Berlin-Tempelhof

Tempelhof
Ortsteil von Berlin

Berlin Friedenau Schöneberg Tempelhof Mariendorf Marienfelde Lichtenrade BrandenburgTempelhof auf der Karte von Tempelhof-Schöneberg
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 28′ 0″ N, 13° 23′ 0″ O52.46666666666713.383333333333Koordinaten: 52° 28′ 0″ N, 13° 23′ 0″ O
Fläche 12,2 km²
Einwohner 56.296 (30. Juni 2011)
Bevölkerungsdichte 4614 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12101, 12103, 12105, 12109, 12099, 12279
Ortsteilnummer 0703
Gliederung
Verwaltungsbezirk Tempelhof-Schöneberg
Ortslagen

Tempelhof ist ein Ortsteil im siebten Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Bis zur Verwaltungsreform 2001 gab es einen eigenständigen Bezirk Tempelhof, der die Ortsteile Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrade und den namensgebenden Ortsteil Tempelhof umfasste.

Inhaltsverzeichnis

Ortsteil Tempelhof

Geologie/Klima/Geografie

Naturräumliche Lage

Die naturräumliche Lage des Teltow

Naturräumlich gehört Tempelhof zur Hochfläche des Teltow südlich des Berlin-Warschauer Urstromtals mit einer mittleren Höhe zwischen 45 und 60 Metern über NN. Der nordwestliche Teltow (mit dem Schäferberg) ragt darüber deutlich hinaus.

Oberflächenformen

Tempelhof als Teil des Teltowplateaus besitzt eine typische Grundmoränenoberfläche. Sie ist flachwellig und recht seenarm.

Sowohl das geschlossene Plateau als auch die umliegenden Urstromtalungen, wie das Berliner Urstromtal, sind von Glazialen Rinnen zerschnitten. Sie bilden heute Seenketten, wie die Grunewaldseenkette, also NikolasseeRehwieseSchlachtenseeKrumme LankeRiemeisterfennLanges LuchGrunewaldseeHundekehlefennHundekehleseeDianaseeKoenigsseeHalenseeLietzenseeHerthaseeHubertusseeFennsee – (ehemaliger) Wilmersdorfer SeeVolkspark WilmersdorfRudolph-Wilde-Park. Die Rinnen beleben die sonst nur wenig bewegte Landschaft merklich. Einige kleinere, eher isoliert liegende Stillgewässer, wie der Klarensee, Krumme Pfuhl und Wilhelmsteich, gingen wahrscheinlich aus Toteisblöcken hervor.

Böden

Auf den weit verbreiteten Geschiebemergelflächen haben sich Lessivés entwickelt.[1] Sie gelten als fruchtbar. Meistens finden sich Übergangsformen zwischen der Fahlerde und der Braunerde, zum Teil auch Parabraunerden. Stauvernässung in Form von Pseudogleyen kommt nur untergeordnet vor. Auf den Schmelzwassersandflächen bildeten sich eher nährstoffarme Braunerden. Je nach Zusammensetzung des Sandes können die Braunerden entweder schwach lessiviert oder schwach podsoliert sein.

Die feuchten Niederungen und tief gelegenen Urstromtalungen werden von Gleyen und Niedermooren dominiert. Die Moore zeigen deutliche Vererdungserscheinungen als Folge der Entwässerung.

Große Verbreitung besitzen die anthropogenen (vom Menschen erzeugte) Böden und Stadtböden. Man kann sie als junge Rohböden ansprechen. Es überwiegen Lockersyroseme und Pararendzinen. Vereinzelt finden sich auch Hortisole (Gartenböden), Regosole und Kolluvisole.

Klima

Auf Grund seiner bescheidenen Relativhöhe besitzt Tempelhof wie der gesamte Naturraum Teltow, im Gegensatz zum Fläming und zum Barnim, keine ausgeprägten Witterungsunterschiede gegenüber seinem Umland. Er liegt, wie seine Umgebung auch, im Übergangsbereich vom ozeanischen Klima Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas. Kältester Monat ist der Januar mit Durchschnittstemperaturen um −1 °C, wärmster der Juli mit etwa 18 °C. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt um 550 mm (Station Großbeeren: 555 mm/Jahr von 1951 bis 1980)[2] mit einem ausgeprägten Sommermaximum und Winterminimum. Der höher gelegene nordwestliche Teltow dürfte etwas besser mit Niederschlag versorgt werden.

Lage

Der Ortsteil Tempelhof liegt im Nordosten des Bezirkes Tempelhof-Schöneberg. Benachbarte Ortsteile sind im Westen Schöneberg, im Südwesten Steglitz, im Süden Mariendorf, im Südosten Britz, im Osten Neukölln und im Norden Kreuzberg.

Siehe auch: Liste der Bezirke und Ortsteile Berlins

Die Grenze des Ortsteiles verläuft im Norden entlang der Bezirksgrenze zu Friedrichshain-Kreuzberg, um dann entlang der General-Pape-Straße nach Süden zu führen. Ab der Höhe des Bahnhofs Südkreuz verläuft die Grenze entlang der Ringbahn nach Südosten, um dann entlang der Alboinstraße auf die Arnulfstraße zu stoßen und dieser entlang nach Westen zu folgen. Ab der S-Bahnlinie 2 folgt sie den Schienen nach Süden bis zum Teltowkanal. Im Süden verläuft sie entlang des Teltowkanals, ab dem Mariendorfer Damm springt sie zur Ullsteinstraße und verläuft auf ihr weiter in Richtung Osten. Ab der Gottlieb-Dunkel-Straße verläuft die Grenze am Nordrand des St.-Michael-Kirchhofs bis zur Autobahnanschlussstelle 22 – Gradestraße der A 100. Von diesem Punkt verläuft die östliche Ortsteilgrenze zusammen mit der Bezirksgrenze durch verschiedene Kleingartengelände in Richtung Teltowkanal, folgt diesem ein kurzes Stück bis zum Tempelhofer Weg, verläuft dann an dessen Südwest-Seite bis zur Hattenheimer Straße um dann entlang der Eschersheimer Straße auf die Oberlandstraße zu stoßen. Die Grenze verläuft ab der Bacharacher Straße nach Norden quer über das Flughafengelände, um nach einer Verschwenkung nach Westen auf der Höhe der Lilienthalstraße wieder nach Norden zu verlaufen und stößt abschließend wieder auf die Bezirksgrenze zu Friedrichshain-Kreuzberg.

Siedlungsstruktur

Tempelhof ist geprägt von einer Mischung aus Mietshaus- und Einfamilienhaus-Siedlungen sowie Industrie- und Grünflächen (Parkanlagen, Laubenkolonien). Gewerbe- und Industrieflächen mit typischen Industriestraßen wie der Gottlieb-Dunkel-Straße oder der Teilestraße haben sich insbesondere entlang des Teltowkanals und der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn um den Güterbahnhof Teltowkanal herausgebildet. Gleichfalls im ehemaligen Oberland am Südrand des Tempelhofer Feldes entstanden in der 1930er-Jahren an der Oberlandstraße Fabriken und Filmstudios mit heute zum Teil denkmalgeschützten Gebäuden. Hier gibt es verschiedene Industriezweige, die u. a. Kühlschränke, Nachrichtengeräte, Rasierklingen, Eisenkonstruktionen und Schokolade produzieren. Ebenfalls an der Oberlandstraße liegt die als Gartendenkmal geschützte Bärensiedlung aus der gleichen Bauperiode mit knapp 900 Wohnungen.

An der Grenze zu Schöneberg gehört die östliche Bebauung des als Gartendenkmal geschützten Alboinplatzes, die Siedlung Blanke Helle in der sogenannten „Tempelhofer Schweiz“, zu Tempelhof. Der Platz selbst und seine westlichen Bereiche bis zur Siedlung Lindenhof lagen ebenfalls lange auf der Gemarkung Tempelhof, sind heute jedoch im Nachbarortsteil Schöneberg eingegliedert. Geologisch liegt der Alboinplatz mit seinem See Blanke Helle in einer Glazialen Rinne mit mehreren Pfuhlen und als Naturdenkmal geschützten Toteislöchern wie dem Wilhelmsteich am Lehnepark, dem Klarensee im Alten Park und östlich des Tempelhofer Damms dem Krummen Pfuhl im Franckepark. Die Senke ist heute an vielen Stellen überbaut und einige Gewässer wie der ehemalige See im heutigen Bosepark sind nicht mehr vorhanden. Dennoch lässt sich die Senke, die auf einer Karte von 1901 noch weitgehend unverbaut zu erkennen ist, auch heute nachvollziehen, da die Anlage von Friedhöfen und Parks – ähnlich wie bei der Kleinen Grunewaldseenkette – weitgehend der geologischen Formation folgt (siehe ausführlich mit Lagekarte von 1901: Alboinplatz).

Der Ortsteil Tempelhof unterteilt sich in Alt-Tempelhof, das südlich der Ringbahn liegt und der Gartenstadt Neu-Tempelhof. Durch Tempelhof verläuft in Nord-Süd-Richtung der Tempelhofer Damm, der als B 96 sowohl einer der Hauptverkehrsachsen Berlins nach Brandenburg, wie auch die Haupteinkaufsstraße in Tempelhof ist.

Geschichte des Ortsteiles Tempelhof

Gründung, Gestalt und ursprünglicher Name des Dorfes

Tempelhof um 1834 (Karte gesüdet)

Im Rahmen des Landesausbaus der sogenannten „Ostsiedlung“ wurde auf dem mittleren Hohen Teltow wohl um 1200, spätestens 1210 „aus wilder Wurzel“ ein Straßendorf gegründet.

Es ist noch in der heutigen Randbebauung der Straße Alt-Tempelhof zwischen Neuer Straße und Fuhrmannstraße gut zu erkennen. Der Mittelstreifen war kein Dorfanger eines Straßenangerdorfs, weil ihm zwei typische Merkmale fehlen:

  • Der Dorfanger hat eine spindelförmige Gestalt, der zu einer Ausbuchtung der Dorfmitte führt. Alte Karten und auch der heutige Befund zeigen allerdings, dass in Tempelhof die beiden gegenüberliegenden Hausreihen parallel verlaufen.
  • Auf dem Dorfanger liegen üblicherweise Dorfkirche, Dorfteich und – sofern vorhanden – auch die Dorfschmiede (wegen der Brandgefahr).[3]

Die heutige Dorfkirche Tempelhof hat von Anfang an abseits gelegen, in markanter Höhenlage zwischen ursprünglich vier Seen.[4] Nur noch zwei von ihnen sind heute im Alten Park und im Lehne-Park vorhanden; der unter dem Reinhardtplatz gelegene Teich wurde zugunsten einer Marktfläche zu- und aufgeschüttet.

Es ist unklar, ob zunächst der Komturhof oder das Dorf oder beide gleichzeitig entstanden. Dies hängt auch mit der Unklarheit zusammen, was der ursprüngliche Name des Dorfs war. Als „Hof“ wurde im Mittelalter ein befestigter Platz bezeichnet, sodass er also eben so wenig wie das „Haus“ im späteren Richardsdorf/Rixdorf ein Dorf bezeichnet haben kann. Auffällig sind eine Fülle von Ortsnamensübertragungen aus dem Teltow auf den Barnim und in die angrenzende Uckermark: Blankenfelde, Britz, Buckow, Grunewald Heinersdorf, Lichterfelde, Ruhlsdorf, Schmargendorf, Schöneberg, Schönow, Stegelitz, Wilmersdorf, Zehlendorf sowie Groß- und Kleinziethen. Mitten unter ihnen befindet sich auch Tempelfelde (zwischen Bernau und Eberswalde), für das es kein Gegenstück auf dem Teltow gibt. Es wird daher mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen, dass dies der ursprüngliche Name des Dorfes war, das dann später stärker mit dem „Templer Hof“ identifiziert wurde, sodass es dessen Name übernahm.

Erste urkundliche Erwähnungen

Überblick

Die Dörfer Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Rixdorf sind von den Tempelrittern gegründet worden, was sich allerdings nur aus Rückschlüssen ergibt. Entsprechende Urkunden gibt es nicht. Bekanntermaßen hat Papst Clemens V. den Templerorden 1312 aufgehoben und dessen Besitz dem Johanniterorden übertragen. Offenbar haben die Tempelhofer Ritter zunächst Widerstand geleistet und waren daher zunächst einem Prokurator des Markgrafen Waldemar unterstellt worden; erst 1318 wurde die Übergabe an die Johanniter rechtlich vollzogen. Für 1344 wird erstmals ein johannitischer Komtur mit ausdrücklichem Bezug auf Tempelhof genannt: Burchard von Arenholz als „commendator in Tempelhoff“.[5] 1435 verkauften die Johanniter die vier genannten Dörfer an die Stadt Berlin.

Magister Hermannus de Templo (1247)

1247 wurde im Kloster Walkenried eine Urkunde ausgestellt, mit der der Bischof von Brandenburg diesem Kloster den Zehnten von 100 Hufen in der Uckermark überträgt. Unter den Zeugen befand sich ein „magister Hermannus de Templo“, doch beweist diese Urkunde lediglich, dass es damals einen Mann namens „Hermann von Templo“ gegeben hat, dessen Magistergrad ihm besondere Glaubwürdigkeit gab.

Der Namenszusatz templarius ‚Templer‘, ‚Tempelritter‘ oder de Templo ‚vom Tempel‘, ‚vom Templer-Orden‘ kennzeichnet üblicherweise einen Angehörigen des Templerordens.[6] Ebenso ist es nicht unüblich, dass mit magister ein Komtur bezeichnet wird.[7]

Die übrigen Urkundszeugen sind die Äbte der Klöster Zinna und Lehnin, der bekannte Propst Symeon aus Cölln,[8] Pfarrer Heinrich von Oderberg, Johannes von Werneuchen und mehrere Geistliche des Klosters Walkenried. In der Bestätigungsurkunde des Domstifts Brandenburg vom gleichen Tage treten zusätzlich noch zwei Bürgermeister (Schulzen) als Urkundszeugen auf: Werner von Stettin und Marsilius von Berlin. Ein Komtur der Tempelritter (magister de Templo) im Kreise von Urkundszeugen, die vor allem aus der Mittelmark kommen, passt am besten zum Komturhof auf dem Teltow.[9]

Ritter Jacobus von Nybede (1290)

1290 wird Tempelhof als Ort erwähnt, aber ebenfalls eher mittelbar: Der Ritter Jacob von Nybede schenkt der Franziskaner-Klosterkirche in Berlin eine Ziegelscheune (für ihr Baumaterial), die „zwischen Tempelhof und Berlin“ liegt, nämlich wohl am Kreuzberg, worauf archäologische Funde der 1830er-Jahre hinweisen. Jacobus ist kein Tempelritter. Er ist möglicherweise Besitzer der Ritterhufen, die später als Hahnehof bekannt werden; der Hof lag auf dem heutigen Eckgrundstück Alt-Tempelhof/Tempelhofer Damm, mit angeblich archäologisch nachgewiesenem Turmfundament.

Zusammenfassung

Da das Dorf 1290 Tempelhof genannt wurde und sich 1435 mit seinen Nachbardörfern im Besitz der Johanniter befand, die 1318 allgemein den Templerbesitz in der Mark Brandenburg übernommen haben, geht die Forschung einhellig davon aus, dass dieser Siedlungskomplex eine Gründung der Tempelritter ist. Offenbar hat das Dorf, zumindest der Komturhof, schon 1247 bestanden; das ist jedenfalls die überzeugendste Zuordnung des Magisters Hermann von Templo. Nach der von Papst Clemens V. am 22. März 1312 durch die Bulle Vox in excelso angeordneten Auflösung des Ordens kam der Ort 1318 an den Johanniterorden, der ihn 1435 an die Doppelstadt Berlin-Cölln verkaufte. Der Tempelhof (der Gutshof) kam in den Besitz des Benedix Birckholz. Im Jahre 1344 hatte der Johanniterorden das Schulzenamt dem Cöllner Bürger Johann Ryke (Reiche) überlassen, was zugleich der erste urkundliche Nachweis dafür ist, dass sich Tempelhof im Besitz des Ordens befand. Am 20. Juni 1630 kaufte Christian Weiler, Spross eines reichen brandenburgischen Handelshauses im Berlin des 17. Jahrhunderts, das Gut Tempelhof vom straffällig gewordenen kurfürstlichen Münzmeister zu Berlin, Liborius Müller, um es bald darauf an den Grafen von Schwartzenberg zu veräußern. 1796 erwarb Friedrich Heinrich Graf von Podewils den Gutshof. 1861 wird das Tempelhofer Unterland, auch Tempelhofer Vorstadt genannt, und der Tempelhofer Berg, der inzwischen nach dem eisernen Kreuz auf dem Nationaldenkmal Kreuzberg genannt wurde, nach Berlin eingemeindet.

Im 19. Jahrhundert fand Tempelhof Anschluss an die Entwicklung Berlins, vor allem durch die Eröffnung der Ringbahn 1871. Im Jahr 1875 erreichte auch die Pferdeeisenbahn den Ort. 1878 bekam Tempelhof Anschluss an die Gasversorgung. 1898 wurde hier das Elektrizitätswerk in Betrieb genommen. Der 1906 fertiggestellte Teltowkanal trug wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung Tempelhofs bei. Bei der Bildung von Groß-Berlin im Jahr 1920 wurde aus den Landgemeinden Tempelhof, Mariendorf (ohne Südende), Marienfelde und Lichtenrade der 13. Verwaltungsbezirk gebildet. Ab 1923 wurde der Flughafen angelegt, der bis zur Inbetriebnahme des Großflughafens Tegel im Jahr 1975 den gesamten zivilen Luftverkehr von West-Berlin abwickelte. Danach diente er den US-amerikanischen Streitkräften. Das Luftbrückendenkmal vor dem Empfangsgebäude (1951 von Eduard Ludwig geschaffen) erinnert an die Berlin-Blockade 1948/1949.

Sehenswürdigkeiten

Das Ullsteinhaus am Mariendorfer Damm an der Südgrenze des Ortsteils Tempelhof

Kultur

Mit der Columbiahalle (heute: C-Halle)[10] im Norden und der Ufa-Fabrik im Süden Tempelhofs besitzt Tempelhof zwei berlinweit bekannte kommerzielle Veranstaltungsstätten mit unterschiedlichem Ansatz. Mit der Eröffnung des Hafens Tempelhof im Jahr 2009 kam ein neuer großer Gebäudekomplex hinzu, der ein Ensemble mit einem neu errichteten Einkaufszentrum bildet.

Altbezirk Tempelhof

Hauptartikel: Bezirk Tempelhof

Der ehemalige Bezirk Tempelhof lag im Süden Berlins und reichte bis an die Landesgrenze zum Bundesland Brandenburg, Landkreis Dahme-Spreewald und Landkreis Teltow-Fläming heran. Er wurde am 1. Januar 2001 mit dem ehemaligen Bezirk Schöneberg zum neuen großen Bezirk Tempelhof-Schöneberg zusammengelegt. In Nord-Süd-Richtung zieht sich als zentrale Verkehrsader die Bundesstraße 96 (Tempelhofer Damm, weiter südlich Mariendorfer Damm, dann Lichtenrader Damm) durch den ehemaligen Bezirk Tempelhof, unterirdisch verläuft hier bis in den Mariendorfer Damm hinein die U-Bahnlinie U6.

Im Unterschied zum – im Jahr 2001 mit Tempelhof fusionierten – Bezirk Schöneberg galt Tempelhof als eher bürgerlich. Bei den letzten Wahlen entschied sich die Mehrheit der Bewohner des Altbezirks für die CDU.

Tempelhof gliederte sich in vier Ortsteile, die alle im fusionierten Bezirk Tempelhof-Schöneberg aufgegangen sind: Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade.

Geschichte des Bezirks

Der Flughafen im Mai 1984
Der Flughafen von der Stadtautobahn aus gesehen
Modell des Flughafens Tempelhof im Deutschen Technikmuseum Berlin

Gründungen im Mittelalter

Der Name Tempelhof geht – wie bereits im Abschnitt zum Ortsteil Tempelhof beschrieben – auf den Templerorden (christliche Ordensritter) zurück, die hier einen wehrhaften Komturhof errichteten, wohl spätestens um 1200, zu dem neben dem Dorf Tempelhof auch Siedlungen in Marienfelde, Mariendorf und Rixdorf gehörten. Zweifelsohne sollten sie einen Sperrriegel quer über den Teltow errichten; wer ihre Ansiedlung veranlasste (Askanier, Wettiner, die Erzbischöfe von Magdeburg oder die Herzöge von Schlesien) ist bis zum heutigen Tage in der Forschung umstritten.[11] Um 1230 wurde die Dorfkirche Marienfelde als Feldsteinkirche errichtet, die zu den ältesten in Brandenburg gerechnet wird. Unter der heutigen Dorfkirche Tempelhof, der ehemaligen Kirche des Komturhofs, wurde archäologisch ein Vorgängerbau entdeckt, der vom Ausgräber in die Zeit um 1200 datiert wurde.

Zeittafel

Mittelalter
  • 1247 erfolgte eine umstrittene erstmalige schriftliche Erwähnung Tempelhofs (Name eines vermutlichen Komturs).
  • 1290 wurde Tempelhof als Dorf erstmals in einer (Schenkungs-)Urkunde erwähnt.
  • 1310 gingen nach der Auflösung des Templerordens Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde an den Johanniterorden.
  • 1344 wurde Marienfelde erstmals erwähnt.
  • 1348 wurde Mariendorf erstmals erwähnt.
  • 1351 wurde das Tempelhofer Feld erstmals erwähnt.
  • 1375 wurde im Landbuch Kaiser Karls IV. Lichtenrade erwähnt.
  • 1435 erfolgte der Verkauf Tempelhofs, Mariendorfs und Marienfeldes an Berlin-Cölln.
18. und 19. Jahrhundert
  • 1772 wurde das Tempelhofer Feld unter Friedrich II. zum preußischen Exerzier- und Paradeplatz. Allerdings wurde das Feld erst 1826/1827 vom Staat gekauft und damit endgültig zum Truppenübungsplatz und Paradefeld.
  • 1861 erfolgte die Eingemeindung der Tempelhofer Vorstadt (Unterland) und des Tempelhofer Berges (Kreuzberg) nach Berlin.
  • 1776/1777 erfolgte der Bau des Königsgrabens zwischen Lichtenrade und Marienfelde.
  • Um 1883 scheiterte der Maler Arnold Böcklin auf dem Tempelhofer Feld mit dem Versuch eines motorlosen Flugzeugs.
  • 1888 wurde auf dem Tempelhofer Feld mit Germania 1888 der erste Fußballverein Deutschlands gegründet.
  • 1897 verunglückten der Luftschiffkonstrukteur Wölfert und sein Mechaniker auf dem Tempelhofer Feld mit ihrem benzinbetriebenen Luftschiff. Das erste Starrluftschiff der Welt von David Schwarz stieg ebenfalls 1897 hier auf.
20. Jahrhundert
21. Jahrhundert
  • 2001 wurde die Gebietsreform der Berliner Bezirke umgesetzt und die seinerzeitigen Bezirke Tempelhof und Schöneberg zusammengelegt.
  • 2008 endete der Flughafenbetrieb am 30. Oktober.
  • 2010 öffnete der Tempelhofer Park am 8. Mai für die Öffentlichkeit.

Partnerstädte

Tempelhof pflegt folgende Städtepartnerschaften:

International

Rathaus am Tempelhofer Damm

Niederlande Amstelveen (Niederlande), seit 1957
Israel Nahariya (Israel), seit 1970
USA Charleston South Carolina USA

National

Statistische Daten

Alle hier genannten Daten beziehen sich auf den Altbezirk Tempelhof.

Bevölkerungsentwicklung

Um 1800

Tempelhof: 241 Einwohner
Mariendorf: 162 Einwohner
Marienfelde: 148 Einwohner
Lichtenrade: 112 Einwohner

Um 1900

Tempelhof: 9.991 Einwohner
Mariendorf: 5.764 Einwohner
Marienfelde: 1.946 Einwohner
Lichtenrade: 0 818 Einwohner

Im Jahr 1999

Alle Ortsteile zusammen rund 191.000 Einwohner

Bevölkerungsstand

Tempelhof-Schöneberg: 333.110 Einwohner
Anteil von Gesamt-Berlin: 9,7 %
Davon Ausländer: 15,67 % (absolut: 52.203)
(Quelle: Statistisches Jahrbuch 2009)

Altersaufbau

Unter 6 Jahren: 008.392 Personen
6 bis unter 18 Jahre: 019.667 Personen
18 bis unter 65 Jahre: 117.637 Personen
65 Jahre und älter: 039.469 Personen
(Stand: Ende 2005)

Arbeitslosenquote

Arbeitslose: 28.810 Einwohner
Davon Frauen: 13.015 Einwohner
Arbeitslosenquote (alle ziv. EP): 17 %
(Stand: Januar 2005)

Söhne und Töchter Tempelhofs

Weblinks

 Commons: Berlin-Tempelhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Information zu den Bodengesellschaften gibt es auf den Internetseiten des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg online
  2. M. Hendl: Das Klima des Norddeutschen Tieflandes. In: H. Liedtke, J. Marcinek (Hrsg.): Physische Geographie Deutschlands. Gotha 1994, ISBN 3-623-00840-0.
  3. Typische Dorfanger sind noch heute in Marienfelde, Buckow oder Lichtenrade zu sehen. Mariendorf ist wie Tempelhof ein Straßendorf. Die ehemaligen Dorfschmieden von Marienfelde und Rixdorf sind noch heute auf dem Anger zu finden.
  4. Eine ähnliche erhöhte Randlage zum Dorfkern, geschützt durch einen See, findet sich auch in Britz
  5. Ein „Komtur in Tempelhof“ setzt eigentlich den Ordensbesitz voraus, dies kann aber nach geschichtswissenschaftlichen Kriterien nur als mittelbarer Hinweis gelten.
  6. Hans Eberhard Mayer: Zum Itinerarium peregrinorum. Eine Erwiderung. In: Hans Eberhard Mayer: Kreuzzüge und lateinischer Osten. London 1983, S. III 210f.
  7. Aus diesem Grunde ist die ältere Diskussion, ob Templo einen Ortsnamen darstelle und wo dieser Ort zu suchen sei, überholt, weil sie in Unkenntnis der Ausführungen von Mayer (Anm. 8) geführt wurde
  8. Zehn Jahre vorher, also 1237, ist Symeon noch nicht Propst, sondern Pfarrer von Cölln und sorgt als Urkundszeuge im Brandenburger Zehntenstreit für die urkundliche Ersterwähnung der Doppelstadt am Spreepass.
  9. Insbesondere wegen der Urkundszeugen Marsilius (Stadtschulze von Berlin), Symeon (Propst von Cölln) und Abt Siger von Lehnin. Allerdings kann auch der Komtur von Lietzen nicht völlig ausgeschlossen werden, denn de Templo bedeutet sehr viel häufiger ‚vom Templer-Orden‘ als ‚von Tempelhof‘.
  10. berlinatnight.de
  11. Ulrich Waack: Die frühen Herrschaftsverhältnisse im Berliner Raum. Eine neue Zwischenbilanz der Diskussion um die „Magdeburg-Hypothese“. In: Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 54. 2005, S. 7–38.
  12. Zeittafel auf berlin.de
  13. Klaus Wowereit / wegewerk GmbH (Agentur): Klaus Wowereit – Biografie. In: klaus-wowereit.de Wowereits offizielle Homepage. o. A., abgerufen am 4. September 2008. Zitat daraus: „Am 01.10.1953 bin ich im Bezirk Tempelhof geboren.“

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