Ronald Reagan
Ronald Reagan (1983)
Ronald Reagans Unterschrift

Ronald Wilson Reagan [ˈreɪgən] (* 6. Februar 1911 in Tampico, Illinois; † 5. Juni 2004 in Bel Air, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schauspieler, republikanischer Politiker und von 1981 bis 1989 der 40. Präsident der Vereinigten Staaten. Von 1967 bis 1975 war er der 33. Gouverneur von Kalifornien.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ronald Reagan stammte aus ärmlichen Verhältnissen, sein Vater war Nachkomme irischer Immigranten. Ronald wurde im Haus 111 Main Street in Tampico geboren. Er besuchte High School und College und studierte neben Wirtschaftswissenschaften und Soziologie auch Theaterwissenschaften.

Als Sportkommentator für den Rundfunksender WHO (AM) in Des Moines kommentierte er in den 1930er Jahren Baseball-Spiele nur anhand von Tickermeldungen.

1937 erhielt Reagan von Warner Brothers einen Siebenjahresvertrag für Hollywood. Reagan spielte in den folgenden rund zwei Jahrzehnten in mehr als 50 Filmen mit, von denen die meisten zur Kategorie „B-Movie“ gezählt werden. Von 1947 bis 1952 und von 1959 bis 1960 war er Präsident der Schauspielergewerkschaft SAG, was man als Beginn seines politischen Engagements werten kann. In dieser Zeit war er Informant des FBI, der er Namen von Schauspielkollegen nannte, die er einer Gruppe mit kommunistischem Gedankengut zuordnete[1].

Vor dem Komitee für Anti-Amerikanische Umtriebe jedoch hielt er eine beachtete Rede in der gegen eine öffentliche Verfolgung von Kommunisten eintrat. Vielmehr seien amerikanische Institutionen sehr wohl in der Lage, sich selbst erfolgreich gegen Unterwanderungsversuche zu wehren.

Nach dem Ende seiner Schauspielerkarriere arbeitete er von 1954 bis 1962 als Gastgeber und Werbevertreter der wöchentlichen Werbesendung General Electric Theater für den Elektrokonzern General Electric im MCA-Fernsehen.

Seine erste Ehe seit 1940 mit Jane Wyman endete 1948 durch Scheidung; seit 1952 war er mit Nancy Reagan verheiratet.

Sein engster Freund war der Schauspieler Robert Taylor, an dessen Grab er 1969 die Totenrede hielt.

Reagan auf seiner Ranch Rancho del Cielo in Kalifornien, 1976

1962 wurde er Mitglied der Republikaner und 1966 Gouverneur von Kalifornien, 1981 bis 1989 der 40. Präsident der USA. Er wurde am 9. November 1992 zum Ehrenbürger von Berlin ernannt.[2] Reagan hat verschiedene Spitznamen erhalten und gepflegt: "The Gipper" bezieht sich auf eine Filmrolle aus dem Jahr 1940 in der er den Football-Star George Gipp spielte. Den Spitznamen "The Great Communicator"[3] bezog sich auf eine ihm zugeschriebene Fähigkeit, eine persönliche Beziehung zu den Bürgern aufzubauen und über sie seine politischen Anliegen zu kommunizieren.

Heute gilt Reagan, neben John F. Kennedy, für viele US-Amerikaner als der beste Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders unter Konservativen ist seine Popularität sehr ausgeprägt.[4][5]

General Electric und die öffentliche Hinwendung zum Konservativismus

Über Beziehungen zu einem Filmstudio erhielt Reagan schließlich eine Rolle in der Sendung "GE Theater", einer Werbesendung für Produkte von GE. Sechs Jahre lang arbeitete er dann als Konzernrepräsentant von GE. Reagan hielt in dieser Zeit zahlreiche Reden an die Belegschaft.[1]

Der Konzern hatte damals über 250.000 Angestellte in 40 Bundesstaaten. Sein Vertrag beinhaltete die Pflicht, über Hollywood Klatsch und Tratsch zu sprechen, statt dessen aber reiste er durch die USA und sprach über Freies Unternehmertum, Staatsmedizin und ein staatliches Rentensystem.[1] Über seine Reise durch die USA sagte Reagan:

"Da treffe ich nicht "die Massen", nicht irgendwelche "gewöhnlichen Leute", nein, ich treffe einzelne Menschen jede mi eign Hoffnungen und Träumen und einer Stillen Zivilcourage, die dieses Land besser funktionieren lässt als jedes andere."

In seiner Zeit bei GE wandelte sich Reagans politisches Auftreten drastisch. Er bekundete nun öffentlich, sich von einem Linken ("liberal") zu einem Konservativen gewandelt zu haben. Er sagte dazu:

"Nicht ich habe meine Partei verlassen, sie hat mich verlassen."[1]

Dieser Wandel wird von Vielen auf seinen Kontakt zu Lemuel Boulware, dem für Gewerkschaftsbeziehungen zuständigen Manager bei GE, zurückgeführt. Boulware betrieb eine offensive Anti-Gewerkschaftspolitik und eine Abkehr von [Franklin D. Roosevelt] Politik, die einer kollektivistisch organisierten Arbeitnehmerschaft über Gewerkschaften besondere Rechte zu gestanden hatte ("Boulwareism").

Reagan selbst erklärte hingegen, seine politischen Ansichten hätten sich bereits in seiner Zeit als Vorsitzender der Schauspielergewerkschaft als anlässlich einer Gewerkschaftssitzung während eines kommunistisch agitierten Streiks in Kalifornien, ein Funktionär erklärte, er würde die Verfassung der UdSSR derjenigen der USA vorziehen.[1]

Reagan wurde wegen seines politischen Engagement schließlich von GE entlassen, bekam aber zugleich das Angebot weiter arbeiten zu können, vorausgesetzte er beschränke sich künftig auf das Bewerben von GE-Produkten, statt auf Reden über eine staatliche Rentenversicherung. Dies lehnte er jedoch ab.[1]

Einstieg in die Politik und Gouverneur von Kalifornien

Ronald Reagan wurde 1962 Mitglied der Republikanischen Partei, nachdem er zuvor eher den Demokraten zugeneigt war. Im Präsidentschaftswahlkampf von 1964 unterstützte Reagan den Kandidaten der Republikaner, Barry Goldwater. Er hielt für ihn eine weit verbreitete Grundsatzrede, "A Time for Choosing", die zwar Goldwater nicht zum Sieg über Johnson gereichte, ihm aber immerhin mindestens 1 Million Dollar an Spenden für seine Kampagne einbrachte.[6] In der Rede wurde Reagans künftiges Programm sichtbar, er trat außenpolitisch für die Befreiung von „Millionen von Menschen, versklavt hinter dem Eisernen Vorhang“ ein und innenpolitisch für die weitestgehende Zurückdrängung staatlichen Einflusses.[7]

Seinen Einsatz würdigten kalifornische Geschäftsleute, indem sie Reagan bei der Wahl zum kalifornischen Gouverneur 1966 unterstützten. Er gewann die Wahl gegen Edmund G. Brown und wurde am 3. Januar 1967 als 33. Gouverneur Kaliforniens vereidigt. Kurz nach Beginn seiner Amtszeit unterzeichnete er ein neues – für die damalige Zeit sehr liberales – Abtreibungsgesetz, wovon er sich später mehr und mehr distanzierte, bis er schließlich einen strikten „Pro Life“ Standpunkt vertrat. 1968 brachten ihn innerparteiliche Gegner Richard Nixons erstmals – erfolglos – als möglichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten ins Spiel. Als Gouverneur unterstützte er mit seiner Politik die kalifornische Wirtschaft, die in den späten 60er Jahren einen beachtlichen Aufschwung nahm. Da er auch den Haushalt des kalifornischen Bundesstaates ausglich, war seine Wiederwahl 1970 gegen Jesse Unruh kein Problem. Während seiner Amtszeit nahmen die Proteste gegen den Vietnam-Krieg in Kalifornien insbesondere an den Universitäten zu. Gegen diese Proteste, die von ihm und seinem Umfeld als Unruhen angesehen wurden, setzte er auch die Nationalgarde ein.

Präsidentschaftskandidat 1976 und Wahl 1980

1974 stellte er sich einer erneuten Wiederwahl nicht mehr, weil er sich 1976 für das Präsidentenamt bewerben wollte. Jedoch scheiterte er mit seiner Kandidatur parteiintern knapp an Amtsinhaber Gerald Ford. 1980 bewarb sich Reagan erneut um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. Innerparteiliche Herausforderer waren unter anderem der Senator Bob Dole und der ehemalige CIA-Direktor George H. W. Bush. Reagan galt schon zu Beginn des Vorwahlkampfes als Favorit für die Kandidatur und setzte sich klar gegen seine innerparteilichen Wettbewerber durch. Reagan erwog mit dem früheren Präsidenten Gerald R. Ford als Vizepräsidentschaftskandidaten Jimmy Carter herauszufordern. Gerald Ford hatte Reagan eine "geteilte Praesidentschaft" vorgeschlagen, in der Reagan für innenpolitische Fragen und Ford und Kissinger für außenpolitische Fragen zuständig waren. Nachdem Ford allerdings diese Erwägungen öffentlich machte, entschied sich Reagan für George H. W. Bush als Vizepräsidentschaftskandidaten. Bush hatte in den Vorwahlen nach Reagan die zweithöchste Anzahl an Bundesstaaten in den Vorwahlen gewonnen. Die Präsidentschaftswahlen im November gewannen Reagan und Bush mit deutlicher Mehrheit gegen den glücklos amtierenden Präsidenten der Demokraten Jimmy Carter. Außerdem erreichten die Republikaner erstmals seit den frühen 50er-Jahren eine Mehrheit im Senat und verzeichneten deutliche Zugewinne im Repräsentantenhaus.

Präsidentschaft

Reagan mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Richard v. Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Schmidt am Checkpoint Charlie in West-Berlin
Reagan mit Bundeskanzler Helmut Schmidt in Bonn, Quelle Bundesarchiv
M. Thatcher und R. Reagan, 1986

Am 20. Januar 1981 wurde er als 40. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Sein Amtsantritt löste in der Wirtschaft Optimismus aus. Der Dollar und die Aktienkurse stiegen. Er senkte die Einkommenssteuer bis Juli 1981 um 30 Prozent, erleichterte Industrieabschreibungen bei neuen Betriebsanlagen und trat im Ost-West-Konflikt als Hardliner auf. Zuhause trat er für die Ideale der amerikanischen Familie und der Freiheit ein. Innenpolitisch hatte Reagan als einer der ältesten Präsidenten im Amt, besonders große Zustimmungswerte bei den jüngeren Wählern[8].

Hauptartikel: Attentat auf Ronald Reagan

Am 30. März 1981 wurde er bei einem Attentat verletzt. Auch Secret-Service-Agent Tim McCarthy, der Polizist Thomas Delanty und Reagans Pressesekretär James Brady wurden verletzt; Brady erlitt schwerste Hirnschädigungen und Lähmungen. Der Attentäter John Hinckley, Jr. wurde im Juni 1982 von einem Gericht in Washington für unzurechnungsfähig erklärt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, in der er noch einsitzt (Stand 2010). Reagan kehrte am 25. April 1981 ins Weiße Haus zurück.

Außenpolitik

Reagan im Einzelgespräch mit Michail Gorbatschow

Die Außenpolitik Reagans war nicht nur eine Politik der Stärke, sondern sie war überwiegend von seinem Antikommunismus geprägt. Reagan wollte die Welt zu seinen Vorstellungen von Freiheit und Demokratie führen. Er konnte telegen und mit herausragender Rhetorik die Herzen und Gefühle vieler Amerikaner für sein Ziel gewinnen, die Sowjetunion, das von ihm damals so bezeichnete „Reich des Bösen“, ideologisch und militärisch herauszufordern und den sowjetisch-kommunistischen Einfluss in der Dritten Welt mit allen Mitteln zu bekämpfen.

Hauptartikel: Reagan-Doktrin

Er gab die Entspannungspolitik auf, da die massive Überlegenheit der Sowjetunion bezüglich konventioneller Waffensysteme nach seiner Auffassung die Wiederherstellung der gleichen militärischen Stärke der beiden damaligen Supermächte notwendig machte. Bereits im Wahlkampf forderte er eine Erhöhung der Militärausgaben. Des Weiteren war Reagan entschlossen, in der Dritten Welt mit fast jedem Regime zusammenzuarbeiten, das von sich behauptete, Kommunisten zu bekämpfen (s. Kirkpatrick-Doktrin), was unter anderem zu einer konsequenten Unterstützung von anti-kommunistischen Militärdiktaturen führte. So unterstützten die USA etwa die rechtsgerichtete Regierung von El Salvador, die einen Schmutzigen Krieg gegen Aufständische und politische Gegner führte.

Ein Teil der zusätzlichen Rüstungsausgaben floss in die sogenannte Strategic Defense Initiative (SDI), das zu seiner Zeit nicht realisiert, jedoch unter George W. Bush wieder aufgegriffen wurde. Ziel dieses Programms war es, die USA gegen Angriffe feindlicher Atomraketen zu schützen und damit das klassische Gleichgewicht des Schreckens zu Gunsten der USA aufzuheben. Ebenso wurde unter Ronald Reagan das Programm Marine der 600 Schiffe verwirklicht, das die Flottenstärke der US Navy auf fast 600 Einheiten steigerte.

Nachdem Reagan in seiner ersten Amtszeit eine neue Runde des Rüstungswettlaufs eingeläutet hatte, der die Sowjetunion aufgrund ihrer wirtschaftlichen Schwierigkeiten letztlich nicht mehr folgen konnte, startete er in seiner zweiten Amtszeit mehrere Abrüstungsinitiativen. Mit Gorbatschow kam er 1987 im INF-Vertrag überein, die besonders gefährlichen nuklearen Mittelstreckenraketen abzurüsten.

Die Beurteilung, in welchem Umfang die Reagansche Rüstungspolitik zum Ende des realen Sozialismus in Osteuropa beitrug, hängt vom erkenntnisleitenden Interesse der Forschenden ab. Sicher ist jedenfalls, dass zum Beispiel seine im Ostblock durch Radio Free Europe bekannt gewordenen Reden Menschen mit einer neuen Hoffnung auf Änderung erfüllten. Reagan wird dort bis heute von vielen verehrt.

Mit der offiziellen Begründung, den kommunistischen Einfluss in Lateinamerika bekämpfen zu müssen, führte die Regierung Reagan über ihre gesamte Amtszeit hinweg einen verdeckten Krieg gegen die sandinistische Regierung in Nicaragua. Für die von der CIA organisierten Contras wurden ehemalige Mitglieder der gefürchteten Nationalgarde Nicaraguas rekrutiert. Die Finanzierung erfolgte durch Waffengeschäfte mit dem Iran (siehe Iran-Contra-Affäre) und Drogengeschäfte.[9] In dem von 1981–1990 zur Terrorisierung der nicaraguanischen Bevölkerung geführten Contra-Krieg wurden etwa 70 % des Landes zerstört und etwa 60000 Menschen getötet – hauptsächlich Zivilisten.[10] Eine amerikanische Untersuchungskommission rügte den Präsidenten; mehrere leitende Beamte mussten ihre Stellungen aufgeben. Die USA wurden am 27. Juni 1986 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag für ihre direkte und indirekte militärische Teilnahme im Contra-Krieg zur Beendigung der „ungesetzlichen Anwendung von Gewalt“ gegen Nicaragua und Zahlung von Reparationen verurteilt.[11] Auf die Weigerung der USA, das Urteil anzuerkennen, verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine Resolution, welche alle Staaten dazu aufrief, das internationale Gesetz zu befolgen. Die USA legten ihr Veto gegen die Resolution ein.[12]
1983 besetzten amerikanische Truppen unter dem Vorwand, einer kubanischen Intervention zuvorzukommen, die Karibik-Insel Grenada. Zum Zeitpunkt der Invasion befanden sich nach Angaben der kubanischen Regierung 784 Kubaner auf Grenada, die meisten davon Bauarbeiter, aber auch Ärzte, Krankenschwestern, Lehrer und 44 dem Militär zuzuordnende Personen. Diese Angaben wurden von mehreren amerikanischen und britischen Journalisten bestätigt.[13] Kuba wurde tatsächlich von Maurice Bishop, dem Ministerpräsidenten Grenadas, um militärische Unterstützung gebeten. Aufgrund von Befürchtungen, den USA einen Vorwand für eine Kuba-Invasion bieten zu können, lehnte die kubanische Regierung jedoch ab.[14] Für die Invasion unter dem Codenamen Operation Urgent Fury waren 7000 Marines im Einsatz. Nach einer Woche endeten die Kämpfe mit dem Tod bzw. der Verwundung von 84 Kubanern, 135 Amerikanern und etwa 400 Grenadiern. Die Invasion wurde mit Ausnahme der Militärdiktaturen Chile, Guatemala und Uruguay von allen Ländern Lateinamerikas verurteilt. Der UN-Sicherheitsrat stimmte am 28. Oktober 1983 mit großer Mehrheit für eine Resolution, in der die US-Invasion als eine krasse Verletzung internationalen Rechts bezeichnet und das schwere Bedauern der UN ausgedrückt wurde.[15] Die USA legten sofort ihr Veto gegen die Resolution ein.[16] Ronald Reagans Antwort auf die Resolution lautete: One hundred nations in the UN have not agreed with us on just about everything that's come before them where we're involved, and it didn't upset my breakfast at all.[17]

Am 11. August 1984 erlaubte sich Reagan während einer Mikrofonsprechprobe einen makabren Scherz, indem er die Bombardierung der Sowjetunion anordnet. Die Medien veröffentlichten diese nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Tonprobe ("We begin bombing in five minutes"), die weltweit zu heftiger Kritik führte.[18]

„We begin bombing in five minutes.“
US-Präsident Ronald Reagan bei der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates zu den Luftangriffen auf die libyschen Städte Tripolis und Bengasi im April 1986 (Operation El Dorado Canyon)

Bei der Präsidentschaftswahl 1984 erreichte Ronald Reagan seine Wiederwahl deutlich gegen den demokratischen Kandidaten, Jimmy Carters ehemaligen Vizepräsidenten Walter Mondale. Im Jahr 1985 besuchte Reagan Deutschland anlässlich des 40. Jahrestages des Kriegsendes. Der Besuch auf einem Soldatenfriedhof in Bitburg löste eine breite Debatte aus (siehe Bitburg-Kontroverse). 1985 und 1986 traf sich Reagan mit dem sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow zu Abrüstungsverhandlungen unter der Bezeichnung START (Strategic Arms Reduction Talks). Doch diese kamen zunächst nicht voran. 1987 jedoch konnte er mit Gorbatschow den Vertrag zur Abschaffung der amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen in Europa (INF-Vertrag) unterzeichnen. Am 12. Juni 1987 hielt Reagan von einem Holzgerüst, welches vor den Sperranlagen der Berliner Mauer am Brandenburger Tor aufgebaut worden war, eine Rede, in welcher er Gorbatschow aufforderte, die Berliner Mauer niederzureißen: „Come here to this gate! Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!“.

1988 schlug Reagan seinen Vizepräsidenten als Nachfolger vor, der die bisherige Politik weiterführen sollte. Am 8. November 1988 wurde George Bush zum Präsidenten gewählt.

Wirtschaftspolitik

Reagen geland es, seine so genannten Reaganomics durch den Kongress zu bringen. Reagonomics hieß: Senkung von Steuern, Vereinfachung des Steuersystems, weniger Hindernisse für die Industrie, Haushaltskürzungen bei sozialen Aufgaben, Ausbau der militärischen Rüstung. Ein wichtiges Prinzip hinter seinen Reformen war die „Trickle-down-Theorie“, welche davon ausgeht, dass der Wohlstand der Reichen in die unteren Gesellschaftsschichten „durchsickert“. Das Prinzip seiner Steuerpolitik entsprach in etwa jenem der Laffer-Kurve. Danach sind Steuersenkungen für Unternehmen besonders wirtschaftsfördernd, da diese dann mehr investieren und so die Arbeitslosigkeit reduzieren, was letztlich sogar zu höheren Steuereinnahmen führt.

Anfang 1980, d.h. bei der Amtsübernahme durch Ronald Reagan, betrug die Staatsverschuldung der USA 0,93 Billionen Dollar. Die Steuersenkungspolitik und die starke Erhöhung der Staatsausgaben, insbesondere für Rüstungsgüter, zeigten aber zunächst unerwünschte Wirkungen: die US-Wirtschaft drohte sich zu überhitzen, die Inflationsrate stieg 1982 auf 5,8 Prozent. Die Fed reagierte darauf mit Zinserhöhungen, was zu einer Rezession führte. Die Arbeitslosigkeit stieg auf zwölf Millionen, Unternehmensgewinne gingen zurück. Danach erholte sich die Wirtschaft, die Arbeitslosigkeit sank, und die Inflation wurde wieder eingedämmt. Trotzdem stieg das Haushaltsdefizit der Vereinigten Staaten an, vor allem durch die extremen Militärausgaben. Unter Reagan stieg die Staatsverschuldung bis Ende 1988 um 179,6 Prozent auf 2,6 Billionen Dollar.[19]

"Shining City on a Hill": Reagan und der American Exceptionalism

Zu allen Zeiten seiner politischen Karrieren hob Reagan die Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt durch verschiedene Termini hervor. Bereits 1964 bezeichnete er die USA als "last best hope of man on earth" [20][21], später als "shining city"[22] (1989). Im Kern ging es dabei um eine Beschreibung der U.S.-amerikanischen Rolle in der Weltpolitik. Obwohl auch schon John F. Kennedy den Terminus "city upon a hill" genutzt hatte, war es Reagan, der den Begriff zu einem seiner Markenzeichen machte. In seiner Abschiedsrede als Präsident sagte er dazu:

I've spoken of the shining city all my political life, but I don't know if I ever quite communicated what I saw when I said it. But in my mind it was a tall proud city built on rocks stronger than oceans, wind-swept, God-blessed, and teeming with people of all kinds living in harmony and peace, a city with free ports that hummed with commerce and creativity, and if there had to be city walls, the walls had doors and the doors were open to anyone with the will and the heart to get here. That's how I saw it and see it still....[23][24]

Ruhestand

Ronald Reagan bekannte sich im November 1994 in einem persönlichen Brief an die US-Bevölkerung zu der kurz zuvor bei ihm diagnostizierten Alzheimerschen Krankheit. Danach wurde er nur noch sporadisch in den Medien erwähnt, meist ging es um die Verschlechterung seines Zustandes. Noch bis 1998 besuchte er regelmäßig sein Büro in der Ronald Reagan Presidential Library in Simi Valley, wo er zumindest noch im Anfangsstadium seiner Krankheit an verschiedenen Projekten arbeitete. Später erlitt er bei einem Sturz einen Hüftbruch, von dem er sich aber trotz seines hohen Alters erstaunlich schnell erholen konnte. Zuletzt war der Einfluss seiner Erkrankung aber soweit fortgeschritten, dass er nicht mehr in der Lage war, grundlegende Tätigkeiten selbst zu erledigen.

Am 5. Juni 2004 starb Ronald Reagan zu Hause in Bel Air im Alter von 93 Jahren an einer Lungenentzündung. Er hinterließ Frau und drei Kinder (Michael, Patti Davis und Ron; seine Tochter Maureen war bereits 2001 an Krebs gestorben). Sein Leichnam wurde in einer großen Zeremonie im Kapitol von Washington D.C. auf einem Katafalk aufgebahrt und später in Kalifornien in der für ihn errichteten Präsidentenbibliothek beigesetzt. Mit 93 Jahren erreichte er das bislang höchste Alter eines Präsidenten der USA und überholte damit John Adams, der 91 Jahre alt geworden war. Er selbst wurde am 12. November 2006 von Gerald Ford als ältestem Präsidenten übertroffen. Zudem war er mit knapp 70 Jahren der älteste Präsident bei Amtsantritt.

Reagan gehörte zu den wenigen US-Bürgern, nach denen bereits zu ihren Lebzeiten ein US-Kriegsschiff benannt wurde, der Flugzeugträger USS Ronald Reagan (CVN-76). Auch der Ronald Reagan Washington National Airport, der Ronald Reagan Freeway und die Raketenverteidigungsstation auf dem Luftwaffenstützpunkt Vandenberg sind nach ihm benannt.

Zitate

Eine Reihe Reagans Wendungen und Redestellen sind - insbesondere in den USA - in das kollektive Gedächtnis eingegangen.

Eigene Wendungen

"Das Reich des Bösen" (eigentlich: das böse Imperium)
"Evil empire"
"Tear down this wall"

Von anderen entliehene Wendungen

"Müllhaufen der Geschichte" (nach Leo Trotzki "Go out where you belong—into the ash heap of history."")
"... freedom and democracy will leave Marxism and Leninism on the ash heap of history."
"Die leuchtenden Stadt auf dem Hügel" (nach John Winthrop: "city upon a hill")
"shining city on a hill"
"Es steht in unserer Macht, die Welt auf's neue zu beginnen." (nach Thomas Paine)
"We have it in our power to begin the world over again."

Filme (Auszug)

Neben Spielfilmen drehte Reagan in einem Zeitraum von etwa 25 Jahren auch TV-Filme und einige Serienepisoden (in Klammern: Originalname, Regisseur).

Auszeichnungen (Auszug)

Siehe auch

Literatur

Autobiographie
Sekundärliteratur
  • Tony Thomas: Ronald Reagan und seine Filme (OT: The Films of Ronald Reagan). Goldmann, München 1981, ISBN 3-442-10215-4
  • The Reagan Diaries (komplette Tagebuchaufzeichnungen von Ronald Reagan). Harper Collins, New York 2007, ISBN 978-0-06-087600-5 (en)
  • C. McGivern & Fred Landesman: Ronald Reagan: the Hollywood years, Bracknell: Reel Publ., 2005, ISBN 0-9540031-9-5

Weblinks

Wikinews Wikinews: Ronald Reagan – in den Nachrichten
 Commons: Ronald Reagan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Offizielle Seiten

Essays und Historiographien

Presse

Andere Medien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Dokumentarfilm "Ronald Reagan - Geliebt und Gehasst" von Eugene Jarecki, USA 2011
  2. http://www.parlament-berlin.de/pari/web/wdefault.nsf/vHTML/G11_6-00045?OpenDocument
  3. 'The Great Communicator' strikes chord with public, CNN. Abgerufen am January 8, 2008. 
  4. Best President? Lincoln on Par With Reagan, Kennedy
  5. Ronald Reagan Seen as Best President since World War II
  6. Ronald Reagan Artikel in der Washington Post
  7. Die A Time for Choosing-Rede, Webseite der University of Virginia
  8. Dionne, E.J.: Political Memo; G.O.P. Makes Reagan Lure Of Young a Long-Term Asset. In: The New York Times, October 31, 1988. Abgerufen am July 2, 2008. 
  9. William Blum: Killing Hope – U.S. Military and CIA Interventions Since World War II Black Rose Books, Montreal/New York/London, ISBN 1-55164-097-X, S.290-305
  10. Universität Hamburg: Nicaragua – Contra-Krieg
  11. International Court of Justice: Case concerning military and paramilitary activities in and against Nicaragua 27. Juni 1986
  12. List of UN Security Council resolutions vetoed by the USA, 1972–2002
  13. Hugh O'Shaughnessy: Grenada: Revolution, Invasion und Aftermath London 1984, S.15,16,204
  14. Chris Searle: In Nobody's Backyard: Maurice Bishop's Speeches 1979–1983, London 1984, siehe Bishops Rede vom 13. April 1979
  15. U.S. VETOES U.N. RESOLUTION 'DEPLORING' GRENADA INVASION New York Times, 29. Oktober 1983
  16. Subjects of UN Security Council Vetoes
  17. New York Times, 4. November 1983, S.6
  18. US-Präsident Reagan irritiert die Weltöffentlichkeit bei einer Mikrofonprobe Kalenderblatt auf den Seiten von Deutschlandradio Kultur
  19. Historical Debt Outstanding – Annual 1950–2000
  20. Transkript der Rede "A time for Choosing"
  21. Video von "A time for choosing" bei 3:49
  22. Transkript der Farewell Address to the Nation, Oval Office, January 11, 1989
  23. Transkript der Farewell Address to the Nation, Oval Office, January 11, 1989
  24. Video der Farewell Address auf C-SPAN
  25. http://www.parlament-berlin.de/pari/web/wdefault.nsf/vHTML/G11_6-00045?OpenDocument
  26. Süddeutsche Zeitung, 6. Juli 2011, Seite 12

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