Geschichte Marokkos
Buchillustration aus dem 13. Jahrhundert: Die Geschichte von Bayâd und Riyâd

Seit 500.000 Jahren bildet Marokko eine Brücke zwischen Orient und Okzident, Afrika und Europa. Ausgrabungsfunde und Felszeichnungen belegen, dass das Land bereits sehr früh besiedelt war und sich hier teilweise steinzeitliche Kulturen fanden, die ebenso nördlich des Mittelmeers verbreitet waren. Marokko war Siedlungsgebiet der Phönizier, Machtbereich Karthagos, Teil des Römischen Reiches (und an der Mittelmeerküste teilweise christianisiert) und wurde während der Völkerwanderung vom germanischen Stamm der Vandalen durchzogen. Die Nordspitze Marokkos fiel dann wieder für 150 Jahre an Ostrom, also an das Byzantinische Reich, ehe im späten 7. Jahrhundert der Islam seine Vorherrschaft hier errang und die Geschichte eigenständiger marokkanischer Dynastien begann, deren Herrschaftsgebiet in einigen Jahrhunderten bis weit südlich der Sahara reichte und erst mit der Kolonialisierung durch Frankreich 1912 endete. Seit 1956 ist das Land eine unabhängige konstitutionelle Monarchie.

Inhaltsverzeichnis

Ur- und Frühgeschichte

Verbreitung des Iberomaurisien in Nordafrika

Aus der altsteinzeitlichen Kultur des Acheuléen (vor 750.000–120.000 Jahren) sind in Marokko einige Artefakte wie die sogenannte Venus von Tan-Tan mit einem geschätzten Alter zwischen 300.000 und 500.000 Jahren gefunden worden. Einige 160 000 Jahre alte menschliche Artefakte sowie Werkzeuge aus dem Moustérien (vor 120.000–40.000 Jahren) wurden in der Höhle von Jebel Irhoud entdeckt. Es folgten in verschiedenen Teilen Marokkos als steinzeitliche Kulturen das Atérien (vor 40.000 bis 35.000 Jahren) und das Ibéromaurusien (38.000–8.550 v. Chr.), also die „Ibero-Mauretanische Kultur“. Die Jungsteinzeit mit der sonst in Europa verbreiteten Cardial- oder Impressokultur (6.300–3.800 v. Chr.) währte hier etwa von 8.000–3.000 v. Chr.

Die Bronzezeit dauerte hier etwa von 3.000 v. Chr. und 800 v. Chr., wobei die dazu gehörende Glockenbecherkultur (2.400–1.800 v. Chr.), die wie die Cardial- oder Impressokultur ansonsten überwiegend nördlich des Mittelmeeres verbreitet war, vereinzelt auch in Marokko nachweisbar ist. Wichtige archäologische Funde sind außerdem ein Cromlech von Msoura genannter Megalith und die Petroglyphen in Figuig.

Altertum

Die Provinz Mauretania Tingitana innerhalb des römischen Reiches

Zwischen 1.000 v. Chr. und 500 v. Chr errichteten Phönizier Handelsstützpunkte und Städte wie etwa Lixus an der marokkanischen Mittelmeer- und sogar Atlantikküste.[1][2][3][4] Karthago beherrschte Teile Nordmarokkos zwischen 500 v. Chr. und 218 v. Chr., die Großstadt Tanger z.B. ist eine karthagische Gründung. [5][6] Zwischen 110 v. Chr. und 40 war es vom Königreich Mauretanien und den Getuli beherrscht.[7] Als letztes Stück der Mittelmeerküste verlaibte sich das Römische Reich zwischen 40 und 395 n. Chr. weite Teile Marokkos ein, das so zur Provinz Mauretania Tingitana wurde, benannt nach dem damaligen, ursprünglich karthagischen Namen Tangers, Tingit.[8] Die Römer gründeten hier ebenfalls Städte wie etwa die Ruinen von Volubilis und Banasa noch heute bezeugen. Im 4. Jahrhundert breitete sich auch in weiten Teile des nördlichen Marokko das Christentum aus. Nach der Römischen Teilung wurde Marokko 395 bis 429 n. Chr. Teil des Weströmischen Reich bis zum Einfall der Vandalen, die zwischen 429 und 533 den Osten des Landes beherrschten.

Da die Vandalen zwar das Ende der weströmischen Herrschaft in Marokko besiegelt hatten, aber nicht dort, sondern östlich, im heutigen Algerien und Tunesien eine dauerhafte Herrschaft errichteten, etablierte sich im nordwestlichen Marokko das berberisch-römische Reich von Altava,[9] dass sich hier wahrscheinlich trotz der Eroberungsversuche durch das Byzantinisches Reich bis zur Eroberung durch die Araber um 700 halten konnte. Byzanz konnte sich nur in wenigen Orten und Küstenstreifen im Norden festsetzen, die übrigen Teile des Landes waren in verschiedene Kleinreiche aufgeteilt.

Mittelalter

Frühislamische Fürstentümer in Marokko
Das Reich der Almoraviden
Das Reich der Almohaden

Frühislamische Zeit

In den ersten 60 Jahren nach der islamischen Eroberung, zwischen 686 und 744, war Marokko Teil des Kalifats der Umayyaden, das in seiner größten Ausdehnung von der Iberische Halbinsel bis ins heutige Pakistan reichte.[10][11][12][13][14][15]

Nach dem Ende des Kalifats zerfiel das Land infolge des Aufstands des Maysara in die Herrschaftsbereiche verschiedener Dynastien, die teils berberischer, teils arabischer Herkunft waren. So entstanden etwa die Fürstentümer der Bargawata (740–1054),[16][17][18] der Midrariden von Sidschilmasa (ca. 789–977),[19][20][21][22] der Salihiden von Nakur (710–1084)[23][24] und das bedeutende Reich der Idrisiden (789–985).

Die konkurrierenden Kalifate von Córdoba und Kairo führten Stellvertreterkriege in Nordafrika.

Die Großreiche der Almoraviden und Almohaden

Die Berberdynastie der Almoraviden verband zwischen 1052 und 1147 religiöse Erneuerung und Eroberungen durch den Dschihad.[25] Ihr Reich umfasste auf seinem Höhepunkt außer Marokko auch Teile der Iberischen Halbinsel und Algeriens sowie riesige Gebiete südlich der Sahara.

Die ebenso strenggläubigen Almohaden beherrschten Marokko, al-Andalus und weite Teile Algeriens und Tunesiens zwischen 1125 und 1269.[26][27]

Die Sultanate der Meriniden und Wattasiden

Die Almohaden wurden von den Meriniden besiegt, die zwischen den Jahren 1215[28] und 1465 deren Erbe antraten. Zwischen 1472 und 1549 waren die Wattasiden die mächtigsten Herrscher des Landes.[29][30]

Neuzeit

Portugiesische Besitzungen in Marokko (1415–1769)

Portugiesische und spanische Eroberungen in der frühen Neuzeit

Zwischen 1458–1755 eroberten und beherrschten die Portugiesen trotz ihrer vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Alcácer-Quibir 1578 etliche Städte der marokkanischen Küste und bezeichneten diese Gebiete zusammenfassend als Rei do Algarve dalém mar em África ("Königreich der Algarve über dem Meer in Afrika"). Im Vertrag von Alcáçovas 1479 einigten sie sich mit den konkurrierenden Spaniern über die Aufteilung dieses Teiles von Nordafrika.

Die portugiesischen Besitzungen waren:

  • Alcazarquivir 1458–1550
  • Tanger 1471–1580, 1640–1666
  • Asilah 1471–1550 und 1577–1580
  • Safi 1488-1541
  • Fortaleza da Graciosa (1489)[31][32]
  • Agadir 1505–1541

Die spanischen Besitzungen:

  • Spanien
    • Ifni 1476-1524 und 1868-1969
    • Cazaza 1505-1532[33]
    • Casablanca und Tanger 1580-1640
    • Larache 1610-1689
    • La Mamora 1616-1681

1549–1664: Wirtschaftliche und politische Blüte unter den Saadiern

Das Saadier-Reich zur Zeit seiner größten Ausdehnung (um 1591)

Die Autorität der Wattasiden-Dynastie litt darunter, dass sie den Attacken der Portugiesen auf marokkanische Küstenstädte keinen wirksamen Widerstand leisten konnten. Nachdem die Herrscherfamilie der Saadier, die ihren Machtbereich im Süden Marokkos hatten, 1541 die Stadt Agadir von den Portugiesen zurückerobern khatten, konnten sie sich auch gegen die herrschende Dynastie durchsetzen und 1549 die Wattasiden stürzen und für mehr als 100 Jahre die Herrschaft im Lande übernehmen. Sie mußten sich in dieser Zeit nicht nur gegen die Portugiesen, sonder vor allem gegen das Osmanische Reich behaupten, das Anfang des 16. Jahrhunderts mit Ausnahme Marokkos die gesamte nordafrikanische Mittelmeerküste beherrschte und 1519 auch das benachbarte Algerien zum türkischen Vasallen gemacht hatte. Bei den Eoberungsversuchen der Osmanen gelang es diesen zeitweise zwar Fes zu besetzten und sich in die Thronfolge der Saadier einzumischen, unter Ahmad al-Mansur (1578–1603) konnte sich Marokko aber endgültig gegen die Osmanen behaupten und wurde zu einer Regionalmacht, deren Einfluss weit über die Sahara hinaus reichte. 1591 schickte er eine mit Feuerwaffen ausgestattete Armee von 5000 Mann, die hauptsächlich aus Europäern bestand (Renegaten oder ehemalige Kriegsgefangene) durch die Sahara und zerstörte das mächtige Songhaireich, das sich zu diesem Zeitpunkt vonm Atlantik über den größten Teil des heutigen Mauretaniens und Malis erstreckte. Zwar waren die Marokkaner nicht in der Lage, das riesige Reich jenseits der Sahara dauerhaft zu beherrschen, die Kriegsbeute in Form von Gold jedoch war ungeheuerlich und die Landkarte Westafrikas dauerhaft verändert.

Beginn der Alawiden-Herrschaft

Mulai ar-Raschid (1664–1672) errichtete die Herrschaft der noch heute Marokko regierenden Dynastie der Alawiden. Wie die Saadier in ihrer Frühzeit erstreckte sich sein Herrschaftsgebiet ursprünglich nur über Südmarokko. Mit der Eroberung von Marrakesch (1659) konnte er jedoch die seit 1549 regierende Dynastie der Saadier endgültig stürzen. Anschließend begann Mulai ar-Raschid den Kampf gegen die mächtige Dila-Bruderschaft, die Nordmarokko unterworfen hatte und die Herrschaft über ganz Marokko anstrebte. 1664 gelang ihm ein entscheidender Sieg bei Meknes über die Bruderschaft. Zwar konnte diese erst 1668 endgültig unterworfen werden, doch wurde ar-Raschid seit dem Einzug in Fès (1666) allgemein als Herrscher anerkannt.

Zunehmender europäischer Einfluss im 19. Jahrhundert

Das Kanonenboot SMS Panther

Seit 1830 Algier französisch geworden war, wurde Algerien auf Kosten Marokkos vergrößert. DIe Spanier waren die 2. Macht, die Marokko bedrängte. 1860, im Spanisch-Marokkanischen Krieg eroberte Spanien die Stadt Tetuan.

Marokko wurde ab 1880 zunehmend zum Objekt der Einflussnahme europäischer Großmächte und zum Zankapfel der europäischen Mächte im Wettlauf um Afrika.

Am 3. Juli 1880 wurde auf einer Konferenz in Madrid zwischen dem Sultan von Marokko und verschiedenen europäischen Staaten sowie den USA die Madrider Konvention beschlossen, die dem Sultan von Marokko die Souveränität des Landes garantierte, ihn aber auch zu verschiedenen Zugeständnissen an die beteiligten Mächte zwang.

Im Rifkrieg (1893), auch Guerra de Margallo (nach Juan García Margallo mit dessen Tod die öffentliche Meinung in Spanien aufgewühlt wurde), bekämpften sich Spanien und 39 Stämmen des Rifs im nördlichen Marokko. Im Laufe der Zeit wurde auch der Sultan von Marokko, Mulai al-Hassan I., mit einbezogen. Der Konflikt wurde im Oktober 1893 kriegerisch, am 9. November 1893 erklärte Práxedes Mateo Sagasta für Spanien einen Krieg, welcher durch das Abkommen von Fez 1894 beendet wurde.

Die Erste Marokkokrise (1905–1906) entstand, nachdem ein Bündnis zwischen Frankreich und Großbritannien den französischen Einfluss in Marokko abgesichert hatte (Sudanvertrag 1899). Auf der internationalen Algeciras-Konferenz vom 16. Januar bis 7. April 1906 in Algeciras (Spanien), entschieden die europäischen Mächte untereinander über die Lösung dieser Krise..

Bezeichnend für die Schwäche des marokkanischen Staates Ende des 19. Jahrhunderts waren die Ereignisse um die Entführung des angeblichen us-amerikanischen Staatsbürgers Ion Perdicaris in Tanger, die eine Krise zwischen den Vereinigten Staaten und Marokko auslöste. Die USA nötigten unter Einsatz von Kanonenbooten Marokko schließlich, sämtlichen Forderungen der Entführer nachtzugeben, um seine Freilassung zu erwirken.

1909 fand ein militärischer Konflikt zwischen Marokko und Spanien urund um Melilla statt, der Rifkrieg von 1909 oder "Krieg um Melilla", bei dem die Spanier nach anfänglichen Niederlagen 40 000 Soldaten gegen Marokko einsetzten und unter Verlust von 2500 Mann ihre Enklave Melilla erweiterten.

Die zweite Marokkokrise, auch als Panthersprung nach Agadir bekannt, wurde 1911 durch die auf persönlichen Befehl Wilhelms II.[34] erfolgte Entsendung[35] des deutschen Kanonenboots Panther nach Agadir ausgelöst, nachdem französische Truppen Fès und Rabat besetzt hatten. Die am 1. Juli 1911 eingetroffene Panther wurde nach wenigen Tagen durch zwei andere deutsche Kriegsschiffe, den Kleinen Kreuzer Berlin und das Kanonenboot Eber, ersetzt.[36] Ziel der deutschen Aktion war die Abtretung von Kolonialgebieten Frankreichs an das Deutsche Reich als Gegenleistung für die Akzeptanz der französischen Herrschaft über Marokko in Folge der ersten Marokkokrise. Drohgebärden wie die Entsendung der Panther sollten dieser Forderung Nachdruck verleihen.

Kolonialisierung (1912–1956)

Französische Artillerie in Rabat, 1911
Die Rif-Republik

Mit dem Vertrag von Fès vom 30. März 1912 wurde Marokko zur französischen Kolonie Französisch-Marokko. Sultan Mulai Abd al-Hafiz wurde abgesetzt und Mulai Yusuf zum Sultan (offizielles Oberhaupt des Landes) ernannt, wenngleich die politischen Entscheidungen von der französischen Kolonialverwaltung getroffen wurden. Spanien hatte sich sein Stück "Spanisch-Marokko", auch bekannt als Er-Rif, in Form von zwei Landstreifen gesichert: Einer führte entlang der marokkanischen Mittelmeerküste, der andere war der sogenannte Tarfaya-Streifen (Kap Juby) zwischen der damaligen Kolonie Spanisch-Westafrika und dem französischen Marokko. Die Hauptstadt von Spanisch-Marokko war Tétouan. Als das Berbervolk der Rifkabylen in Spanisch-Marokko 1921 erfolgreich den Aufstand gegen Spanien wagte und die sogenannten Rif-Republik gründete, die von 1921 - 1926 bestand, schlugen die beiden konkurrierenden Kolonialmächte Spanien und Frankreich gemeinsam gegen die Aufständischen los und besiegten sie schließlich nach einjährigem Kampf 1926, unter Einsatz des international geächteten Senfgases.

Von 1923 bis 1956 bestand die Internationale Zone von Tanger (auch Interzone genannt), ein internationalisiertes, selbstverwaltetes Territorium, das die Stadt Tanger und ein angrenzendes Gebiet umfasste.

Mohammed V. bestieg 1927 den Thron und kooperierte zunächst mit Frankreich. Ab 1944 nutzte eine immer stärker werdende Unabhängigkeitsbewegung die Umwälzungen um das Ende des Zweiten Weltkrieges, um massiv auf ein Ende des Protektorats-Status' zu dringen.

Universal Newsreel (US-Wochenschau) über Aufstände in Marokko, 21. Juli 1955. (Englisch)

Die Operation Brushwood war eine ausschließlich von amerikanischen Truppen und Marinestreitkräften in Marokko durchgeführte Teiloperation des Unternehmens Torch, der Invasion der Westalliierten in Französisch-Nordafrika während des Zweiten Weltkrieges. Ziel der Operation war die Einnahme des etwa 25 Kilometer nordöstlich von Casablanca liegenden und von vichy-französischen Truppen verteidigten Hafens von Fedala, von welchem aus dann nachfolgend der entscheidende Vorstoß gegen Casablanca geführt werden sollte.

Am 10. April 1947 sprach sich auch Mohammed V. offiziell für die Unabhängigkeit aus. Am 20. August 1953 setzten die Franzosen den Sultan ab und brachten ihn ins Exil.

Muhammad (VI.) ibn Arafa 1953–1955
Dennoch blieb er ein identifikationsstiftendes Symbol der Unabhängigkeitsbewegung, die zunehmend auch gewalttätig auftrat. Da Frankreich zu dieser Zeit im Algerienkrieg ebenfalls in kolonialen Auseinandersetzungen stand, versuchte die Regierung die Lage in Marokko zu entschärfen. Am 16. November 1955 durfte Mohammed V. ins Land zurückkehren.

Unabhängigkeit

Casablanca in den 1950er Jahren

Nach der Unabhängigkeit am 2. März 1956 kam es vom Oktober 1958 bis Februar 1959 zur offenen Rebellion gegen die Regierung von Mohammed V., dem Aufstand im Rif. Nach dem Tod des Sultans wurde Marokko 1962 in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt. Schon 1965 allerdings löste Hassan II. das Parlament auf und übernahm die Regierung selbst und ging vor allem gegen die linke Opposition vor.

Zwischen Oktober 1963 und Februar 1964 erlebte das moderne Marokko mit dem Grenzkrieg zwischen Marokko und Algerien, auch Guerre des sables (französisch „Sandkrieg“) genannt, eine erste kriegerische Auseinadersetzung um seine Grenzen.

Am 29. Oktober 1965 wurde der linke Oppositionspolitiker Mehdi Ben Barka in seinem Pariser Exil unter Mitwirkung französischer Polizeibeamter entführt und am gleichen Tag ermordet.

Gegen die Herrschaft von Hassan II. ausgelöste republikanische Putschversuche scheiterten 1971 und 1972. Im November 1975 initiierte Hassan II. den „Grünen Marsch“, bei dem 350.000 Marokkaner die spanische Kolonie Westsahara besetzten. Marokko hatte seitdem mit dem militärischen Widerstand der Einwohner unter der POLISARIO zu kämpfen (Westsaharakonflikt). 1997 kam es zu einem Abkommen mit der POLISARIO, das ein Referendum über die Zukunft der Westsahara für 1998 vorsah, das seitdem aber immer wieder verschoben wurde.

Mit der angekündigten schrittweisen Demokratisierung in Marokko wurden Parlamentswahlen für November 1997 beschlossen, welche die linke Opposition unter Youssoufi erstmals gewann.

Marokko im 21. Jahrhundert

Nach dem Tod Hassan II. (1999) trat sein Sohn Mohammed VI. seine Nachfolge an und leitete demokratische Reformen ein, die aber die starke Stellung des Königs in der Politik noch nicht berührt haben. Seit 2002 regiert eine Mitte-Rechts-Koalition das Land, welche das System der Monarchie im Gegensatz zur Opposition unterstützen und eine Verfassungsreform ablehnen. Wirtschaftspolitisch verfolgt sie einen Privatisierungskurs, sowie eine Deregulierung des Bildungs- und Gesundheitswesens.

Zurzeit hat Marokko erhebliche wirtschaftliche Probleme, unter anderem durch die schnell wachsende Bevölkerung (wodurch die Wirtschaft aber auch hohe nominale Wachstumszahlen des BIPs in den letzten Jahren erreichte), weshalb besonders die Jugend und die Akademiker nicht ausreichend Arbeitsplätze finden können. Die Analphabetenrate der Bevölkerung liegt bei über fünfzig Prozent. Marokko ist nach wie vor das ärmste Land Nordafrikas, über fünf Millionen Menschen der zweiunddreißig Millionen Einwohner leben unter der Armutsgrenze.

Siehe auch: Petersilienkrieg 2002

Siehe auch

Belege

  1. The Phoenicians in Spain, de Marilyn R. Bierling, 2002 Winona Lake, ISBN 1-57506-056-6, S. XII
  2. Eduardo García Alfonso: La Primera Historia de Málaga. La colonización fenicia. Málaga 2002, ISBN 84-7496-928-X, S. 25.
  3. REFLECTIONS ON THE EARLIEST PHOENICIAN PRESENCE IN NORTH-WEST AFRICA de Eleftheria Pappa
  4. The prehistoric and preindustrial deforestation of Europe, de Jed O. Kaplan, Kristen M. Krumhardt, Niklaus Zimmermann, del 2009
  5. La moneda de Rusaddir. Una hipótesis de trabajo de Pilar FERNÁNDEZ URIEL
  6. The voyage of Hanno (Carthaginiensis), Thomas Falconer, 1797, S. 96
  7. Diccionario Larousse de Historia Universal. Tomo IV. Planeta Agostini, Barcelona 1988, ISBN 84-395-0770-4, S. 2352.
  8. La explotación de la púrpura en las costas atlánticas de la Mauritania Tingitana y Canarias. Nuevas aportaciones. De José María Blázquez
  9. Tingitana en la antigüedad tardía, siglos III-VII, de Noé Villaverde Vega, S. 355-356
  10. Tingitana en la antigüedad tardía, siglos III-VII, de Noé Villaverde Vega, S. 363
  11. Apuntes para la história de Marruecos - Cánovas del Castillo, Antonio, 1828-1897, S. 24
  12. Tetuán en la Alta Edad Media, de Guillermo Gozalbes Busto
  13. Embajada de Marruecos en España
  14. History of North Africa, de Charles-André Julien, 1970, S. 21-22
  15. The New Encyclopaedia Britannica, 1998, S. 332
  16. Abdallah Laroui: Historia del Magreb. ed. Mapfre, Madrid 1994, S. 102
  17. Del territorio de Ifni: Cofradías religiosas en Ait Ba Aamrán de A. Domenech Lafuente, 1952, S. 65
  18. Ulrich Haarmann: Geschichte der Arabischen Welt. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage. C.H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47486-1, (Beck's Historische Bibliothek)
  19. Ministerio de Comunicación de Marruecos
  20. Abdallah Laroui: Historia del Magreb. ed. Mapfre, Madrid 1994, S. 102
  21. An Historical Atlas of Islam, E.J. Brill, 1981, ISBN 90-04-06116-9, S. 35
  22. Marruecos en los primeros geógrafos árabes orientales, Guillermo GOZALBES BUSTO y Enrique GOZALBES CRAVIOTO
  23. Historia del Magreb, de Abdallah Larroui, editorial Maphre 1994, ISBN 84-7100-622-7, S. 114
  24. La influencia de León el Africano (ss. XV-XVI) en la obra de Luis del Mármol (s. XVI): Descripción de los núcleos de población costeros del Rif, de Mª Dolores RODRÍGUEZ GÓMEZ
  25. Comisión Nacional del Reino de Marruecos para la Unesco 1973
  26. E. J. Brill's first encyclopaedia of Islam 1913-1936. Escrito por M. Th. Houtsma
  27. Embajada de Marruecos en Italia
  28. Comisión Nacional del Reino de Marruecos para la Unesco 1973
  29. Varias antiguedades de España Africa y otras prouincias, Bernardo Aldrete, Jean Hasrey (Amberes), 1614, paggina 456
  30. Del governo de'regni libri XXI, Francesco Sansovino 1566
  31. II Congreso Internacional La Ciudad en al-Andalus y el Magreb, 2002, paggina 526, Algeciras. Excmo. Ayuntamiento
  32. Historia de Portugal, Fernando Denis, Imprenta del Fomento, 1845, paggina 116
  33. Anales de la Real Academia Matritense de Heráldica y Genealogía. Escrito por Real Academia Matritense de Heráldica y Genealogía
  34. Luciano Canfora: August 1914. Oder: Macht man Krieg wegen eines Attentats? Köln 2010, S. 36
  35. Telegramm der Admiralität vom 26. Juni 1911
  36. Telegramm der Admiralität vom 28. Juni 1911

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