Welser, Philippine

Welser, Philippine, aus dem berühmten Patriziergeschlecht der Welser zu Augsburg, wurde 1530 geb. Sie gehört zu den wenigen bürgerlichen Frauen, denen in frühern Jahrhunderten der Ehebund mit einem Fürsten nicht unheilbringend war, und verdiente diese Begünstigung des Geschicks noch mehr durch ihre hohen Geistesgaben, als wegen ihrer seltenen Schönheit. Aufgewachsen im Schooße des Reichthums ward sie gleich einer Fürstin gehalten von Jugend auf. Lehrer jeder Art bildeten die hohen Anlagen des schönen Mädchens zu reisen Keenntnissen so daß ihr Vater Franz Anton, die Freude hatte, sie im Jahre 1548 bei Gelegenheit eines großen Reichstags zu Augsburg, vor allen Patriziertöchtern ausgezeichnet zu sehen. Damals geschah es auch, daß der Erzherzog Ferdinand, zweiter Sohn Kaiser Ferdinand's I. und Neffe von Karl V., bei dem feierlichen Einzuge in die Stadt, Philippinen auf dem Balkon vor ihrem elterlichen Hause erblickte und von ihrer Schönheit ergriffen ward. Ihm selbst, dem geliebten Kaiserssohne, dem blühenden, tapfern, als Türkensieger verdienstvollen Helden, flogen alle Herzen entgegen, und als er beim prächtigen Festbanket an Philippinens Seite im Tanze einherschritt, da gestand sich jeder Augsburger mit Stolz, daß die blonde Welserin des stattlichen Prinzen wohl werth sei. Er selbst hatte nur zu sehr dieselbe Bemerkung gemacht und durch lebhaftes Gespräch mit dem holden, achtzehnjährigen Fräulein, sich auch von ihrer geistigen Ebenbürtigkeit überzeugt. Kein Tag verging nun, ohne daß der hohe Gast nicht die Straße, auf welcher das Welsersche Haus stand, einige Male auf und ab geritten wäre, um die Liebliche zu sehen, und bald wagte er durch Botschaft und Geschenke ihr seine Neigung zu gestehen. Wohl hatte die bedeutende Erscheinung des vom Volke vergötterten Kaisersohnes nicht verfehlt auf Philippinen den mächtigsten Eindruck zu machen; aber standhaft widerstrebte ihr sittiges Gefühl jedem Verhältnisse, das sie nur zur Geliebten desselben gemacht haben würde, und als daher nach zweijähriger Werbung ihr Entschluß sich immer gleich blieb, schritt Ferdinand zu dem gewagten Unternehmen, sich heimlich mit ihr zu vermählen. Besiegt von der Liebe Allmacht willigte Philippine ohne Wissen ihres ernsten Vaters, nur von der schwach zärtlichen Mutter gesegnet, in diesen Bund, und lebte hierauf längere Zeit als Gattin des Erzherzogs in tiefer Verborgenheit. Dennoch mußte allmälig das Geheimniß schwinden, und mit großem Unwillen erfuhr der Kaiser, daß sein tapferer Sohn, den er der Jagd halber so gern und lange im von ihm verwalteten Tyrol glaubte, daselbst eine bürgerliche Ehefrau besuche. Schwer gekränkt als Monarch und Vater, beschränkte sich indeß der edle Kaiser, ganz gegen die in jenen Zeiten nur zu gewöhnliche Grausamkeit in solchen Fällen, darauf, den Schuldigen von seinem Angesichte zu verbannen. Trauernd darüber, doch durch ihre gegenseitige, wahre Liebe einigermaßen entschädigt, verbrachten fortan die beiden Gatten mehrere Jahre auf Schloß Ambras in Tyrol, wo der Erzherzog fremde Künstler und Gelehrte um sich versammelte, so wie die berühmte Sammlung von Gemälden und Seltenheiten anlegte, welche noch heut zu Wien unter dem Namen der Ambraser gezeigt wird. Philippine theilte ihre Zeit nebst ernsten wie heitern Studien, in die Erziehung der Knaben, die sie dem Gemahle gegeben hatte, und würde ganz glücklich gewesen sein, wenn sie sich nicht als die Ursache von der Verbannung ihres Ferdinand hätte ansehen müssen. Nach manchem innern Kampfe benutzte sie daher 1558 die Anwesenheit des Kaisers zu Prag, erlangte eine Audienz unter fremdem Namen und flehte um seine Vermittlung bei einem strengen Schwiegervater, der sie und ihre Knaben nicht als Kinder anerkennen wolle. Gerührt von der Liebenswürdigkeit der schönen Bittenden und der Naivetät ihrer Söhnchen, versprach der Kaiser Alles und brauchte unter andern die Worte: wer denn der harte Mann sei, der solch liebe, wohlredende Frau nicht gern Tochter nennen möchte? In Thränen aufgelöst sank ihm jetzt Philippine zu Füßen und nannte sich. Ueberrascht, doch entwaffnet nahm der würdige Kaiser nun auch seinen Ausspruch nicht zurück, hob die Zitternde gütig auf und verzieh um ihretwillen dem Sohne. Im September 1561 wurde ihre Ehe für rechtsgültig erklärt, und wenn die Kinder auch gleich nur Herren von Oestreich heißen durften, so sollten sie doch nach etwanigem Aussterben der Descendenz des Kronprinzen alle Erblande, Böhmen und Ungarn ausgenommen, erhalten. Seit 1567 nach Innsbruck, in dessen Nähe die Bergveste Ambras liegt, zurückgekehrt, erhielt Philippine drei Jahre später den Titel einer Markgräfin von Burgau. In ungetrübtem Frieden floß hierauf ihr der Liebe und den Wissenschaften geweihtes Leben dahin und mit Jammer vernahmen alle ihrer Herrschaft unterworfenen Orte, vorzüglich Innsbruck, daß 1580 nach 30jähriger glücklicher Ehe die allgeliebte Frau plötzlich verschieden sei. Der böse Leumund ermangelte nicht, der Nachricht von diesem jähen Tode allerlei schlimme Gerüchte von heimlicher Ermordung beizufügen, doch nie hat irgend ein nur scheinbarer Grund sich dafür auffinden lassen. Leider wurde jedoch auch sie, die einst so überaus Geliebte, von Ferdinand bald vergessen, indem er seine Hand einer italienischen Fürstin reichte. Philippinens sterbliche Reste ruhen zu Innsbruck in der sogenannten silbernen Kapelle der Hofkirche Ihr getreues Portrait bewahrt, nebst dem ihres Gemahls, die Ambraser Sammlung zu Wien. Es ist das einer frischgefärbten Blondine, mit edlem Profil und klugen Augen. Von der Zartheit ihres Teints spricht die alte Sage, welche behauptet, man habe, wenn die Welserin Burgunder getrunken, die Röthe des Weins durch ihres Halses seine Haut schimmern gesehen. Von ihren Söhnchen zeichnete sich der Jüngere, Karl, als Krieger in Spanien und Ungarn aus, starb jedoch schon 1618 ohne Erben, nachdem er die Markgrafschaft Burgau neun Jahre regiert hatte. Der älteste Sohn, Andreas, wurde Kardinal.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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