Franz [1]


Franz [1]

Franz (lat. Franciscus, franz. François, ital. Francesco, span. Francisco, soviel wie Franke, Franzmann), männlicher Vorname, den zuerst Franziskus von Assisi getragen haben soll. Hervorragende Fürsten dieses Namens:


Übersicht nach den Ländern.


Deutsche Kaiser 1, 2.

Anhalt 3.

Bretagne 4.

Frankreich 5, 6.

Hohenzollern 7.

Modena 8, 9.

Neapel, s. Sizilien 15, 16.

Österreich 10–13.

Sachsen 14.

Sizilien 15, 16.

Spanien 17.


[Deutsche Kaiser.] 1) F. J. Stephan, geb. 8. Dez. 1708, gest. 18. Aug. 1765 in Innsbruck, Sohn des Herzogs Leopold Joseph Karl von Lothringen und Bar und der Prinzessin Elise Charlotte von Orléans, wurde seit 1723 in Wien am kaiserlichen Hof erzogen und mit dem schlesischen Herzogtum Teschen belehnt, folgte 1729 seinem Vater in Lothringen und. Bar, trat aber infolge des zwischen Frankreich und Österreich zur Beendigung des Polnischen Erbfolgekrieges zu Wien geschlossenen Friedens 1735 seine Erblande an Ludwigs XV. Schwiegervater Stanislaus Leszczynski ab und erhielt als Entschädigung die Anwartschaft auf das Großherzogtum Toskana, das er 1737 nach Erlöschen des Hauses Medici in Besitz nahm. Seit 12. Febr. 1736 mit Maria Theresia, der Tochter Kaiser Karls VI., vermählt, unterzeichnete er 11. April 1736 die Abtretungsurkunde und erhielt für sich die Generalstatthalterschaft der Niederlande und die Zusage der Hand der zweiten Kaiserstochter, Marianne, für seinen Bruder Karl. Nach dem Tode Karls VI. (1740) von seiner Gemahlin zum Mitregenten der österreichischen Erblande erklärt, hatte er dennoch keinen direkten Anteil an der Staatsregierung, ward aber nach Karls VII. Tode (20. Jan. 1745) römisch-deutscher Kaiser (Krönung zu Frankfurt 4. Okt. 1745). Die Leitung der politischen Angelegenheiten Deutschlands überließ F. seiner Gemahlin, wogegen er sich um Hebung von Wissenschaft und Kunst, Handel und Gewerbe in Österreich bemühte. Von seinen fünf Söhnen wurden Joseph (II.) und später Leopold (II.) Kaiser, der 1765 Toskana erhalten hatte, Ferdinand Herzog von Modena, Maximilian Hoch- und Deutschmeister, von seinen vier Töchtern Karoline Königin von Neapel, Amalie Herzogin von Parma und Maria Antoinette Königin von Frankreich. Vgl. Seyfart, Leben u. Taten Kaiser F.' I. (Nürnb. 1766); Fromm, Die Kaiserwahl F.' I. (Dissertation, Jena 1883).

2) F. II. Joseph Karl, als Kaiser von Österreich F. I., geb. 12. Febr. 1768 in Florenz, gest. 2. März 1835 in Wien, Sohn Kaiser Leopolds II. (s.d.) und der Marie Luise, einer Tochter König Karls III. von Spanien, anfangs in Florenz, seit 1784 aber unter der Leitung seines Oheims Joseph II. in Wien erzogen, begleitete 1788 den Kaiser auf einem Zuge gegen die Türken und übernahm 1789 unter Laudons Leitung selbst den Oberbefehl. Vom 18. Febr. bis 12. März 1790 führte er nach Josephs II. Tode bis zum Eintreffen seines Vaters aus Toskana interimistisch die Regierung, von Kaunitz beraten, trat nach seines Vaters Tode (1. März 1792) die Regierung in den österreichischen Erblanden an und ward 14. Juli zum römischen Kaiser gekrönt. Infolge des Bündnisses, das Leopold II. 7. Febr. 1792 mit Preußen gegen Frankreich geschlossen, begann der Krieg, den F. auch fortsetzte, als Preußen den Separatfrieden zu Basel (5. April 1795) abschloß. Nach dem Vorrücken der Franzosen in Italien unter Napoleon Bonaparte trat F. im Frieden von Campo Formio (17. Okt. 1797) Mailand und die Niederlande gegen Venedig, Istrien und Dalmatien ab. 1799 kämpfte F. im Bunde mit Rußland und England anfangs glücklich gegen Frankreich, verlor aber durch die Niederlage bei Marengo seine italienischen Besitzungen und ward durch den Frieden von Lüneville (9. Febr. 1801) zu neuen großen Opfern gezwungen. Nach vergeblichen Vermittelungsversuchen begann F. 1805 in Verbindung mit Rußland, Schweden und England den dritten Krieg, doch die Schlachten bei Ulm und Austerlitz zwangen ihn zum Frieden von Preßburg (26. Dez. 1805), der ihn abermals große Gebietsteile (besonders Tirol und Venetien) mit 3 Mill. Einw. kostete. Nachdem F. schon 14. Aug. 1804 den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich angenommen hatte, legte er nach Errichtung des Rheinbundes (12.–17. Juli) 6. Aug. 1806 die deutsche Kaiserkrone nieder. Neutral bei dem Kriege Preußens und Rußlands gegen Frankreich (1806–07), verlor er durch den vierten Krieg gegen Napoleon nach der Schlacht bei Wagram im Wiener Frieden (14. Okt. 1809) 100,000 qkm Landes (namentlich Illyrien) mit gegen 4 Mill. Einw. Persönlich hegte F. gegen Napoleon eine unüberwindliche Abneigung, und daran änderte auch dessen Vermählung mit F.' ältester Tochter Marie Luise (1. April 1810) nichts. Nach einer Unterredung in Dresden vereinigte sich F. (im Mai 1812) mit Napoleon zum Feldzug gegen Rußland, hielt sich nach dessen unglücklichem Ausgang einige Zeit neutral, trat aber 12. Aug. 1813 der Koalition gegen Frankreich bei und ward durch den ersten Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 in den Besitz einer Ländermasse gesetzt, wie sie keiner seiner Vorfahren besessen hatte. Seit 1815 herrschte F. in ungestörtem Frieden, nur in der Lombardei brach 1821 ein Aufstand aus. Die Landesregierung im Innern ließ im ganzen das Hergebrachte bestehen, wenn auch 1804 das Strafgesetz, 1810 das bürgerliche Gesetz erneuert, die Sonderung und Verteilung der politischen, der Justiz- und Kriminalgegenstände an drei verschiedene Hofstellen angeordnet und auf Grund einer 1792 vorgenommenen Landesvermessung 1817 eine neue Grundsteuer festgesetzt wurde. Im übrigen wurden alle freiern geistigen Bewegungen niedergehalten, besonders die konstitutionellen Bestrebungen unterdrückt. F. war ein engherziger und kleinlicher Geist, legte aber im persönlichen Auftreten ein patriarchalisches Wohlwollen an den Tag und besaß deshalb beim Volk eine gewisse Popularität. F. war viermal vermählt: seit 1788 mit Elisabeth Wilhelmine, Prinzessin von Württemberg, die am 18. Febr. 1790 kinderlos starb; seit 1790 mit Maria Therese von Sizilien, die am 13. April 1807 starb, nach dem sie ihm 13 Kinder geboren, unter ihnen den spätern Kaiser Ferdinand von Österreich; seit 1808 mit Marie Ludovika Beatrix, Prinzessin von Modena, die am 17. April 1816 starb, und seit 1816 mit Karoline Auguste, Tochter des Königs Maximilian Joseph von Bayern, der 1814 geschiedenen Gemahlin des Kronprinzen von Württemberg, spätern Königs Wilhelm I.; beide letztere Ehen blieben kinderlos. Den französischen Briefwechsel F.' mit seinen Geschwistern Leopold und Katharina hat Beer (Leipz. 1874) herausgegeben. Denkmäler sind ihm in Wien, Prag, Graz und Franzensbad errichtet. Vgl. (v. Hormayr) Kaiser F. und Metternich (Leipz. 1848); Meynert, Kaiser F. I. (Wien 1871–73, 2 Bde.); Wolfsgruber, F. I., Kaiser von Österreich (das. 1899, 2 Bde.); v. Helfert, Kaiser F. I. von Österreich und die Stiftung des lombardo-venezianischen Königreichs (das. 1901); Wertheimer, Die drei ersten Frauen des Kaisers F. (Leipz. 1893); Guglia, Kaiserin Maria Ludovika (Wien 1894).

[Anhalt.] 3) Leopold Friedrich F., Herzog von Anhalt-Dessau, s. Leopold (Anhalt).

[Bretagne.] 4) F. II., Herzog von Bretagne, Sohn des Grafen Richard von Etampes, geb. 1435, folgte 1458 seinem Vetter Arthur 11.1. in der Herrschaft über die Bretagne. Da König Ludwig XI. seine Selbständigkeit schmälern wollte, schloß F. mit mehreren mißvergnügten französischen Großen die Ligue du bien public. Ludwig mußte sich zu dem Frieden von St.-Maur, 29. Okt. 1465, verstehen, worin er dem Herzog F. alle von diesem beanspruchten Rechte zugestand. Indes erst 1475 wurde ein dauernder Friede geschlossen, in dem F. dem König Gehorsam und Lehnspflicht gelobte. Nach Ludwigs Tode wurde der Hof des Herzogs aufs neue der Sammelplatz der unzufriedenen französischen Großen, die den Feudalismus vor der Unterdrückung durch die königliche Gewalt zu retten suchten. F. schloß im März 1486 ein Bündnis mit dem römischen König Max (s. Maximilian 1) sowie mit vielen Großen und begann den Kampf gegen die Krone; doch vergeblich. Die Niederlage bei St.-Aubin 26. Juli 1488 vernichtete für immer die Unabhängigkeit der Bretagne; F. mußte im Vertrag von Sablé 20. Aug. 1488 sich von aller Verbindung mit den Feinden des Königs lossagen und versprechen, seine Töchter nicht ohne Einwilligung des Königs zu vermählen. Kurz darauf, 9. Sept. 1488, starb F. Seine älteste Tochter, Anna, die eigentlich dem König Max zugedacht war, heiratete später Karl VIII. und nach dessen Tode Ludwig XII. von Frankreich, deren Tochter Claudia König Franz I., wodurch die Bretagne an Frankreich kam.

[Frankreich.] 5) F. I., König von Frankreich, geb. 12. Sept. 1494, gest. 31. März 1547, Sohn Karls von Orléans, Grafen von Angoulême, und der Luise von Savoyen, folgte seinem Vetter und Schwiegervater, dem König Ludwig XII., 1. Jan. 1515 auf dem französischen Thron. F. besaß die bestechendsten Gaben des Geistes: er war der eleganteste Kavalier des Reiches, von feinster Bildung und voll Neigung für Dichtung und Kunst; feurig und lebendig war sein Wesen, und brennender Ehrgeiz beseelte ihn. Aber diese glänzenden Vorzüge verhüllten nur notdürftig seine tiefen moralischen Mängel: zügellose Genußsucht, gänzliche Immoralität, despotische Herrschbegier. Selbst Ausdauer und kräftige Beharrlichkeit sowie wahres Interesse für sein Volk und seinen Staat gingen ihm ab. In der Tat überließ er die Leitung der Staatsangelegenheiten seiner Mutter und ihren Günstlingen, dem Connetable Karl von Bourbon und dem Kanzler Duprat, und unternahm sofort einen Feldzug nach Ital ien. Nachdem er die Mailand schützenden Schweizer bei Marignano besiegt hatte (13. und 14. Sept. 1515), trat Herzog Maximilian Sforza 4. Okt. 1515 für eine Pension von 30,000 Dukaten das Herzogtum an F. ab. Dieser schloß 19. Dez. 1516 mit dem Papst Leo X. ein Konkordat ab, das die französische Kirche dem König überlieferte. Auch mit König Karl I. von Spanien, dem Herrn der Niederlande, stellte er sich freundlich, indem er zu Noyon (13. Aug. 1516) mit ihm ein Bündnis einging. Doch suchte er die Begründung einer habsburgischen Weltherrschaft dadurch zu verhindern, daß er sich nach dem Tode des Kaisers Maximilian 1519 eifrig um die deutsche Kaiserkrone bewarb und, als ihm dies nicht glückte, mit Karl V. einen Kampf um das Übergewicht in Europa begann. Da er aber keine Verbündeten hatte und er und sein Hof die für den Krieg bestimmten Gelder in Ausschweifungen vergeudeten, fiel der erste Krieg F.' gegen Karl V. (1521–26) sehr unglücklich für den erstern aus. Nachdem sein Angriff auf die Niederlande mißglückt, im Mailändischen sein Feldherr Lautrec bei Bicocca (29. April 1522) besiegt, der Connetable von Bourbon zum Kaiser übergegangen war, führte F. selbst ein Heer nach Italien, ward aber 24. Febr. 1525 bei Pavia besiegt und gefangen genommen. Er wurde in Madrid gefangen gehalten, bis er in dem Madrider Frieden (14. Jan. 1526) eidlich versprochen hatte, das Herzogtum Burgund an Karl abzutreten, auf Neapel und Mailand zu verzichten, Karl von Bourbon zu restituieren und des Kaisers Schwester Eleonore, die Witwe des Königs von Portugal, zu heiraten. Aber nach seiner Freilassung (19. März 1526) brach er alle diese Bedingungen. Papst Clemens VII., auf die Macht des Kaisers eifersüchtig, schloß mit ihm zu Cognac (22. Mai 1526) ein Bündnis (die Heilige Liga) zur Befreiung Italiens, dem auch Heinrich VIII. von England beitrat. Indes dieser zweite Krieg gegen den Kaiser (1527–29) hatte kein besseres Ergebnis als der erste. Ein französisches Heer unter Lautrec, das 1528 bis Neapel vordrang und dieses belagerte, ging infolge Mangels zugrunde. Ein andres französisches Heer in der Lombardei ward 21. Juni 1529 bei Landriano vernichtet. So mußte F. froh sein, in dem durch Luise von Savoyen und des Kaisers Tante Margarete von Österreich abgeschlossenen sogen. Damenfrieden zu Cambrai (5. Aug. 1529) den Madrider Frieden mit der Ermäßigung bestätigt zu erhalten, daß er, anstatt Burgund abzutreten, 2 Mill. Kronen bezahlen und Tournai an Karl überlassen sollte. Er mußte untätig zusehen, wie nun Karl die französische Partei in Italien unterwarf und bestrafte. Bald nachher vermählte F. sich versprochenermaßen, hatte aber zugleich eine Maitresse in der Person der Anna von Pisseleu, die er zur Herzogin von Etampes (s.d.) erhob. Seine Vergnügungen kosteten jährlich 11/2 Mill. Goldtaler ( = 50 Mill. Mk.). Er zog berühmte Gelehrte (Guillaume Budé) und Künstler (Leonardo da Vinci) in sein Land, ließ durch Pélissier hebräische und griechische Manuskripte kaufen, gründete Bibliotheken und errichtete neue Professuren. Unter den Künsten pflegte er besonders die Baukunst: das Louvre, die Schlösser zu St.-Germain-en-Laye, Fontainebleau, Boulogne und Chambord wurden unter ihm erbaut. Die Maler Andrea del Sarto, Rosso Rossi, Primaticcio nahm er in seine Dienste; Ruggieri, Fontana und Bellini schmückten Fontainebleau. Nach dem Tode seiner Mutter stand er unter der Herrschaft des harten, habgierigen und fanatischen Montmorency und, nachdem dieser 1541 in Ungnade gefallen war, unter der des Kardinals von Tournon und des Marschalls von Annebaut, wenig befähigter, aber redlicher Männer, die namentlich die zerrütteten Finanzen wieder in guten Stand brachten. F. in seiner despotischen Weise wandte sich nach kurzem Zögern entschieden von dem Protestantismus ab und erließ gegen die Protestanten das Edikt von Fontainebleau (1. Juni 1540), das allen Richtern die strengste Bestrafung der Ketzerei als eines nicht allein religiösen, sondern auch staatsgefährlichen Verbrechens zur Pflicht machte. 1545 ließ F. viele Tausende harmloser Waldenser in der nördlichen Provence hinschlachten. Trotzdem machte sich F. durchaus kein Gewissen daraus, sich nicht allein mit den deutschen Protestanten, sondern selbst mit den furchtbarsten Feinden der Christenheit, den Türken, gegen den Kaiser zu verbünden. Als dieser durch einen siegreichen Zug gegen die tunesischen Seeräuber seine Kräfte geschwächt hatte, eröffnete F. seinen dritten Krieg (1536–38) gegen ihn; allein die Bemühungen des Papstes Paul III. führten den Abschluß eines zehnjährigen Waffenstillstandes auf Grund des status quo zu Nizza (18. Juni 1538) herbei. Indes nach Karls V. unglücklicher Expedition gegen Algier 1542 unternahm F. gegen ihn einen vierten Krieg. Indem er dabei die Türken zur Verwüstung Italiens herbeirief. erregte er den Abscheu ganz Europas. Während im Süden der Graf Franz von Enghien die Kaiserlichen bei Cérisoles schlug (14. April 1544), drangen Karl V. und Heinrich VIII. von England erobernd bis in die Nähe von Paris vor. So mußte F. 18. Sept. 1544 zu Crépy-en-Laonnais mit dem Kaiser Frieden schließen, der auf den Friedensbedingungen von Cambrai beruhte und überdies F.' Mitwirkung in Karls Kämpfen gegen Türken und Protestanten verhieß: mit England kam ein für F. ungünstiger Friedensschluß erst 7. Juni 1546 zustande. F. hatte also 30 Jahre an der Wiederherstellung der französischen Macht in Italien mit Aufopferung unzähliger Menschenleben und vieler Millionen an Geld vergebens gearbeitet; denn bei seinem Tod war die habsburgische Macht dort fester und ausgedehnter als je zuvor. Er hatte außer seinem Sohn und Nachfolger Heinrich II. noch zwei Töchter, Claudia (vermählt mit Jakob V. von Schottland) und Margarete (die Gemahlin Emanuel Philiberts von Savoyen). 1855 wurde im Louvre sein Reiterstandbild errichtet. Vgl. Herrmann, F. I. (Leipz. 1824); Röderer, Louis XII et François I (Par. 1825, 2 Bde.); Capefigue, François I et la Renaissance (Brüssel 1845, 4 Bde.); Mignet, Rivalité de François I et Charles-Quint (2. Aufl., Par. 1876, 2 Bde.); Coignet, Fin de la vieille France. François I (das. 1885); Paulin Paris, Études sur François I (das. 1885, 2 Bde.); »Catalogue des actes de François I« (1888–90, 4 Bde.); Julia Pardoe, Court and reign of Francis I., king of France (Lond. 1902, 3 Bde.).

6) F. II., König von Frankreich, geb. 19. Jan. 1544 in Fontainebleau, gest. 5. Dez. 1560, Sohn Heinrichs II. und der Katharina von Medici, Enkel des vorigen, vermählte sich 1558 mit Maria Stuart von Schottland und bestieg nach dem Tode seines Vaters 10. Juli 1559 den Thron. Streitigkeiten zwischen dem protestantischen Hause Bourbon und dem katholischen Hause Guise, das den König ganz unter seinen Einfluß gebracht hatte, zerrissen unter ihm das Land, wodurch der Keim zu blutigen Bürgerkriegen gelegt ward. F. hinterließ keine Kinder; ihm folgten nacheinander seine Brüder Karl IX. und Heinrich III. auf den Thron. Vgl. Louis Paris, Négociations, lettres etc., relatives an règne de François II (Par. 1841); De la Barre-Duparcq, Histoire de F. II (das. 1867); Potiguet, La maladie et la mort de François II (das. 1893); Belleval, Les fils de Henri II. François II (das. 1898).

[Hohenzollern.] 7) Friedrich F. Xavier, Prinz von Hohenzollern-Hechingen, s. Friedrich 28).

[Modena.] 8) F. IV. Joseph Karl Ambrosius Stanislaus, Herzog von Modena, Erzherzog von Österreich, geb. 6. Okt. 1779, gest. 21. Jan. 1846, Sohn des Erzherzogs Ferdinand von Österreich, der, ein jüngerer Bruder Josephs II., durch seine Heirat mit der Erbtochter des letzten Herzogs von Modena, Maria Beatrix von Este, 1803 Erbe von Modena geworden, aber schon 1806 gestorben war, gelangte 1815 zur Regierung im Herzogtum Modena und folgte seiner Mutter 1829 in den Herzogtümern Massa und Carrara. Von maßlosem Haß gegen die Revolution erfüllt und ganz unter dem Einfluß der Jesuiten stehend, vertrat F. aufs entschiedenste den absolutistischen Standpunkt. Nach der französischen Julirevolution von 1830 erkannte er den König Ludwig Philipp nicht an, unterstützte dagegen Don Carlos als König von Spanien und gewährte Dom Miguel eine Freistätte an seinem Hof. 1831 ließ er, als in Modena eine Verschwörung ausbrach, eine Anzahl Teilnehmer verhaften, floh dann 5. Febr. auf österreichisches Gebiet, kehrte aber schon 9. März mit österreichischen Truppen zurück und schritt nun mit furchtbarster Strenge gegen alle Verdächtigen ein. F. war Feldzeugmeister in der österreichischen Armee und seit 1812 mit Beatrix, der Tochter des Königs Viktor Emanuel von Sardinien, vermählt. Von seinen Töchtern ward die ältere, Therese, die Gemahlin des Grafen von Chambord, die jüngere, Marie, die des spanischen Prätendenten Don Juan Carlos. Vgl. Galvani, Memorie storiche, intorno alla vita dell' arciduca Francesco IV (Modena 1846–54, 4 Bde.).

9) F. V. Ferdinand Geminian, Herzog von Modena, geb. 1. Juni 1819, gest. 20. Nov. 1875, Sohn des vorigen, folgte diesem 1846 und erwarb 1847 nach dem Anfall Luccas an Toskana das Gebiet von Tivizzano sowie bald darauf nach dem Tode Maria Luisens von Parma das Herzogtum Guastalla. Von Jesuiten erzogen, führte er die Regierung in dem despotischen Geist seines Vaters und stützte sich auf die enge Verbindung mit Österreich. Durch die Revolution im Frühjahr 1848 vertrieben, kehrte er nach der Niederlage der Piemontesen 10. Aug. 1848 in seine Heimat zurück. Anfangs trat er milder auf, wandte sich aber bald, zumal nach einem auf ihn gemachten Attentat, dem alten Despotismus wieder zu. Als Verbündeter Österreichs mußte er nach der Schlacht bei Magenta (im Mai 1859) abermals sein Land verlassen, das, entgegen den Verträgen von Villafranca und Zürich, dem Königreich Italien einverleibt wurde. F. lebte seitdem abwechselnd in Wien und auf seinen Gütern in Böhmen. Er war seit 30. März 1842 in kinderloser Ehe mit der Prinzessin Adelgunde, Tochter des Königs Ludwig I. von Bayern, vermählt. Vgl. Bayard de Volo. Vita di Francesco V, duca di Modena (Modena 1878–86, 4 Bde.).

[Österreich.] 10) F. I., Kaiser von Österreich, s. oben: Franz 2).

11) F. Karl, Erzherzog von Österreich, Vater des jetzt regierenden Kaisers, geb. 7. Dez. 1802, gest. 8. Mai 1878, zweiter Sohn Kaiser Franz' II. (I.) und Maria Theresias, Tochter der Königin Karoline von Neapel, vermählte sich 4. Nov. 1824 mit Prinzessin Friederike Dorothea Sophie (gest. 28. Mai 1872), Tochter des Königs Joseph Maximilian von Bayern, einer Frau, die ihn an Geist, Willenskraft und Ehrgeiz weit überragte. Jedenfalls übte sie wie auf die Thronentsagung Kaiser Ferdinands I. (im Dezember 1848), so auch auf die ihres Gatten, als nächstberufenen Thronfolgers, zugunsten ihres Erstgebornen, Franz Joseph, den maßgebenden Einfluß. F. war ein Wohltäter der Armen und Förderer vieler wissenschaftlicher und humanitärer Vereine; das Museum Francisco-Carolinum in Linz führt seinen Namen.

12) F. Joseph I. Karl, Kaiser von Österreich, geb. 18. Aug. 1830, ältester Sohn des vorigen und der Prinzessin Sophie von Bayern, erhielt eine Erziehung, die von Anbeginn seine einstmalige Berufung auf den österreichischen Kaiserthron ins Auge faßte. Die Leitung führten der Kammervorsteher Graf Heinrich Bombelles und Graf I. B. Coronini, sein erster Lehrer war I. Hoffer, später zugleich Vorstand des k. k. physikalisch-astronomischen Kabinetts; dann übernahmen Fachlehrer (darunter der spätere Erzbischof von Wien, Rauscher, der Maler I. N. Geiger, die Professoren Lichtenfels, Fränzl, Columbus) seine Ausbildung, die bei den Anlagen, dem guten Gedächtnis und der leichten Fassungskraft insbes. für Sprachen erfolgreich war. Die militärische Erziehung leitete seit 1843 Oberst v. Hauslab. Schon 1844 führte F. I. das ihm vom Kaiser Ferdinand I. verliehene Dragonerregiment Nr. 5 bei einem Manöver dem Kommandanten von Mähren und Schlesien, Erzherzog Albrecht, vor. In die Grundsätze der Regierungskunst wurde er von dem Fürsten Metternich und dem Staatsrat Pilgram eingeführt. Am 16. Okt. 1847 erschien er zum erstenmal als Stellvertreter Kaiser Ferdinands in Preßburg bei der Installation des Erzherzogs Stephan als Palatin. Am 6. April 1848 wurde F. I. zum Statthalter von Böhmen ernannt. Die Mission dahin verzögerte sich jedoch, da der für Böhmen neu ernannte Gubernialpräsident Graf Leo Thun in Galizien zurückgehalten wurde. Statt dessen begab sich F. I. nach Verona in das Feldlager Radetzkys und stand bei St. Lucia (6. Mai) zum erstenmal im Feuer. Schon im Begriff, sich nach Prag zu begeben, ereilten ihn in Innsbruck die Nachrichten über den blutigen Aufstand in Prag vom 12. Juni, die seiner Mission ein Ende bereiteten. Am 12. Aug. kehrte er mit der kaiserlichen Familie nach Wien (Schönbrunn) zurück und begab sich mit ihr 7. Okt. nach Olmütz. Der Plan, daß Kaiser Ferdinand abdanke und die Krone seinem Neffen übergebe, bestand in der kaiserlichen Familie schon seit Beginn der Unruhen und sollte nach dem Wunsche der Kaiserin und der Erzherzogin Sophie schon am Geburtstag F. Josephs zur Ausführung kommen; doch warnte damals Schwarzenberg vor einer Ubereilung. Die politischen Verhältnisse nahmen jedoch eine solche Wendung, daß dieser Schritt unausweichlich wurde. Um namentlich den Magyaren gegenüber durch frühere Zusagen des Kaisers nicht gebunden zu sein, ward F. I. 1. Dez. 1848 am Hoflager in Olmütz für volljährig erklärt, worauf 2. Dez. Kaiser Ferdinand abdankte. Da sein Bruder, Erzherzog Franz Karl, auf die Nachfolge verzichtete, trat in diese nun dessen ältester Sohn ein als Kaiser von Österreich und König von Ungarn und Böhmen. Der junge Fürst hoffte gemäß seinem Wahlspruch »Viribus unitis« der allseitigen schwierigen Verhältnisse Herr zu werden. Das erste Ministerium (schon seit 22. Nov. im Amt) bestand aus dem Fürsten Schwarzenberg (Präsident), Graf Stadion (Inneres), Baron Kraus (Finanzen), General Cordon (Krieg), Bach (Justiz), Baron Bruck (Handel), Baron Thinnfeld (Landeskultur), das Ressort des Unterrichts leitete Baron Helfert. Die Verhandlungen der Regierung mit dem damals in Kremsier tagenden Reichstag zerschlugen sich, letzterer wurde 4. März 1849 aufgelöst und eine Verfassung mit zentralistischem Grundgedanken »oktroyiert«; der ungarische Aufstand war niedergeworfen, der Kaiser hatte selbst bei der Erstürmung von Raab (28. Juni) mitgewirkt, der sardinische Krieg durch Radetzky glänzend gewonnen, so daß im ganzen die ersten Regierungsjahre eine Reihe von Erfolgen aufzuweisen hatten. Auch nach außen hin entfaltete Österreich, besonders nachdem F. I. in Bregenz (im Oktober 1850) mit den Königen von Bayern und Württemberg eine Zusammenkunft gehabt hatte, rege Tätigkeit im Sinn einer antipreußischen Politik. Nach dem Tode des Fürsten Felix Schwarzenberg (April 1852) und der Ernennung des unbedeutenden Grafen Buol an seine Stelle erlangte Bach den größten Einfluß in der Regierung, die schon seit der Aufhebung der Verfassung zum Absolutismus zurückgekehrt war (August 1851). Der Kaiser unternahm in den folgenden Jahren Reisen in die verschiedenen Provinzen, um die Verhältnisse des Reiches genau kennen zu lernen. Am 18. Febr. 1853 wurde von dem Ungarn Libényi auf den Kaiser während eines Spazierganges auf der Bastei nächst dem ehemaligen Kärntnertor in Wien ein Attentat unternommen, bei dem er mit einem Messer am Hinterhaupt verwundet wurde; doch erholte er sich nach wenigen Wochen vollständig und setzte die Reisen in die Provinzen auch in diesem Jahre fort. Am 24. April 1854 erfolgte die Vermählung mit der bayrischen Prinzessin Elisabeth (s.d. 5). Die politischen Verhältnisse, äußere und innere, traten nunmehr wieder ernster in den Vordergrund. Sehr verhängnisvoll für Österreich war das 1855 mit dem Papst abgeschlossene Konkordat und die Haltung Österreichs während des Krimkriegs, wodurch der Grund zu einer langjährigen Feindschaft mit dem alten Alliierten, Rußland, gelegt wurde und Österreich isoliert dastand, als es im April 1859 den Krieg gegen Sardinien unternehmen mußte, um seinen italienischen Besitz zu verteidigen. Nach der ersten unglücklichen Schlacht von Magenta (4. Juni) übernahm F. I. den Oberbefehl, Österreich wurde aber schon 24. Juni bei Solferino so schwer geschlagen, daß der Kaiser in einer Zusammenkunft mit Napoleon in Villafranca (8. Juli) Frieden schloß, in dem die Lombardei preisgegeben wurde. Im Innern bedeutete das Oktoberdiplom vom 20. Okt. 1860 und das Februarpatent vom 26. Febr. 1861 den Bruch mit der absoluten Regierungsweise der letzten Jahre; aber nur für kurze Zeit, da die neue Verfassung schon 20. Sept. 1865 sistiert wurde. Die entscheidendste Frage jedoch war die des Verhältnisses Österreichs zum Deutschen Bund. F. Josephs Einladung zum Frankfurter Fürstentag, der am 16. Aug. 1863 begann, fand mit Ausnahme Preußens allseits Entgegenkommen, aber die Verhandlungen betreffs der Reform des Bundes verliefen ohne Ergebnis, die schleswig-holsteinischen Verwickelungen verschärften das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Vormächten und führten unmittelbar zum Krieg von 1866, durch den Österreich seine Machtstellung in Deutschland und Venetien verlor. Die Folge dieser äußern Verluste war eine Klärung der innern Verhältnisse im Sinn eines dualistischen Staatsprinzips. Am 8. Juni 1867 wurde F. I. in Ofen feierlich zum König von Ungarn gekrönt. Die Verfassung von 1861 wurde wiederhergestellt und durch die Verlautbarung der Staatsgrundgesetze vom 21. Dez. 1867 im freiheitlichen Sinn ausgebaut, und während der Jahre 1867–70 geschah im Innern manches im Geiste liberalen Fortschritts auf dem materiellen und geistigen Gebiet. Zusammenkünfte F. Josephs mit Napoleon III. 1867 zu Salzburg und Paris blieben ohne tatsächliche Folgen. 1869-reiste F. I. zur Eröffnung des Suezkanals nach Ägypten. Zum deutschen Kaiser Wilhelm I. wurden freundschaftliche Beziehungen bereits im September 1871 bei einer Zusammenkunft in Gastein und Salzburg angeknüpft, der dann im September 1872 der für die weitere Politik bedeutsame Besuch F. Josephs und Kaiser Alexanders von Rußland in Berlin folgte. Im folgenden Jahre (1873) empfing F. Joseph anläßlich der Weltausstellung zahlreiche Souveräne in Wien, und noch im selben Jahr beging er sein 25jähriges Regierungsjubiläum unter allseitigen freudigen Kundgebungen von seiten der Bevölkerung. Im Innern herrschte damals eine liberale Richtung: nachdem schon 1870 das Konkordat aufgehoben worden war, erfolgten durch das verfassungstreue Ministerium Auersperg (seit November 1871) die neuen Kirchengesetze und der Ausgleich mit Ungarn. Bis 1879 währte diese Ära, seither begann, von Taaffe zuerst versucht, die Versöhnungspolitik, die mit einzelnen stürmischen Unterbrechungen noch fortdauert. Gestützt auf das Deutsche Reich, vermied F. I. 1877 eine Einmischung in den russisch-türkischen Krieg und besetzte 1878 Bosnien, worauf das Verhältnis zu Rußland ein immer gespannteres wurde und erst in den 1890er Jahren einen leidlichern Charakter gewann. Als Gegengewicht ward 1879 ein förmliches Bündnis mit Deutschland abgeschlossen, dem sich dann auch Italien zugesellte. F. I. hat während seiner wechselvollen, von den schwierigsten Krisen erfüllten Regierung das von größter Pflichttreue getragene Bestreben bewiesen, nach eignem Urteil und mit möglichster Berücksichtigung der verschiedenartigen Interessen seiner Länder die Regierung zu führen. Die Armee, die sich seiner besondern Fürsorge erfreut, hat, dank einer neuen Organisation und der Opferwilligkeit der Völker, an Stärke und Tüchtigkeit wesentlich gewonnen. Seine Residenz ist, seit Ungarn eine so bedeutende Rolle im Reiche spielt, einen Teil des Jahres in Ofen und im Schloß Gödöllö, sonst regelmäßig in der kaiserlichen Burg 'zu Wien und im Schlosse Schönbrunn, während des Hochsommers in Ischl. Noch die Feier der silbernen Hochzeit (1879) und das 40jährige Regierungsjubiläum (1888) feierte F. I. inmitten eines glücklichen Familienlebens. Seither trafen ihn furchtbare Schicksalsschläge: der Tod des Kronprinzen Rudolf (30. Jan. 1889), die Ermordung der Kaiserin (10. Sept. 1898), der Tod seines Bruders Erzherzog Karl Ludwig und andrer Familienmitglieder. Am 12. Juni 1903 versuchte ein Irrsinniger, Jakob Reich, den Kaiser auf der Fahrt durch die Mariahilferstraße mit einem Stocke zu treffen. Die Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums (2. Dez. 1898), die F. I. fern von Wien auf dem Schlosse seiner Tochter, Erzherzogin Marie Valerie, in Wallsee beging, beschränkte sich angesichts der Trauer um die Kaiserin in ganz Österreich auf ernste Festlichkeiten: in Olmütz und Weißkirchen wurden Standbilder des Kaisers errichtet. Der Ehe mit Elisabeth entsprangen folgende Kinder: Sophie, geb. 5. Mai 1855, gest. 29. Mai 1857; Gisela, geb. 12. Juli 1856 (seit 20. April 1873 vermählt mit dem Prinzen Leopold von Bayern, dem Sohn des Prinzen Luitpold); Kronprinz Rudolf (s.d.), geb. 21. Aug. 1858, gest. 30. Jan. 1889; Marie Valerie, geb. 22. April 1868 (seit 31. Juli 1890 vermählt mit Franz Salvator, Erzherzog von Österreich-Toskana). Vgl. Emmer, Kaiser F. Joseph. 50 Jahre österreichischer Geschichte (Wien 1898, 2 Bde.); Smolle, Fünf Jahrzehnte auf Habsburgs Thron, 1848–1898 (das. 1898); Rostok, Die Regierungszeit des Kaisers u. Königs F. Joseph I. (3. Aufl., das. 1903); Schnitzer u. a., F. Joseph I. und seine Zeit (das. 1898, 2 Bde.; Prachtwerk); »Viribis unitis. Das Buch vom Kaiser«, mit Einleitung von I. A. v. Helfert (Prachtwerk, hrsg. von M. Herzig, das. 1898).

13) F. Ferdinand, Erzherzog von Österreich-Este, geb. 18. Dez. 1863 in Graz, ältester Sohn des Erzherzogs Karl Ludwig (geb. 1833, gest. 19. Mai 1896), Bruders des Kaisers Franz Joseph, und seiner zweiten Gemahlin Marie Annunciata von Sizilien, erbte 1875 nach dem Erlöschen des Hauses Modena dessen großes Vermögen und den Titel Este. 1892–93 unternahm er eine Weltreise, die er im »Tagebuch meiner Reise um die Erde« (Wien 1895–96, 2 Bde.) schilderte. 1894 wurde er Generalmajor und Kommandant der 38. Infanteriebrigade in Budweis, 1898 Stellvertreter des Kaisers im obersten Kommando, 1899 General der Kavallerie. Durch den Tod des Kronprinzen Rudolf (30. Jan. 1889) und seines Vaters, des Erzherzogs Karl Ludwig, fiel ihm die Anwartschaft auf den österreichischen Thron zu. Am 1. Juli 1900 vermählte er sich morganatisch mit der zur Fürstin Hohenberg (s.d.) erhobenen Hofdame Sophie Gräfin von Chotek (s.d. 2), nachdem er für seine Nachfolgeschaft auf die Erbfolge verzichtet hatte. Im April 1901 übernahm er das Protektorat über den Katholischen Schulverein.

[Sachsen.] 14) F. Albert, Prinz von Sachsen-Lauenburg, geb. 31. Okt. 1598, gest. 10. Juni 1642, kämpfte im Heer der Liga unter Tilly, 1625–29 im kaiserlichen Heere Wallensteins, seit 1630 im schwedischen und kam 1632 in der Schlacht bei Lützen fälschlich in Verdacht, den König Gustav Adolf, an dessen Seite er sich befand, verräterisch erschossen zu haben. In sächsische Dienste getreten, ward er im Februar 1634 von Wallenstein in geheimen Unterhandlungen an Bernhard von Weimar nach Regensburg gesandt, geriet auf dem Rückweg in die Hände der Kaiserlichen und ward in Wien samt seinem Bruder, dem kaiserlichen Obersten Heinrich Julius, bis August 1635 in Hast gehalten. 1641 trat er an Stelle Arnims an die Spitze des kaiserlichen Korps in der Oberlausitz, kommandierte 1642 ein Korps unter dem Erzherzog Leopold in Schlesien und starb bei einem Versuch, Schweidnitz zu entsetzen, durch Torstensson geschlagen, schwer verwundet und gefangen in Schweidnitz.

[Sizilien.] 15) F. I. Januarius Joseph, König bei der Sizilien, geb. 20. Aug. 1777, gest. 8. Nov. 1830, Sohn Ferdinands I. (IV.) und der Erzherzogin Karoline von Österreich, vermählte sich 1797 mit Klementine, Tochter Kaiser Leopolds II. (aus welcher Ehe die Herzogin von Berry entsprossen ist), und nach deren Tode 1802 mit Isabella, Tochter des Königs Karl IV. von Spanien, die ihm zwölf Kinder schenkte. Nachdem durch englischen Einfluß bewirkt worden war, daß Ferdinand I. 16. Jan. 1812 F. zum Reichsverweser von Sizilien ernannte, gab er mit Hilfe des englischen Admirals Bentinck den Sizilianern eine neue Verfassung und setzte ein Parlament ein, das freilich von Ferdinand I. nach Wiederantritt der Regierung wieder aufgelöst wurde. Als Unruhen in Sizilien den König zu versöhnlichen Schritten zwangen, ernannte er F., der kurz vorher den Titel eines Herzogs von Kalabrien erhalten hatte, 1816 zum Gouverneur von Sizilien, in welcher Stellung dieser durch scheinbaren Liberalismus die Sympathien des Volkes gewann. Nach Ausbruch der Revolution 1820 übergab ihm der König abermals die Regierung. F. beschwor die spanische Konstitution von 1812, berief ein Parlament und ein neues Ministerium und stellte die Preßfreiheit her. Jedoch infolge der österreichischen Intervention legte er die Regierung wieder nieder und lebte in Zurückgezogenheit, bis ihn der Tod seines Vaters 4. Jan. 1825 auf den Thron rief. Die liberalen Ideen, die der Kronprinz vertreten, wurden von dem König gänzlich vergessen, der sich durchaus der reaktionären Politik Österreichs anschloß. Während am Hof üppige Zuchtlosigkeit herrschte, wurden die Zustände des Landes immer trauriger, da F. die Verwaltung den ungebildetsten Menschen überließ und durch ein arglistisches Spionier- und Denunziationssystem jede geistige Bewegung unterdrückte. Vgl. Nisco, Il reame di Napoli sotto Francesco I (Neapel 1887).

16) F. II. Maria Leopold, König bei der Sizilien, geb. 16. Jan. 1836, gest. 27. Dez. 1894, der einzige Sohn aus der ersten Ehe des Königs Ferdinand II. mit der Prinzessin Christiane von Savoyen, ward seinen der zweiten Ehe seines Vaters entsprungenen Halbbrüdern wegen seiner geringen Geistesanlagen vielfach nachgesetzt, genoß eine mangelhafte Erziehung und blieb auch herangewachsen allen Staatsgeschäften fern. Am 3. Febr. 1859 vermählte er sich mit der Prinzessin Marie, Tochter des Herzogs Maximilian in Bayern und Schwester der Kaiserin Elisabeth von Österreich. In kritischer Zeit, 22. Mai 1859, starb Ferdinand II. und hinterließ die Krone dem durchaus unfähigen und unvorbereiteten Sohn. So blieb denn die alte Camarilla am Ruder, an ihrer Spitze die verwitwete Königin, und führte, zumal nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Österreich und Sardinien, ein grausames Schreckensregiment, das den Ausbruch der nationalen Erhebung in Süditalien nur beschleunigte. Am 4. April 1860 begann in Palermo der Aufstand, wurde zwar hier unterdrückt, verbreitete sich aber schnell über das ganze Land, zumal seit Garibaldi 11. Mai in Marsala gelandet war, der, nachdem er die Insel fast ganz erobert hatte, auf das Festland übersetzte und sich gegen Neapel selbst wandte. Zu spät (25. Juni 1860) berief F. ein liberales Ministerium, verkündete eine volle Amnestie für alle politischen Vergehen und sagte die Ausarbeitung einer Verfassung zu. Seine Versprechungen fanden keinen Glauben; im Heer wie in der Flotte und selbst in der Umgebung des Königs griff der Abfall um sich, und F. blieb nichts weiter übrig, als sich mit dem Rest seiner Truppen hinter den Volturno zurückzuziehen und sich, als die sardinischen Truppen in den Kampf eingriffen, in die Festung Gaeta zu werfen, wo er sich (ermutigt durch seine ritterliche Gemahlin) noch drei Monate hielt. Erst 13. Febr. 1861 kapitulierte er und begab sich mit der Königin nach Rom, wo er einige Jahre lebte, später nach Bayern. Vergeblich protestierte er gegen die Annexion seiner Länder durch das Königreich Italien und suchte durch Unruhen, die Briganten in seinem Sold anstifteten, die sardinische Herrschaft wieder zu stürzen. Vgl. Nisco, Francesco II re (Neapel 1888); De Cesare, La fine di un regno, Bd. 2: Regno di Francesco II (Città di Castello 1900).

[Spanien.] 17) F. de Assisi Maria Ferdinand, König von Spanien, Herzog von Cadiz, Sohn des spanischen Infanten Franz de Paula, geb. 13. Mai 1822, gest. 16. April 1902 in Epinay, körperlich schwach und geistig höchst unbedeutend, wurde deswegen auf Betrieb Ludwig Philipps von Frankreich, der seinem Sohn Montpensier, dem Gemahl der jüngern Schwester, Luise, oder wenigstens dessen Nachkommen die spanische Krone zuwenden wollte, 1846 mit der Königin Isabella II. vermählt. Er erhielt den Königstitel, wurde aber von der Königin gänzlich beiseite geschoben. Er folgte ihr nach ihrem Sturz (September 1868) zwar ins Exil, trennte sich jedoch durch Vertrag vollständig von ihr.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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