Hanerau-Hademarschen


Hanerau-Hademarschen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hanerau-Hademarschen
Hanerau-Hademarschen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hanerau-Hademarschen hervorgehoben
54.1286111111119.416111111111138
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Hanerau-Hademarschen
Höhe: 38 m ü. NN
Fläche: 14,63 km²
Einwohner:

3.022 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 207 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25557
Vorwahl: 04872
Kfz-Kennzeichen: RD
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 072
Adresse der Amtsverwaltung: Kaiserstraße 11
25557 Hanerau-Hademarschen
Webpräsenz: www.hanerau-hademarschen.de
Bürgermeister: Volker Timm (CDU)
Lage der Gemeinde Hanerau-Hademarschen im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte

Hanerau-Hademarschen ist eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Sie liegt südöstlich des Nord-Ostsee-Kanals in der Geest.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Namensherkunft

Die Herkunft des Ortsnamens Hademarschen ist bisher ungeklärt. Für die Benennung nach einem sagenumwobenen „Feldherrn Hadumar“ (oder Hademar, Hadamar), von ahd. hadu- (Kampf) und ahd. -mar (groß, berühmt), gibt es keine gesicherten Quellen. Sicherlich dürften diese althochdeutschen Wortstämme aber eine Rolle in der Namensgebung spielen, so germanisch mari für ein stehendes seichtes Gewässer, oder althochdeutsch mari für Moor, Sumpf. Während Hademarschen nicht in der heute so bezeichneten Marsch, dem Schwemmland entlang der Nordseeküste, sondern auf der höher gelegenen Geest liegt, könnten somit auch Flussmarschen gemeint sein, die allerdings nur einen Bruchteil des Ortsgebietes ausmachen. Da ständige Kämpfe mit den Dithmarschern belegt sind, ist auch „wo gegen die Marsch gehadert wurde“ denkbar. Auch der Familienname Hadenfeldt ist im Ort verbreitet, von „Hader-Feld“ (Kampfplatz).

Bronzezeit und Altertum

Sicherlich hatten auch die „Hademarscher Berge“, mit bis zu 70 m Höhe aus der sonst nur leicht gewellten Landschaft emporragend, eine strategische Bedeutung über die Jahrtausende, wo sich auch die Hünengräber befinden. Ein anlässlich der Fundamentlegung des früheren ersten Aussichtsturmes im Jahr 1913 geöffneter Hügel, der unter Leitung des Archäologen Prof. Rothmann vom Museum für vorgeschichtliche Altertümer in Kiel ausgegraben wurde, enthielt überraschenderweise zwei Gräber: auf halber Höhe ein Baumsarggrab aus der älteren Bronzezeit (um etwa 1400 bis 1200 v. Chr.), in dem ein Bronzeschwert, ein Streitbeil, einige Tongefäße und ein reich verzierter goldener Armreif gefunden wurden, und ein weiteres am Grund des Hügels, ein mit einem kurzen Gang versehenes Längsgrab, aus mächtigen Steinfelsen, von 3,5 m Länge und 2,0 m Breite, aus der Jungsteinzeit (etwa 2000 bis 1600 v. Chr.), in dem sich Steinwerkzeuge, Gefäße und Überreste menschlicher Gebeine aus fünf unterschiedlichen Zeitabschnitten befanden. Die gefundenen Gegenstände wurden dem Kieler Museum geschenkt, dort bis zum 2. Weltkrieg aufbewahrt, und befinden sich heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Schloß Gottorf, Schleswig. Schon aufgrund der genannten Funde ist somit erwiesen, dass die Gegend von Hademarschen bereits vor über 3.500 Jahren besiedelt war.

Eine überlieferte Sage beschreibt Folgendes: „Im Kirchspiel Hademarschen lag, als noch die Riesen hier im Lande wohnten, ein großer Stein. Einer der Stärksten nahm ihn auf und wollte ihn über die Grenze werfen. Da zersprang der Stein im Werfen in zwei Stücke, das eine fiel im Kirchspiel Schenefeld nieder, das andere in der Marsch. Beide Stücke passen aber genau aneinander.“

Die alten Hademarscher gehörten zu den Holsten (germanisch holta für Holz, holt-saten für Waldbewohner), einem der drei nordelbischen Sachsen-Stämme. Sie trugen ihren Namen zu recht, lag doch Hademarschen inmitten ausgedehnter Waldgebiete, von denen die heutigen Waldungen, wie Rehers und Bondenschiften, nur geringe Überreste darstellen.

Die dörfliche Siedlung Hademarschen entstand bereits um Christi Geburt. Der wohl älteste Teil lag bei Tiefental, am Abhang der „Hollenberge“. Aus der Richtung des späteren Haneraus führte ein breiter Sandweg mit tiefen Wagenspuren nach Hademarschen („Weidenniederung“). Dort, wo die Häuser auf einem Haufen standen, lag der „Klus“, die heutige Klosterstraße. Quer über die Straße floss der „Schobeek“, der sich im „Eck“ mit dem „Klosterbeek“ vereinte (beek ist niederdeutsch für Bach).

Mittelalter

Um das Jahr 810 n. Chr. wurden die Nordelbier von Karl der Große unterworfen, christianisiert und dem Reich der Franken einverleibt. Die erste Kirche für die Holsten stand in Schenefeld, und zu ihrem Sprengel gehörte Hanerau-Hademarschen bis ins 13. Jahrhundert, obwohl bereits deutlich früher schon eine eigene, offensichtlich bescheidene Holzkirche in Hademarschen gebaut worden war, der, irgendwann zwischen 1150 - 1240, eine massive Steinkirche folgte. Aus dem ursprünglichen reinen Bauerndorf wurde somit Anfang des 13. Jahrhunderts ein typisch holsteinisches Kirchdorf, wurde Hademarschen schon damals zum Mittelpunkt für umliegende kleinere Dörfer, und siedelten sich Handwerker und Gewerbetreibende an. Möglicherweise stammt der traditionsreiche „Homarscher Markt“ schon aus jener Zeit.

Die Geschichte Hademarschens ist mit der alten Burg „Hanrowe“ eng verbunden, die zwischen 1180 und 1185 an der Heerstraße von Itzehoe nach Dithmarschen vom Schaumburger Graf von Holstein Adolf III. zum Schutz gegen die Einfälle aus der Bauernrepublik Dithmarschen errichtet wurde. Andere Quellen sprechen bereits vom Beginn des Burgbaus um 1145 unter Graf Adolf II.. Reste einer Burg im Gehöft „Keller“ sollen von einer noch älteren, kleineren Burg namens „Lindhorst“ stammen, deren Bauherr und Alter noch nicht bestimmt sind. Das Gehöft Keller lag unmittelbar an dem uralten, auch heute noch so genannten „Ochsenweg“, der von Heide und Meldorf über Itzehoe nach Hamburg führte. Er diente in jener Zeit als Hauptverkehrsstraße. Zum Bezirk der Burg Hanrowe gehörten bis etwa 1450 die Kirchspiele Hademarschen und Schenefeld, später nur noch Hademarschen.

Frühe Neuzeit

1525 verkaufte der dänische König, der seit 1460 nach dem Vertrag von Ripen Herzog von Schleswig und Graf, später Herzog, von Holstein geworden war, die Burg Hanerau mit ihrem Bezirk, dem Kirchspiel Hademarschen, als Lehngut an einen Adeligen. Hanerau blieb adeliges Gut (v.d. Wisch, dann Rantzau) bis 1613, war 1613 - 1664 wieder im Besitz des Königs, wurde 1664 erneut verkauft und blieb adelig (v. Klingenberg, v. Ahlefeldt, Rumohr) bis 1777. Die Tatsache, dass Hanerau adeliges Gut war, bedeutete jedoch nicht, dass die Einwohner des Kirchspiels Hademarschen zu Leibeigenen herabgedrückt wurden. Sie blieben freie Eigentümer ihres Bodens, und der Gutsherr übernahm lediglich die obrigkeitlichen Funktionen, die vorher der Burgvogt, als Vertreter des Landesherrn, innehatte.

Das Kirchspiel Hademarschen hatte oft unter den Überfällen der Dithmarscher zu leiden, und die Burg Hanrowe stand nahezu 300 Jahre im Brennpunkt der Kämpfe, bis 1559 in der „Letzten Fehde“ die Dithmarscher endgültig bezwungen wurden. Danach verlor die Burg an strategischer Bedeutung, bis sie 1644 von den Schweden zerstört wurde. Später wurde dann der Herrensitz in Hanerau als Gut und ohne Wehrmauern neu aufgebaut und behielt den Namen der ehemaligen Burg.

1616 hatte Hademarschen 7 Hufner (große Bauern), 5 Kätner (mittlere Bauern), 22 „Freileute“ (Handwerker mit etwas Land) und 13 Inste (Leute ohne eigenes Haus, die zur Miete wohnten).

Selbst nach der Unterwerfung der Dithmarscher hatten die Hademarscher wiederholt unter den Einfällen feindlicher Heere zu leiden, so 1627-29 (Wallenstein), 1644-45 (Schweden), 1658-60 (Polen und Brandenburger), 1713 (Schweden, Sachsen, Russen). Am Schlimmsten war es 1658, als das gesamte Dorf niederbrannte und 1713, als Einquartierungen, Plünderungen und hohe Kriegssteuern die Hademarscher völlig verelenden ließen. Drei der sieben großen Bauernhöfe und mehrere kleine wurden von ihren Besitzern, soweit diese nicht umgekommen waren, verlassen und wurden „wüst“. Eingangs verpachtete die Gutsherrschaft jenes Land an die anderen Bauern, die dann im Laufe des 18. Jahrhunderts auch deren rechtmäßige Eigentümer wurden. Erst in der ausgedehnten Friedenszeit ab 1720 traf dann eine langsame Besserung für die Bewohner von Hademarschen ein.

19. Jahrhundert

Nach 1810 kamen wieder schlechtere Zeiten. Der dänische König war seit 1807 mit Napoleon Bonaparte verbündet, und nachdem dieser 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegt worden war, drangen Truppen der siegreichen Schweden und Russen in die zum dänischen Gesamtstaat gehörigen Herzogtümer Schleswig und Holstein ein. Auch Hademarschen wurde 1813-14 von Kosaken heimgesucht. Den nachfolgenden Staatsbankrott Dänemarks bekam auch Schleswig-Holstein zu spüren, und erst ab etwa 1830 trat wieder eine wirtschaftliche Besserung für Hademarschen ein.

Der Ort Hanerau selbst entstand erst um 1800, als der aus Württemberg zugezogene Johann Wilhelm Mannhardt den Besitz als Gutsherr übernahm und eine Kolonie mit aus seiner Heimat angeworbenen Handwerkern gründete. Die Hanerau, der Nebenfluss der Eider, die durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals von der Eider abgetrennt wurde und seither in den Kanal mündet, trägt ebenfalls diesen Namen.

Auch um Hanerau rankt sich eine überlieferte Sage, jene von der „Weissen Frau", wie sie in Holsteiner Landen über die Jahrhunderte vielmals, insbesondere nachts, als „umherwandelnd“ gesichtet wurde. Nur wird sie hier als frühere Besitzerin des Gutes Hanerau bezeichnet: „Einer ihrer Vorweser hatte der Hademarscher Kirche einen großen Teil des Geheges, das Rehas (heute: Rehers) genannt wird, geschenkt und darüber ein Dokument ausgestellt. Da ging eines Tages nun die Frau zum Prediger und bat ihn, ihr einmal das Dokument zu zeigen. Der Prediger, nichts Arges ahnend, tut ihr den Gefallen. Aber kaum hatte sie das Papier in Händen, so vernichtet sie es und nahm darauf wieder den Teil des Geheges in ihren Besitz. Natürlich führte die Kirche Klage, aber das Dokument fehlte, und die Frau tat einen Eid. So gewann sie ihren Prozess. Aber seit ihrem Tode muß sie nun zwischen der Kirche und dem Gehege wandeln, und alle sieben Jahre läßt sie sich auf dem Wege sehen.“

Um 1830 hielt der nationale Gedanke Einzug in Schleswig-Holstein, und 1848 erhoben sich die Schleswig-Holsteiner gegen die Herrschaft des dänischen Königs, mit der sie nahezu 400 Jahre zufrieden gewesen waren. Die Erhebung endete 1850 mit der Niederlage in der Schlacht bei Idstedt, wo auch mehrere Hademarscher ihr Leben ließen. Die Herzogtümer verblieben noch bis 1864 im dänischen Staatsverband.

1843 wurde die „Hademarscher Liedertafel“ gegründet.

1860 hatte Hademarschen laut Volkszählung 948 Einwohner, Hanerau 333. Hademarschen hatte somit in etwas mehr als 50 Jahren seine Bevölkerungszahl verdoppelt, und aus Hanerau war ein richtiges Dorf geworden.

1862 wurde die Spar- und Leihkasse Hanerau-Hademarschen AG von zwölf einflussreichen und vermögenden Hademarschern gegründet, mit erstem Sitz in „Tiessens Gasthof“ (1862-1873). Vorbild waren die bereits in England entstandenen Sparkassen, mit dem Ziel die unteren Einkommensgruppen zum Sparen anzuhalten und ihre Lebensumstände zu bessern. Ein Auszug aus den Statuten besagte: „... dazu bestimmt jedem Einwohner ..., besonders aber Kindern, Dienstboten und Tagelöhnern, Handwerkern, Gesellen und Lehrlingen Gelegenheit zu geben ihre Ersparnisse bei ihr sicher und zinstragend niederzulegen... Jede Summe, so klein sie auch ist, wird von der Kasse angenommen.“ Nach denselben Satzungen mussten alle Überschüsse der Sparkasse für wohltätige Zwecke verwendet werden, wie auch die anfänglichen Einschüsse der Gründer nicht verzinst wurden. Die Direktoren arbeiteten ohne Entgelt, und auch der Kassierer, der sieben Tage pro Woche zur Verfügung stand, erhielt in den ersten zehn Jahren seiner Tätigkeit weder Gehalt noch andere Vergütungen. Die Überschüsse der Sparkasse flossen in Verbesserungen des Ortes selbst, wie z. B. eine erste Straßenbeleuchtung mit Öllampen (bereits vor 1885), wie auch für deren Unterhalt bezahlt wurde, schaffte man eine Viehwaage für den Bahnhof an, und wurden die Schule und Kirche im Ort in vielen Belangen finanziell unterstützt. Die erste, in Hamburg-Altona gefertigte massive „feuerfeste Geldkiste“, mit zwei Vorhängeschlössern, zu denen der Direktor und der Kassierer nur je einen Schlüssel besaßen, befindet sich noch heute im Gewahrsam der Sparkasse und kann dort besichtigt werden.

Nach 1871 verkehrte eine Postkutsche („Schimmelpost“) vom Kaiserlichen Postamt Hanerau-Hademarschen nach Itzehoe, die Post und Passagiere mitnahm. Die Abfahrt war um 08.00 von Hademarschen und pünktlich um 18.00 Uhr kehrte sie zurück.

1880 beschrieb Theodor Storm, der sich hier eine Villa als Alterssitz baute und von 1880 bis zu seinem Tod am 4. Juli 1888 in Hademarschen lebte, den Ort in einem Satz wie folgt: „... ein grünes großes Kirchdorf, in der Nähe eines anmuthigen Ortes, welcher eine Gutsherrlichkeit in sich schließt.“

In 1891/92 wurde die Grünentaler Hochbrücke über den zu jenem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellten Kaiser-Wilhelm-Kanal gebaut. Es handelte sich um eine genietete Sichelbogenkonstruktion. Die zwei gemauerten Brückenturmpaare an beiden Enden waren, von der Fahrbahn gemessen, 16 m hoch. Für den Dammbau der Straße und Eisenbahntrasse wurden fast 2 Millionen Kubikmeter Erdmassen von Zügen mit je 30 Kippwagen (von je 3 Kubikmetern) herangeschafft. Im Dezember 1892 konnte die Eisenbahn die neue Brücke erstmalig passieren.

20. Jahrhundert

Besonders um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert florierte Hanerau-Hademarschen wirtschaftlich, was zu einem rasanten Bevölkerungszuwachs führte. Der im Jahr 1930 gedruckte „Führer durch Hademarschen-Hanerau“ spricht von „Luftkurort und Sommerfrische“ und nennt für den Doppelort eine Einwohnerzahl von ca. 2.500, die sich bis 1945 auf über 3.000 erhöhte, danach aufgrund vieler aufgenommener Flüchtlinge aus dem Osten vorübergehend auf über 5.000 anschwoll, bis sie sich, nach deren teilweisen Abwanderung, wieder auf die derzeitigen ca. 3.000 einpendelte.

Seit 1888 waren Hanerau und Hademarschen unabhängige Gemeinden. Daneben gab es den Gutsbezirk Hanerau, der 1928 aufgehoben wurde. 1938 wurden die Gemeinden Hanerau und Hademarschen zusammengeschlossen. Bereits um die Jahrhundertwende 1899/1900 waren beide Orte durch Bebauung miteinander verwachsen.

1904 wurde die „Landwirtschaftliche Haushaltungsschule Hademarschen“ gegründet, bis zum 1. Weltkrieg auch „Kolonial-Schule“ und weiterhin „Landfrauenschule“ genannt, die auch heute noch betrieben wird. Das imposante und architektonisch interessante Gebäude ist das Größte seiner Art im weiteren Umkreis.

1913 wurde der Fußballverein SV Merkur gegründet, der noch heute besteht und sich großer Teilnahme erfreut.

Elektrischer Strom wurde in Hademarschen ab etwa 1904 von einer Privatfirma produziert. Das Elektrizitätswerk wurde 1921 von Elektromeister Berthold Schulz übernommen und nach einer Maschinenexplosion am 1. September 1926 mittels Umbau von Gaskolbenmotoren auf Dieselgeneratoren modernisiert. Es wurde Gleichstrom produziert, der in umfassenden Batterieanlagen gespeichert und bei Bedarf zusätzlich ins Netz gespeist werden konnte, über welches mit eigenen Leitungen das gesamte Kirchspiel mit allen dazugehörigen Dörfern beliefert wurde. Ein „Arbeiterhaushalt“ hatte in jener Zeit eine monatliche Stromrechnung von 50 bis 75 Pfennigen zu begleichen, ein „Großbauer“ 1,50 bis 2,50 Reichsmark. Der Unterschied ergab sich aus einer typisch einzigen 30-Watt- zur 100-Watt-Glühbirne im jeweiligen Wohnzimmer.

Aus 1923, als Deutschland von einer Hyperinflation erfasst wurde, berichtet ein Augenzeuge, dass, „weil sich die vorgenannte individuelle Stromrechnung nun auf Milliarden von Reichsmark belief, der E-Werkbesitzer einen Anhänger hinter sein Auto spannen ließ, um die monatlichen Stromgelder einsammeln zu lassen. Die Zählung der Einnahmen erfolgte ausschließlich nach geschnürten ‚100-Milliarden-Paketen‘, die noch am selben Tag zum Kaufmannsladen im Ort verbracht wurden, um dort Naturalien einzukaufen, mit denen die Arbeiter des E-Werks, statt Geld, bezahlt wurden. Nur einen Tag später hätte es lediglich die Hälfte an Gütern für das gleiche Geld gegeben“.

1936 wurde das E-Werk mit dem kompletten Netz an die Stromverteilungsgesellschaft Schleswag verkauft und, bis auf das Netz, still gelegt. Das Gebäude ist noch heute in der Bahnhofstraße 18 zu sehen. Auch Umspannhäuschen aus jener Zeit stehen noch, so an der Bismarckstraße in der Nähe des Bahnhofs.

Bereits 1930 waren die Telefonnummern im Ort dreistellig (bis 236 identifiziert), was für eine in jener Zeit ungewöhnlich hohe Fernsprecherdichte für eine ländliche Gegend dieser Art und einem Ort mit 2.500 Einwohnern spricht, vermutlich vor allem mit der regen kommerziellen Tätigkeit eines solchen Zentralortes zu erklären, aber auch dem Wohlstand der Einwohner. Auch hatte der Ort in jener Zeit eine eigene Zeitung, „Die Landpost“, die dreimal wöchentlich erschien.

Die Züge der Linie Neumünster-Heide verkehrten täglich fünfmal, von denen vier auch Post beförderten. Es gab 1930 sieben Banken- und Sparkassen-Niederlassungen in Hanerau und Hademarschen. Trotz der damals noch vergleichsweise autoverkehrsschwachen Zeit, gab es mehrere Tankstellen im Ort, Reparaturwerkstätten, sogar eine „Privatkraftfahrschule“ wie auch eine „Autovermietung für Nah- und Fernfahrten im Tag- und Nachtbetrieb“, eine andere „mit geschlossenen 6-Sitzer-Wagen und Schnell-Lastwagen“. Von den vielen Gasthöfen und Hotels warben einige mit „Elektrischer Lichtanlage“, „Großraum-Musikübertragungs-Anlagen“ und ähnlichem.

Ab 1942 glich der Ort einem „Heerlager“. Die Deutsche Wehrmacht schlug hier ihre Quartiere auf, zum Schutz der strategisch wichtigen Grünentaler Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal (damals noch Kaiser-Wilhelm-Kanal genannt). Aus dieser Zeit stammt auch der Flak-Turm auf den Hademarscher Bergen. Weitere schwere Flakgeschütze wurden direkt an der Brücke positioniert.

Unmittelbar nach Kriegsende wurde der Ort ab Mai 1945 kurzfristig von amerikanischen, danach britischen Streitkräften besetzt.

Hademarschen galt für mehr als zehn umliegende Dörfer stets als zentraler Ort, war ständig sehr belebt und bot, neben den guten Einkaufsmöglichkeiten in mehreren großen Kaufhäusern und vielen weiteren Geschäften, mit Cafés, Gaststätten und Hotels viel Kurzweil, auch für die Durchfahrenden auf der Bundesstraße von Hamburg nach Heide, Husum und Sylt. So gab es in Hademarschen noch 1955 drei Lichtspielhäuser gleichzeitig, die z. B. an Sonn- und Feiertagen jeweils bis zu drei Vorstellungen boten.

Anlässlich der großen Schneekatastrophen zum Jahreswechsel 1978/1979 und nochmals im Februar 1979, als ganz Schleswig-Holstein stark betroffen wurde, der gesamte Verkehr tage- und wochenlang zum Erliegen kam, lief es für Hanerau-Hademarschen einigermaßen glimpflich ab. Abgesehen von Unmengen Schnee und deren nötiger Beseitigung kam niemand zu größerem Schaden.

21. Jahrhundert

In der Nacht zum 27. Dezember 2004 wurde die St. Severin Kirche bei einem verheerenden Brand völlig zerstört. Der Baustil der romanischen Feldsteinkirche wies auf die Zeit 1100 bis 1150, Fachleute der heutigen Zeit geben eine Bauzeit zwischen 1200 und 1250 an. Der Presbyter Bremensis erwähnt in seiner 1448 geschriebenen „Chronik Holsteins“ das Kirchspiel Hademarschen erstmalig für das Jahr 1317. Die Kirche war somit etwa 800 Jahre Mittelpunkt des Ortes und hatte viele Stürme der Jahrhunderte und eine große Zahl von Kriegen überdauert. Kurz vor dem Brand war noch ein neues, gestiftetes Kirchenfenster eingebaut worden, welches gemeinsam mit den zwei anderen, über hundert Jahre alten schönen Bleiglas-Fenstern, in der großen Hitze des Brandes zerstört wurde. Neben alten Gemälden, adeligen Wappen, geschnitzten Gestühlswangen (so von 1584), schöner Holztäfelung an der Emporenbrüstung, Gedenktafeln für die Gefallenen des Ortes, dem Tauftisch von 1883 und vielem anderen Kirchengerät, wie Kruzifixen und schweren gotischen Bronzeleuchtern, ging auch die Turmuhr von 1823 in den Flammen auf. Ein besonders großer Verlust war die 1618 vom berühmten Holzschnitzer aus Rendsburg geschaffene Holzkanzel, der auch andere bedeutende Werke in wichtigen Kirchen (so im Meldorfer Dom 1603 und in der Rendsburger Marienkirche 1621) hinterließ. Nach einer alten Aufzeichnung war es „die schönste Kanzel in der weiteren Umgebung“. Sie trug die folgende Inschrift in Hochdeutsch: „Godt und Königlicher Majestät zu Ehren ist diese Canzel durch Befürdrung des gestrengen Edlen Ernstfesten Baltzer (Balthasar) von Alefelt, Königlicher Rat Amtmann auf Rensburg, und der Ernstfeste Manhafte Marquart Rantzow Vorwalter zu Hanrow gesetzet.“ Auch der geschnitzte Türrahmen von 1618, früher zum Aufgang zur Kanzel, später zur Sakristei, ging verloren. Die alte, mit schönen Verzierungen versehene Bronzeglocke, 1780 vom Glockengießermeister Beseler in Rendsburg gegossen, die den Hademarschern mehr als 200 Jahre lang zur Andacht, allen Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, aber auch in Kriegszeiten geläutet hatte, hing, von weit her gespenstisch anzusehen, noch für eine Weile rotglühend im Turm, bis dann die gesamte hölzerne Dachkonstruktion kollabierte und alles andere mit sich in das lodernde Feuer riss. Untersuchungen ergaben, dass der Brand in dem kurz vorher erneuerten Sicherungskasten entstanden war. Bei den anschließenden Aufräumarbeiten fand man unter der zerstörten Feldsteinkirche die Reste einer nochmals deutlich älteren Holzkirche, die vor dem Jahr 1000 erbaut worden sein dürfte.

Politik

Von den 17 Sitzen in der Gemeindevertretung hat die Wählergemeinschaft WG seit der Kommunalwahl 2008 sieben Sitze, die CDU hat sechs und die SPD vier Sitze.

Wappen

Blasonierung: „In Silber, aus blauem, durch Wellenschnitt abgeteiltem Schildfuß wachsend, der heilige Severin in rotem Messgewand, mit goldener Bischofsmütze, goldenem Bischofsstab in der Linken und goldenem, turmlosen Kirchenmodell in der Rechten, oben rechts begleitet von einem roten Tatzenkreuz; im Schildfuß von links nach rechts ein silbern gerüsteter Arm, der ein goldenes, bewurzeltes Eichbäumchen hält.“[2]

Verkehr

Hanerau-Hademarschen liegt in der Mitte zwischen den drei Kreisstädten Heide, Rendsburg und Itzehoe. Es gibt einen Anschluss an die A23 Hamburg-Heide und einen Bahnhof der Strecke Büsum–Heide (Holstein)–Neumünster.

Bildung

Im Ort gibt es folgende Bildungseinrichtungen:

  • Gemeinschaftschule mit Förderzentrum
  • Betreute Grundschule
  • Fachschule für Landwirtschaftliche Hauswirtschaft
  • Volkshochschule

Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Kulturdenkmale in Hanerau-Hademarschen stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Ein Denkmal und die als Museum ausgebaute Villa des Dichters erinnern daran, dass Theodor Storm von 1880 bis 1888 im Ort gelebt hat. Hier hat er auch den Schimmelreiter, seine wohl bekannteste Novelle, geschrieben.

Das Gutshaus, das auf einer Halbinsel im Hanerauer See steht, wurde im 17. Jahrhundert als neuer Adelssitz gebaut, nachdem die alte, im 12. Jahrhundert, ursprünglich gegen die Einfälle der Dithmarscher, an anderer Stelle erbaute Burg „Hanrowe“ 1644 von den Schweden zerstört worden war.

Bis zum 27. Dezember 2003 zählte zu den Sehenswürdigkeiten auch die mittelalterliche St. Severin-Kirche, die in dieser Nacht durch ein Großfeuer komplett zerstört wurde.

Heimatmuseum

Das 1984 eröffnete Heimatmuseum enthält verschiedene Ausstellungen:

  • Das Theodor-Storm-Zimmer dient der Erinnerung an den Dichter, hier finden auch Lesungen statt.
  • einen Ausstellungsraum mit Geräten aus Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe
  • zwei Räume zur Geschichte der Heimatvertriebenen, z. B. ein typisches Fluchtgepäck sowie Erinnerungsgegenstände
  • Ein Klassenzimmer dokumentiert den Unterricht in einer Dorfschule.
  • Ein weiteres Zimmer enthält Gegenstände eines Haushalts um 1900.

Personen

Freizeit

Hademarschen hat ein beheiztes offenes Schwimmbad mit einer Wassertemperatur von 23° C, dazu großen Rasenflächen. In unmittelbarer Nachbarschaft gibt es Tennisplätze und einen Reitstall. Neben Rad- und Wanderwegen durch die vielen Wälder und Auen im Gemeindegebiet gibt es auf den „Hademarscher Bergen“ einen zwei Kilometer langen Waldlehrpfad, ein geöffnetes Hünengrab, einen Aussichtsturm und einen Kletterpark. Auch steht dort noch ein alter Flak-Turm aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Fußballplätze des Fußball-Clubs SV Merkur runden das Bild am „Bergen“ ab. Der Hademarscher Friedhof nächst der nach dem Großbrand wieder aufgebauten Kirche ist parkartig angelegt und enthält alte Grabsteine und Gedenkstätten für die Gefallenen des Ortes in beiden Weltkriegen, zudem mehrere freistehende Bronzebüsten berühmter Deutscher.

Auf dem nahe dem Gut Hanerau gelegenen, 1805 angelegten Waldfriedhof wurden die Verstorbenen nicht in Familiengräbern bestattet, sondern nach Geschlechtern getrennt, sonst nur noch einmalig in Dänemark zu finden.

Nur wenige Kilometer von Hanerau-Hademarschen entfernt findet man den Nord-Ostsee-Kanal, die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt, der bei der Grünentaler Hochbrücke Richtung Albersdorf und Heide oder mittels Autofähren bei Fischerhütte und Oldenbüttel überquert werden kann. Bei Oldenbüttel gibt es auch eine Kanal-Weiche, wo Schiffe vorübergehend anlegen, wenn ein besonders großes Schiff den Kanal passiert. Die alte, bei dem Bau des Kanals errichtete Grünentaler Doppelbogen-Brücke mit einer Spannweite von 156,5 m wurde im Mai 1988 demontiert und durch eine in unmittelbarer Nähe parallel liegende, moderne Konstruktion ersetzt. Auch sie führt, wie die vorherige, sowohl den Eisenbahn- wie auch den Straßenverkehr.

Hanerau-Hademarschen hat mehr als 85 eingetragene Vereine, wie diverse Sportclubs, Schützenvereine, Chöre und Musikvereine, Frauen- und Jugendgruppen, sowie solche die Land, Wald und Tiere in den Mittelpunkt stellen. Bei vielen sind, neben öffentlichen Veranstaltungen, Gäste stets willkommen. Zudem gibt es eine öffentliche Bücherei im Ort.

Auch der jährliche Veranstaltungskalender weist eine Reihe von Attraktionen aus, so Oldtimer-Rallyes im Sommer, das beliebte Volksfest im September, der "Homarscher Markt", ein Jahrmarkt im Oktober, und der traditionelle Weihnachtsmarkt, stets zum 3. Advent, dazu das auf das Mittelalter zurückgehende Vogelschießen, Feste der Freiwilligen Feuerwehr, Sportfeste u. v . m.

Weblinks

 Commons: Hanerau-Hademarschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

  • Gustav Fr. Meyer: Schleswig-Holsteiner Sagen. Eugen Diederichs Verlag, Jena 1929
  • Führer durch Hademarschen-Hanerau. Druckerei J. H. Pohns, Hanerau 1930
  • Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Hademarscher Spar- und Leihkasse AG. Hademarschen 1962
  • Helmut Sethe: Der große Schnee - Katastrophenwinter 1978/79 in Schleswig-Holstein. Husum 1979
  • Max Suhr: Theodor Storm in Hademarschen und Hanerau. Gemeinde Hanerau-Hademarschen 1988
  • Uns Dörp Heimatkalender. Sparkasse Hanerau-Hademarschen AG 1986, 1987, 1989 + 1990
  • Unsere Kirche in Hademarschen. Gerd Peters 1990
  • 1000 Ausflugsziele in Schleswig-Holstein. Peter Dreves KG Verlag & Redaktion, Kiel - Rendsburg 1990
  • Zwischen Ostsee und Nordsee. IHK Kiel 1996

Einzelnachweise

  1. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2010 nach Kreisen, Ämtern, amtsfreien Gemeinden und Städten (PDF-Datei; 500 kB) (Hilfe dazu)
  2. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein

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