Weblinks

 Commons: Bahnhof Berlin Jannowitzbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jürgen Meyer-Kronthaler und Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe – Ein dreiviertel Jahrhundert. be.bra, Berlin 1998, ISBN 3-930863-25-1; Seite 134f.
  2. Meldung zur vorzeitigen Freigabe des Bahnhofs auf www.bvg.de. Abgerufen am 5. Februar 2010.
  3. Meldung zur Sanierung des Bahnhofs auf www.bvg.de. Abgerufen am 5. Februar 2010.
52.51463813.418389

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