Slavonice
Slavonice
Wappen von Slavonice
Slavonice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Jindřichův Hradec
Fläche: 4572 ha
Geographische Lage: 49° 0′ N, 15° 21′ O48.997515.351388888889512Koordinaten: 48° 59′ 51″ N, 15° 21′ 5″ O
Höhe: 512 m n.m.
Einwohner: 2.608 (1. Jan. 2011) [1]
Postleitzahl: 378 81
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 7
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Urban (Stand: 2011)
Adresse: Horní náměstí 525
378 81 Slavonice
Gemeindenummer: 547166
Website: www.slavonice-mesto.cz
Marktplatz
Ein Renaissancehaus

Slavonice (deutsch Zlabings) ist eine Stadt im Südwesten Mährens in Tschechien. Dieses Gebiet wird auch Česká Kanada genannt. Slavonice liegt an der Grenze zu Österreich am Slavonický potok in etwa 512 m ü. M. Auf 4572 Hektar leben 2701 Einwohner. Zum südlich gelegenen Nachbarort Fratres besteht eine Straßenverbindung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Gründung der Stadt erfolgte etwa im 12. Jh., die erste schriftliche Erwähnung stammt aus 1260. Ursprünglich handelte es sich um ein Marktdorf, das den Herren von Neuhaus gehörte. Der Ort entwickelte sich langsam zu einer befestigten Stadt. Im 13. Jh. entstand ein unterirdisches Entwässerungssystem, das gleichzeitig der Verteidigung diente. Den größten Einfluss auf die Stadt hatte das 14. Jh. Zu dieser Zeit wurden die für die Stadt typischen Gebäude um den Marktplatz erbaut. Diese bürgerlichen Häuser waren an länglichen Parzellen erstellt, mit engen Höfen, deren hinterer Teil aus Wirtschaftsgebäuden bestanden.[2]

Nach dem Ersten Weltkrieg zerfiel der Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn. Zlabings wurde nach der Proklamation der Tschechoslowakei am 28. Oktober 1918 von tschechischen Truppen besetzt. Am frühen Morgen des 18. November 1918 rückte eine Abteilung des tschechischen Infanterieregiments 81 aus Iglau in der Stadt ein. Der Besetzung ging ein längeres Feuergefecht mit der deutschen Volkswehr voraus. Der Vertrag von Saint-Germain, 1919, [3] erklärte die Stadt, die 1910 zu 99% von Deutschösterreichern bewohnt war, gegen den Willen der Bevölkerung und gegen das proklamierte Selbstbestimmungsrecht der Völker, zum Bestandteil der neuen Tschechoslowakischen Republik.

In der Zwischenkriegszeit führten staatliche Maßnahmen zum Zuzug von Personen tschechischer Volkszugehörigkeit. Die tschechische Bewohner vermehrten sich zwischen den zwei Volkszählungen 1910 und 1930 von 0,4 auf über 14%. Zeitgleich, stieg die Spannungen zwischen den Volksgruppen im ganzen Lande. Da bewaffnete Konflikte drohten veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung, der von Sudetendeutschen (später verwendete Überbegriff) bewohnten Randgebiete, an Deutschland. Im Münchner Abkommen [4] wurde dies geregelt. Somit kam die Stadt zum Deutschen Reich und wurde 1939 dem Bezirk Waidhofen an der Thaya zugeordnet. [5]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (8.Mai 1945) wurde der Forderung der ČSR-Regierung Beneš durch die Siegermächte entsprochen und die im Münchener Abkommen (1939) an Deutschland übertragenen Territorien, also auch der Ort Zlabings im Rückgriff auf den Vertrag von Saint-Germain (1919) wieder der Tschechoslowakei zugeordnet. Anfang Juni 1945 wurde die deutschsprachige Bevölkerung während sogenannter "wilder Vertreibungen" mit einer Frist von 2 Stunden von "Partisanen" (damalige Bezeichnung für die ortsfremden militanten Tschechen) über die Grenze nach Österreich vertrieben. Es kam dabei zu Exzessen. Erst im August 1945 bestimmen die drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkrieges im Potsdamer Kommuniqués (Protokoll) die Nachkriegsordnung. Darin akzeptieren sie die summarische Vertreibungen Deutscher ohne jede Prüfung individueller Schuld, verlangen lediglich „einen geordneten Transfer der deutschen Bevölkerungsteile" aus der Tschechoslowakei. Im Jahre 1946 erfolgte die "geordnete" Vollstreckung des Potsdamer Kommuniqués und die Zwangsaussiedlung der Zlabingser, die sich in der Zwischenzeit in den benachbarten österreichischen Ortschaften aufgehalten hatten, nach Westdeutschland. [6] [7] Laut dem Beneš-Dekret 108 vom 25.Oktober 1945, wurde das gesamte bewegliche und unbewegliche Vermögen der deutschen Einwohner konfisziert und unter staatliche Verwaltung gestellt. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen.

Zum Großteil wurden die in Österreich befindlichen Zlabingser, in Übereinstimmung mit den ursprünglichen Überführungs-Zielen der Alliierten, nach Deutschland weiter transferiert. [8] [9]

Bevölkerungsentwicklung

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 2662 2654 8 0
1890 2544 2514 14 16
1900 2553 2053 27 23
1910 2601 2571 11 19
1921 2324 1832 294 198
1930 2288 1817 323 148

[10]

Gemeindegliederung

Zu Slavonice gehören die Ortschaften Kadolec (Kadolz), Maříž (Maires), Mutišov (Muttischen), Rubašov (Rubaschhof), Stálkov (Stallek) und Vlastkovec (Laskes). Der an der österreichischen Grenze südlich von Maříž gelegene Ortsteil Léštnice (Lexnitz) wurde 1950 aufgelassen.

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche der Himmelfahrt der Jungfrau Maria (1503-1549). Das barocke Dach stammt aus dem Jahr 1750.
  • Hausfassaden aus der Gotik und der Renaissance mit ornamentalen und manchmal figuralen Sgraffiti.
  • Eine Spezialität in der Geschichte der Gewölbe bilden die Diamantgewölbe bzw. Zellengewölbe in Bürgerhäusern.
  • Lutheranisches Oratorium mit apokalyptischen Fresken (Haus Nr. 517).
  • Weitverzweigtes unterirdisches Kellersystem.
  • Wallfahrtskirche vor der Stadt, Fronleichnamskirche bzw. auch Heiliggeistkirche genannt.

Kunst, Handwerk und Kultur

Nach der Öffnung des eisernen Vorhanges entwickelten sich in Slavonice und den umliegenden Gemeinden Aktivitäten von Künstlern, Handwerkern und Kulturschaffenden. Diese siedelten sich hier seit den 1990er Jahren an, um den Raum für kreative Ideen zu nutzen.

Ein Kristallisationspunkt war die Künstlergruppe Divadlo Sklep aus Prag. Sowohl die Gründung der Keramikmanufaktur in Maříž als auch die Künstlergaststätte Besídka gehen auf diese zurück.

Eine wichtige Rolle spielen die Galerien sowie eine Reihe von Manufakturen und kleinen Geschäften, welche mit ihren Ausstellungen und Schauräumen das künstlerische Schaffen in der Umgebung präsentieren. Dabei sind die Werke namhafter Künstler ebenso zu finden, wie die Produktionen kleiner Manufakturen sowie kunstschaffender Einzelpersonen und Familien.

Sagen aus der Stadt

  • De kloan Zwergaln im Spiatzaling
  • Die feurig'n Männlein[11][12]

Persönlichkeiten

  • Franz Josef Pabisch (1825-1879), Priester, Kirchenhistoriker, Direktor des Priesterseminars in Cincinnati
  • Ernst Klement (1914–2002), deutscher Hammerwurf-Trainer
  • Hubert Frank (*1925), österreichischer Regisseur
  • Anna Fárová (1928–2010), tschechische Kunsthistorikerin, Herausgeberin von Monographien und Fotoliteratur, Unterzeichnerin der Charta 77
  • Wolfgang Znaimer (*1933), Kalligraph, Kulturpreisträger

Literatur

  • Hans Reutter: Geschichte der Stadt Zlabings, Brünn 1913
  • Hans Reutter: Die Stadt Zlabings, ein kulturhistorisches Bild, 1939.
  • Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Zlabings S 505.
  • Johann Zabel: Kirchlicher Handweiser für Südmähren, 1941, Generalvikariat Nikolsburg , Zlabings S. 72.
  • Fritz Peter Habel: Dokumente zur Sudetenfrage Verlag: Langen Müller, 1984, ISBN 3-7844-2038-9
  • Eleonora Polly: Das Zlabingser Ländchen war Wirkungsstätte bedeutender Persönlichkeiten, 1985.
  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0, Zlabings S.40.
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, Verlag: Langen Müller, 1992, ISBN 3-7844-2412-0
  • Jiri Cerny: Poutni mista jihozapadni Moravy (Wallfahrtsorte Südwestmährens), Pelhrimov 2005.
  • Gabriela Koulová, Jana Zoglauer Vinsová: Slavonice a okuli - und Umgebung; Verlag: Soukup & David, Prag 2006.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2011 (XLS, 1,3 MB)
  2. Hans Reutter: Geschichte der Stadt Zlabings, 1918
  3. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amaltea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  4. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  5. Gerald Frodl, Walfried Blaschka: Die Kreise Neubistritz und Zlabings von A bis Z , 2008, Zlabings 245-252
  6. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  7. Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei, 2007. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher E.V. ISBN 978-3-9810491-7-6
  8. Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band III. Maurer, Geislingen/Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, Zlabings S. 208, 327-333, 335, 337, 339, 342, 344-347, 459, 464, 510, 573, 674, 576, 577.
  9. Brunnhilde Scheuringer: 30 Jahre danach. Die Eingliederung der volksdeutschen Flüchtlinge und Vertriebenen in Österreich, Verlag: Braumüller, 1983, ISBN 3-7003-0507-9
  10. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  11. Hans Zuckriegl: Im Märchenland der Thayana, 2000, Eigenverlag, S, 132f
  12. Hans Reutter: Zlabingser Sagen
 Commons: Slavonice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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