Bundesstraße 96

Bundesstraße 96
Bundesstraße 96
Basisdaten
Gesamtlänge: ca. 520 km
Bundesländer: Sachsen
Brandenburg
Berlin
Mecklenburg-Vorpommern
Verlaufsrichtung: Süd - Nord
Karte
Verlauf der Bundesstraße 96

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Die Bundesstraße 96 (Abkürzung: B 96) ist eine Bundesstraße in Deutschland. Sie beginnt in Zittau und endet in Sassnitz auf Rügen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und früherer Verlauf

Chausseebau im 19. Jahrhundert

Zur Förderung des Handels und Verkehrs begann das Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz ab 1834 mit dem Ausbau seines Chausseenetzes. In den Jahren 1838 und 1839 wurde die Chaussee von Neubrandenburg über Neustrelitz bis zur Landesgrenze bei Dannenwalde gebaut. 1845 entstand die Chaussee von Neubrandenburg nach Altentreptow.[1]

Am 1. Mai 1839 wurden die Streckenabschnitte Berlin – Oranienburg und Gransee – Landesgrenze offiziell in Betrieb genommen, am 15. Mai 1839 folgte der Streckenschnitt Löwenberg – Gransee.[2]

Frühere Strecken und Bezeichnungen

Der Ursprung der heutigen B 96 liegt in der Einführung von „Fernverkehrsstraßen“ (FVS) durch die Weimarer Republik am 17. Januar 1932. Dabei wurde in Deutschland zum ersten Mal eine fortlaufende Nummerierung eingeführt. Die FVS 96 verlief in diesem Ursprungsnetz anders als heute südlich von Finsterwalde über Elsterwerda, Großenhain, Radeburg, Dresden und Dippoldiswalde zur Reichsgrenze bei Zinnwald-Georgenfeld [3]. Nach der Umwandlung der FVS-Straßen in Reichsstraßen (ab 1934; Abkürzung R) wurde der heutige Verlauf eingefürt. [4]. In der DDR wurde der Name Fernverkehrsstraße wiedereingeführt, jedoch statt des Kürzels FVS das Kürzel FFernverkehrsstraße” vergeben. Die damalige F 96 war die längste Fernverkehrsstraße innerhalb der DDR und gleichzeitig eine Hauptverkehrsachse in Nord-Süd-Richtung. Um einen durchgängigen Verlauf in Ost-Berlin zu gewährleisten, wurde nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 von der DDR der Verlauf der damaligen F 96 so geändert, dass sie zwischen Mahlow an der südlichen und Birkenwerder an der nördlichen Berliner Stadtgrenze nur über DDR-, hauptsächlich Ost-Berliner Gebiet führte. Dieses Teilstück trägt heute die Bezeichnung B 96a, da der weitgehend in West-Berlin liegende, seit 1949 Bundesstraße 96 genannte Verlauf von der DDR-internen Änderung nicht erfasst wurde und nach der Herstellung der deutschen Wiedervereinigung wieder mit den durch die Grenze abgetrennten DDR-Abschnitten zusammengefasst wurde. Der heutige West-Berliner Abschnitt entspricht nicht mehr ganz dem bis 1961 bestehenden Verlauf, der den zu Ost-Berlin gehörenden Bezirk Mitte durchquerte, sondern enthält seit den 1980er Jahren die als Umleitung angelegte Strecke durch den Tiergarten, die seit den 1960er Jahren Bundesstraße E bezeichnet wurde. Südlich von Berlin war die F 96 abweichend vom heutigen Verlauf über die Orte Klausdorf und Mellensee (beide heute Gemeinde Am Mellensee) umgeleitet, da sich auf dem eigentlichen Verlauf zwischen Wünsdorf und Zossen das Gelände des Sitzes des Oberkommandos der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland befand und entsprechend Sperrgebiet war.

Ursprünglich führte die Bundesstraße von Neubrandenburg aus in Richtung Norden über die jetzige Landstraße L 35 über Altentreptow, Jarmen und Greifswald nach Stralsund auf der Hanse-Route. Zwischen Greifswald und Stralsund wurde zwischen 1964 und 1967 neben der seinerzeit bestehenden F 96, die teilweise aus Kopfsteinpflaster und engen Ortsdurchfahrten bestand, eine neue Parallelstrecke westlich von dieser gebaut, um den Touristenverkehr zur Insel Rügen zu gewährleisten. Diese trug bis Ende der 1990er Jahre ebenfalls den Namen B 96a. Inzwischen wurde aus der B 96a die B 96 und die Trasse der alten F 96 zur Ortsverbindungsstraße. Seit der Neuordnung der Bundesstraßen im Raum Greifswald-Neubrandenburg 2006 ist die B 96 zwischen Brandshagen und der Ortsumgehung Greifswald ein Teil der B 105.

Bedeutung

Vom Kreuz Oranienburg mit dem Berliner Ring und der A 111 bis zum Anschluss Neubrandenburg-Ost zur A 20 verläuft die Europastraße 251 auf der Strecke. Nach der Unterbrechung durch die A 20 werden ab der Anschlussstelle Stralsund die Europastraße 22 und die E 251 bis zum Abzweig der B 96b bei Borchtitz auf Rügen über die B 96 geführt.

Die überregionale Bedeutung als Fernstraße zwischen Berlin und dem Norden von Mecklenburg-Vorpommern ist seit der Fertigstellung der Autobahnverbindung über die A 11/A 20 geringer geworden. Trotzdem wird sie als Ausweichstrecke von Pkw-Fahrern genutzt, auch weil die Streckenführung der A 11/A 20 deutlich länger ist. Schon vor der Einführung der Lkw-Maut galt die B 96 durch den Lkw-Verkehr als besonders belastet. Diese Situation hat sich seit Einführung der Maut im Jahr 2005 nochmals verschärft.

Verlauf

Die B 96 hat folgenden Verlauf:

Sachsen

Zittau–Bautzen

Blick von der B 96 in südöstlicher Richtung auf Oppach

Die Bundesstraße 96 beginnt in Zittau am Stadtring, wo ebenfalls die Bundesstraße 99 beginnt, und führt nach Überquerung der Mandau durch das Mandautal nach Mittelherwigsdorf (mit Talüberquerung über den Rietschebach und die Dorfstraße) und weiter nach Nieder- und Oberoderwitz. Die aufwendigste Ausbaustelle der neuen Straße war die Überquerung des Landwassers bei der Landschenke (seit frühester Zeit mit Furt überquert). Bereits im Jahr 1603 bauten hier Zittauer, Niederoderwitzer und Herwigsdorfer Bürger gemeinsam die sogenannte „Landbrücke“, deren letzter Neubau 1934/1935 erfolgte (seit 1964 neue Betonbrücke wegen erhöhtem Verkehrsaufkommen). Damit verbunden war die Beseitigung von fünf Serpentinen am Landberg. Weiter führt die Straße über Eibau, Walddorf und erreicht das Gebiet von Ebersbach (bei den Hübelhäusern) auf der Hauptwasserscheide zwischen Landwasser (Abfluss Ostsee) und Spree (Abfluss Nordsee). Bis auf einige kurze Teilstücke folgt der Straßenverlauf nun dem Tal der Spree in nordwestlicher Richtung bis Neusalza-Spremberg. Im benachbarten Oppach zweigt die Bundesstraße 98 von der B 96 in Richtung Bischofswerda ab. Die B 96 überquert im weiteren Verlauf den Kälberstein-Bieleboh-Rücken in Richtung Bautzen. Dabei durchquert sie die Orte Wurbis, Halbendorf im Gebirge, Eulowitz, Großpostwitz, Rascha, Ebendörfel und Oberkaina.

Die Chaussierung der damaligen Straße erfolgte in den 1830er-Jahren und bildete eine wesentliche Voraussetzung für den Betrieb der Fahrpost zu verschiedenen Orten. Seit 1840 verkehrten auf ihr regelmäßig Wagen zwischen Dresden und Zittau über Ebersbach (Baukosten der Gemeinde für den Straßenabschnitt innerhalb von Ebersbach: 2733 Taler), seit 1845 verkehrten sie von Löbau nach Rumburk. Nach der Einweihung der heute stillgelegten Eisenbahnlinie Zittau-Löbau 1848 endete die Fahrpost von Dresden in Oberoderwitz. Mit dem Motorisierungsbeginn in den 1920er-Jahren erfolgten verkehrsbedingt Begradigungen und Verbreiterungen von einzelnen Straßenabschnitten. In Neusalza-Spremberg wurde eine völlig neue, 800 Meter lange Führung östlich entlang der Spree, zur Umgehung der engen Straßen der Innenstadt geschaffen.

Im Zusammenhang mit dem Neubau der Bundesstraße 178 soll die B 96 zukünftig in Eibau nach Norden von der bisherigen Trasse abzweigen und bei Ruppersdorf auf die parallel verlaufende B 178n geführt werden. Dadurch wird sich die B 96 um etwa 14 Kilometer verkürzen und die Ortsdurchfahrten Oderwitz, Mittelherwigsdorf und Zittau können entfallen.

Brandenburg/Berlin

Baruth–Mahlow

Zwischen Rangsdorf und der Stadtgrenze Berlins ist die B 96 vierstreifig ausgebaut. Durch eine Neubautrasse werden die Orte Dahlewitz und Mahlow, Ortsteil Glasow, umfahren. Hinter Glasow verläuft die Bundesstraße auf der alten Trasse bis zur Stadtgrenze. Dort befand sich der Grenzübergang Mahlow/Lichtenrade, der während der Teilung Deutschlands nur für Entsorgungsfahrzeuge der Berliner Stadtreinigungsbetriebe passierbar war.

Berlin

Die Straße führt in Süd-Nord-Richtung durch Berlin. Ab der südlichen Stadtgrenze trägt sie die Namen Kirchhainer Damm, dann Lichtenrader Damm, Mariendorfer Damm und führt später als Tempelhofer Damm am ehemaligen Flughafen Tempelhof vorbei. Hinter dem Platz der Luftbrücke wird die Straße dann als Mehringdamm weitergeführt. Am Halleschen Tor zweigt die B 96 Richtung Westen ab und führt beiderseits des Landwehrkanals entlang als Hallesches Ufer / Reichpietschufer auf der Nordseite bzw. Tempelhofer / Schöneberger Ufer auf der Südseite. Seit dem 26. März 2006 wird sie dann wieder nördlich durch den Tiergartentunnel unter dem Stadtquartier am Potsdamer Platz, dem Regierungsviertel und dem Hauptbahnhof geleitet. Von dort läuft sie weiter am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal entlang und schließlich auf der Reinickendorfer Straße, dann weiter auf der Roedernallee und der Oranienburger Straße / Oraniendamm. Als Berliner Straße verläuft sie in Hermsdorf. Sie führt dann am „Entenschnabel“ in Glienicke/Nordbahn für etwa 500 m über Brandenburger Gebiet und bildet für weitere 900 m die Landesgrenze zu Brandenburg. Als Oranienburger Chaussee verläuft sie im Ortsteil Frohnau für weitere drei Kilometer auf Berliner Stadtgebiet, überquert dann vor Hohen Neuendorf endgültig die Landesgrenze in Richtung Oranienburg.

Glienicke–Löwenberg

Mit Fertigstellung der neuen B 96 als Westumfahrung von Oranienburg im Jahre 2003 wurde der Verkehr aus dem Ort herausgenommen. Die alte Trasse durch das Zentrum Oranienburgs wurde zur Landes- bzw. Kreisstraße herabgestuft. Seitdem führt die B 96 (in Fahrtrichtung Nord aus Berlin heraus betrachtet) über die Abfahrt Birkenwerder, die A 10 (nördlicher Berliner Ring), das Autobahnkreuz Oranienburg und den ehemaligen Flugplatz Oranienburg zurück auf die bestehende Trasse der B 96 an der Anschlussstelle der L 191 nördlich von Oranienburg. Ein weiterer Ausbau in Richtung Norden ist geplant. Da die jetzige Trasse den Ort Nassenheide in zwei Teile zerschneidet, fordert eine Bürgerinitiative einen geänderten Streckenverlauf.

Löwenberg–Fürstenberg

Gransee wird in Ortsrandlage umfahren, die B 96 hat hier keine echte Ortsumgehung, lediglich der Ortskern wird nicht gekreuzt. 2005/2006 wurde im nördlichen Ortsbereich ein Kreisverkehr eingerichtet, die noch bis dahin bestehende Klinkerpflasterung durch Asphalt ersetzt. Eine echte Ortsumgehung von Gransee ist geplant, sie soll östlich am Ort vorbeigeführt werden. Bei Dannenwalde wurde 2006 eine baufällige Brücke nach mehrmonatiger Straßensperre durch eine neue Brücke an gleicher Stelle ersetzt. Bis dahin war die Geschwindigkeit über die alte Brücke auf 30 km/h begrenzt, die Brücke wurde notdürftig in Betrieb gehalten. Während der Bauphase wurde der Verkehr westlich über Neuglobsow geführt. In Fürstenberg/Havel führt die B 96 direkt durch das Zentrum und ist daher auf 30 km/h limitiert. Eine Ortsumgehung von Fürstenberg ist derzeit nicht geplant.

Mecklenburg-Vorpommern

Neustrelitz-Neubrandenburg-BAB 20

Bei Neustrelitz wurde die in Teilen schon bestehende Umgehungsstraße 2005/2006 fertiggestellt. Die B 96 zweigt jetzt südlich von Strelitz Alt in östlicher Richtung ab und erreicht nördlich von Neustrelitz nach Überquerung der Bahnstrecke Neustrelitz–Warnemünde die ursprüngliche Trasse. Der weitere Verlauf führt über Usadel, wo landschaftlich reizvolle Ausblicke auf den Tollensesee möglich sind, nach Neubrandenburg. Das Zentrum dieser Stadt wird linksläufig mit einer ringförmigen Einbahnstraße mit 3 bzw. 4 Fahrstreifen umschlossen. Der Neubrandenburger Ring ist die meist befahrene Straße Nordostdeutschlands mit einer Frequenz von 70.000 Fahrzeugen am Tag. Östlich von Neubrandenburg läuft sie gemeinsam mit der B 104. Der Verlauf der B 96 wird an die Anschlussstelle Neubrandenburg-Ost der Bundesautobahn 20 herangeführt und unterbrochen. Der ehemalige Verlauf von Neubrandenburg über Greifswald nach Stralsund wurde durch die Fertigstellung der A 20 zu Landstraße L 35 herabgestuft.

BAB 20-Stralsund–Rügen

Rügenbrücke

Die Bundesstraße 96 wird an der zum Autobahndreieck ausgebauten Anschlussstelle Stralsund fortgesetzt. Ab hier ist sie zu einer zweibahnigen Kraftfahrstraße als Autobahnanbindung von Stralsund und der Insel Rügen ausgebaut. Zwischen der auch als „Pommerndreieck“ bezeichneten Anschlussstelle der A 20 und der Anschlussstelle Brandshagen (B 105) verfügt sie über keinen Standstreifen. In regelmäßigen Abständen sind Nothaltebuchten errichtet. Dieser Abschnitt wurde bis 2006 als B 96n ausgewiesen. Zwischen der Anschlussstelle Brandshagen und der neuen Strelasundbrücke ist die B 96 überwiegend mit Autobahnquerschnitt einschließlich Standstreifen ausgebaut. Wegen des noch fehlenden Ausbaus auf der Insel Rügen ist dieser Abschnitt besonders in den Sommermonaten stauträchtig. In Stralsund überquert die B 96 seit Oktober 2007 mit der Rügenbrücke den Strelasund. Diese 2831 Meter lange Hochbrücke bildet neben dem alten Rügendamm die zweite Querung dieser Ostsee-Meerenge. Das neue Bauwerk ist mit drei Fahrstreifen ausgerüstet. Eine elektronische Verkehrsbeeinflussung gibt je nach Verkehrsaufkommen die mittlere Spur für eine Fahrtrichtung frei. Ab der neuen Anschlussstelle Altefähr verläuft die B 96 bis nach Sassnitz weitgehend entlang ihres ursprünglichen Verlaufs. Gerade in den Sommermonaten bilden sich hier Staus bis zu 20 Kilometern Länge. Besonders stauträchtig ist hierbei der Knotenpunkt Samtens. Während der Schrankenschließungszeiten auf einer einmündenden Seitenstraße wird der Verkehr auf der davon nicht betroffenen B 96 stündlich für mehrere Minuten komplett gestoppt. Ein Neubau als Fortsetzung des Rügenzubringers bis Bergen ist geplant, verzögert sich aber aufgrund umweltrechtlicher Einwände.

Am 23. November 2007 wurde bei Sagard die Weiherbergbrücke über die Bahnstrecke nach Sassnitz voll gesperrt, somit war der Verlauf der B 96 zwischen Sagard und Sassnitz unterbrochen. Der Vollsperrung der im Jahr 2003 grundsanierten Brücke ging nach der Feststellung von Schäden bereits im April 2007 eine Fahrbahnverengung voraus. Der Abriss der Brücke wurde im Frühjahr 2008 vorgenommen, die Bauarbeiten an der neuen Brücke begannen im Oktober 2008. Die Verkehrsfreigabe erfolgte am 30. Juli 2009.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Bundesstraße 96 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Achim Mayer: Geschichte des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz von 1794-1890, S. 110
  2. Amtsblatt der Regierung in Potsdam, S. 154
  3. http://www.reichsstrassen.de.vu/, "Reichsstraßen 1934"
  4. BP Olex-Autokarte Deutschland von 1937. (Ausschnitt) auf: landkartenarchiv.de

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