Hollingstedt (Treene)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hollingstedt
Hollingstedt (Treene)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hollingstedt hervorgehoben
54.459.33333333333334
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Schleswig-Flensburg
Amt: Arensharde
Höhe: 4 m ü. NN
Fläche: 17,51 km²
Einwohner:

1.019 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 58 Einwohner je km²
Postleitzahl: 24876
Vorwahl: 04627
Kfz-Kennzeichen: SL
Gemeindeschlüssel: 01 0 59 039
Adresse der Amtsverwaltung: Hauptstraße 41
24887 Silberstedt
Webpräsenz: www.amt-
arensharde.de
Bürgermeisterin: Petra Bülow (CDU)
Lage der Gemeinde Hollingstedt im Kreis Schleswig-Flensburg
Karte

Die amtsangehörige Gemeinde Hollingstedt (plattdeutsch: Hornstedt, dänisch: Hollingsted) liegt an der Treene im Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein. Der Ort ist für seine vielen Störche und seine Wikingergeschichte bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Historische Karte von Hollingstedt
Altes Haus in Hollingstedt
Suedrichtung Treene bei Hollingstedt

Der Ort wurde 1153 als Hugstaeth, 1285 als Huglaestath und 1436/62 als Hollingstedte (aus der Kurzform des altnordischen Hugleikr und stedt). Das Gebiet des Kirchspiels schließt an das Ostufer der mittleren Treene und breitet sich beiderseits in östlicher Richtung aus. Das Kirchendorf liegt auf einer Altmoräne, die eine Sandzunge bis an die Treene heranschiebt.

Einerseits ist die Treene ein Wasserweg, der von der Nordsee kommend, bis zum Knick hinter Stapelholm ziemlich genau nach Osten führt, von dort nach Nordosten abbiegt und bis Hollingstedt für die damaligen flachgehenden Seeschiffe befahrbar war. Hier wurde auf dem Wasserweg, der ja bekanntlich die beste Transportmöglichkeit für größere Lasten bot, die kürzeste Stelle zur Schlei und damit zur Ostsee erreicht.

Andererseits tritt im Westen von Hollingstedt ein Sandausläufer bis ans Ufer der Treene heran, so dass hier in einem Umland, das fast nur von Moor, Sumpf und Urwald umgeben war, ein Sandhügel zur Anlandung und Besiedelung und auch eine Verbindung zu dem höheren östlich gelegenen Gebiet mit dem Ochsenweg und den Orten Haithabu und Schleswig vorhanden waren. Es war nur eine ca. 15 km breite Landenge zu überwinden, um eine Verbindung von der Nordsee zur Ostsee herzustellen. Diese war auf jeden Fall, trotz schwieriger Transporte der Frachten über Land, günstiger und gefahrloser als ein Umweg durch das Skagerrak. So wurde Hollingstedt bereits vor mehr als 1000 Jahren als wichtiger Handelshafen zur Nordsee genutzt.

In der Jungsteinzeit haben hier um Hollingstedt Bauern gelebt. Dies ist durch den Fund einer Steinaxt der jungsteinzeitlichen Einzelgrabkultur, einen spätneollithischen Flintdolch und mehrere Feuersteinwerkzeuge im heutigen Gemeindegebiet belegt.

Im Jahre 449 sollen hier die Angeln ihre Schiffe bestiegen haben, um über die Nordsee nach Britannien zu segeln. Dazu eine alte Karte aus dem Jahre 1596 Alter Stich von 1596, in dem Hollingstedt als Ausgangshafen für die Angeln genannt ist.

Im Jahre 826 soll hier Ansgar, der Apostel des Nordens, mit dem Wikingerkönig Harald, von Mainz kommend, an Land gegangen sein.

Im 13. Jahrhundert wird der Ort in der Knýtlinga-Saga erwähnt. Der Name ist altdänischer Herkunft und wird in der Ortsnamensforschung als Hügelstätte gedeutet.

Bei Ausgrabungen in und um Hollingstedt wurden tausende von Scherben aus dem 6. bis 13. Jahrhundert gefunden die einen regen Handelsverkehr mit der damaligen weiten Welt belegen.

Weitere Bodenuntersuchungen und Grabungen am Ufer der Treene, in der Lahmenstraat, ergaben Belege für einen mittelalterlichen Hafen und Hinweise auf Bau und Reparatur von Schiffen. Ebenso wurde bei Ausgrabungen am Süderwiesenbach ein Verladestelle für Rheinischen Tuffstein gefunden, der beim Bau vieler Kirchen an der Nordsee und in der Schleiregion sogar bis zur Ostsee benutzt wurde. Ein besonderes Denkmal aus dem 12. Jahrhundert ist die Hollingstedter Kirche, die ebenfalls aus rheinischem Tuffstein erbaut wurde. Sie steht nur knapp 100 Meter vom Ufer der Treene entfernt, an einer Stelle, an der, wie bei Ausgrabungen festgestellt wurde, bereits vorher ein Haus gestanden hat.

In den Jahren 1760-1765 wurde durch den damaligen Dänenkönig Friedrich V in der nordöstlichen Gemarkung von Hollingstedt eine Moorkolonie angelegt, die Friedrichsfeld genannt wurde. Hier wurden damals Kolonisten aus dem süddeutschen Raum angesiedelt, um das Moorgebiet urbar zu machen.

Zwei Schiffsanleger aus dem 12. Jahrhundert wurden bei archäologischen Grabungen entdeckt, was einer Ansprache als Westhafen von Schleswig entspricht. Der Hollingstedter Hafen wurde offenbar sowohl von Schiffen nordischer Bauart als auch von frühen Koggen angefahren. Waren aus der Ostseeregion dürften vor allem Felle, Wachs und Honig gewesen sein, während Wein, Keramik, Waffen und später auch Tuffstein aus anderen Regionen importiert wurden. Bei der Treene handelte es sich bis zu ihrer Abdämmung bei Coldenbüttel im Jahre 1516 um ein tidenabhängiges Gewässer, d. h., dass der Tidenhub der Nordsee über die Eider bis Hollingstedt reichte und damit jeweils bei auflaufender Flut einen Schiffsverkehr ermöglichte. Nach dieser Abdämmung war ein Wasserverkehr nur noch mit kleineren Schiffen möglich.

Das Dannewerk als stetig ausgebauter Schutzwall verlief von Haithabu aus über die gesamte Schleswiger Landenge bis nach Hollingstedt. Der Weg hinter der Kirche zum Gemeindehaus fällt ebenfalls in südlicher Richtung steil bergab. Auch König Sven III von Dänemark besuchte den Ort, als er 1153 Schiffe in Hollingstedt zu Wasser ließ. Im Schulhaus werden seit 1965 landeskundliche Materialien für den Unterricht gesammelt. Im Laufe der Zeit ist daraus eine einmalige Sammlung entstanden. Ein weiterer berühmter Gast war Zar Peter der Große, der 1713 in Hollingstedt übernachtet hat.

Politik

Von den elf Sitzen in der Gemeindevertretung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2003 sechs Sitze und die Wählergemeinschaft AWG fünf.

Wappen

Blasonierung: „In Gold ein blauer Schrägwellenbalken, begleitet oben von einem schreitenden Storch in natürlichen Farben, unten von einem schwarzen wikingerzeitlichen Schiff mit gerefftem roten Segel.“[2]

Wirtschaft

Das Gemeindegebiet ist bislang noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Kulturdenkmale in Hollingstedt (Treene) stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Vereine

Neben einer Freiwillige Feuerwehr und dem Sportverein gibt es in Hollingstedt auch eine Schützengilde und einen Kirchenchor sowie einen Jägerverein.

Feste

Jedes Jahr Mitte August findet in Hollingstedt die Treenefete statt, die über 1000 Besucher hat.

Bauwerke

Tuffsteinkirche
Glockenstapel vor der Kirche

Die Kirche in Hollingstedt wurde aus Tuffstein errichtet, der aus der Eifel importiert wurde. Der Stein wurde früher über Rhein, Nordsee, Eider und Treene nach Hollingstedt gebracht und von dort aus weiter bis nach Dänemark geliefert. Heute liegt sie etwas abseits, bei archäologischen Grabungen fanden sich jedoch Reste einer Wikingersiedlung bei der Kirche.

Museum

Das Museum Hollinghuus stellt die Geschichte der Gemeinde vor. Das Schulhausmuseum befindet sich noch im Schulgebäude selbst und stellt die Entwicklung einer Dorfschule dar. Mittelpunkt der Sammlung ist dabei ein Schulzimmer auf dem Stand von 1876.

Quellen

  1. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2010 nach Kreisen, Ämtern, amtsfreien Gemeinden und Städten (PDF-Datei; 500 kB) (Hilfe dazu)
  2. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein

Weblinks

 Commons: Hollingstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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