Geschichte Libyens

Die Geschichte Libyens reicht weit in die Antike zurück.

Libya ist das griechische Wort für Afrika (wobei im Altertum dabei ursprünglich nur an das von Libyern bewohnte Gebiet westlich von Ägypten, später an ganz Nordafrika gedacht wurde).

Inhaltsverzeichnis

Ur- und Frühgeschichte

Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung reichen bis ins 10. Jahrtausend v. Chr. als die feuchtere Sahara von Jägern und Sammlern durchzogen wurde. Von diesen stammten auch die ersten Felsmalereien und Gravuren, die auf 9.000 v. Chr. datiert werden. Es wird vermutet, dass diese Menschen Vorfahren der heutigen Fulbe in Westafrika gewesen sind. Mit der zunehmenden Austrocknung seit 3.000 v. Chr. entwickelte sich die Sahara zu der uns heute bekannten Wüste.

Erste historische Nachrichten über Libyen stammen aus Ägypten, das seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. immer wieder von Kämpfen mit Libyern berichtet. Seit 2.300 v. Chr. drangen sie in das Niltal ein und siedelten sich in den Oasen an. Seit 1.200 v. Chr. bedrängten sie die Ägypter, was zu Kämpfen führte. Pharao Ramses III. siedelte einige libysche Stämme an, die sich mit der einheimischen Bevölkerung assimilierten. Um 946 v. Chr. wurde ein libyscher Häuptling als Scheschonq I. König von Ägypten. Seine Dynastie erstreckte sich über zwei Jahrhunderte.

Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. wurde die libysche Küste von Griechen und Phöniziern besiedelt. Die Griechen ließen sich in der Kyrenaika (Cyrenaika), dem östlichen Teil des heutigen Libyen, nieder und gründeten u. a. Kyrene (631 v. Chr.), Taucheira, Ptolemais, Barqa und Euhesperides (Banghazi). 331 v. Chr. geriet die Kyrenaika unter die Herrschaft Alexanders des Großen, nach dessen Tod die Ptolemäer Ägypten und die Kyrenaika im Zuge der Diadochenkämpfe an sich rissen. Ihre Herrschaft dauerte bis 96 v. Chr., als das Land römisch, mit der Reichsteilung von 395 oströmisch wurde.

Die Ausgrabungsstätte Sabratha

In Tripolitanien, dem westlichen Teil, gründeten die Phönizier die Städte Sabratha, Oea (Tripolis) und Leptis Magna, die aber schon im 6. Jahrhundert v. Chr. unter die Kontrolle von Karthago kamen und bis 200 v. Chr. zur karthagischen Provinz gehörten. Anschließend war dieser Landesteil dem Königreich Numidien einverleibt, ehe er 46 v. Chr. römische Provinz wurde.

Bogen des Markus Aurelius in Tripolis

Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberte das Römische Reich Tripolitanien und die Kyrenaika. Nur die Garamanten, Berber-Stämme in der Fessan-Wüste im Süden, konnten ihre Unabhängigkeit bewahren. Die römische Herrschaft war eine Zeit großer wirtschaftlicher und kultureller Blüte. Vor allem die Städte profitierten von der blühenden Landwirtschaft und durch den Transsaharahandel mit der Sahelzone, wovon noch heute die prachtvollen Ruinenstädte zeugen. Den Höhepunkt dieser Entwicklung markiert die Herrschaft von Kaiser Septimius Severus (190–211), der seine Geburtsstadt Leptis Magna sowie die anderen Städte der Region erweitern und ausschmücken ließ.

Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 wurde Tripolitanien an das Weströmische, Kyrenaika an das Oströmische Reich angegliedert. Nach der Vertreibung der Vandalen, die 450 in Tripolitanien eingefallen waren, war der westliche Landesteil ab 533 ebenfalls Bestandteil des Oströmischen (Byzantinischen) Reichs.

Mit dem Untergang des Römischen Reiches begann auch der Abstieg der Region, als Kamelnomaden zunehmend das Hinterland der Städte verwüsteten und diese durch Erdbeben oder die Einfälle der Vandalen zerstört wurden. Zwar konnte Byzanz nach der Eroberung des Vandalenreiches und einem Sieg über die Nomaden das Land wieder befrieden, doch verhinderte die weitere Austrocknung der Sahara die wirtschaftliche Erholung.

Einfall der Araber und Islamisierung

Schon kurz nach der muslimischen Eroberung von Ägypten (640) wurde auch die Kyrenaika (643) und Tripolitanien (647) besetzt. Durch die Vorstöße der Araber in die Sahara ging das Reich der Garamanten in Fessan endgültig unter. Der Widerstand der Berber wurde 670 endgültig gebrochen. Das Land wurde islamisiert. In der Folgezeit wurde Tripolitanien von den arabischen Dynastien der Aghlabiden, Fatimiden, Almoraviden, Almohaden, Ziriden und Hafsiden in Ifriqiya beherrscht, während die Kyrenaika sich eher unter der Kontrolle Ägyptens befand. Mit der Invasion des Beduinenstamms der Banu Hilal um 1050 wurden in den Küstengebieten Libyens die letzten Reste römischer urbaner Kultur zerstört, so dass das Nomadentum bis ins 20. Jahrhundert wirtschaftliche Grundlage des Landes war. Die Einwanderung der Beduinen führte auch zur Arabisierung der Berberbevölkerung.

Nachdem im 14. Jahrhundert die Piraterie der Korsaren von Tripolis stark zugenommen hatte, kam es immer wieder zu Angriffen der christlichen Seemächte Genua und Aragon. 1509 wurde Tripolis schließlich von Spanien erobert, das die Stadt dem Malteserorden im Jahr 1530 als Lehen überließ. Erst 1551 konnte die Stadt von den Türken unter Dragut Pascha erobert werden. In der Folgezeit unterstand Tripolis wie das übrige Libyen (letzteres schon seit 1517) der osmanischen Oberhoheit, doch errang Ahmad Qaramanli (1711-1745) die Macht in Tripolis und begründete die Dynastie der Qaramanli (1711–1835). Ahmad Qaramanli gewann auch die Kontrolle über die Kyrenaika und den Fessan. Allerdings blieb die Piraterie der Korsaren weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, weshalb Tripolis mehrmals von den Flotten Britanniens und Frankreichs bombardiert wurde.

Barbareskenstaaten

Als Thomas Jefferson 1801 Präsident der Vereinigten Staaten wurde, verlangte der Pascha Yussif Qaramanli von Tripolis, ein Enkel von Ahmad Qaramanli, 225.000 US-Dollar als Tribut von der neuen Regierung. Jefferson, entsprechend seiner bisherigen Haltung, verweigerte die Zahlung. Konsequenterweise erklärte der Pascha im Mai 1801 den USA den Krieg, indem er den Fahnenmast vor dem amerikanischen Konsulat fällte. Marokko, Algier und Tunis schlossen sich diesem Schritt an. Die USA entsandten zunächst einige Fregatten zur Verteidigung US-amerikanischer Interessen ins Mittelmeer und informierten darüber den Kongress. Dieser erwiderte die Kriegserklärung zwar nicht, ermächtigte den Präsidenten jedoch, amerikanischen Kriegsschiffen die Beschlagnahme von Schiffen und Waren des Paschas zu gestatten sowie „alle weiteren Maßnahmen zur Abwehr oder zum Angriff, je nachdem wie die Kriegslage dies erfordert“.

Die brennende Fregatte USS Philadelphia (1799) im Hafen von Tripolis, 16. Februar 1804, von Edward Moran, gemalt 1897

Als die Amerikaner Stärke demonstrierten, machten Algier und Tunis fast augenblicklich einen Rückzieher, aber Tripolis und Marokko blieben resolut. Die US-Marine wurde nicht herausgefordert, und so blieb für den Moment die Angelegenheit unentschieden. Im darauf folgenden Jahr forcierte Jefferson die Entwicklung durch eine Verstärkung der Militärmacht und die Entsendung von vielen der besten Schiffe der Marine in die Region über das ganze Jahr 1802. Die US-Marineschiffe USS Constitution, USS Constellation, USS Philadelphia, USS Chesapeake, USS Argus, USS Syren und USS Intrepid waren allesamt im Krieg im Einsatz unter dem Oberkommando von Commodore Edward Preble. Im Jahre 1803 etablierte Preble eine Blockade der Barbareskenhäfen, hielt sie das ganze Jahr über aufrecht und führte eine Kampagne von Überfällen und Angriffen gegen die Flotte der Städte durch. Admiral Preble griff Tripolis am 14. Juli 1804 direkt an. Unter anderem versuchte das Feuerschiff Intrepid, voll beladen mit Sprengstoff, unter Kapitän Somers den Hafen von Tripolis zu erreichen, um dort die feindliche Flotte zu zerstören. Aus ungeklärten Ursachen explodierte das Schiff aber schon vorher, Somers und die Mannschaft wurden getötet. Der Wendepunkt des Krieges war die Schlacht von Derna im April und Mai 1805, die durch einen Angriff auf dem Landweg eingeleitet wurde, an dem die junge US-amerikanische Marineinfanterie sowie arabische, griechische und berberische Söldner teilnahmen.

Zermürbt durch die Blockade und Angriffe, vor allem dem auf Tripolis, und in Sorge, dass sein abgesetzter älterer Bruder Hamet wieder als Herrscher eingesetzt werden könnte, unterzeichnete Yussif Qaramanli am 10. Juni 1805 einen Waffenstillstandsvertrag. Der US-amerikanische Senat bestätigte diesen 1806. Im Vertrag wurde ein Gefangenenaustausch vereinbart, in dem etwa 300 US-Amerikaner gegen etwa 100 Tripolitaner und 60.000 Dollar gegengerechnet wurden.

Die erfolgreiche Bekämpfung der Korsarenflotte des Sultanats im Zweiten Barbareskenkrieg 1815 durch die USA führte dann langsam zum Niedergang der Qaramanli in Tripolitanien.

Ab 27. Juni 1835 wird das Land erneut unter osmanischer Herrschaft mit direkter Verwaltung (Wilayat) durch Mustafa Negib Pascha, ab September 1835 durch Mehmed Reis Pascha, gestellt. Das Gebiet hieß von nun an Vilayet Tripolitanien Die Osmanen verfügen aber über eine schwache Garnison in Tripolitanien. 1841 wird die Stadt Murzuk der Verwaltungssitz der Osmanen im Fezzan. Araberstämme wehren sich gegen die Herrschaft der Türken, die sich aber auch in Fessan und der Kyrenaika durchsetzten. Neben den osmanischen Statthaltern regierte ab 1843 auch die Sanussiya-Bruderschaft in der Kyrenaika und übernahm die Kontrolle über den Karawanenhandel durch die Wüste nach Süden und durch die von Mohammed al-Senussi gegründete islamische Senussi-Bruderschaft. Muhammad as-Sanussi gründete 1840 in Al-Baida das Ordenszentrum (Zawiya) der Sanussiya-Bruderschaft, musste jedoch auf Weisung der türkischen Oberhoheit die Stadt verlassen. 1857 wurde der Sklavenhandel abgeschafft, der auf den Karawanenstrecken zu einer der wichtigsten Einnahmequelle des Landes zählte und verdeckt noch bis 1890 weiter betrieben wurde, ehe der Handel mit Sklaven ganz zusammenbrach.

Italienisch-Türkischer Krieg

Am 29. September 1911 marschierten italienische Truppen in das osmanische Libyen ein. Die italienische Regierung unter Giovanni Giolitti begründete diesen Schritt mit Beeinträchtigungen der Handelsfreiheit italienischer Kaufleute in dem nordafrikanischen Land. Zudem hatte die Festigung der französischen Position in Marokko Befürchtungen aufkommen lassen, Frankreich könne versuchen, sich auch noch das letzte noch nicht kolonialisierte Gebiet Nordafrikas einzuverleiben. Ein Ultimatum an das Osmanischen Reich vom 28. September 1911, in dem Italien freie Hand bei der Besetzung Libyens forderte, wurde vom Sultan abgelehnt. Daraufhin erklärte Italien dem Osmanischen Reich den Krieg und begann am 30. September 1911 mit der Beschießung des Forts von Tripolis.

Am 5. Oktober 1911 wurde die Hauptstadt Tripolis und der Küstenstreifen der Kyrenaika von den Italienern besetzt. Die dort stationierten osmanischen Divisionen leisteten unerwartet heftigen Widerstand, so dass der italienische Außenminister Antonio di San Giuliano harte Maßnahmen gegen die Verteidiger anordnete. Nach mehrtägigem Bombardement auf Tripolis richteten die italienischen Invasoren ein Blutbad unter der Bevölkerung an. Der türkische Widerstand gegen die italienische Invasion wurde von der Wüste aus geleitet. Dem späteren Staatsgründer der Türkei Mustafa Kemal Atatürk und Enver Pascha wurde der Abschnitt von Darna zugeteilt. Sie stellten ihre Truppen aus den Moslems der Sahara-Oasen zusammen.[1] Die Italiener konnten jedoch aus den Küstenorten Libyens nicht mehr vertrieben werden. Im Oktober 1912 musste der Sultan Libyen im Frieden von Ouchy an Italien abtreten. Im Landesinneren Libyens führten die Wüstenscheichs einen erfolgreichen Kleinkrieg. Die Eroberung des Landesinneren und der Kufra-Oasen gelang erst Mussolini in den frühen 1930er Jahren.

Erster Weltkrieg und italienische Kolonie

Hauptartikel: Italienisch-Libyen

Am 5. November 1911 unterzeichnete der italienische König Viktor Emanuel III. ein Dekret über die Annexion von Tripolis und der Kyrenaika. Der Kriegszustand zwischen Italien und dem Osmanischen Reich blieb bestehen. Für Tripolitanien wurde der italienische Gouverneur Raffalee Bosca Ricci d'Olmo (1857-1911) am 5. Oktober 1911 eingesetzt und eine Woche später durch Carlo Francesco Giovanni Battista abgelöst.

In Libyen wurden auch erstmals Kampfgas und Militärflugzeuge eingesetzt. Die italienischen Truppen stießen auf heftigen Widerstand der Beduinen unter Scheich Baruni in Tripolitanien und des Senussi-Ordens unter Umar Mukhtar in der Kyrenaika. Die zunehmenden Spannungen auf dem Balkan schwächten in der Folge erheblich die Position der Türkei. So sah sich die türkische Regierung gezwungen, mit italienischen Regierungsvertretern am 18. Oktober 1912 im Schloss von Ouchy bei Lausanne einen Friedensvertrag zu unterzeichnen. Mit dem Vertrag von Lausanne wurde der Schlussstrich unter den Krieg in Libyen gezogen. Unter dem Druck der sich anbahnenden Balkankrise gab die Türkei ihre Gebietsansprüche auf und trat Tripolis und die Kyrenaika mit Benghazi an Italien ab. Nach einem Friedensabkommen, das 1917 zur Anerkennung lokaler Regierungen in Tripolitanien und in der Kyrenaika führte (unter Anerkennung der italienischen Oberhoheit), beruhigte sich die Lage. Am 15. Oktober 1912 wurde der Italiener Ottavio Briccolo Generalgouverneur über die Kyrenaika.

Ahmad asch-Scharif (1902–1916) unterstützte die türkischen Osmanen ab 1911 im Kampf gegen die in Libyen gelandeten italienischen Truppen. Im Ersten Weltkrieg hatten sie die Italiener ab 1915 im Norden und Westen allmählich bis direkt an die Küste zurückgedrängt. Im Osten sollten die Senussi von Jaghbub über die Oase Siwa nach Ägypten einfallen und dort dem 1914 von den Briten gestürzten Vizekönig Abbas Hilmi wiedereinzusetzen helfen, der mit der deutsch-türkischen Armee über den Sinai kommen sollte. Doch schon bei Sollum wurden die Senussi 1916 von anglo-ägyptischen Truppen entscheidend geschlagen. Dem Deutschen und Osmanischen Reich blieb nur die Unterstützung der Senussi über das Mittelmeer. Von November 1915 bis Oktober 1918 verkehrten zu diesem Zweck deutsche Unterseeboote zwischen den Häfen der Mittelmächte und der libyschen Küste.[2] 1917 wurde auch die Oase Siwa von einer motorisierten Division der Briten und Australier eingenommen, die Kämpfer der Senussi-Bruderschaft mussten auch hier weichen. Ahmads Macht schwand, und nachdem seine Anhänger 1918 die Hafenstadt Misrata einnehmen konnten, blieb ihm nur noch die Flucht in die Türkei auf einem dort gelandeten deutschen U-Boot. Sein Sohn Sidi Muhammad Idris al-Mahdi al-Senussi (1916–1983) wurde 1918 unter Anerkennung der italienischen Oberhoheit als Regent in der Kyrenaika und 1922 als Emir von Tripolitanien anerkannt.

Die am 8. bzw. 16. November 1918 ausgerufene Republik Tripolitanien hatte aber nur provisorischen Charakter und die Republik war eher ein Satellitenstaat der Italiener. Am 17. Mai 1919 wurde die Kyrenaika italienische Kolonie und am 12. September 1919 unterzeichneten die Italiener mit Frankreich einen Vertrag, der die Hinzuziehung einiger Oasen von Tunesien an Libyen vorsah.

Der am 10. August 1920 geschlossene Friedensvertrag von Sèvres stellte der Türkei harte Friedensbedingungen. Das ehemalige Osmanische Großreich wurde durch den Vertrag auf ein Zehntel seiner Fläche reduziert, seine Streitkräfte erheblich eingeschränkt und das Land in Interessensphären aufgeteilt. Nach Artikel 121 des Vertrages verzichtete die Türkei damit auf alle Rechte in Libyen. Italien hatte Tripolitanien und die Kyrenaika ab 1921 wieder fest in der Hand.

Nach der Machtergreifung Mussolinis in Italien 1923 wurde Idris ins Exil nach Kairo vertrieben und die Republik aufgelöst. Ab 1. Mai 1923 kam es zum Kriegsausbruch zwischen den Italienern und der Senussi-Bruderschaft. Der italienische Militärgouverneur der Kyrenaika, Luigi Bongiovanni (1866-1941), sprach den Senussi alle Rechte ab. Der Italiener Emilio De Bono (1866-1944) wurde von Juli 1925 bis zum 24. Januar 1929 Generalgouverneur von Tripolitanien. Unter seiner Führung eroberte Italien bis 1925 auch den südlichen Fessan und erwarb 1926 den Sitz der Senussi, die Oase Dscharabub. Am 9. März 1927 verboten die Italiener jegliche lokale Selbstbestimmung durch Verwaltungen in Tripolitanien und der Kyrenaika durch Libyer. Der italienische Marschall Pietro Badoglio wurde am 24. Januar 1929 neuer Gouverneur von Libyen (bis 1933). Vizegouverneur u.a. zuständig für die Kyrenaika wurde im Januar 1929 der Italiener Dominico Siciliani (1879-1938), der im März 1930 von Vizegouverneur Rodolfo Graziani abgelöst wurde. Den Widerstand der Stämme unter Umar Mukhtar schlugen die Italiener bis 1932 in einem heftigen und verlustreichen Kleinkrieg nieder. Nach seiner Gefangennahme in Salwenta durch das 7. italienische Regiment wurde Umar Mukhtar am 15. September 1931 in Benghazi von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und einen Tag später hingerichtet. Etwa 100.000 Italiener ließen sich im Norden Libyens nieder. Sie vertrieben die ansässigen libyschen Bauern.

Neuer Generalgouverneur wurde am 6. November 1933 Italo Balbo, der auch die Autorennstrecke Autodromo di Mellaha in Tripolis eröffnete. Ab 1933 wurden die Grand-Prix-Rennen (heute Formel-1) auch in Libyen ausgetragen. Die rund 13 km lange Strecke galt als der bisher schnellste Kurs mit Geschwindigkeiten bis 220 km/h und wurde über 40 Runden ausgetragen. Auch deutsche Fahrer wie Rudolf Caracciola und Hermann Lang siegten bei den Autorennen in Tripolis. Einige Monate zuvor wurde das Lotto bzw. Lotteria di Tripoli eingeführt, in der auf die Grand-Prix-Veranstaltungen Wetten angenommen wurden.

1934 wurde aus den Eroberungen die italienische Kolonie Libia gebildet. Erst 1935 konnte mit der Einnahme der Kufra-Oasen der letzte Widerstand gebrochen werden. Am 1. Januar 1935 wurden Tripolitanien, Fezzan und die Kyrenaika zur italienischen Kolonie Libyen vereinigt. Mit Frankreich wurde die Grenzziehung zwischen der Kolonie Libyen und dem französisch-kontrolliertem Gebiet des heutigen Tschad vereinbart. Der Vertrag wurde aber nicht ratifiziert.

1940 lebten in Libyen ungefähr 38.000 Juden.

Zweiter Weltkrieg

Hauptartikel: Afrikafeldzug
Vorstoß des Afrikakorps nach Ägypten bis zum 25. April 1941

Im Zweiten Weltkrieg standen sich in Nordafrika die Achsenmächte und die Alliierten gegenüber. Ähnlich wie auf dem europäischen Kriegsschauplatz hatten die Italiener in Nordafrika schwere Rückschläge gegen die Briten hinnehmen müssen. Am 13. September 1940 befahl der italienische Führer und Ministerpräsident Benito Mussolini den Angriff auf das von britischen Streitkräften verteidigte Ägypten. Der Angriff der 10. italienischen Armee blieb aber wegen des starken britischen Widerstandes stecken, nur die ägyptische Stadt Sidi Barrani konnte von den Italienern erobert werden. Am 9. Dezember 1940 begann das britische XIII. Korps unter Generalleutnant Richard O’Connor mit der 7. britischen Panzerdivision und der 4. indischen Infanteriedivision eine Gegenoffensive mit nur 36.000 Soldaten, die sich rasch zur Katastrophe der italienischen Truppen entwickelte. Die Stadt Sidi Barrani wurde zurückerobert und die Briten stießen immer weiter nach Libyen vor. Auf einen italienischen Hilferuf vom 19. Dezember 1940 hin entsandte der Führer des Deutschen Reiches Adolf Hitler am 9. Januar 1941 einen ersten deutschen „Sperrverband“ nach Libyen. Deutsche Truppen, darunter Soldaten der 5. leichten Division und später der 15. Panzerdivision unter Führung des Generalleutnants Erwin Rommel, trafen im Rahmen des Unternehmens Sonnenblume am 11. und 12. Februar 1941 in Tripolis ein mit dem Befehl, mit schwachen Verbänden, dem Deutschen Afrikakorps, den erfolglosen Bündnispartner Italien bei seiner Verteidigung zu unterstützen.

Die alliierten Truppen der Western Desert Force eroberten am 6. Februar 1941 die Stadt Benghazi. Bei der alliierten (britischen) Gegenoffensive wurden völlig überraschend 10 italienische Divisionen vernichtet und 130.000 Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die Alliierten hatten bei der Offensive nur 600 Gefallene zu beklagen. Am 2. März 1941 wurden die südöstlich gelegenen Kufra-Oasen von freifranzösischen Truppen der „Groupe Lorraine“ aus dem Tschad unter dem Oberst Jacques-Philippe Leclerc und zusammen mit einer britischen Einheit besetzt. Leclerc war seit dem 22. November 1940 auch französischer Militärgouverneur im Tschad.

Truppenparade italienischer Panzer vor dem deutschen General Rommel im März 1941 in Tripolis

Rommel hielt eine defensive Haltung für unangebracht, stattdessen wollte er angreifen. Entgegen Befehlen des Führers Adolf Hitler griff Rommel mit dem Afrika-Korps am 31. März 1941 die alliierten (britischen) Truppen bei El Agheila an und leitete damit die Rückeroberung der Kyrenaika durch deutsche und italienische Truppen ein. Sein Hauptvorstoß richtete sich auf Mersa Brega, um somit das Tor zur Kyrenaika aufzustoßen. Die Offensive der Achsenmächte führte zum Erfolg, so dass am 4. April Benghazi besetzt werden konnten. Am 10. April 1941 standen deutsche Panzer vor der ostlibyschen Hafenstadt und Festung Tobruk, die kurz zuvor noch von den Italienern ausgebaut und dann beinahe kampflos geräumt worden war. Bis zum 13. April unternahmen die deutschen und italienischen Truppen drei Angriffe auf die Festung, die jedoch alle fehlschlugen. Auch weitere Vorstöße der Achsenmächte konnten auf Grund von Versorgungsengpässen nicht durchgeführt werden, so dass beide Seiten in einen Stellungskrieg übergingen.

Am 18. November 1941 begannen die Alliierten mit der Operation Crusader und der 8. Britischen Armee eine Gegenoffensive. Am 26. November 1941 erfolgte ein zweiter Angriff, wobei der Besatzung von Tobruk nun endlich der Ausbruch aus dem Belagerungsring gelang. Am 7. Dezember zog sich das Afrika-Korps zur Gazala-Linie zurück. Nachdem Tobruk augenscheinlich vor einer Eroberung des Afrika-Korps gefeit war, griff General Rommel im Januar 1942 wieder an.

Am 26. Mai 1942 begann das Afrika-Korps mit dem Unternehmen Theseus mit dem Ziel, Tobruk zu erobern. Nach schweren Panzergefechten gelang es den Achsenmächten, Bir Hacheim am 10. Juni einzunehmen, um dann den Vormarsch auf Tobruk einzuleiten. Am 20. Juni wurden Stadt und Festung besetzt, daraufhin wurde Rommel zum Generalfeldmarschall befördert. Der weitere Vormarsch sollte nun durch Ägypten erfolgen. Die Stadt Alexandria sollte fallen und der Sueskanal besetzt werden. Kurz vor El Alamein hatten die Alliierten einen 65 Kilometer langen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Die deutsche Offensive blieb stecken. Der neue britische Befehlshaber Bernard Montgomery startete am 23. Oktober 1942 zum Gegenangriff. Das Afrika-Korps war zahlenmäßig unterlegen und musste den Rückzug antreten.

Am 23. Januar 1943 besetzten die Alliierten Tripolis. Im März und April 1943 wurden die Achsenmächte schließlich eingeschlossen (Schlacht um Tunesien). Lediglich an der Mareth-Linie wurde noch erbitterter Widerstand geleistet. Am 13. Mai 1943 erfolgte die Kapitulation der deutsch-italienischen Heeresgruppe Afrika mit den Resten von 11 deutschen und 6 italienischen Divisionen durch Generaloberst Hans-Jürgen von Arnim. 130.000 deutsche und 120.000 italienische Soldaten gerieten in alliierte Kriegsgefangenschaft. Insgesamt starben während des Zweiten Weltkriegs in Nordafrika auf beiden Seiten über 96.000 Soldaten. Die Anzahl der Opfer der Zivilbevölkerung sind nicht bekannt.

Nach dem Einmarsch der alliierten Truppen, zusammen mit der kurz zuvor von Idris as-Senussi gegründeten Senussi-Befreiungsarmee, wurde die Kyrenaika und Tripolitanien unter britische und der südliche Landesteil Fezzan ab 1. September 1943 unter freifranzösische Verwaltung gestellt.

Besatzungszeit

Während die etwa 60.000 italienischen Bauern aus der Kyrenaika von den britischen Besatzern sofort vertrieben wurden, konnten die rund 40.000 Italiener in Tripolitanien noch verbleiben.

Mit britischer Besatzung ändert sich auch die Lage der Juden in Libyen nicht weiter. Es gab eine Serie von Pogromen, u.a. 1945, bei dem 100 Juden in Tripolis und anderen Städten ermordet und fünf Synagogen zerstört wurden. Ein weiteres Pogrom fand im November 1945 statt, wobei mehr als 140 Juden ermordet und nahezu sämtliche Synagogen geplündert wurden. Rund 562 libysche Juden wurden zwischen 1942 und 1945 in Konzentrationslagern getötet.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu größeren Zuwanderungen von Flüchtlingen aus Jugoslawien, Griechenland und von der Insel Malta.

Am 17. Mai 1945 wurde der ehemalige Luftwaffenstützpunkt der Italiener bei Tripolis von Mellaha in Wheelus Air Force Base zur Ehren an den US-Luftwaffensoldaten Leutnant Richard Wheelus umbenannt, der bei einem Flugzeugabsturz im Iran ums Leben kam. Ab 15. Mai 1947 wird der Stützpunkt von den USA nicht mehr genutzt. Erst im Juni 1948 erfolgt die erneute Nutzung durch die USA. Der britische Militärgouverneur von Tripolitanien, Travers Robert Blackley (1899-1982), wurde ab 1946 bis zur Unabhängigkeit Libyens in der Funktion als Verwalter der Vereinten Nationen bestimmt.

Das libysche Befreiungskomitee in Kairo unter der Führung von Bashir al-Sa`dawi (Bashir es Sadawi) sprach sich im März 1947 für eine „Union von Tripolitanien und Cyrenaika“ unter Führung der Senussi aus. Die Region Fezzan wird von 1947 bis zur Unabhängigkeit des Landesteils von dem Franzosen Maurice Sarazac (1908–1974) geleitet.

In Libyen lebten 1947 rund 38.000 Juden, davon ca. 20.000 in der näheren Umgebung der Hauptstadt Tripolis. Nach der Gründung des Staates Israel verließen ab Mai 1948 etwa 2.500 Juden das Land. Weitere Auswanderungen folgten, so dass 1951 nur noch rund 8.000 Juden im Land blieben.

Idris, damals Emir der Kyrenaika, mit Hussein Maziq, Mohammed Sakizli und Mustafa Ben Halim bildete die erste Regierung.

Der Bevin-Sforza-Plan über die Zukunft Libyens scheiterte am 17. Mai 1949 bei den Vereinten Nationen. Der britisch-italienische Plan, benannt nach den Außenministern Ernest Bevin und Carlo Sforza, hätte Libyen in drei UN-Treuhandgebiete aufgeteilt: Die Kyrenaika unter britischer Verwaltung, Tripolitanien unter italienischer Verwaltung und der Fezzan unter französischer Verwaltung. Am 1. Juni 1949 wird das Emirat in der Kyrenaika unter Emir Sayyid Muhammed Idris as-Senussi mit Zustimmung der britischen UN-Verwalter reorganisiert. Im Juli 1949 reiste as-Senussi nach Großbritannien, um über die Zukunft Libyens zu beraten. Am 9. November wurde Umar Mansur Kikhia (1901-1958) Ministerpräsident des Emirats der Kyrenaika.

Am 21. November 1949 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, die vorsah, Libyen bis 1952 in die Unabhängigkeit zu entlassen. Per Resolution der Vollversammlung der Vereinten Nationen entschied sich damit das weitere Schicksal der ehemaligen italienischen Kolonien in Afrika. Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs hatten im Friedensvertrag mit Italien im Februar 1947 das Urteil über die weitere Zukunft der ehemals italienischen Kolonien den Vereinten Nationen überlassen. Die UN-Resolution wurde mit 48 gegen 1 Stimme (Haile Selassie aus Äthiopien stimmte dagegen) und neun Enthaltungen (u.a. Frankreich und die Sowjetunion), angenommen. Die ehemalige Kolonie Libyen, von der Großbritannien die Teilgebiete Kyrenaika und Tripolitanien und Frankreich das Teilgebiet Fezzan verwaltete, sollte bis zum 1. Januar 1952 ein souveräner föderativer Staat werden. Ein UN-Kommissar und ein ihn unterstützendes internationales Gremium wurde ernannt, die dem Emir von Kyrenaika, dem späteren König Idris I., die Regierungsgeschäfte übergeben sollten. Der sowjetische Delegierte Amazasp Arutiunian hatte die sofortige Unabhängigkeit aller Kolonien gefordert. Er verwies darauf, dass Italien versuchen könnte, strategische Punkte in den Kolonien zu behalten. Die UN-Vollversammlung hatte beschlossen, über diesen Antrag nicht abzustimmen. Am 21. November 1949 erhielt das Emirat der Kyrenaika unter Emir Sayyid Muhammed Idris as-Senussi Autonomierechte bis zur Unabhängigkeit des Landes. Als Hochkommissar der Vereinten Nationen für Libyen wurde am 10. Dezember 1949 der Niederländer Adrian Pelt (1892-1981) bestimmt.

Am 12. Februar 1950 wurde Ahmad Sayf an-Nasr „Chef du territoire“ über den Fezzan und kooperierte mit dem französischen Residenten Maurice Sarazac, um einen reibungslosen Übergang in die Unabhängigkeit zu gewährleisten. Am 17. März 1950 übernahm der UN-Hochkommissar Adrian Pelt kommissarisch die Staatsgeschäfte Libyens bis zur Unabhängigkeit am 24. Dezember 1951.

Während des Kalten Krieges ordnete das US-amerikanische Strategic Air Command am 16. November 1950 die Verlegung von Bomberflugzeugen vom Typ B-50, B-36, B-47 und KC-97 Tankflugzeuge zur Wheelus Air Force Base nahe Tripolis an. Die Langstreckenflugzeuge bildeten dabei der US-Luftwaffe die strategische Möglichkeit zu Spionageflügen an der sowjetischen Südgrenze im Kalten Krieg.

Die libysche Nationalversammlung, deren Mitglieder zu gleichen Teilen aus der Kyrenaika, Tripolitanien und dem Fezzan stammten, traten am 2. Dezember 1950 in Tripolis zusammen und bestimmten den Regierungschef der Kyrenaika und Führer der Senussi, Emir Idris as-Senussi zum zukünftigen König des unabhängigen Libyens. Eine unter Idris as-Sanussi gebildete Regierung übernahm nach Beratungen der Nationalversammlung ab Mitte März 1951 schrittweise die Verwaltung Libyens. Die Nationalversammlung beschloss am 7. Oktober 1951 die libysche Verfassung.

Vereinigtes Königreich von Libyen

Hauptartikel: Königreich Libyen
Fahne des unabhängigen Königreichs Libyen

In einer Resolution der Vereinten Nationen vom 21. November 1949 wurde die Dekolonisation Libyens unter UN-Aufsicht beschlossen. Libyen wurde am 24. Dezember 1951 unter Idris I., dem religiösen Oberhaupt des Senussi-Ordens, zur Monarchie erklärt. Der föderative Charakter des Staates umfasste die drei Provinzen Tripolitanien, Kyrenaika und Fezzan mit den Provinzsitzen Tripolis, Benghazi und Murzuk, die auch eigene Parlamente erhielten. Zugleich schloss Libyen ein Militärabkommen mit den USA ab, das auch die weitere Nutzung der Wheelus Air Base bei Tripolis durch die USAF ermöglichte. Auf dem Luftwaffenstützpunkt waren 1951 rund 4.600 US-Soldaten stationiert.

Erster Regierungschef wurde am 25. Dezember 1951 Mahmud al-Muntasir (1903-1970), der zugleich das Amt des Bildungs- und Justizministers übernahm. Verteidigungsminister wurde Omar Faiek Shennib (Omar Shinneeb), Finanzminister Mansour Qadara, Informationsminister Ibrahim Bin Sha'ban und Außenminister Mohammad Bin Uthman. Zu dieser Zeit gehörte das Land, das überwiegend von der Landwirtschaft und der Verpachtung von Militärstützpunkten lebte, zu den ärmsten Staaten der Welt. Rund 52.000 Italiener waren in Libyen geblieben.

1952 kam es zu Streitigkeiten zwischen Libyen und Frankreich über die Dauer des Verbleibens französischer Truppen im Fezzan (Südlibyen). Die ersten Parlamentswahlen in Libyen fanden am 19. Februar 1952 statt. Im März 1952 trat das libysche Parlament erstmals zusammen. Über 90 Prozent der einheimischen Bevölkerung waren Analphabeten. Dadurch stiegen die nach dem Krieg verbliebenen Italiener zwangsläufig zur politischen und wirtschaftlichen Oberschicht auf. Nach den ersten Parlamentswahlen kam es wegen des Sieges der Regierungspartei (überwiegend Mitglieder der Senussi und Ausländer) über die extrem ausländerfeindliche „Nationale Kongresspartei“ zu Unruhen, und König Idris I. verbot fortan die Gründung jeglicher politischer Parteien und auch Gewerkschaften im Land.

Am 28. März 1952 trat Libyen der 1945 gegründeten Arabischen Liga bei und wurde im Februar 1953 Vollmitglied. Am 29. Juli 1953 erfolgte die Unterzeichnung eines Freundschafts- und Beistandsvertrages mit Großbritannien. Auf dem britischen Stützpunkt El Adam bei Tobruk waren 3.000 britische Soldaten stationiert. Zudem hatte die britische Luftwaffe Verfügungsrechte auf dem Idris International Airport in Tripolis. In Benghazi wurde am 9. September 1954 ein neues Militärabkommen mit den USA zur Nutzung des Luftwaffenstützpunkt Wheelus nahe Tripolis bis zum Jahr 1971 unterzeichnet. Rund 14.000 US-Soldaten mit ihren Angehörigen lebten auf dem Stützpunkt.

Am 5. Oktober 1954 wurde der Palastminister Ibrahim al-Shalhi durch Muhyi al-Din, einem Prinzen der Königsfamilie, ermordet. Als Reaktion entzog Idris der königlichen Verwandtschaft mit Ausnahme seines Bruders und der Königin ihre Privilegien und schloss sie von der Thronnachfolge aus. Am 20. April 1955 starb Mohammed ar-Ridha, Bruder von Idris I. und Thronfolger. Als neuer Thronnachfolger wurde am 26. November 1955 Hassan ar-Ridha bestimmt.[3]

1955 wurden die ersten Explorationsrechte für Erdöl vergeben. Am 14. Dezember 1955 wurde Libyen Vollmitglied der Vereinten Nationen. 1956 zog Frankreich seine letzten Truppen aus dem Süden Libyens (Fezzan) ab.

Während der Sueskrise 1956 marschierten aufgebrachte libysche Studenten zum Königspalast von Idris I. und demonstrieren gegen die Besetzung des Suez-Kanals und der Bombardierung von Flugplätzen in Ägypten durch die britischen Streitkräfte. Britische Kampfflugzeuge nutzten für ihre Operationen am Suez auch libysche Luftwaffenstützpunkte.

Treffen zwischen König Idris und dem amerikanischen Vizepräsidenten Nixon um 1957. Libyen war um gute Beziehungen mit dem Westen bemüht.
König Idris und ägyptischer Staatspräsident Nasser
Königin Fatima von Libyen (links) mit Tahia Kazem, der Frau von Präsident Nasser

Im Januar 1958 wurden im Land die ersten Ölquellen in der Großen Syrte entdeckt. Durch den Beginn der Erdölförderung und den Bau einer ersten 167 Kilometer langen Ölpipeline von den wichtigen Ölfeldern im Landesinneren bis zur Mittelmeerküste, konnte die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ab 1961 erheblich forciert werden. Am 12. September 1961 erfolgte die erste Verschiffung von libyschem Rohöl in Marsa el Brega.

Ein libysches Gericht verhängte am 5. Februar 1962 gegen Mitglieder der Baath-Partei 87 Urteile und verbot die Organisation.

Libyen vereinbarte am 26. März 1962 mit den Staaten der Casablanca-Gruppe: Algerien, Ghana, Guinea, Mali, Marokko und der Vereinigten Arabischen Republik (Ägypten, Syrien) eine Zollsenkung in Höhe von 25 Prozent, als ersten Schritt eines gemeinsamen afrikanischen Marktes. Bereits zuvor am 21. März 1962 unterzeichneten die Länder ein Abkommen über technische, wissenschaftliche und administrative Zusammenarbeit.

Der US-Regierung unter John F. Kennedy lagen 1962 Informationen über großangelegte Korruption in Libyen vor. Die libysche Regierung sollte im erheblichen Maße Einnahmen aus dem Erdölgeschäft auf Bankkonten in der Schweiz transferiert haben. Staat und Oberschicht kamen durch die steigende Erdölproduktion zu Reichtum. König Idris I. zentralisierte ab 1963 die staatliche Verwaltung.

Am 13. und 14. Januar 1963 kam es zu schweren Studentenunruhen im Land. Die libyschen Sicherheitskräfte schossen auf die Demonstranten. Grund für die Demonstration war u.a. die Politik Libyens gegenüber Israel und der Nichtteilnahme von König Idris I. am Gipfeltreffen der Arabischen Liga im Juli 1962 in Kairo, wo die arabischen Staatschefs Maßnahmen zur Sicherung der Unabhängigkeit des künftigen Algeriens berieten.

Am 21. Februar 1963 verzeichnete Libyen ein Erdbeben mit dem Epizentrum nahe Al Maraj (Barce). 320 Menschen kamen dabei um. Das Erdbeben der Stärke 5,3 auf der Richterskala zerstörte auch die psychiatrische Klinik Al Maraj Al Qadim. Fünf Nachbeben wurden zudem registriert. Sechs US-Flugzeuge von der Wheelus Air Force Base nahe Tripolis leisteten unmittelbar Hilfe vor Ort. Medizinische Personal wurde eingeflogen. Der wirtschaftliche Schaden wurde auf 5 Millionen US-Dollar geschätzt und 12.000 Bürger wurden obdachlos.

Königreich (Einheitsstaat)

Am 27. April 1963 erfolgte eine Verfassungsänderung. Libyen mit 1.474.000 Einwohnern, darunter 40.000 Italiener und 3.000 Juden, wurde zu einem Einheitsstaat und die bundesstaatlichen Strukturen (Föderalismus) wurden aufgehoben und zehn neue Verwaltungsbezirke geschaffen. Neue Hauptstadt sollte die im Ausbau befindliche Stadt Al-Baida werden. Tripolis mit 200.000 Einwohnern wurde vorerst neue und ständige Hauptstadt Libyens. Am 7. Oktober 1963 wurde auch das Wahlrecht für Frauen ermöglicht.

Der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser forderte Libyen am 22. Februar 1964 offiziell zur Liquidierung der ausländischen Militärbasen im Land auf. US-Präsident Lyndon B. Johnson sah durch den anhaltenden politischen Druck Nassers auf befreundete arabischen Staaten wie Jordanien und Libyen eine Gefahr und äußerte hierbei die Wichtigkeit der Basen für die globale Verteidigung, sah aber eine Erhöhung der Finanzhilfen für Libyen nicht vor, da Libyen durch seine Öleinnahmen selbst für weitere Entwicklungen die Verantwortung tragen sollte. Libyen hingegen forderte mehr technische Unterstützung für die Ölwirtschaft in Libyen und eine bessere Ausrüstung der Streitkräfte durch die USA. Großbritannien und Frankreich erklärten sich bereit, ihre finanzielle Unterstützung für Libyen auszuweiten, sofern sie das Recht erhielten, ihre militärischen Einrichtungen weiterhin auf libyschem Boden betreiben zu dürfen. Nach der Verurteilung der libyschen Stützpunktpolitik durch den ägyptischen Präsidenten Nasser kam es erneut zu schweren Unruhen in den Städten Tripolis und Benghazi. Am 16. März 1964 beschloss das libysche Parlament einstimmig die Beendigung der Stützpunktverträge. Das Abkommen mit Großbritannien sollte 1973 und das mit den USA 1971 ablaufen.

Die libysche Regierung führte ab 1965 verstärkte repressive Maßnahmen gegen oppositionelle Kreise (Gewerkschaften, kleine Anhängerschaften der Baath-Partei, des Nasserismus und der Moslembruderschaft) durch. Das Land beschäftigte bis zu 20.000 Geheimpolizisten. Ungefähr genauso viele Bürger waren in der Erdölbranche tätig.

König Idris um 1965

Während des Sechstagekrieges verweigerte die libysche Regierung den algerischen Truppen die Weiterfahrt über libysches Territorium nach Ägypten. Die motorisierten Kampftruppen aus Algerien zur Unterstützung Ägyptens wurden von libyschen Grenzsoldaten zurückgehalten. Am 5. Juni kam es auch in Libyen zu schweren Demonstrationen und Attacken gegen US-amerikanische Einrichtungen. Die USA evakuierten daraufhin am 6. Juni 1967, wegen der unsicheren Sicherheitslage, in der „Operation Creek Haven“ 3.346 US-Soldaten und 3.835 US-Bürger und Arbeiter sowie einige Europäer von dem Luftwaffenstützpunkt Wheelus bei Tripolis in Richtung US-Luftbasen in Europa. Am 10. und 11. Juni 1967 folgte mit der „Operation Creek Dipper“ eine weitere Evakuierung von 812 US-Bürgern und einer unbestimmten Anzahl Jordanier mit Transportflugzeugen von dem Luftwaffenstützpunkt Wheelus. Am 11. Juni 1967 befanden sich 38 US-Kampfflugzeuge vom Typ F-100 Super Sabre auf dem US-Stützpunkt. Nach dem Sechstagekrieg gewährte Libyen Jordanien und Ägypten großzügige finanzielle Unterstützung zum Wiederaufbau ihrer Wirtschaft.

Am 15. August 1968 befand sich in Libyen ein Inspektionsteam (Survey Team on Expansion) der US-Luftstreitkräfte in Europe (USAFE), um die Einführung der neuen Kampfflugzeuge vom Typ Northrop F-5A und F-5B Freedom Fighter für die libysche Luftwaffe zu begleiten und diese zu einer ausgewogenen taktische Luftstreitkraft auszubauen. Sie begannen auch den Bau eines zweiten wichtigen Luftwaffenstützpunkts in Benina bei Benghazi.

Arabische Republik

Am 1. September 1969 wurde König Idris I., der sich mit Königin Fatima zu einem Kuraufenthalt in Bursa in der Türkei aufhielt, von einer Gruppe panarabischer Offiziere gestürzt. Mit Truppentransportern und Panzern des britischen Typs Centurion und nur rund 200 Mann beendeten sie die Monarchie in Libyen, ohne auf größeren Widerstand in der Bevölkerung zu stoßen. Die Putschisten (Revolutionäre) besetzten alle strategisch wichtigen Plätze in Tripolis u.a. das Gebäude der Sicherheitspolizei, den Königspalast und die nationalen Radiostationen sowie Ministerien. Nur in Al-Baida leistete die königliche „Weiße Garde“ Widerstand. Über den lokalen Hörfunksender Etha'at al-Mamlaka al-Libya rief Oberst Muammar al-Gaddafi am 1. September 1969 um 6.25 Uhr die Arabische Republik Libyen aus. Er verkündete der Bevölkerung, die Kontrolle in Libyen ohne Blutvergießen übernommen zu haben. König Idris I. (Mohammed Idris el-Sanussi) und die Monarchie wurde für abgesetzt erklärt. Idris I. blieb mit seinem Neffen, Kronprinzen Hassan Rida (* 1940) zunächst in der Türkei, ging später nach Griechenland und danach ins Exil nach Ägypten, wo er 1983 im Alter von 94 Jahren verstarb.

Der „Revolutionäre Kommandorat“ unter Führung von Oberst Muammar al-Gaddafi forderte in seinen ersten Reden an die Bevölkerung ein Mitspracherecht bei Problemen im Nahen Osten und in Nordafrika. Er wollte als neue Führungspersönlichkeit in der arabischen Welt fungieren und aufräumen mit der Korruption und Vetternwirtschaft der Königsfamilie unter Idris I. Er forderte mehr Effektivität im Staatsapparat. Entgegen vielen anderen afrikanischen Putschisten sollte Oberst Gaddafi nach Einschätzung westlicher Geheimdienstkreise nicht an persönlichem Reichtum interessiert sein und galt als unbestechlich. Die USA, so wurde vermutet, tolerierten den Putsch, um die Option für einen Fortbestand der Militärstützpunkte im Land behalten zu können.

Die Mitglieder des revolutionären Kommandorats (Majlis Kyiadat Ath-thawra) waren 1969: Muammar el-Gaddafi, Abdussalam Jalloud, Aboubaker Younis Jaber, Awad Hamza, Basheer Hawwadi, Mukhtar al-Gherwi, Abdel-Monem al-Houni, Emhemmed al-Mghariaf, Mohammad Najm, Mostafa al-Kharoubi, Al-Khwaildi al-Hmaidi und Omar al-Amhaishi.

Die Anerkennung der neuen libyschen Revolutionsregierung erfolgte als erstes durch das Nachbarland Ägypten und durch den Irak. Die europäischen Staaten zögerten vorerst noch mit der Anerkennung.

Am 11. Dezember 1969 erfolgte die offizielle Erklärung einer neuen libyschen Verfassung, die auch die Einsetzung des revolutionären Kommandorates als oberstes Staatsorgan vorschrieb. Auch ein Dekret zum Schutz der Revolution wurde erlassen: Jeder Bürger, der die Grundlagen der Revolution in Frage stellt, kann mit Haft oder sogar mit dem Tode bestraft werden.

Alle ausländischen Banken, Versicherungen sowie die bedeutende Erdölindustrie wurden verstaatlicht. Auf Anordnung der Revolutionsregierung vom 13. November 1969 mussten die ausländischen Banken in Libyen ihr Kapital zu 51 Prozent an den libyschen Staat abtreten und ihre Filialen in arabische Namen umwandeln. Betroffene Banken waren: Barclays Bank (künftig: Aljomhorya Bank), Banco di Roma (Omma Bank), The Arab Bank (Oroba Bank) und Banco di Napoli (künftig: Al Istikal Bank). Es erfolgte die Gründung einer neuen Staatsbank: Alkafila Domestic Bank. Auch das erst 1960 durch Esso Libya erschlossene Zletin-Ölfeld wurde am 21. Juli 1970 verstaatlicht, wodurch die Weltmarktpreise für Rohöl stiegen. Neben den Briten und US-Amerikanern mussten auch alle 25.000 Italiener und Juden das Land bis Oktober 1970 verlassen, ihr Besitz in Libyen wurde enteignet. Vom 25. bis zum 27. Februar 1970 war als erster europäischer Staatschef der jugoslawische Präsident Josip Broz Tito zu einem Staatsbesuch in Libyen.

Am 28. März 1970 wurde der seit 1948 bestehende US-amerikanische Luftwaffenstützpunkt Wheelus Air Force Base geschlossen, am 11. Juni 1970 auch der seit 1955 genutzte britische Stützpunkt El Adem bei Tobruk. Die libyschen Streitkräfte erhielten ab September 1970 von Frankreich modernere Ausrüstung, darunter 57 Kampfflugzeuge vom Typ Mirage 5, 53 Mirage 5D Kampfbomber, 32 Mirage 5DE Aufklärungsflugzeuge, neun SA.321M Super Frelon Hubschrauber und zehn SA.316B Alouette II Hubschrauber. Auch die Sowjetunion begann mit der Auslieferung von T-55 Kampfpanzern und BMP-1 Schützenpanzern. Zudem plante Libyen den Kauf von 16 Transportflugzeugen vom Typ C-130H Hercules aus den USA.

Am 2. Januar 1971 stürzte ein Passagierflugzeug der United Arab Airline (UAA) bei Ben Gashir ab. Das Flugzeug vom Typ de Havilland DH-106 Comet 4 mit der Flug-Nr. 844 geriet in einen Sandsturm und ging bei der Notlandung nahe Tripolis zu Bruch. Alle 16 Insassen kamen dabei ums Leben.

Die praktizierte panarabische Politik Gaddafis und Fusionspläne mit anderen islamischen Staaten wie die 1971 ausgerufene Föderation Arabischer Republiken mit Ägypten und Syrien und der Gründung einer panarabisch orientierten Einheitspartei, der Arabischen Sozialistischen Union (ASU) am 11. Juni 1971 scheiterten bis 1977. Ebenso erfolglos blieb die 1974 gegründete Arabische Islamische Republik mit Tunesien.

Libyen erhielt ab 1. Januar 1972 ein neues Staatswappen und eine neue Nationalflagge.

Der erste Allgemeine Volkskongress (Al-Ittihad Al-Ishtiraki Al-Arabi) tagte am 28. März 1972 in Tripolis. Verabschiedet wurde das Gesetz Nr. 71 in Bezug auf ein Verbot von Parteiaktivitäten. Alle Parteien außer der Arabisch Sozialistischen Union (ASU) wurden dadurch verboten.

Am 21. Februar 1973 schossen zwei israelische Kampfflugzeuge vom Typ F-4E Phantom II ein Passagierflugzeug vom Typ Boeing 727-224 (Registrierung: 5A-DAH) der Fluggesellschaft Libyan Arab Airlines (Flug LN 114, Benghazi-Kairo) über dem israelisch besetzten Sinai nahe der Stadt Ismailia ab. An Bord befand sich u.a. der französische Pilot Jacques Berjes, der libysche Co-Pilot Almahdi Younis Ay-Yad und der libysche Bordmechaniker Naudin. 110 Passagiere kamen ums Leben, drei Insassen überlebten den Abschuss, darunter der libysche Co-Pilot. Wegen Schwierigkeiten bei der Navigation des Flugzeuges durch einen Sandsturm geriet das Flugzeug über die von Israel besetzte Sinai-Halbinsel. Das Flugzeug konnte nicht mehr von der Radaranlage in Kairo erfasst werden. Ägyptische Kampfflugzeuge begleiteten daraufhin das Flugzeug auf dem Flug nach Kairo, als sie von den israelischen Maschinen angegriffen wurden, die die Hoheitszeichen nicht erkennen konnten. Die israelische Kampfflugzeuge feuerten mehrere Raketen auf die Boeing und drei Luft-Luft-Raketen trafen die rechte Tragfläche, wodurch das libysche Passagierflugzeug abstürzte. Der israelische General Mordechai Hod (1927-2003) und Kommandeur der israelischen Luftwaffe verteidigte den Einsatz in einer Pressekonferenz am 22. Februar 1973.

Muammar el-Gaddafi proklamierte im April 1973 die „Völkische Revolution“ („das Volk hat das Recht und die Aufgabe, die Macht und Verantwortung zu übernehmen“) und den Islam zum sozialrevolutionären Weg. Daraufhin bildeten sich zahlreiche sogenannte „Volkskomitees“. Diese exekutiven Volkskomitees sollen alle 2 Jahre gewählt werden und den Volkskonferenzen verantwortlich sein. Die Parteizellen der ASU (Arabisch Sozialistischen Union) wurden in offene „Basisvolkskonferenzen“ umgewandelt, denen dann legislative Aufgaben zufielen.

Weite Teile des zum Tschad gehörenden Aouzou-Streifen im Norden des Landes wurden von libyschen Truppen im Juni 1973 besetzt und im August 1973 annektiert u.a. auch wegen des vermuteten Vorkommens an Uran in diesem Gebiet.

Am 29. Juni 1973 nahm Libyen die diplomatischen Beziehungen mit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf.

Mit über 50.000 Teilnehmern startete am 18. Juli 1973 der „Arabische Einheitsmarsch“ von der tunesischen Grenze bis nach Kairo um den vereinbarten Zusammenschluss mit dem Nachbarland Ägypten zu beschleunigen. Die Demonstranten übermittelten eine mit Blut geschriebene Einheitsbotschaft auf dem 2.000 km langen Fußmarsch. Muammar el-Gaddafi erklärte in der Moschee von Tripolis, „Ägypten hat den Nil, während wir das Öl und das Land haben“ und „Ägypten hat die Arbeitskräfte, und beide Länder brauchen und ergänzen einander.“ Doch eine Vereinigung mit Ägypten erwirkte der Massenprotest nicht, stattdessen rief Gaddafi später die Ägypter zur „Volksrevolution“ gegen Anwar as-Sadat auf, nachdem dieser den „Marsch nach Kairo“ östlich von Marsa Matruh stoppen ließ. Zuvor hatte Gaddafi erklärt, er würde zurücktreten, um kein Hindernis für die Union mit Ägypten zu sein. Am 23. Juli 1973 hatte Sadat am Jahrestag der Revolution die Politik der USA als friedensfeindlich erklärt und bekräftigt, Ägypten sei entschlossen zur Rückeroberung der israelisch besetzten Gebiete.

Zum 1. September 1973 und gleichzeitig am 5. Jahrestag der Revolution wurden alle übrigen Konzessionen der Ölgesellschaften, die noch nicht verstaatlicht wurden, u.a. ExxonMobil (Esso/Mobil Oil), Shell, Gelsenberg, Texaco, SoCal, Grace Petroleum und Libyan-American ARCO verstaatlicht. Die Ölkonzerne waren bis 1969 und teilweise bis 1972 weiterhin sehr einflussreich. Konzessionen des Staates gaben ihnen Exklusivrechte und Exterritorialität. Die Konzerne bestimmten den Preis und die Fördermenge des Rohöls.

Vom 5. bis 9. September 1973 nahm Libyen an der Konferenz der Blockfreien Staaten (NAM) in Algier (Algerien) teil.

Am 6. Oktober 1973 kam es zum Ausbruch des Jom-Kippur-Krieg, dem vierten Nahostkrieg. Ägyptische und syrische Streitkräfte griffen überraschend Israel an. Libyen unterstützte Ägypten mit der Entsendung von Kampfflugzeugen vom Typ Mirage II und Mirage 5, die von ägyptischen Piloten entgegen einer Rüstungskontrollvereinbarung mit Frankreich geflogen wurden. Die Flugzeuge kamen aber offensichtlich nicht zum Kampfeinsatz gegen Israel. Muammar el-Gaddafi erklärte im Oktober 1973 den gesamten Golf von Sidra (Große Syrte) zu Hoheitsgewässern der Arabischen Republik Libyen und ebenso den Luftraum von 100 Seemeilen vor der Küste. Die USA akzeptieren nur die international anerkannten Hoheitsgewässer von 12 Seemeilen vor der Mittelmeerküste.

Im Juli 1977 kam es zum Libysch-Ägyptischen Grenzkrieg.

Dschamahiriyya (Volksrepublik)

Hauptartikel: Dschamahiriyya

Mit der "Proklamation der Volksherrschaft" am 2. März 1977 wurde Libyen offiziell zum einem Staat mit direkten Volksherrschaft umgestaltet und nannte sich fortan Sozialistisch Libysch-Arabische Volksdschamahiriyya. Der Koran wurde zur Rechtsgrundlage erklärt, eine neue Nationalflagge und ein neues Staatswappen wurden eingeführt. 1200 Volkskomitees übernahmen nach dem Prinzip die Verwaltung aller politischen, sozialen und vieler ökonomischer Angelegenheiten.

Im März 1979 trat Muammar al-Gaddafi von allen Staatsämtern zurück, blieb aber Revolutionsführer - eine Bezeichnung ohne direkte Befugnisse - und konnte sich weiter auf loyale Bevölkerungsteile stützen. Eine aus den Volkskomitees hervorgegangene „Allgemeine Volkskonferenz“ bildete die Legislative.

Im Ersten Golfkrieg unterstützte Libyen ab 1985 den Iran gegen den Irak. In das Nachbarland Tschad rückten während des Bürgerkriegs im Jahr 1980 libysche Armeeteile in den Norden ein. Nach Festigung des libyschen Einflusses zogen sie sich sieben Jahre später zurück. 1989 kam es zu einem Friedensvertrag beider Länder. Nach einem Richterspruch des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag räumte Libyen 1994 auch den strittigen Aouzou-Streifen im Tschad.

In den 1980er und 1990er Jahren unterstützte Libyen terroristische Organisationen und insbesondere deren gegen die USA oder Israel gerichtete Anschläge. Nach einer Attentatsserie, unter anderem auf die West-Berliner Diskothek „La Belle“, die Libyern als Verursachern zugeschrieben wurde, verhängten 1986 die USA ein Wirtschaftsembargo gegen das nordafrikanische Land und verübten Luftangriffe auf Tripolis und Bengasi (Operation El Dorado Canyon). Wegen Unterstützung des Terrorismus und vermuteter Verwicklung in den Lockerbie-Anschlag 1988 beschloss auf Druck der USA 1992 der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Embargomaßnahmen gegen den sog. Schurkenstaat Libyen. Ende 1993 wurde eine Militärrevolte in Tripolis niedergeschlagen.

Die UN-Sanktionen wurden 1999 nach einem Einlenken Ghaddafis in der Terrorismusfrage und Überstellung zweier Tatverdächtiger am Lockerbie-Attentat an ein internationales Gericht in den Niederlanden wieder ausgesetzt. Im Zweiten Golfkrieg stellte sich Libyen auf die Seite des Irak. Nachdem Libyen das Lockerbie-Attentat eingestanden und Entschädigungen für die Angehörigen dieser sowie der Opfer eines Bombenanschlags auf ein französisches Verkehrsflugzeug 1989 (170 Tote) geleistet hatte, wurden die Embargomaßnahmen im September 2003 vollständig aufgehoben.

Punkte bei westlichen Staaten machte Libyen ferner dadurch gut, dass es im August 2000 erfolgreich bei islamischen Terroristen auf den Philippinen vermittelte, was zur Freilassung gefangener westlicher Geiseln führte. Das nordafrikanische Land ist neuerdings bestrebt, seine jahrzehntelange politische Isolierung auf internationaler Bühne zu überwinden. Nach den Terroranschlägen auf das amerikanische World Trade Center am 11. September 2001 verurteilte Muammar el Gaddafi die Gewaltakte und akzeptierte ausdrücklich ein US-amerikanisches Recht auf Selbstverteidigung. Im Dezember 2003 erklärte Gaddafi den Verzicht Libyens auf Massenvernichtungswaffen und ließ Anfang 2004 zahlreiche Komponenten für chemische Waffen vernichten.

2000 löste das Parlament auf Vorschlag Gaddafis die Zentralverwaltung des Landes weitgehend auf und übergab Gesetzgebung und Regierungsgewalt formell an regionale Parlamente und Ausschüsse. Die äußerst bedenkliche Menschenrechtslage im Innern Libyens hat sich jedoch trotz der außenpolitischen Öffnung der letzten Jahre kaum entspannt. Die Presse- und Meinungsfreiheit ist noch immer völlig inexistent, sämtliche Nachrichtenmedien werden weiterhin von Ghaddafis Personenkult dominiert. Im September 2000 gab es Pogrome libyscher Arbeitsloser gegen afrikanische Gastarbeiter, wofür im Januar 2001 331 mutmaßliche Täter angeklagt wurden.

Nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen 2003/2004 verfolgte Libyen eine Privatisierungspolitik. Sie war Teil einer forcierten Integration in den Weltmarkt. So plante die Regierung, bis 2020 die Hälfte aller staatlichen Unternehmen zu privatisieren. Dazu wurde im Jahr 2006 eine Börse gegründet. Die Folge der Privatisierungspolitik war ein massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit auf über 20 Prozent. Diese Entwicklung wurde zusammen mit der Bildungsexpansion, der Verstädterung und dem hohen Jugendanteil der Bevölkerung als entscheidende Ursachen für den Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 genannt.[4]

Bürgerkrieg und Sturz Gaddafis 2011

Hauptartikel: Bürgerkrieg in Libyen 2011

Siehe auch

Literatur

  • J. Willeitner: Libyen. Dumont Kunst Reiseführer, 2001.
  • Klaus Zimmermann: Libyen. Das Land südlich des Mittelmeers im Weltbild der Griechen. Beck, München 1999, ISBN 3-406-44556-X.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bernd Rill: Kemal Atatürk. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Hamburg 2004, ISBN 3-499-50346-8, S.32f.
  2. Hans Werner Neulen: Feldgrau in Jerusalem. 2. Aufl., München: Universitas, 2002, S. 100 ff. ISBN 3-8004-1437-6
  3. Michael Herb: All in the Family: Absolutism, Revolution, and Democracy in Middle Eastern Monarchies S.189 ff.
  4. Erleichterung der Privatisierung: Libyen gründet eine Börse

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